Zahlungsunwilligkeit von BU-Versicherungen

Hallo Allerseits.

Die BU-Versicherung ist eine wichtige Versicherungen. Wenn man Erwerbsunfähig wird, bedeutet sie für Viele die einzige Chance dem ALG2/der Sozialhilfe zu entkommen.

Auf der anderen Seite wird aber der Ratschlag gegeben mit einer BU auch eine Rechtschutzversicherung bei einer anderen Versicherung abzuschließen, weil einige/manche/viele Versicherungen die BU-Rente nur Zahlen, wenn sie erfolgreich vor Gericht verklagt wurden.

Welche Erfahrungen habt ihr diesbezüglich? Gibt es bekannte schwarze Schafe in der Branche? Es das ein gut gehütetes Geheimnis unter Versicherungsmaklern?

Gruß
Carlos

Hallo,

der Rat mit der Rechtsschutzversicherung hat wohl eher etwas damit zu tun, dass Du in genau der Situation keine finanziellen Möglichkeiten hast bei einer strittigen Situation Dein Recht von einem Gericht prüfen zu lassen.

Acu bei einer BU gibt es immer auch einmal,einen strittigen Fall, den man - je nach Standpunkt - unterschiedlich beurteilen kann.

Darüber hinaus sagt die Erfahrung, dass in BU-Leistungsfällen sehr genau geprüft wird! Gerade bei einem BU-Leistungsfall erinnern sich die Menschen merkwürdigerweise an 20 Jahre zurückliegende Behandlungen, die sie 19 Jahre zuvor bei Antragstellung vergessen hatten. Somit steht in den Unterlagen meistens mehr, als im Antrag angegeben war.

Das führt dann zu rechtlichen Auseinandersetzungen, die teuer sind (hoher Streitwert) und zu einem Zeitpunkt eintreten, wo Du kein Geld hast!

Viele Grüße
Thoirulf Müller

[email protected]

P.S.: Wichtig - immer alles angeben, was gefragt ist!

Hallo Carlos!

Auf der anderen Seite wird aber der Ratschlag gegeben mit
einer BU auch eine Rechtschutzversicherung bei einer anderen
Versicherung abzuschließen, weil einige/manche/viele
Versicherungen die BU-Rente nur Zahlen, wenn sie erfolgreich
vor Gericht verklagt wurden.

Versicherungen leben davon, Geld einzunehmen und es nach Möglichkeit zu behalten. Daraus ergibt sich im Versicherungsfall eine unterschiedliche Interessenlage von Versicherer und Versicherungsnehmer. Beim Thema EU-Rente kommen aber weitere Punkte hinzu:

  • Es geht regelmäßig um Zahlungen für sehr lange Zeit, also um erhebliche Beträge.

  • Über das Vorliegen einer Erwerbsunfähigkeit kann man sehr unterschiedliche Ansichten vertreten.

Die Unterschiede liegen insbesondere in der Person des Versicherten begründet. Was für einen Menschen eine lästige Einschränkung bedeutet, ist für einen anderen Menschen mit anderem Werdegang, Bildungs- und Berufshintergrund das totale Aus. Solche Unterschiede wird man schon bei rein körperlichen und klar diagnostizierbaren Beschwerden feststellen. Schwer wird die Beurteilung, wenn es sich etwa um Schmerzleiden oder psychische Einschränkungen handelt. Das Ganze vor dem Hintergrund des kompletten Berufsspektrums vom Gerüstbauer bis zum Schriftsteller riecht unabhängig vom Versicherer nach unterschiedlicher Beurteilung mit langem Streit.

Gruß
Wolfgang

Hallo Carlos,

wirf doch mal einen Blick in das Heft „Berufsunfähigkeit gezielt absichern“, herausgegeben 2003 von der Stiftung Warentest (ISBN 3-931908-82-8 Buch anschauen)*. Dort findet sich im Anhang eine Tabelle, in der aufgeführt ist, welche Gesellschaften wie viele Prozesse um BU-Rente im Jahr führen.

Laut dieser Tabelle liegt der Branchendurchschnitt bei 1,85%. Den Rest mag ich jetzt nicht abtippen, nur so viel: ganz vorne mit niedriger Prozessquote liegen Hamburg-Mannheimer, R+V, Allianz, Deutscher Ring, Karlsruher Leben, Victori (alle unter 1%). Schlußlichter sind LVM, HUK Coburg, Generali Lloyd, Dialog, Süddeutsche, Rehinland, DEVK Allgemeine, Landeslebenshilfe (alle über 6%).
Allerdings finden sich in der Tabelle auch Gesellschaften, die offensichtlich noch nicht lange BU-Renten anbieten, daher auch nur eine geringe Anzahl erstmals gezahlte Renten pro Jahr haben, auf die sich die Prozessquote bezieht. Daher habe ich die beiden erstplatzierten Öffentliche Braunschweig und Öff. Berlin Brandenburg mit 0% bei 7 bzw. 3 erstmals gezahlten Renten nicht aufgeführt. Die anderen Versicherer haben bis zu 6399 Renten pro Jahr (Allianz). Da läßt sich natürlich eine Quote genauer berechnen. Stand der Daten ist wohl 2002.

Viele Grüße
Eva

* Das aktuelle Heft gibts hier: http://www.stiftung-warentest.de/shop/alle/buecher/s…
Allerdings weiß ich nicht, ob dort die genannte Tabelle auch aufgeführt ist.

Herzlichen Dank an alle drei, aber besonders an dich Eva.

Ich habe mir das Heft der Stiftung Warentest gerade bestellt.

Es ist schön zu sehen, dass die Versicherungen in der Mehrzahl der Fälle ohne Prozeß Zahlen (was nicht auch ohne Scherereien bedeutet).
Andererseits sprechen die unterschiedlichen Prozeßquoten gegen einige Versicherungen.

Gruß
Carlos

Das bringt überhaupt nix !
Was sollen dir die Prozessquoten bringen ? Das sagt überhaupt nix.

Die Versichertenstrukturen der einzelnen Versicherungen sind ganz anders.
So versichern sich deutlich mehr Akademiker und Kaufläute bei Direktversicherern, weil sie sie sich besser auskennen oder meinen sich besser auszukennen. Der Handwerker ist bei Versicherungen von Strukturvertrieben häufiger anzutrefen.

Es gibt sogar Studien, die besagen, dass viele Leute gar nicht wissen wie sie versichert sind, da sie irgendwelche Kombiprodukte beim ,Freund" abgeschlossen haben.

Deshalb werden auch deutlich mehr Prozesse bei Versicherungen geführt, die tendenziell mehr Eigeninitiative erfordern. Weil sich die Leute besser auskennen und es dann auch mal ,versuchen".

Somit zeigt eine hohe Prozessquote nur eins: Wer hat die meisten Versicherten, die auf eine schöne Rente hoffen, weil der Rücken schmerzt.

Zu der Rechtschuz: Quatsch ! Die Prozesskosten bei BU sind minimal. Wenn du das Geld sparst kannst du immer klagen. So ein Prozess dauert in der Regel nur 10 Minuten. Die Fälle sind meist sehr klar. Es gibt mittlerweile so viele BSG-Urteile, dass es ohnhin nur eine Showveranstaltung ist.

Macht euch nicht so verrückt. Wer saubere Angaben macht und/oder eine 10jahres-Frist hat, der kriegt garantiert eine BU. Steht übringens auch in einem BSG.

Gruß

Markus

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Hallo Markus,

ich empfinde deine Aussage als sehr tröstlich.

Somit zeigt eine hohe Prozessquote nur eins: Wer hat die
meisten Versicherten, die auf eine schöne Rente hoffen, weil
der Rücken schmerzt.

Naja, dies wäere EINE Erklärung. Eine andere Erklärung wären unterschiedliche Firmenpolitiken.

Die Fälle sind
meist sehr klar. Es gibt mittlerweile so viele BSG-Urteile,
dass es ohnhin nur eine Showveranstaltung ist.

Das klingt sehr tröstlich.
Natürlich ist BU schwierig zu definieren. Die Spanne vom Dachdecker zum Schriftsteller ist immens. Ist ein Sachbearbeiter im Rollstuhl berufsunfähig? Und wenn ja, in welchem Maße?
Der Graubereich ist weit. Dann ist es gut eine Versicherung zu haben, die nicht schwarz zu sehen, wo Objektiv schon weiß ist.

Gruß
Carlos