ZDF: Graf Spee

In der ZDF-Doku zum Untergang der Graf Spee konnte mal wieder nicht auf nachgestellte Szenen verzichtet werden. Dazu eine Frage:

Ist es authentisch, dass Kapitän Langsdorf sich in der Nazi-Flagge erschoss? Oder war es in Wirklichkeit die Reichskriegsflagge aus dem 1. WK, was seiner Biographie eher entsprochen hätte.

Gruß,
Andreas

Ist es authentisch, dass Kapitän Langsdorf sich in der
Nazi-Flagge erschoss? Oder war es in Wirklichkeit die
Reichskriegsflagge aus dem 1. WK, was seiner Biographie eher
entsprochen hätte.

Lieber Andreas,
Du schreibst „Nazi-Flagge“. Fürs Verständnis der Menschen dieser Zeit war es die Reichs-Kriegsflagge - das Symbol des Reiches, für das sie ihr Leben eingesetzt haben. Daß ihr verfassungsmäßig und demokratisch an die Macht gekommener „oberster Kriegsherr“ in die Fahne das Hakenkreuz eingefügt hatte, störte sie zwar auch. Aber sie kämpften fürs Reich, nicht für Hitler - im Bewußtsein, der Spuk um Hilter sei nur ein kurze Episode in der langen Geschichte des Deutschen Reiches.

Versuche es einmal aus dieser Sicht zu sehen.

MfG
Alexander Böker
(einstiger Oberleutnant und Batterie-Chef mit langer Fronterfahrung)

Hallo,
ich glaube Du hast hier ganz gut das Problem dargestellt. aus der heutigen Sicht ist man natürlich viel „schlauer“, damals war das alles ziemlich normal.
Man muss einfach alles aus seiner Zeit heraus betrachten, denn es ist relativ einfach heute die damalige Zeit an den Pranger zu stellen und die eventuell noch lebenden Zeitzeugen zu fragen, warum habt Ihr nichts gemacht? Man darf dabei nicht vergessen, dass es damals Tage dauern konnte, bevor man von einem Flugzeugabsturz, Unglück, Ätnaausbruch, Erdbeben, etc. etwas erfuhr.
Gruss
Rainer

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Guten Abend,

bevor Kapitän Langsdorff den Freitod wählte, hüllte er sich in die kaiserliche Reichskriegsflagge.

Mit freundlichen Grüßen
RvH

Flaggenstreit
Liebe Diskutanten,

nachdem sich der Kapitän anscheinend wirklich in der schwarz-weiß-roten Flagge erschoss, scheinen ja nicht alle Menschen die Hakenkreuzfahne als „ihre“ Reichsflagge empfunden zu haben. Auch wenn mir persönlich (worauf es natürlich hier nicht ankommt) schwarz-rot-gold lieber ist, dürfte die Aussage Langsdorfs vor 1945 ja wohl klar sein: für eine Parteifahne (und das war sie schließlich) sterbe ich nicht.

Wir wissen von vielen Offizieren, dass sie sich gegen die Vereinnahmung der Wehrmacht durch die NSDAP sträubten, wenn es auch lange dauerte, bis daraus Handlungen erwuchsen.

Aus deutsch-nationaler Sicht ist doch gerade die Verwendung des Hakenkreuzes unnatürlich. Und in diesem Sinne habe ich es in meiner Familie auch erzählt bekommen. Wer nicht gerade unterm Hakenkreuz aufgewachsen war, empfand diese Fahne als aufgezwungen. Gegen ihre Verwendung konnte man natürlich nichts tun.

Kurz: ich wehre mich gegen die Ansicht, „der Soldat“ (also alle)habe damals diese Hakenkreuzfahne akzeptiert.

Andreas