Hallo JohnnyB,
am 29.06.2009; ab Abends recht starke Kopfschmerzen, und zwar
im Hinterkopf, ziemlich weit unten. Die ganze nächste Nacht
schlecht geschlafen, wegen der Schmerzen. Morgens wird es
etwas besser, man nimmt dennoch eine Aspirin Tablette. Seit
Mittag fast keine Schmerzen mehr. Kurz vor Mittag wird
bemerkt, dass am rechten Fussknöchel aussen etwas juckt. Da
ist eine kleine Zecke! Die hat sich die Person offenbar am
29.06.2009 gegen 17 Uhr beim Erdbeerpflücken eingefangen, da
keine Strümpfe an. Kommen daher evlt. sogar die Kopfschmerzen,
die also ca. 4 Stunden nach Einnistung der Zecke auftraten?
Zecke wurde natürlich sofort nach dem sie entteckt wurde,
entfernt, also ca. 18 Stunden nach dem sie sich eingenistet
hat.
ich kopiere hier einfach mal Teile der Antwort von Gerd rein, die ich dann kommentiere. Das mache ich, da ich nicht zwei Leuten gleichzeitig antworten kann und Du der Fragesteller bist. In der Antwort von Gerd sind einige richtige Aussagen, aber auch falsche Dinge und Halbwahrheiten. Ich habe hier im wer-weiss-was schon öfter über die Krankheiten nach Zeckenbissen geschrieben, das entsprechende Suchwort im Archiv wäre entsprechend „Borreliose“.
Die Kopfschmerzen sind wahrscheinlich nicht auf den Zeckenbiß
zurückzuführen.
glaube ich auch, wobei man bei sehr empfindlichen Personen das nicht gänzlich ausschließen sollte.
Allerdings kann nach so langer Bißzeit (18Std.)
durchaus eine Infektion erfolgen,
Eine Infektion kann ab der Sekunde, in der der Stechrüssel in die Haut eindringt, erfolgen. Alles andere ist veraltetes Wissen.
z.B. mit Borrelien (das sind
Bakterien) oder mit einer Reihe anderer Erreger.
stimmt. Zu den anderen Erregern gehören u.a. z.B. die Viren, die die FSME (Hirnhautentzündung) auslösen. Diese Erkrankung ist relativ bekannt - im Gegensatz zur Borreliose und ihren Co-Erreger-Erkrankungen.
Infektionen sind allerdings nicht sehr häufig: Ich habe kürzlich die
Literatur zum Thema gesichtet (aus beruflichen Gründen) und gelesen,
das nur 5-35% der Zecken (je nach Region; im Süden des Landes mehr,
im Norden weniger) infiziert sind
hier wird wieder toll die FSME und die Borreliose in einen Topf geworfen. Die virale FSME ist eine Erkrankung, die regional in Deutschland sehr unterschiedlich häufig auftritt, im Süden häufiger vorkommt als im Norden. Die Durchseuchungsrate liegt zwischen 5 und ca. 30%.
http://www.impfserviceplus.de/zecken/fsme/00023/inde…
Gegen die FSME kann man gut und gut verträglich impfen und erwirbt dadurch einen Langzeitschutz (5 Jahre).
Völlig anders sieht es bei der bakteriellen Borreliose und ihren (meist bakteriellen) Co-Erreger-Erkrankungen (ca. 10 weitere Einzelkrankheiten) aus. Hier ist die Durchseuchung deutschlandweit etwa gleich hoch und beläuft sich je nach Quelle zwischen 55 bis 66%. Daher nehme ich als Richtwert stets 60%. Wie hoch die Durchseuchung genau ist, kann ohnehin keiner von uns feststellen. Somit ist das Risiko, an einer der Borreliose-Erkrankungen zu erkranken, deutlich höher als das Risiko, sich eine FSME einzufangen. Leider gibt es gegen die Borreliose-Erkrankungen keine Impfung, weshalb diese sogesehen die gefährlichere von beiden Krankheitstypen ist. Bei FSME ist man entweder geimpft, dann ist diese Krankheit kein Thema, oder man ist nicht geimpft, dann nutzt hektisches Handeln auch nichts mehr. Während dessen sollte man einer Borreliose schnellstmöglich eine Therapie mit einem Antibiotikum aus der Gruppe der Tetrycycline (zumeist wird Doxycyclin verschrieben) entgegensetzen. Da die Erreger zur Gruppe der Spirochäten gehören und diese einen Vermehrungszyklus von 28 Tagen haben, ist eine Therapiedauer von 30 Tagen unbedingt einzuhaltenum alle Erreger zu erwischen. Die Dosierung muss dabei auf das Körpergewicht des Betroffenen abgestimmt sein und sollte zwischen 4 und 5 mg je kg Körpergewicht und Tag liegen. Eine Pauschaldosierung wie unten angegeben ist abzulehnen.
und dann auch nur in einigen
Prozent der Bisse es zu Infektionen kommt.
Dazu hätte ich gerne eine Quelle. Mir ist nämlich bekannt, dass es zu einer Infektion dann kommt, wenn die Zecke verseucht war und ihren Rüssel schon in der Haut verankert hatte. Die Erregerübertragung beginnt nach heutigem Wissen mit der Sekunde, in der der Rüssel die Haut durchbohrt. Klar, wenn die Zecke nicht verseucht war, kann sie auch nichts übertragen.
Die Zecke zum Test einzuschicken ist umstritten
auch dazu kenne ich andere Aussagen: nach den mir bekannten Quellen ist die Zecke zur Untersuchung einzuschicken die einzig sichere Methode um eine Verseuchung festzustellen. Also genau so, wie Wolfgang Digame schreibt.
Wenn
die Zecke infiziert war, weisst du nicht, ob sie es geschafft hat,
die Infektion an Dich weiterzugeben
was ist denn das für eine Logik? Wenn die Zecke infiziert war und an Dir gesaugt hat, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass Du Erreger abbekommen hast, fast 100%.
oder ob dein Immunsystem von
selbst damit fertig geworden wäre,
es scheint tatsächlich Menschen zu geben, welchen es möglich ist, mit Borrelien-Erregern zumindest so weit fertig zu werden, dass die Krankheit nicht ausbricht. Dennoch schlummern die Erreger dann latent im Körper und können jederzeit auch noch Jahre später durch irgendeine andere Krankheit, die das Immunsystem schwächt, ausbrechen. Und dann oftmals sogar ziemlich heftig. Aber man kann bei weitem NICHT davon ausgehen, dass alle Menschen diese Fähigkeit haben. Im Gegenteil, es scheint, dass die Menschen, deren Immunsystem die Borreliose-Erreger unter Kontrolle halten können, eine verschwindende Minderheit sind.
wenn der Test negativ ist, weisst
du nicht, ob es ein falsch negativer Test war.
Nach meinen mir vorliegenden Erkenntnissen sind die Tests an der Zecke selbst die sichersten Tests, die man in Bezug auf Durchseuchung durchführen kann. Da kommt kein PCR und sowieso keiner der Bluttest-Verfahren mit.
Am besten beim Hausarzt beraten lassen,
Leider wissen die Ärzte oft nicht viel über die Borreliose und deren Co-Erreger-Erkrankungen.
sich keine teuren Tests
aufschwatzen lassen
wenn man die Zecke noch hat, ist dieser Preis von 35 EURO (oder meinetwegen auch 50 EURO) wirklich gut angelegt. Hingegen ist z.B. der Bluttest „Elisa“ mit einer Fehlerquote von ca. 60% schon eher fragwürdig.
und, wie Maja schon geschrieben hat: vier - sechs
Wochen die Bißstelle beobachten, ob sich eine Wanderröte (Erythema
chronicum migrans) einstellt oder auch ganz allgemein beobachten, ob
sich eine fieberhafte Reaktion einstellt.
Hier fehlt ganz eindeutig der Hinweis, dass die sog. Wanderröte sich nur bei etwa 60% aller Betroffenen zeigt. Eine Wanderröte ist ein absolut sicheres Zeichen einer Infektion, fehlt die Wanderröte jedoch, so besagt dies gar nichts. Ähnlich ist es mit den „grippeähnlichen Symptomen“: Die können auftreten, müssen aber nicht. Und trotzdem kann der Patient infiziert sein.
Sollte sich im Laufe der
nächsten Monate Schmerzen und Rötung in den Gelenken zeigen,
dann ist es schon im chronischen Stadium und nur noch extrem schwer und langwierig und kostenspielig zu behandeln. Daher kann man nicht die Zeit verschenken und wie bei Russisch Roulette darauf hoffen, dass schon nichts passiert sein wird. Sofort Antibiotika für 30 Tage mit 4-5 mg/kg Körpergewicht und Tag. Nur ganz am Anfang hat man eine reelle Chance, die Erreger ohne Spätfolgen auszurotten. Sobald mal 4 Wochen (manche sagen sogar nur 3 Wochen) vorbei sind, hatten die Viecher genug Zeit, sich in die Zellwände bzw. ins Zellinnere einzunisten, wo sie für jegliche medikamentöse Behandlung nur äußerst schwer erreichbar sind.
muß man
den Arzt nochmal an den Zeckenbiß erinnern, ebenso, wenn man nach
Monaten nochmals einschießende Schmerzen in der Nähe der Bißstelle
oder gar Lähmungen in der Region der Bißstelle entwickelt, aber diese
Dinge sind nun wahrlich extrem selten.
Na, auch hier weiß ich nicht, welche Quellen Du benutzt: 2,5 Mio. Personen, welche nur in Deutschland chronisch an Borreliose erkrankt sind mit einer Neuerkrankungsrate von geschätzten 300.000 Personen jährlich (nur in Deutschland) sollte eigentlich Anlass genug sein, von solchen gemeingefährlichen Verharmlosungen abzusehen. Quelle: Bundespressekonferenz; nachzulesen über das Borreliose-Forum
http://www.borreliose-forum.de/cms/html/index.php
Für besonders ängstliche Patienten kann man als Hausarzt überlegen,
ob man eine einmalige Gabe von 200mg Doxycyclin
die Dosierung muss körpgergewichtabhängig erfolgen!
innerhalb von 72
Stunden nach dem Biß
oftmals weiß man ja gar nicht, wann der Stich genau war. Man sollte so schnell als möglich mit der Antibiotika-Therapie beginnen.
in Erwägung ziehen möchte, das wird in einer
amerikanischen Leitlinie, allerdings nicht evidenzbasiert,
vorgeschlagen.
was Ihr immer mit eurer "evidenzbasiert"en Sache habt! Es sollte doch das Ziel sein, möglichst viele Personen, die einen Zeckenbiss erlitten haben, bei Gesundheit zu halten und somit auch so effektiv wie irgend möglich eine durch die Erreger bedingte Krankheit zu verhindern, welche oft für den Betroffenen über kurz oder lang in der Berufsunfähigkeit endet.
Dass der Krankheitsverlauf schleichend ist und dadurch nur extrem schwer zu diagnostizieren ist, sei nur am Rande erwähnt. Dies ist auch der Grund, weshalb es eine sehr hohe Dunkelziffer an Chronikern dieser Krankheitsgruppe gibt, die von ihren Ärzten auf alles Mögliche behandelt werden (bis hin zu Operationen), ohne dass eine Besserung eintritt (klar, sie werden ja auf eine falsche Krankheit therapiert). Da man von ca. 3% der Bevölkerung ausgeht, lässt sich leicht errechnen, dass - 1000 Einwohner pro Arzt zugrunde gelegt - sich in jeder Arztpraxis ca. 30 Patienten befinden, die chronisch an Borreliose erkrankt sind.
Für die Zukunft: Körper wenn möglich bedecken, auf hellen Klamotten
sieht man die Zecken gut, für bis zu zwei Stunden helfen auch
Repellentien (Insektenschutz), ich persönlich bevorzuge DEET
googeln), nach dem Aufenthalt im Freien, den Körper gründlich auf
Zecken untersuchen (macht zu zweit mehr Spaß).
Das ist natürlich äußerst sinnvoll, da bin ich wieder voll auf der Seite von Gerd.
Literatur:
http://www.rki.de/cln_091/nn_466802/D…
http://www.awmf-leitlinien.de/ Suche nach: Borreliose bzw.
Neuroborreliose
Ich verweise lieber auf die Spezialisten, die sich auf ausschließlich dieses Fachgebiet spezialisiert haben, das ist das Borreliose-Forum des Deutschen Borreliose Bundes, in dem sowohl Betroffene als auch Ärzte beteiligt sind. Dort wird auch in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen die neueste Fachliteratur zum Thema verlinkt.
In der Hoffnung, dass Du Dir nicht diese heimtückische Krankheit eingefangen haben mögest
wünsche ich Dir ein schönes Wochenende
Nochmals: also ich würde auf einem Antibiotikum bestehen.
Alexander