Zahnspange für Erwachsene - Wer zahlt, was tun?

Hallo,

im Alter von 16 habe ich mich geweigert, eine feste Zahnspange zu tragen. Ich bekam eine lose Spange, die ich nur sporadisch und dann gar nicht mehr getragen habe, weil sie mir nicht mehr gepasst hatte. Die Krankenkasse hat natürlich keinen Ärger gemacht, zumal das auch noch andere Zeiten waren… (man kann es ja leider nur so formulieren).

Als ich 19 war, bin ich erneut zum Kieferorthopäden gegangen. Das war sogar irgendsoein Professor, der mir nahelegte, meine Zahnfehlstellungen richten zu lassen. Das ganze wurde abgeblasen, als die Krankenkasse sich weigerte, die Kosten zu übernehmen. Die Begründung: Ich sei über 18. Logisch.

ich werde jetzt 23 Jahre alt und aufgrund starker Verrückungen meiner Zähne, auch infolge der Extraktion meiner Weisheitszähne, habe ich einen starken Fehlbiss mit entsprechender Muskelkonfiguration entwickelt. Hinzu kommt, dass ich seit meiner Jugend mit meinem Kiefer knacke.
Meiner aktueller Kieferorthopäde nennt es medizinisch absolut notwendig, dass ich eine feste Zahnspange bekomme. Er sagt, in fünf Jahren könnte der Knorpel auf der Gelenkkugel jederzeit reißen, was einen operativen Eingriff zur Folge hätte. Ich habe jetzt erstmal eine Aufbeißschiene erhalten, die meinen Fehlbiss ausgleicht und die Muskelkonfiguration normalisiert. - Was auch immer das genau heißt.

Ich bin zu 20% privat (DKV), zu 80% über die Beihilfe versichert. Die Beihilfe zahlt den Spaß nicht, so dass mir im Falle der Behandlung nur 20% erstattet werden würden.

Da ihr jetzt meine Vorgeschichte kennt, würde ich gerne wissen, wie sich die Bezahlung einer solchen Therapie am besten bewerkstelligen lässt. Ist eine Zusatzversicherung sinnvoll? Inwieweit würde diese die Kosten übernehmen? Wie lange sind da die Wartezeiten?

Viele Grüße,

Henrik

Hallo Henrik

wenn ich Dich richtig verstanden habe möchtest Du jetzt eine kieferorthopädische Behandlung durchführen lassen „aufgrund starker Verrückungen Deiner Zähne und auch infolge der Extraktion Deiner Weisheitszähne“. Ist das der Grund warum Du zum Kieferorthopäden gegangen bist, oder hast Du wegen Deines „Kieferknackens“ die Praxis aufgesucht?

Wenn der Grund in den Kiefergelenkgeräuschen liegt würde ich es mir sehr gut überlegen ob ich über Jahre eine feste Klammer tragen will ohne jegliche Garantie, dass mein Kiefergelenkknacken davon positiv beeinflusst wird. Hier ist sicherlich die Aufbißschiene die bessere Wahl.

Wenn Du zum Kieferorthopäden gegangen bist, weil Du zu der späten Einsicht gekommen bist, dass Deine Zähne nicht ideal gerade stehen, musst Du Dir darüber im Klaren sein, dass Du auf den Kosten sitzen bleiben wirst, denn ohne medizinische Indikation zahlt fast keine
Versicherung.

Gibt es jedoch eine klare medizinische Indikation übernimmt auch die Beihilfe solche Kosten, allerdings muss dann auch tatsächlich eine zwingende Indikation vorliegen, die eventuell durch einen zahnärztlichen Sachverständigen bestätigt werden muss. Eine zwingende Indikation bedeutet in Deinem Fall, dass sich Deine gesundheitliche Situation massiv verschlechtern wird, wenn Du keine kieferorthopädische Behandlung durchführen lässt.

Die Begründung Deines Kieferorthopäden „in 5 Jahren könne der Knorpel auf der Gelenkkugel reissen, was einen operativen Eingriff zur Folge hätte“ ist in dreierlei Hinsicht so nicht haltbar.

  1. ob der Knorpel „reisst“ oder nicht lässt sich zur Zeit mit keiner Therapie beeinflussen.
  2. wenn es denn zu einer Knorpelschädigung gekommen sein sollte, wäre ein operativer Eingriff sicherlich die falscheste Maßnahme.
  3. wann und ob es zu einer Knorpelschädigung kommt, kann niemand vorhersagen.

Lange Rede kurzer Sinn:
Wenn Du eine kieferorthopädische Behandlung haben möchtest, musst Du Dich mit dem Gedanken vertraut machen, diese Behandlung selber zahlen zu müssen. Sprich mal mit Deinem Kieferorthopäden über Teilzahlungsmöglichkeiten.
Geht es Dir um die Behandlung Deiner Kiefergelenkgeräusche so sind die kieferorthopädischen Einflußmöglichkeiten mit einem großen Fragezeichen versehen und genau aus diesem Grund werden auch nur die wenigsten Versicherungen die Kosten übernehmen.

Gruß Gero

Ist eine Zusatzversicherung
sinnvoll? Inwieweit würde diese die Kosten übernehmen? Wie
lange sind da die Wartezeiten?

Servus Henrik, servus Gero,

um meine 2p noch dazu zu geben: es gibt keine Versicherung, die die Behandlung einer bekannten Vorerkrankung bezahlt. Zeitmaschinen sind teuer und fehlerträchtig :frowning:

Also nimm Deine Versicherung und die Beihilfe für eine Zweitmeinung (gerne: Uni-Kliniken) in Anspruch. Dort sollte man Dir Behandlungs- und Nichtbehandlungsalternativen vorstellen können, denn - Gero sagt es schon - wer weiß, ob das mit dem Knorpel etc. der Weisheit letzter Schluß war. Sollte tatsächlich eine kieferorthopädische Behandlung nötig sein, wirst Du vielleicht um einen Kredit nicht herumkommen. Das muß Dir die Entscheidungsfreiheit des 16jährigen halt heute wert sein.

BTW: laß Dich von der Beihilfe nicht ins Bockshorn jagen. Im Zweifelsfall ‚gibt es noch Richter in Berlin‘, wie der Müller von Sanscoucis schon wußte.

Gruß

Kai