Mir fällt gerade noch eine Frage ein, die mir schon seit langem auf der Seele brennt. Weiß jemand, warum nicht in allen Schulen der Welt die Gestensprache der Taubstummen als Fremdsprache gelehrt wird?
In meinem Verständnis hätte das viele Vorteile:
jeder könnte in seiner eigenen Sprache denken und doch verstanden werden
Taubstumme würden völlig in die Gesellschaft integriert
Reden allgemein würde durch Gesten unterstützt bild- und sicher lebhafter.
Das erscheint mir so unumstößlich logisch, daß ich nicht nachvollziehen kann, warum es nicht praktiziert wird.
Wer hilft mir das große ‚?‘ auf meiner Stirn zu beseitigen?
Das erscheint mir so unumstößlich logisch, daß ich nicht
nachvollziehen kann, warum es nicht praktiziert wird.
Wer hilft mir das große ‚?‘ auf meiner Stirn zu beseitigen?
Na ja, find ich weder unumstösslich noch logisch, ich kenne niemand der taubstumm ist, wozu soll ich mir das also aneignen?
Muss ich Suaheli lernen, weil ich eventuell irgendwann mal iregendwo auf jemand treffe, der das spricht?
Nee, glaub ich nicht.
Gruss
Rainer
Sorry, aber dann hast Du wahrscheinlich den Grundgedanken nicht verstanden. Es geht darum, daß viele Menschen Schwierigkeiten mit dem Erlernen einer fremden Sprache haben, vor allem wegen Aussprache und Grammatik. Das entfällt bei dem Erlernen einer Zeichensprache, denn man verwendet ja die Grammatik seiner Muttersprache.
Du könntest Dich dann sogar mit jemandem verständigen, der Suaheli spricht, ohne diese Sprache explizit gelernt zu haben.
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Sorry, aber dann hast Du wahrscheinlich den Grundgedanken
nicht verstanden. Es geht darum, daß viele Menschen
Schwierigkeiten mit dem Erlernen einer fremden Sprache haben,
vor allem wegen Aussprache und Grammatik. Das entfällt bei dem
Erlernen einer Zeichensprache, denn man verwendet ja die
Grammatik seiner Muttersprache.
Du könntest Dich dann sogar mit jemandem verständigen, der
Suaheli spricht, ohne diese Sprache explizit gelernt zu haben.
Dann erklär mal jemand, der von Computern nix versteht, in Zeichensprache, wie er mit Windows ins Internet kommt.
Wenn Du das schaffst, geb ich Dir Recht
Gruss
Rainer
Mir fällt gerade noch eine Frage ein, die mir schon seit
langem auf der Seele brennt. Weiß jemand, warum nicht in allen
Schulen der Welt die Gestensprache der Taubstummen als
Fremdsprache gelehrt wird?
Wenn ich mich nicht irre, ist auch die Taubstummensprache nicht universell, sondern in verschiedenen Ländern gibt es verschiedene Versionen. Von daher hätte man nichts gewonnen.
Dazu bedarf es keiner Zeichensprache, Taubstumme können lesen! Und da ein Großteil der Wissensvermittlung übers Lesen geht, tut sich ein Taubstummer dabei („Gebrauchsanweisungen“…) wahrscheinlich leichter als mancher andere.
Im übrigen halte ich die Idee einer einheitlichen Zeichensprache für sehr gut. Wenigstens die häufigsten Zeichen sollte jeder lernen. Ich muss ja auch nicht perfekt Englisch können, um mich zu verständigen. Das Problem sind aber wirklich die regionalen Unterschiede,allein schon im deutschsprachigen Raum.
mfg Helene
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Das Problem hat sich verändert.
Vorab: meine Mutter ist taub und auch meine Großeltern waren taub. Ich bin mit gehörlosen aufgewachsen und konnte mich früher durchaus mit der allgemeine Gebärdensprache mit ihnen verständigen. Dort wo ich aufgewachsen bin waren auch oft gehörlose aus anderen Ländern zu Gast und man konnte sich mit den allgemeinen Gesten gut verständigen.
Es hat sich aber verändert. Die Gehörlosen lernen heute nicht mehr vordergründig die allgemeine Gebärdensprache, sondern das Fingeralphabet. Und das ist nichts anderes als buchstabieren der Wörter. Schon ist es Essig mit der Grenzüberschreitenden Verständigung. Ich fand das früher besser, die „neue“ Gebärdensprache habe ich nicht mehr gelernt.
Mit den allgemeinen Gebärden kann man sich aber durchaus prima mit ausländischen Menschen verständigen, wenn auch nicht mit allen Gesten, weil dazu oft auch das „mundablesen“ benötigt wurde. z.B. Gibt es eine Geste für Blume, um aber „Rose“, „Nelke“ oder „Tulpe“ zu definieren muss man doch wieder Lippenbewegungen hinzufügen.
Wie schon erwähnt wurde, können gehörlose durchaus lesen und wissen wie die Lippenbewegungen aussehen und auszuführen sind. Sie sind auch nicht taubstumm wie oft fälschlicherweise gesagt wird, sondern nur taub. Nur, versuche du mal einen Laut vorzubringen, von dem du nicht weisst wie er klingt… Deshalb klingen die Laute sehr gutural und urzeitlich. In den gehörlosen Schulen wird ihnen dann beigebracht, besser „stumm“ zu artikulieren (um die Gesellschaft nicht zu überfordern??)
Wir wurden früher in der U-Bahn oft angestarrt, wenn wir uns über den Gang recht lebhaft, aber halt „stumm“ unterhalten haben… nur durch Lippenablesen und ein paar Gesten… Jemand fragte mich mal wo der Knopf zum abschalten ist *gg*
Mit „Händen und Füßen reden“, kann doch aber jeder lernen, oder?
Gruss Zauberm@us
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Wenn ich mich nicht irre, ist auch die Taubstummensprache
nicht universell, sondern in verschiedenen Ländern gibt es
verschiedene Versionen. Von daher hätte man nichts gewonnen.
Ich hab mal einen Kurs als Gehörlosentutor für unsere Hochschule mitgemacht, und wie Zauberm@us oben schon sagte, gibt es durchaus Unterschiede. Gehörlose haben sogar Dialekte in ihren Gebärden. Aber viele Gebärden sind ziemlich universell (essen, trinken, schlafe etc.).
Wenn die Sache etwas komplizierter wird, wird gefingert, d.h. mit einer Hand werden Buchstaben angezeigt und das Wort (meist lautlos, weil besseres Lippenbild) gleichzeitig gesprochen. Das ist dann wieder genauso sprachgebunden wie „normales“ Sprechen.
Vorteile hat Gebärde sicher, wenn man in einer (nicht zu dunkelen) Disco ist. Da kann die Musik noch so laut wummern, man versteht sich immer.
gebärden- vs. zeichensprache und lingua franca…
Das entfällt bei dem
Erlernen einer Zeichensprache, denn man verwendet ja die
Grammatik seiner Muttersprache.
das ist so leider nicht ganz richtig: es stimmt schon, das *zeichen*sprache sich eng an die muttersprache hält (und recht leicht zu erlernen , weil es relativ pantomimisch ist). *gebärden*sprache allerdings (die „echte“ sprache von gehörlosen) unterscheidet sich sehr von der gesprochenen sprache und hat eine komplizierte grammatik mit tempus- und aspekt-markierungen und allem, was sonst so zu natürlichen sprachen gehören kann. darüberhinaus gibt es tatsächlich (wie jemand vor mir schon bemerkt hat) in jedem land eine eigene gebärdensprache, die dann nochmals in diverse dialekte zerfällt.
gebärdensprache bietet sich also leider nicht als universelle lingua franca an, mit der man überall kommunizieren kann… eine zeichensprache, die mit leicht nachvollziehbaren gesten arbeitet und intuitiv verständlich wäre, müßte auch kulturübergreifend sein, und sich damit auf einem gaaanz grundlegenden niveau bewegen – da kann man genausogut „mit händen & füßen“ reden; der aufwand & erfolg dürften gleich sein.
…und auf die durchsetzung einer leicht zu lernenden weltsprache müssen wir immer noch warten. esperanto hat immer noch die größte und internationalste fangemeinde…