kann mir jemand was über den Einfluß des deutschen Geheimdienstes beim Zarensturz schreiben?
Ich weiß nur soviel, dieser „Lenin“ wurde aus dem Schweizer Exil auf deutscher Seite von deutschen Geheimdienstoffizieren bis zur Grenze begleitet.
Es sollen 3 Handelschiffe 1919 im deutschen Hafen (weiß nicht mehr welcher) vollbeladen mit Getreide gelegen haben - für was waren sie bestimmt? (in der Zeit verhungerten 5 Millionen Bauern in Rußland)
„Dieser Lenin“ finde ich eine schöne Formulierung.
Lenin wurde in einem verplombten Zug unter anderem über Deutschland nach Russland gebracht. Ob da deutsche Geheimdienst- oder sonstige Offiziere dabei waren, weiß ich nicht. Auf jeden Fall fand diese Aktion mit Unterstützung der Obersten Heeresleitung und der deutschen Regierung (wobei das 1917 zunehmend das gleiche wurde) auf diese Reise geschickt wurde. In einem staatsrechtlich gewagten Akt wurde der Zug sogar zum exterritorialen Gebiet erklärt.
Viel interessanter finde ich daran übrigens die FRage, inwiefern die neutrale Schweiz mitgewirkt hat.
Ob der deutsche Geheimdienst Lenin in Russland weiter unterstützt hat, weiß ich nicht.
Naja, mit drei Schiffen voll Getreide hätte man gegen die Hungersnot auch nicht viel ausrichten können. Aber möglich ist es schon, dass drei Schiffe bereitlagen und nicht ausliefen. Kann natürlich auch sein, dass Russland das Getreide schlicht nicht bezahlen konnte.
an der ganzen Aktion ist wohl Vieles nie richtig geklärt worden.
Auf alle Fälle hatte Deutschland offensichtlich ein Interesse daran, daß Lenin nach Rußland kam und dort tätig werden konnte. Man versprach sich davon zumindest eine Schwächung der zaristischen Regierung.
Andere ernsthafte Initiativen von deutscher Seite gab es wohl eher nicht - das wäre auch logistisch kaum möglich gewqesen. Rußland war ja Kriegsgegner.
Zudem kam ja nach dem Rücktritt des Zaren auch nicht Lenin an die Macht. Im Februar 1917 kam erst einmal die provisorische gürgerliche Regierung und der Krieg ging auch weiter. Selbst die nächste Revolution, die dann Lenin an die Regierung brachte, führte zu keinem automatischen Kriegsende - den schaffte erst der Frieden von Brest/Litowsk zumindest verübergehend.
Ungeachtet dessen blieb die Lage unübersichtlich. Auch nach der deutschen Kapitulation kämpften ja im Baltikum noch mit Duldung der deutschen regierung (und stillschweigender Duldung der Westmächte) die deutschen Freikorps weiter. USA, Japan, England, Frankreich - praktisch alle mischten mehr oder weniger offen da mit irgendwo. Erst Ende 1922 endete der Bürgerkrieg in Rußland.
ES ist mehr als unwahrscheinlich, daß die deutsche Nachkriegsregierung, die ja ihre Macht auch nur militärischen Kampf gegen deutsche Aufständische behaupten mußte, in dieser Zeit aktiv an der Unterstützung der Bolschewisten in Rußland beteiligt gewesen sein soll. Daran bestand 1919 auch kein militärisches Interesse mehr - der Krieg war ja eh zu Ende.
So weit ich weiß, hat Rußland versucht, im Ausland Getreide zu kaufen. Aber in den allgemeinen Wirren des Bürgerkrieges dürfte es dazu wohl kaum wirklich gekommen sein.
kann mir jemand was über den Einfluß des deutschen
Geheimdienstes beim Zarensturz schreiben?
Die deutsche Regierung organisiert seine Reise von der Schweiz durch Deutschland und unterstützt seine revolutionären Aktivitäten mit großen Geldzahlungen, weil sie so zur entscheidenden inneren Schwächung des Kriegsgegners Rußland beizutragen hofft. http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/LeninWladimir… Es gibt Thesen, denen zufolge der Zug in Berlin gehalten hat, wo er mit 40 Millionen Goldmark beladen worden sei. Das Geld habe aus der Kasse des Deutschen Reiches gestammt und habe die bolschewistische Revolution vorantreiben sollen. http://de.wikipedia.org/wiki/Lenin
Daten beachten!
Liebe Freunde der Russischen Revolution,
als Lenin nach Russland zurückkam, war der Zar schon gestürzt (beachte den Unterschied zwischen Februar- und Oktoberrevolution!). Der deutsche einfluss ist also nicht nachweisbar.
Dann frage ich mich, ob die drei Schiffe 1919(!?) voll beladen waren. Da war der Bürgerkrieg im Gange und in Deutschland kurz vor der Tür. Selbst 1917 oder 1918 wäre es für Deutschland sehr verschwenderisch gewesen, diese Schiffe an wen auch immer zu senden. Durch die britische Blockade sind in dieser Zeit Hundertausende gestorben (wenn nicht verhungert, dann doch durch die Unterernährung der Grippe erlegen).
Zuletzt eine Frage: war die große Hungersnot in der Ukraine nicht später unter Stalin, hervorgerufen durch die Vernichtung der Kulaken?
Unbedingt lesen: Orlando Figes: Die Tragödier eines Volkes- Die Geschichte der Russischen Tevolution!
Ein wunderbares Buch- das beste was es zu diesem Thema im Moment gibt
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Zuletzt eine Frage: war die große Hungersnot in der Ukraine
nicht später unter Stalin, hervorgerufen durch die Vernichtung
der Kulaken?
Auch.
Aber während und nach der Okt.rev. und v.a. während des Bürgerkriegs gab´s auch viele Hungertote. Ein Brot war damals in Petersburg eine echte Kostbarkeit!
sicher hast du recht mit deinem differenzierungshinweis.
dennoch ist die deutsche finanzierung des putsches vom november 1917 unstrittig und durch viele dokumente dieser zeit belegt. es flossen etliche millionen.
dennoch ist die deutsche finanzierung des putsches vom
november 1917 unstrittig und durch viele dokumente dieser zeit
belegt. es flossen etliche millionen.
Einverstanden, mein Hinweis bezog sich auf die Februarrevolution.
sicher hast du recht mit deinem differenzierungshinweis.
dennoch ist die deutsche finanzierung des putsches vom
november 1917 unstrittig und durch viele dokumente dieser zeit
belegt. es flossen etliche millionen.
Von wem? Habe nur mitbekommen, daß die Rothschildbank da einiges finanziert hat
Hallo,
Auf alle Fälle hatte Deutschland offensichtlich ein Interesse
daran, daß Lenin nach Rußland kam und dort tätig werden
konnte. Man versprach sich davon zumindest eine Schwächung der
zaristischen Regierung.
Im Gegenteil- Damals waren bereits Lwow/Kerenski am Ruder. Schließlich waren Zar und Kaiser verwandt!
Andere ernsthafte Initiativen von deutscher Seite gab es wohl
eher nicht - das wäre auch logistisch kaum möglich gewqesen.
Klar wäre es das- schließlich hat man ja auch Gewehre rund um England nach Irland geschippert!
die nächste Revolution, die dann Lenin an die Regierung
brachte, führte zu keinem automatischen Kriegsende - den
schaffte erst der Frieden von Brest/Litowsk zumindest
verübergehend.
s.o.
Bürgerkrieg in Rußland.
Manche sagen, da ging’s erst richtig los
ES ist mehr als unwahrscheinlich, daß die deutsche
Nachkriegsregierung, die ja ihre Macht auch nur militärischen
Kampf gegen deutsche Aufständische behaupten mußte, in dieser
Zeit aktiv an der Unterstützung der Bolschewisten in Rußland
beteiligt gewesen sein soll. Daran bestand 1919 auch kein
militärisches Interesse mehr - der Krieg war ja eh zu Ende.
das ist sicher richtig
So weit ich weiß, hat Rußland versucht, im Ausland Getreide zu
kaufen. Aber in den allgemeinen Wirren des Bürgerkrieges
dürfte es dazu wohl kaum wirklich gekommen sein.