Hallo zusammen,
meine Mutter hat - weil im vorherigen Pflegeheim während des Nachtdienstes die Unterkieferprothese abhanden kam - eine neue Prothese benötigt.
Von der Zahnärztin war ich sehr angetan, weil sie mit meiner Mutter gesprächsmässig gut umgehen konnte und auch mit der Demenz gut klarkam. Meine Mutter ist noch sehr kommunikativ und kann auf Fragen gut antworten.
Nun habe ich sie heute erstmals mit der neuen Prothese angetroffen (Unterkiefer- und Oberkiefer) und war ziemlich fix und fertig.
Meine Mutter klagt über die neue Prothese. Wir haben die vorhandene alte Oberkieferprothese mit der neuen verglichen. Die neue ist um ein Drittel höher als die alte. Und die neue Unterkieferprothese ist genauso hoch.
Außerdem ist die neue Prothese viel schwerer als die alte. Das Pflegepersonal erzählte, daß niemand von den anderen Bewohnern eine so schwere Prothese hat. Außerdem ist aufgefallen, daß meine Mutter Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme hat, die sie vorher nicht hatte. Sie hat sich mit dem Essen mit der „halben“ Prothese leichter getan als mit der ganzen.
Auch im sprachlichen Bereich haben wir Veränderungen bemerkt. Gestern war meine Mutter absolut präsent. Sie hat gelegentlich Wortfindungsstörungen, aber genuschelt oder Schwierigkeiten mit den S-Lauten hatte sie bisher nicht.
Was ist das beste und zeitsparendeste Vorgehen in diesem Fall - muß sagen, daß ich eh schon ziemlich entnervt bin, weil das alles so zeitaufwendig ist.
Danke schön und noch ein schönes Wochenende
Iris
Was ist das beste und zeitsparendeste Vorgehen in diesem Fall
- muß sagen, daß ich eh schon ziemlich entnervt bin, weil das
alles so zeitaufwendig ist.
Danke schön und noch ein schönes Wochenende
Iris
Servus Iris,
die einzige, die wirklich etwas sinnvolles sagen kann, ist natürlich die Zahnärztin. Eine neue Totalprothese für eine demente Patientin herzustellen, ist eine der gefürchtetsten Herausforderungen in der Zahnheilkunde. Ich habe ein Pflegeheim mitbetreut und mußte nicht selten den Weg des geringsten Widerstandes gehen. Das heißt, daß ich mich auf den ‚Food processor‘ verlassen habe, der die Mahlzeiten in einen formlosen Brei verwandelt hat. Dieses Geständnis mache ich deshalb, weil Du anscheinend die Erwartung hast, daß eine neue Prothese selbstverständlich gut funktionieren muß. Dem ist nicht so! Zahnprothesen entstehen in einer Zusammenarbeit mit den Patienten. Das beginnt bei der Abformung der Kiefer, geht über die Festlegung der Dimensionen zur ‚interaktiven‘ Einprobe. IMMER kommt es auf eine Verständigung zwischen Patient und Behandler an. Wenn Deine Mutter also eine funktionierende Prothese haben soll, geht mit ‚zeitsparend‘ gar nix. Korrekturen mit anschließenden ‚Probeläufen‘ sind unvermeidbar. Schiefgehen kann es trotzdem.
Zum Thema Gewicht: Unterkieferprothesen werden manchmal extra mit Zinneinlagen schwerer gemacht, damit sie nicht im Mund herumtanzen.
Thema Höhe: das Abmessen der Höhe einer Prothese (wo sollen denn da die Meßpunkte sein?) führt zu keinen relevanten Erkenntnissen. Richtig ist, daß man bei der Festlegung der Höhe sehr danebenliegen kann-, und vor allem dabei auf die Mitarbeit der Patienten angewiesen ist.
Thema ‚Prothese verloren‘: Wenn es nach geduldigen Korrekturen dazu kommen sollte, daß Deine Mutter die Prothesen brauchen kann, sollte das Labor in den Kunststoff etwas einbauen, das die Identifizierung ermöglicht. Da reicht ein kleines Metallteil irgendwo im rosa Kunststoff. Du ahnst nicht, wie viele Pflegheimpatienten die Prothesen eines anderen Menschen im Mund haben, weil die Dinger oft zentral gereinigt-, und dann verwechselt werden.
Das ist leider genau nicht das, was Du lesen wolltest, aber ohne Zeit und Geduld gibt es nur den food processor.
Kai