Zeitpunkt der Geschlechtsreife von Säugetieren

Warum können sich Säugetiere nur ab einem jeweils bestimmten Alter fortpflanzen und warum divergieren die Zeitpunkte der geschlechtsreife verschiedener Arten vonneinander?

Ich bin gespannt auf Eure Ideen!!!

Hallo Hannes,

es gibt eine grobe Relation zwischen Größe des Tieres und dem Zeitpunkt der Geschlechtsreife, je kleiner, desto früher.
Eine extremen Ausnahme ist der Mensch.
Kein anderes Tier beginnt so spät sich fortzupflanzen.
Die Zeit zwischen Abstillen und Pubertät ist einzigartig für dem Menschen, ich wüßte kein Tier, der solche eine lange ‚Ruhezeit‘ hat

Gandalf

Warum können sich Säugetiere nur ab einem jeweils bestimmten
Alter fortpflanzen und warum divergieren die Zeitpunkte der
geschlechtsreife verschiedener Arten vonneinander?

Ich bin gespannt auf Eure Ideen!!!

Hallo,

die Zusammenhänge sind komplex.

Zwar gibt es eine Korrelation zwischen Größe des Tieres und der Zeit bis zur Geschlechtsreife, wie Gandalf schreibt, allerdings ist die Größe nicht ursächlich, sondern ein Neben(Seiten-)effekt. Kleine Tiere müssen (unter sonst etwa gleichen Umweltbedingungen) höhere Stoffwechselraten haben als große Tiere. „Lebensalter“ wird biologisch nicht in Jahren, sondern in „relativem Stoffwechselumsatz“ gemessen. Kleine Arten leben sozusagen „schneller“. Bis zum Erreichen der Geschlechtsreife brauchen die ARten einer Klasse (zB. Säugetiere) mehr oder weniger gleich lange - wenn man den rel. Stoffwechselumsatz betrachtet und nicht die Jahre. Zwischen verschiedenen Klassen gibt es natürlich größere systematische Unterschiede, die wieder mit grundsätzlich verschiedenen Lebensbedingungen zu tun haben.

Ich kann mir vorstellen, dass die Fortpflanzung-Strategie eine wesentliche Rolle spielt. Arten, welche viel in den Nachwuchs investieren und dafür nur wenige Nachkommen haben, sollten zunächst sicherstellen, dass die Eltern selbst „fit“ sind. So müssen also die zukünftigen Eltern erstmal an der Umwelt „probiert“ werden, bevor sie wieder eigene Kinder haben können. So wird die intraspezifische Konkurrenz gering gehalten; die Kinder sollen ja überleben, und zwar möglichst alle. Hinzu kommt die wirklich sehr, sehr langsame Entwicklung (Reifung) der Keimzellen. Das gibt schon auf der zellulären Ebene die Möglichkeit, die DNA der Kinder vor Schäden/Mutationen zu schützen bzw. die Keimzellen schon während der Reifung auf verschiedene Aspekte der „Fitness“ zu prüfen. Sehr viele Keimzellen kommen so garnicht erst zum letzten Reifestadium (sozosagen als Folge einer prä-zygotalen Selektion).

Anders bei Arten, welche auf viiiieeel Nachwuchs setzen, sich dann aber natürlich nicht um jeden Sprössling kümmern können. Hier zählt Masse statt Klasse, es ist biologisch notwendig, dass die allermeisten Kinder sterben (post-natale Selektion). Hier ist es durchaus vorteilhaft, früh mit der Produktion an Nachkommen zu beginnen. Da die Variation im Nachwuchs sowieso groß ist und da der Nachwuchs sowieso extrem hart selektiert wird (werden muss!) und hierzu auch der intraspezifische Konkurrenzdruck hilfreich ist, können ruhig auch sehr junge Artgenossen schon mitmachen.

Natürlich gibt es Abstufungen dazwischen und immer spielen besondere Anforderungen der jeweiligen Nische eine Rolle. Außerdem gibt es noch ganz andere Strategien, zB. bei sozialen, staatenbildenden Insekten (und auch Säugern - hier sind die Nacktmulle gemeint, nicht die Menschen!). Bei anderen, meist parasitischen Arten hat sich ein Verbreitungsstadium als hilfreich erwiesen, was ontogenetisch erstmal „durchwachsen“ werden muss, bevor es lohnt, Nachwuchs zu bekommen usw usw usw.

Trotz all der Varianten, welche die Natur durchprobiert, glaube ich, bildet die Strategie der Fortpflanzung wie oben beschrieben, aber doch so eine Art „roten Faden“, wenn auch nur schemenhaft.

LG
Jochen