Hallo Thomas,
merkwürdig, dass du es immer wieder schaffst, mich zu einem
Antwortposting zu bewegen …
Warum muss das auch immer so ausufern.
> Wenn hier irgendetwas absurd ist, ist es das, was als
> wissenschaftlich vielfach verkauft wird.Der Begriff „wissenschaftlich“ ist ziemlich vieldeutig, und es
ist die Frage, wie man diesen Begriff füllen sollte.
Jederzeit eindeutig reproduzierbare Ausage. Wäre jedenfalls ein Ansatz.
Kant hat den Zeitbegriff nicht „axiomiert“ - wie du behauptest
- erstens weil es den Begriff „axiomiert“ gar nicht gibt (es
muss wenn überhaupt „axiomatisiert“ heißen), und zweitens hat
er den Zeitbegriff auch nicht axiomatisiert, weil
Axiomatisierung ein Verfahren ist, das folgende Kriterien
erfüllen muss: Es wird ein Axiom gesetzt, und ein Axiom ist
ein Grundsatz, der weder bewiesen werden soll, noch bewiesen
werden muss, noch bewiesen zu werden braucht, weil er
unmittelbar einleuchtet.
Eigentlich tat er genau das. Er setzte in seinen Betrachtungen einen im Ursprung der Entstehung vorhandenen Zeitpfeil voraus. Siehe link anderes Posting. Hab nicht gefunden, dass er es so sagte, er verwendete aber das Axiom „Zeit“, die Uhrzeit.
Dieses Kriterium erfüllt der
Zeitbegriff Kants nicht.
Dann kläre mich bitte mal auf, ich möchte es vermeiden, das in seinen Texten zusammenzusuchen.
Du schüttest Axiomatisierung (die
Anwendung einer nicht zu beweisenden Voraussetzung),
transzendentale Begründung (den Versuch des Nachweises
unbedingter Voraussetzung aufgrund der Aufweisung der
Bedingungen der Möglichkeit von etwas), phänomenologische
Begründungsverfahren und andere sinnvolle Verfahren in einen
Topf, weil sie nicht zu deiner Theorie passen, an der du alles
messen möchtest.
Das ist nicht meine Theorie, sondern Betrachtungsweise. Die aber auch nicht von mir ist.
> interpretiert Marx aus seinem
> idealistischen Standpunkt, hat noch nichtmal die
Dialektik
> begriffen (–> Kant und Erkantnis), aber unterstellt
mir
> Absurditäten.Der Begriff der Dialektik ist fast ebenso vieldeutig wie der
Wissenschaftsbegriff. Du benutzt denjenigen von Engels, ohne
ihn von dem Dialektikbegriff von Marx abzusetzen oder
zumindest die Differenz anzuerkennen.
Nein, ich sehe hier keine Differenz. Wieso sollte es da eine geben? Der Unterschied zwischen M und E liegt oft dort, dass Engels das aus dM Sicht zusammenfasste, was Marx akribisch und empirisch analysierte und schlussfolgerte.
Wenn ich hier von Dialektik rede, dann die moderne Gebrauchsweise. Also Methode der Darstellung seit Hegel. Den Unterschied beschrieb ich dir im Philobrett.
> Absurd ist definitiv, auf willkürlich festgelegten
Begriffen
> eine Wissenschaft aufzubauen. Das siehst du deutlich an
> solchem Quatsch wie Urknall (zuerst wohl auch bei Kant)
und
> sich daraus ergebender Unvereinbarkeit verschiedener
Zweige
> ein- und derselben Wissenschaft. In diesem Land hat noch
> nichtmal eine Form der Gesellschaftswissenschaften den
Hauch
> einer Wissenschaftlichkeit (wäre tödlich).Du polemisierst. Die Urknalltheorie bei Kant anzusetzen, ist
genauso unsinnig, wie die Gesellschaftswissenschaften als
Prototyp von „Wissenschaft“ anzudeuten.
Nicht als Prototyp, das ist wieder eine Unterstellung. Aber aus Gesellschaftswissenschaften lässt sich eine genauso exakte Wissenschaft machen, wie Mathematik oder ähnlichem.
> Dafür habe ich aber gesuicht und bin logischerweise
fündig
> geworden, wo bei Marx genau das steht, was ich dir die
ganze
> Zeit versuche rüberzubringen:
> http://mlwerke.de/me/me40/me40_568.htmSchönen Dank für den Link, allerdings verstehe ich nicht,
inwiefern dieser Link hier einschlägig sein soll, denn der von
dir verwendete Begriff der „Bewegung“ ist gänzlich anders
gemeint als hier bei Marx. Der Begriff der Zeit, über den wir
hier diskutieren, taucht in dem ganzen Text gar nicht auf, und
auch von Kant ist nirgends die Rede.
Hegel schrieb wohl bereits etwas über Kant, deshalb die Fortsetzung bei Hegel.
Bewegung benutze ich in Bezug darauf genau so wie bei Marx, als Betrachtung komplexer Bewegungsabläufe innerhalb komplexer Systeme.
[Die Fülle der wirklich interessanten Äußerungen von Marx zu
Hegel müsste man sich freilich im Einzelnen ansehen, um genau
zu prüfen, wo der Fehler steckt (es ist meines Erachtens -
kurz gesagt - die Forderung nach einer Aufhebung der
Abstaktion, die an sich nicht falsch ist, aber leider in das
Gegenteil umschlägt - die Diskussion würde hier wieder zu weit
führen).]
Wieso Forderung nach Aufhebung der Abstraktion? Im Gegenteil, deren logische Negation des äusserlich Betrachtem als von aussen Betrachtetes. Hier ist es sehr wichtig, die Betrachtung über das Selbstbewusstsein zu begreifen. Genau dort steckt der Punkt, an welchem er gewonnene Erfahrung als Erkenntnis negiert, um Ereignisse von aussen stehend zu betrachten. Deshalb war es ihm möglich, die menschliche Gesellschaft ebenfalls als Form der Materie zu betrachten und ihre „Bewegung“ zu analysieren. WEr begreift sich nicht mehr als gottgegebenen Teil der Natur, welches die Natur einfach widerspiegelt, sondern erfassendes, erkennendes Individuum, welches durch Negation gewonnenener Erfahrung fähig ist, sie zu verändern. Das als Grobzusammenfassung - ist wirklich Stoff für mehrere Doktorarbeiten.
> Wenn du von deinem idealistischen Standpunkt nicht
abkehrst
> und die eigene Aussagenlogik negierst, ist es unmöglich
mich
> zu verstehen, weil ich nicht an einem idealistischen
Weltbild
> weiterbasteln kann. Jegliches ist schon im Ansatz Unsinn.Mit dieser Einstellung verhältst du dich nicht etwa
„wissenschaftlich“, sondern du verweigerst geradezu die
Diskussion (die doch für Wissenschaft konstitutiv sein sollte)
- ein Verfahren, dass ich sonst nur aus der Esoterik kenne, wo
immer gefordert wird, man solle doch endlich einmal den
Widerstand gegen die Prinzipien (etwa der Astrologie)
aufgeben, dann würde man schon sehen, dass es funktioniert.
Hier wieder der Verweis zum obigen link, wie er Idealismus und Materialsimus trennt. Weshalb Metaphysik und primitiver Realsimus auch nur Formen idealistischer Betrachtung sind.
> In obigem Text ist ganz klar der Unterschied zum
Idealismus
> herausgestellt. Kann man aber wohl nur erfassen, wenns
auch
> mit Hegels dialektischer Methode klappt.Der Gegensatz, den Marx herausstellt, ist der Gegensatz der
Konzeptionen von Hegel und Marx, mehr nicht.
Aua, auf keinen Fall. Es ist der Gegensatz der Betrachtungsweise/richtung durch Umkehr Hegel´s dial. Methode.
Kant hat sich
gegen den Vorwurf des Idealismus gewehrt (ich hatte dir den
Link aus der „Kritik der reinen Vernunft“ schon einmal
gepostet).
Er ist aber Idealist, weil er das Wesen dessen mit Descartes und Hegel und anderen gemein hat. Er betrachtet die Welt aus sich heraus, nicht von ausserhalb, als subjektive Wirklichkeit. Nicht als objektive Realität, die es widerzuspiegeln gilt.
Außerdem hatte ich schon einmal dargelegt, dass der
Begriff des Idealismus häufig mit dem Begriff des
Spiritualismus verwechselt wird, was in der Geschichte der
Philosophie viel Unheil angerichtet hat. Der Idealismus
bezieht sich auf die subjektive Wirklichkeit von Erkenntnis,
der Spiritualismus auf das objektive Dasein eines Gedankens.
Diesen Fehler kann man meinetwegen Hegel gerne vorwerfen (wenn
man ihn so interpretieren will, wie Marx es tut - allerdings
halte ich es, wie gesagt, nicht für richtig oder zumindest
nicht für zwingend, Hegel so zu interpretieren); Kant hingegen
trifft dieser Vorwurf überhaupt nicht, sondern der Gegensatz
wirft geradezu ein Licht auf das Verhältnis zwischen
kantischem und einsteinschem Zeitbegriff und zeigt, dass beide
Zeitbegriffe durchaus vereinbar sind, nämlich weil sie
perspektivisch differieren.Alle drei Punkte weisen darauf hin, dass du die Sache, um die
es dir geht, vereinfachst mit dem Ziel, deine Theorie
bestätigt zu bekommen. Das ist - positiv formuliert - ein
teleologisches Verfahren, das im Prinzip schon in der
Renaissance als dasjenige Verfahren entdeckt wurde, dass den
Erkenntnisfortschritt hemmt (anstatt ihn zu fördern), indem
nämlich im Mittelalter das Ziel darin bestand, dass am Ende
immer Gott herauskommt, bei dir kommt eben immer deine Theorie
heraus. Das ist zumindest suspekt.
Unverstanden Wertungen abzugeben ist aber auch lediglich ein Zocken am Verständnis 
Herzliche Grüße
Thomas Miller
dito
Frank