Angenommen, eine Person hat ein Kind bekommen, stirbt aber nach paar Jahren. Also: Person ist weg, aber das Kind ja noch da. Wie sagt man dann?
Er/Sie hat ein Kind.
oder:
Er/Sie hatte ein Kind.
„Hat“ suggeriert mir, die Person lebt noch und HAT das Kind gerade (um sich herum/bei sich etc). „Hatte“ suggeriert mir, das Kind ist tot…
Nein, das ist zu spezifisch. „Hatte“ besagt lediglich, dass der Zustand abgeschlossen ist, also nicht mehr anhält. Das „warum“ interpretierst Du in diesen Zusammenhang hinein. Wenn Du deutlich machen willst, warum der Zustand beendet ist, musst Du das eben mit einem Kausalsatz oder einem anderen Nebensatz tun.
„Hatte“ besagt lediglich, dass
der Zustand abgeschlossen ist, also nicht mehr anhält.
Ja genau, aber in meinem (ähem, Sprach-)Gefühl heißt es, daß der Zustand „Kind“ abgeschlossen ist.
Und hier ist auch mein Dilemma: das Kind „ist“ ja noch. Als die Person noch lebte, „hat“ sie das Kind bekommen. Zwar ist die Person jetzt tot, aber der Zustand „Kind“ dauert ja noch an.
Du deutlich machen willst, warum der Zustand beendet ist,
musst Du das eben mit einem Kausalsatz oder einem anderen
Nebensatz tun.
Ja, könnte man, aber es geht darum, den Satz so kurz zu halten
Ja genau, aber in meinem (ähem, Sprach-)Gefühl heißt es, daß
der Zustand „Kind“ abgeschlossen ist.
Das ist eine subjektive Interpretation der Aussage. Wenn ich sage „Ich hatte damals ein Auto“ würdest Du wahrscheinlich eher annehmen ich hätte es verkauft und nicht, dass es inzwischen verschrottet wurde.
Um den Sachverhalt möglichst kurz und komplett darzustellen bietet sich hier vielleicht eher das Subjekt an:
„Der Verstorbene hatte ein Kind“.
„Sie hat ein Kind“ ==> setzt voraus, dass sie noch lebt.
„Sie hatte ein Kind“ ==> bedeutet, dass das Kind tot ist, oder von Aliens entführt, nicht mehr da.
Das sind keine Interpretationen, sondern Funktionen grammatischer Sachverhalte + Bezug des Prädikats.
Meine, der von Sharon in der Frage skizzierte Sachverhalt kann durch keinen der beiden Ausdrücke wiedergegeben werden, diese wären im Falle einer Äußerung für das Gemeinte einfach unzutreffend.
Der Vorschlag von Gudrun scheint mir sehr brauchbar zu sein.
Das find ich gut.
Aber ich bin mir nciht sicher, ob es in die Situation paßt:
Ein Mann erfährt von einem Freund, daß eine frühere Bekannte vor paar Jahren gestorben ist. Der Freund will ihn nun vorsichtig darauf vorbereiten, das da noch ein Kind existiert und er der Papa ist.
Deswegen redet er in kurzen Sätzen mit entsprechenden Pausen dazwischen.
Das „hinterläßt“ klingt eher nach einer Zeitungsmeldung. So wäre es zwar formell richtig und würde gut klingen, aber so im Gespräch zwischen Freunden?
Meine, der von Sharon in der Frage skizzierte Sachverhalt kann
durch keinen der beiden Ausdrücke wiedergegeben werden, diese
wären im Falle einer Äußerung für das Gemeinte einfach
unzutreffend.
Und ich dachte schon, „mein Deutsch“ sei kaputt *gg*
Deutsch ist zwar nicht meine Muttersprache, aber ich beherrsche es doch so gut, daß ich mich wunderte, warum ich hier so stocke *g*
Der Vorschlag von Gudrun scheint mir sehr brauchbar zu sein.
Mir zwar auch, aber ob es in die Situation (siehe meine Antwort an Gudrun) wirklich reinpaßt?
Das sind keine Interpretationen, sondern Funktionen
grammatischer Sachverhalte + Bezug des Prädikats.
Das stimmt nicht. Wie gesagt, „ich hatte ein Auto“ heißt eben nicht, dass das Auto nicht mehr existiert. Vergleich auch:
„Ich hatte eine Freundin“
„Ich hatte die Masern“
„Ich hatte das Gefühl…“
All diese Entitäten sind durch diese Aussage nicht in ihrer Existenz bedroht, nur der Zustand des „habens“ ist eben abgeschlossen.
Wie gesagt, „ich hatte ein Auto“ heißt eben nicht,
dass das Auto nicht mehr existiert.
Vergleich auch:
„Ich hatte eine Freundin“
„Ich hatte die Masern“
„Ich hatte das Gefühl…“
All diese Entitäten sind durch diese Aussage nicht in ihrer
Existenz bedroht, nur der Zustand des „habens“ ist eben
abgeschlossen.
Hallo Anwar,
das ist so nicht richtig. Es geht nicht um Entität, sondern um Quiddität; sprachlich hier um die Qualität eines Gegenstandes in Bezug auf das Subjekt. Das Ding als Substrat des so durch das Subjekt possessiv affizierten Gegenstands spielt dabei keine Rolle. Nichts anderes drückt das Vollverb „haben“ hier aus.
„Ich hatte eine Freundin“ bedeutet, dass sie nun als Freundin des Subjekts nicht mehr existiert.
Im Übrigen sind die Entitäten „Ich“ und {Gegenstand} ebensowenig miteinander verbindbar wie Sprache Realität ausdrücken kann.
Es ist paradox, von etwas nicht Existierendem zu sagen, es habe ein Kind.
Das find ich gut.
Aber ich bin mir nciht sicher, ob es in die Situation paßt:
Ein Mann erfährt von einem Freund, daß eine frühere Bekannte
vor paar Jahren gestorben ist. Der Freund will ihn nun
vorsichtig darauf vorbereiten, das da noch ein Kind existiert
und er der Papa ist.
nach diesen Zusatzinformationen denke ich, daß das kein rein grammatisch-sprachliches Problem mehr ist.
Deswegen redet er in kurzen Sätzen mit entsprechenden Pausen
dazwischen.
Wer ist jetzt eigentlich welcher „er“?
Einer erfährt im Nachhinein, daß er seit Jahren Vater ist oder einer erfährt im Nachhinein, daß der andere seit Jahren Vater ist?
Diese Frage mußt Du nicht mir beantworten, sondern Dir.
Das „hinterläßt“ klingt eher nach einer Zeitungsmeldung. So
wäre es zwar formell richtig und würde gut klingen, aber so im
Gespräch zwischen Freunden?
Sind es wirklich Freunde, wenn über Jahre hinweg etwas so Elementares verschwiegen wird?
Deswegen redet er in kurzen Sätzen mit entsprechenden Pausen
dazwischen.
Wer ist jetzt eigentlich welcher „er“?
Der Freund des Mannes war hier gemeint. Er will ja den Papa über die Tatsache vorsichtig aufklären, daher redet der Freund langsam mit bedächtigen Pausen
Sind es wirklich Freunde, wenn über Jahre hinweg etwas so
Elementares verschwiegen wird?
Hey, das ist keine wahre Story
Ich soll nur eine Geschichte korrekturlesen und da bin ich über den Satz gestolpert…