Zeitliche/logische Abfolge bei 'als'

Hi!

Ich habe mal eine Frage zum Wörtchen ‚als‘ und die damit verbundene logische und/oder zeitliche Abfolge von Handlungen. Am besten, ich mache das Problem mal an einem Satz klar:

a) Jochen bückte sich, als es ihm kalt in den Rücken fuhr

b) Als Jochen sich bückte, fuhr es ihm kalt in den Rücken

Für mich stellt sich das so da:
Zuerst findet die Handlung des Als-Teilsatzes statt, dann - als Folge daraus - der eigentliche Hauptsatz.

Für a) heißt das, dem guten Jochen fährt es erst kalt in den Rücken, und als Folge davon (Ursache - Wirkung) bückt er sich. Oder rein von der zeitlichen Abfolge: erst die Kälte, dann das Bücken.

Für b) gilt es genau anders herum. Jochen bückt sich, und dann wird ihm im Rücken kalt.

Sehe ich das so richtig oder liege ich da falsch?

(Hintergrund: es geht um eine Textanalyse einer Kurzgeschichte)

Grüße
Heinrich

a) Jochen bückte sich, als es ihm kalt in den Rücken fuhr

b) Als Jochen sich bückte, fuhr es ihm kalt in den Rücken

Eigentlich könnte man auch denken, es findet wirklich gleichzeitig statt, ne? Also ich würde „als“ in beiden Fällen durch „während“ ersetzen, dann hört man die Bedeutung vielleicht besser raus.

Allerdings kann beides vorher geschehen. Ich nehm mal Satz b)
Es kann sein, dass sich Jochen bückt und es ihm dann (deswegen) kalt in den Rücken fährt. Ooooooder aber, von einem Außenstehenden betrachtet: In dem Moment, als Jochen sich bückte; genau das war der Zeitpunkt bei dem es ihm kalt in den Rücken führ.
Also ich würd sagen, es geht beides - kommt wohl auf’n Kontext drauf an.

  • André

Gleichzeitigkeit!
Hallo Heinrich

Ich habe mal eine Frage zum Wörtchen ‚als‘ und die damit
verbundene logische und/oder zeitliche Abfolge von Handlungen.
a) Jochen bückte sich, als es ihm kalt in den Rücken fuhr
b) Als Jochen sich bückte, fuhr es ihm kalt in den Rücken
Zuerst findet die Handlung des Als-Teilsatzes statt, dann -
als Folge daraus - der eigentliche Hauptsatz.
Sehe ich das so richtig oder liege ich da falsch?

Ich befürchte, du liegst falsch, denn das Wort „als“ dient hier zur Einleitung von Nebensätzen, um die Gleichzeitigkeit zu der im Hauptsatz ausgedrückten Handlung zu bezeichnen (Quelle: Wahrig, Deutsches Wörterbuch, 2000).

Die Handlungen finden also gleichzeitig und nicht eine nach der anderen statt: Er bückt sich und gleichzeitig fährt es ihm in den Rücken. Anderes Beispiel: Ich wollte gerade gehen, als das Telefon klingelte.

Alles klar?

Gruss
Renato

Die Handlungen finden also gleichzeitig und nicht eine nach
der anderen statt: Er bückt sich und gleichzeitig fährt es ihm
in den Rücken. Anderes Beispiel: Ich wollte gerade gehen, als
das Telefon klingelte.

Hm, für mich hat es nach längerem Nachdenken schon den Anschein, als impliziert so ein als-Satz, dass ein Vorgang sozusagen den anderen in seinem Ablauf umschließt. In deinem Beispiel ist er dabei, willens zu sein, zu gehen, als es plötzlich klingelte. Wären wir hier bei Französisch oder Latein, oder Spanisch (glaub ich), müsste dieser Geh-Wille im Imperfekt sein, und das andere im Perfekt. Es ist sozusagen eine Rahmenhandlung…
…zumindest würde ich das so interpretieren.

  • André

Hallo Heinrich,

nach meinem Verständnis finden die beiden Vorgänge gleichzeitig statt. Allerdings ist der eine Vorgang länger als der andere.

Als ich gestern fernsah (länger), klingelte das Telefon (kürzer).

Als ich sie sah (länger), fiel mir auf, dass sie ihre Haare gefärbt hatte (kürzer).

So ist es z.B. auch im Englischen, weshalb man für den längeren Teil eine continuous form verwenden muss. Dafür braucht man kein „als“.

I was watching TV when the telephone rang.

Gruß,

Myriam

Ja genau! Das eine umschließt das andere praktisch.

Diese continuous Form haben wir im (inoffiziellen) Deutschen auch:

„Ich war am Fernsehen als das Telefon klingelte.“ (besonders im Ruhrgebiet anzutreffen, äh -hören)

*nurmalangemerkthabenwollt*

  • André

Hi! Heinrich!

a) Jochen bückte sich, als es ihm kalt in den Rücken fuhr
b) Als Jochen sich bückte, fuhr es ihm kalt in den Rücken

Für mich stellt sich das so da:
Zuerst findet die Handlung des Als-Teilsatzes statt, dann -
als Folge daraus - der eigentliche Hauptsatz.

Wie schon meine Vorredner klarstellten: als ist hier eine temporale Konjunktion, die die Gleichzeitigkeit ausdrückt.

„Als“ ist aber variabel; dazu ein Zitat:

_ Als

[mhd. als(e), also, ahd. also, also]:

I.

  1. drückt die Vor-, Gleich- od. Nachzeitigkeit aus:

a als wir das Haus erreicht hatten, [da] fing es an zu regnen;_

Wir waren schon zu Hause, als es zu regnen anfing.

b als ich badete, klingelte das Telefon;

Während ich badete, klingelte das Telefon.

c kaum hatte sie sich umgezogen, als der Besuch
eintraf.

Nachdem sie die neuen Kleider anhatte, kam der Besuch.

_2. in Verbindung mit einer näher erläuternden Zeitangabe: zu der Zeit, als seine Eltern noch lebten; damals, als sie noch klein war.

© Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001_

Es hängt also vom jeweiligen Satz ab, ob die Handlung des Nebensatzes, vor oder nach der Handlung des Hauptsatzes oder gleichzeitig mit ihr stattfindet.
Die Nachzeitigkeit © wird aber selten verwendet.

Gruß Fritz

Hi!

Ich befürchte, du liegst falsch, denn das Wort „als“ dient
hier zur Einleitung von Nebensätzen, um die Gleichzeitigkeit
zu der im Hauptsatz ausgedrückten Handlung zu bezeichnen
(Quelle: Wahrig, Deutsches Wörterbuch, 2000).

Die Handlungen finden also gleichzeitig und nicht eine nach
der anderen statt: Er bückt sich und gleichzeitig fährt es ihm
in den Rücken. Anderes Beispiel: Ich wollte gerade gehen, als
das Telefon klingelte.

Alles klar?

Nee, leider nicht. :wink:

Wenn die Aktionen eine Gleichzeitigkeit darstellen, dann müsste der Aussagegehalt doch identisch sein, unabhängig davon, wo das „als“ steht.

„Als ich mich bückte, fuhr es mir kalt in den Rücken.“
„Ich bückte mich, als es mir kalt in den Rücken fuhr.“

Die beiden Sätze haben m.E. aber eine unterschiedliche Aussage. In beiden Sätzen habe ich ein auslösendes Element. Im ersten Satz ist das Bücken der Auslöser, dass es mir im Rücken kalt wird (also erst bücken, dann Kälte empfinden). Im zweiten Satz kommt erst das Kälteempfinden, das zu einer Reaktion in Form einer Bewegung führt.

Irgendwie bin ich noch nicht durch mit dem Thema. :wink:

Grüße
Heinrich