Zahnschmerzen nach Behandlung

Liebe Wissenden,

mir wurde eine alte Füllung herausgebohrt und eine neue gemacht. Es war das erste Mal, dass ich so mutig war und es ohne Spritze ausprobieren wollte. Ich bereue es! Beim Bohren tat es zwischendurch sehr weh, aber ich habe es überstanden. Jetzt wo die neue Füllung drauf ist, tut mir der Zahn weh. Der Zahnartz meinte, dass es später weg geht. Ich hab Sorge, dass etwas falsch gelaufen ist. Aber ich hatte sonst immer eine Spritze und wenn die Betäubung nachlässt, ist ja schon eine Zeit vergangen. Ich bin etwas verunsichert. Kann es denn sein, dass durch das Bohren und dem ganzen Drumherum der Nerv gereizt ist und das es bald besser ist?

Vielen Dank für euer Wissen

Esmiralder

Hallo
Keine Ahnung, aber ich würde sagen, das nächste Mal und im Zweifelsfall lieber eine Spritze zu nehmen, dann ist das Risiko geringer, das der Zahnarzt nicht so tief bohrt, wie er eigentlich müßte.
Es gibt auch neurologische(nervöse?) Störungen, da könnte ein Mediziner was zu sagen. Nach meiner Meinung, mehr ist es nicht, könnte sowas passieren, wenn zuviel auf den Nerven herumgegeigt wurde. Es gibt dann eventuell Schmerzen, ähnlich wie bei Folteropfern, kannst ja mal googlen. Normal sollte sich das aber wieder geben. Ansonsten wieder hin zum doc.
Wenn der Zahnarzt dann aber trotz Schmerzen keinen Befund hat, kannst Du dann auch mal den Hausarzt fragen.
Mfg

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Servus Esmiralder,

die Entzündung, die die Kariesbakterien im sogenannten Zahnnerv verursachen, ist über lange Zeiten hinweg eine chronische. Bis auf ein bißchen Temperaturempfindlichkeit ist da nicht viel los. Ein Trauma ist es trotzdem.

Dann kommt der Zahnarzt und setzt ein mechanisches (langsamer, rumpelnder Bohrer) und ein thermisches (Kühlwasser der pfeifenden Turbine) Trauma oben drauf. So war es auch bei Dir: die Isolierschichten verfaulten Zahnbeins, die er weggebohrt hat, fehlen jetzt.

Der Nerv ist jetzt durch diese Vorgänge stellenweise akut entzündet, wie es jedes traumatisierte Gewebe ist. Jetzt setzen die Reparaturmechanismen ein, die halt einige Zeit brauchen.

Wenn Du Dir gestern mit scharfen Schneiden mehrere tausend mal in lebendiges Gewebe geschnitten hättest, würdest Du erwarten, daß es heute wehtut. Beim herausfräsen des kariösen Zahnbeins ist genau das passiert, denn das, was in diesem Bild

http://www.uni-mainz.de/FB/Medizin/Anatomie/Histolog…

als Odontoblast bezeichnet ist, steckt in jedem von tausenden Kanälchen im Zahn und enthält Nervenfasern

http://www.blzk.de/archiv/zbay/1_2_00/images/00_1-2s…

Diese Wunde muß jetzt heilen. ‚Verbunden‘ ist sie ja durch die neue Füllung. Wenn alles normal verläuft, wird in den nächsten Tagen der Schmerz geringer werden (man kann da durchaus mit ein paar Schmerztabletten nachhelfen) und dann wieder aufhören.

Es kann allerdings auch sein, daß das Loch schon zu tief ist. Dann sitzen Bakterien tief in der Pulpa (‚Nerv‘) und müssen dort von der Körperabwehr umgebracht werden. Je nach Zahl und Agressivität solcher Bakterien kann das entweder klappen (pulpitis serosa partialis), es kommt zur Defektheilung und gut is,

  • oder nicht, dann kommt es zur Entzündung der gesamten Pulpa mit ihrem Untergang. Davon betroffene Patienten sind aber dann schon längst beim Zahnarzt, weil die damit verbundenen spontanen Dauerschmerzen auch von Helden nicht lange ausgehalten werden.

Die Theorie, daß eine Lokalanästhesie (Spritze) die Entzündung des Zahnnervs erst hervorrufen würde, kann man als ‚Vogel-Strauß-Theorem‘-, und als unsinnig abtun. Wenn ein Behandler zu bohren aufhört, weil ein Patient nicht mehr mitmacht, bleiben die gefährlichsten Bakterien (das sind die nahe an der Pulpa) halt im Zahn und machen weiter. Es kommt irgendwann dann genau zu der Entzündung, die mit dem Bohren eigentlich vermieden werden soll. Das Wimmern des Patienten als Maß für die Gründlichkeit der Kariesentfernung ist, wie man auf neudeutsch sagt, nicht zielführend ;-(. Ein Zahnarzt muß schon wissen, wann er aufhören kann, und zwar weil er sieht und fühlt, ob er genug gebohrt hat. Die Bakterien müssen kompromisslos restlos entfernt werden - alles andere schiebt das Problem nur etwas nach hinten.

Deshalb ist es auch masochistischer Unsinn, auf die Spritze zu verzichten. Nichts wird dabei besser, es tut weh und ist scheußlich. Ich kenne keinen Zahnarzt, der sich ohne Spritze behandeln läßt - alles klar?

Kai

Hi,

vielen Dank für den ausführlichen Beitrag. Wirklich gut erklärt. Dafür gibts ein *.

LG

Chris

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Keine Ahnung, aber ich würde sagen, das nächste Mal und im
Zweifelsfall lieber eine Spritze zu nehmen, dann ist das
Risiko geringer, das der Zahnarzt nicht so tief bohrt, wie er
eigentlich müßte.

Hallo Matthias,

was ist denn das für eine Logik? Wenn es - durch vorherige Spritze - nicht weh tut beim Bohren, kann der Zahnarzt so tief bohren wie er will, und keiner merkts (momentan).

Generell sollte der Zahnarzt exakt so tief bohren, wie er eigentlich müsste - denn das heißt, dass er die gesamte kariös befallene Dentinmasse entfernen muss.

Was die Frage „Spritze oder nicht“ angeht, so halte ich es so: Wenn eine normale Füllung zu legen ist, brauche ich keine Spritze. Dann ist ein leichtes „Ziehen“, wenn der Zahnarzt bohrt, ein Warnzeichen für ihn und mich, dass er in Nerv-Nähe ist und besonders vorsichtig sein muss. Wenn es allerdings ziemlich dicht an das Zahnmark (den Nerv) geht, ist mir Behandlung mit Spritze natürlich lieber, erst recht beim Beschleifen eines Zahns für eine Krone oder bei einer Wurzelkanalbehandlung.

Zurück zur ursprünglichen Frage: Unmittelbar nach dem Legen einer Füllung kann in der Tat, wie der Fragesteller schon vermutet hat, der Nerv etwas gereizt sein. Das Schleifen ist einfach Stress für ihn. Meist gibt sich das wieder. Sollte der Schmerz jedoch länger als eine Woche enhalten, würde ich den Zahnarzt wieder aufsuchen. Im schlimmsten Fall muss sich eine Wurzelbehandlung anschließen, weil womöglich das Zahnmark doch schon angegriffener war als gedacht und gehofft. Das kommt vor.

Lieben Gruß
Dantis