Zeitpunkt der Wareneingangskontrolle

Hallo Leute,

ich werde demnächst meine Diplomarbeit anfangen, in der ich ein logistisches Datenkonzept erstellen soll, um den Waren- und Informationsfluss fremdbezogener Komponenten auszuarbeiten.

Bestandteil bzw. Schwerpunkt ist hierbei die Qualitätssicherung; da es sich insgesamt aber um den gesamten Prozess von Fertigung bis Anlieferung handelt, poste ich im Logistikforum.

Die fremdbezogenen Komponenten werden derzeit ohne „richtige“ Wareneingangskontrolle direkt über einen Seefrachtspediteur verpackt und auf die Reise ins Ausland geschickt, wo sie dann zusammenmontiert werden auf der Baustelle.

Meine Frage ist nun, ob es eine Art „Tool“ gibt, um den optimalen Zeitpunkt innerhalb der Kette zu bestimmen, an dem man eine Wareneingangs- bzw. Qualitätskontrolle machen sollte.

Danke im Voraus!

Gruß, Gerrit

Hallo Gerrit,

ist die Frage realistisch gemeint oder idealistisch? Das ist nämlich durchaus ein Unterschied.

Idealistisch: Es gibt keine Wareneingangskontrolle beim Kunden, es gibt keine Warenausgangskontrolle beim Hersteller. Die Prozesse des Herstellers sind so stabil und kontrolliert, dass 100% Qualität rauskommt.

Ziel? Nein, Vision!:wink:

In der Automobilbranche ist die Wareneingangskontrolle abgeschafft, es erfolgt eine Warenausgangskontrolle beim Hersteller, der den Erfolg dieser Kontrolle bestätigt. Funktioniert meist recht gut, führt aber dazu, dass durchaus auch schlechte Chargen (z.B. besonders kritisch: Korrosion während der Lieferung und nach dem Warenausgang) durchrutschen. Versagt die Warenausgangskontrolle gar, dann steht ratz-fatz das Band, was z.B. auch single-sourcing brandgefährlich macht.

Das ist also progressiver IST-Zustand.

Der Rest der Industrie handelt nach dem Motto: Lieder einmal mehr prüfen als es sein zu lassen und verschenkt in meinen Augen Potential.

Aber eines ist klar: Effizient ist ein Quality-gate nur auf der Lieferantenseite. Wenn Du erst einmal das Material um die halbe Welt geschickt hast, bis Du den Fehler merkst, wird es richtig teuer. Denn zum einen kommen die zusätzlichen Transportkosten dazu, was aber noch gefährlicher ist: Die Feedback-Schleife wird beliebig lang, so dass Du ggf. über Wochen schlechte Ware gefertigt hast, weil Du es erst sehr spät gemerkt hast.
Und das sollte immer im Hinterkopf stecken

Grüße
Jürgen

Hallo Gerrit,

leider weiss ich nicht was für vertragliche Vereinbarungen mit den Lieferanten bestehen.

Sollten aber die gesetzlichen Regelungen greifen, so gilt lt. § 377 HGB, dass die Ware

  • unverzüglich nach der Ablieferung zu untersuchen ist
  • ein Mangel unverzüglich anzuzeigen ist

Unverzüglich heißt in diesem Zusammenhang „ohne schuldhaftes Verzögern“

Unterlässt der Käufer die Anzeige, so gilt die Ware als genehmigt, es sei denn es handelt sich um einen sogenannten „verdeckten Mangel“. Dieser ist unverzüglich nach Entdeckung anzuzeigen.

Mängel, die nicht rechtzeitig gerügt werden sind keine Mängel mehr, da sie als genehmigt gelten.

Damit würdet ihr eure Mängelhaftungsansprüche ev. verlieren.

Das alles läßt sich auch vertraglich anders regeln, aber wie gesagt, ich kenne die Bedingungen nicht, unter denen Ihr bei den Lieferanten einkauft.

Grüße

Peter

Hallo,

Die Qualitätsprüfung ist auf jeden Fall vor dem Engpass zu positionieren.

(eine verlorene Stunde am Engpass = eine verlorenen Stunde im ganzen Prozess)

Grüße

Hallo Leute,

vielen Dank für eure Antworten und Anregungen. Trotzdem stehe ich im Moment irgendwie vor einem Berg, weil ich derzeit noch keine Ahnung habe, wo und wie ich starten soll.

Werde mal versuchen, mich durchzuwühlen!

VLG Gerrit