Da es keine absolute Gleichzeitigkeit
gibt, ist es völlig wurst, ob zwei Vorgänge, die im einen
Bezugssystem gleichzeitig stattfinden, im anderen nicht
gleichzeitig sind. Daraus kannst Du keinen Zeitsprung
herleiten.
Habe ich aber. Was nun?
Der Springende befindet sich die ganze Zeit in
einem dritten, seinem eigenen Bezugssystem.
Der Springende befindet sich in jedem Bezugssystem, das ich wähle und ich habe die Ruhesysteme der Wurmlöcher gewählt. In beiden Bezugssystemen macht er einen Zeitsprung.
Wenn Du einen
Zeitsprung in Bezug auf ein anderes System herbeiführst, löst
sich das ganze in Wohlgefallen auf, wenn Du das andere System
‚betreten‘ willst.
Anderes Bezugssystem ‚betreten‘? Was soll das denn sein? Man kann höchstens einen Raum betreten und das in irgend einem Bezugssystem beschreiben.
Nur wird das nicht gleich
sichtbar, da die Wurmlöcher 10LJ auseinander sind.Das stimmt nun ganz und gar nicht. Entweder Du beschreibst das
im Ruhesystem von W1, dann beträgt die räumliche Entfernung 10
Lichtjahre und die zeitliche -5 Jahre.Wo soll die zeitliche Differenz herkommen?
Zeichne ein Minkoski-Diagramm.
W1e und W1a befinden sich im selben Bezugssystem
Ja, die Frage ist nur in welchem. Das Bezugssystem kann ich schließlich frei wählen. Und in zwei dieser Bezugssysteme kommt es zu einem Zeitsprung. Versuch doch einfach mal ein Bezugssystem zu finden, in dem es keinen Zeitsprung gibt. Das wäre dann wenigstens ein Argument.
Oder Du betrachtest es
im Ruhesystem von W2, dann beträgt die räumliche Entfernung
8,66 Lichtjahre und beides findet gleichzeitig statt.Das ändert für den Springer nichts. Er befindet sich nicht im
BZ von W2.
Noch einmal: Der Springer befindet sich in dem Bezugssystem, in dem ich den Vorgang beschreibe. Ich habe ihn sowohl im Ruhesystem von W1, als auch im Ruhesystem von W2 beschrieben und in beiden kommt es zum Zeitsprung.
Grundsätzlich muß die raum-zeitliche Entfernung zweier
Ereignisse sqrt[x²-(t·c)²] in allen Bezugssystemen gleich (in
diesem Fall 8,66 Lichtjahre) sein.Es gibt durch die Nullzeit keine zeitliche Differenz zwischen
den zwei Ereignissen. Wie willst Du da eine konstruieren?
Ob der Sprung in Nullzeit stattfindet, hängt vom Bezugssystem ab. Ich habe vorausgesetzt, daß der Sprung nur im Ruhesystem der Wurmlöcher in Nullzeit stattfindet. Da es aber kein Bezugssystem gibt, in dem beide Wurmlöcher ruhen, kann der Sprung nicht bei beiden Wurmlöchern in Nullzeit erfolgen. Bei wenigstens einem Wurmloch muß es zu einer zeitlichen Differenz kommen und die ist im beschriebenen Fall negativ.
Das bedeutet, daß die
Ereignisse in keinem Bezugssystem gleichzeitig stattfinden und
10 Lichtjahre auseinander liegen können.Gleichzeitig stattfinden und gleichzeitig feststellen ist ein
Unterschied.
Das ist korrekt. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob Dir der Unterschied klar ist.
Das führt nicht zu einem Zeitsprung.
In diesem Fall schon.
Wodurch sollte eine Zeitdifferenz auftreten?
Diese Zeitdifferenz kommt durch die Transformation der
Ereignisse vom Ruhesystem von W2 ins Ruhesystem von W1
zustande. Die Wurmlöcher sollen in ihren jeweiligen
Ruhesystemen ohne Zeitverlust durchquert werden. Daraus folgt,
daß der Zeitreisende im Ruhesystem W2 zur selben Zeit in das
Loch herein und wieder heraus fliegt. Im Ruhesystem von W2
finden diese Ereignisse aber nicht gleichzeitig statt, sondern
hier kommt der Zeitreisende 5 Jahre früher aus dem Wurmloch
heraus, als er heringeflogen ist.Dies ist nur scheinbar der Fall.
Ganz und gar nicht. Die Zeitverschiebung ist real.
Stell Dir zwei Ereignisse auf
zwei 10LJ voneinander entfernten Planeten vor.
Ich nehme an, daß sie im Ruhesystem der Planeten gleichzeitig stattfinden sollen.
Ein Beobachter
bewegt sich mit 0,5c auf die von ihm aus gesehen
hintereinander liegenden Planeten zu. Selbstverständlich
liegen für ihn die Ereignisse zeitlich auseinander.
So ist es.
Trotzdem findet hier kein Zeitsprung statt, oder?
Das hängt davon ab, ob die Ereignisse kausal gekoppelt sind. Wenn beispielsweise ein Raumschiff bei einem Planeten in ein Wurmloch hinein und beim anderen heraus fliegt, dann macht es dabei im Ruhesystem des bewegten Beobachters einen Zeitsprung, der je nach Richtung der Wurmloch-Durchquerung in die Zukunft oder in die Verangenheit führt.
Im Ruhesystem von W2 kommt
die Zeitdifferenz in umgekehrter Weise durch die
Transformation vom Ruhesystem von W1 in das Ruhesystem von W2
zustande.Die Transformation ist nur eine Rechenregel, um Zeitabläufe
vom einen BS ins andere umzurechnen.
Und diese Rechenregel führt hier zu einem Zeitsprung.
Eine Berechnung hat aber
auch Randbedingungen, die Du hier verletzt, indem Du die
Bewegung des Springers in Nullzeit geschehen lääst. Dieser
Fall ist für Deine Transformation gar nicht definiert,
behaupte ich jetzt einfach mal.
Dieser Einwand wäre zulässig, wenn ich an irgend einer Stelle das Ruhesystem des Springers verwendet hätte. Tatsächlich habe ich aber nur die Ruhesysteme der Wurmlöcher verwendet und die bewegen relativ zueinander mit Unterlichtgeschwindigkeit. Da gibt es also keine Probleme.
Zeichne das Ganze doch einfach mal in ein Minkowski-Diagramm
ein. Dann wirst Du sehen, wie der Zeitsprung zustande kommt.Damit kenne ich mich leider nicht aus. Kannst Du mir dazu was
zumailen? Oder auf irgendeine Internetseite packen?
http://www.mrstupid.de/temp/wormholes.gif
Die fetten grünen Linien sind die Ein- und Ausgänge des Wurmlochs W1. Die grünen Pfeile sind die Koordinatenachsen des zugehörigen Ruhesystems (Zeit senkrecht und Ort waagerecht). Die Koordinaten der drei Ereignisse in diesem Bezugssystem sind grün beschriftet. Die fetten blauen Linien sind die Ein- und Ausgänge des Wurmlochs W2. Die blauen Pfeile sind die Koordinatenachsen des zugehörigen Ruhesystems. Die Koordinaten der drei Ereignisse in diesem Bezugssystem sind blau beschriftet. Um zu zeigen, daß die Durchquerung der Wurmlöcher in den jeweiligen Ruhesystemen instantan erfolgt, habe ich noch rote Lichtsignale ringezeichnet, die beim Passieren der jeweiligen Wurmlochein- bzw. Ausgänge abgesandt werden. Diese Signale treffen sich jeweils in der Mitte der beiden Wurmlöcher (gestrichelte Linien). Das bedeutet, daß die Lichtsignale in den jeweiligen Ruhesystemen zur gleichen Zeit von den Wurmlochenden abgesandt wurden.
Im Ruhesystem von W1 ist W1 10 LJ und W2 7,5 Lichtjahre lang
(also nichts mit 8,66 LJ). Außerdem liegen dort entweder W1a
und W2e oder W1e und W2a nebeneinander.
Im Ruhesystem von W2 ist sind sowohl, als auch W2 8,66
Lichtjahre lang (also nichts mit 10 LJ). Deshalb liegen dort
auch W2e und W1a sowie W2a und W1e gleichzeitig nebeneinander.Ähm - das habe ich jetzt nicht ganz nachvollziehen können.
Kannst Du das nochmal umformulieren?
Imho sollte doch von W2 aus W2 10LJ auseinanderliegen, oder?
W2 ist das bewegte Wurmloch und das ist in seinem Ruhesystem 8,66 LJ und im Ruhesystem von W1 7,5 LJ lang.
Und da die BZ immer gleichberechtigt sind, müssen sie
wechselseitig das gleiche sehen.
Sie sehen zwar die gleichen Ereignisse, aber Längen und Zeiten sind unterschiedlich.
Wo soll da die Differenz herkommen?
Längenverkürzung und Zeitdilatation zwischen relativ zueinander bewegten Bezugssystemen.
Oder habe ich Dein System nicht verstanden, sind
die beiden Wurmlochentfernungen (im jeweiligen BZ gemessen)
gar nicht 10LJ groß?
Ich habe doch alle Orte, Zeiten und Längen angegeben. Im Ruhesystem von W1 ist W1 10 LJ und W2 7,5 LJ lang. Im Ruhesystem von W2 sind beide Wurmlöcher 8,66 LJ lang. Das jeweils bewegte Wurmloch ist also um den Faktor sqrt(0,75) verkürzt. Der (bezugssystemunabhängige) raumzeitliche Abstand zwischen Ein- und Austritt beim Wurmloch W1 beträgt 10 LJ und bei W2 8,66 LJ. Daraus folgt, daß mit der Verkürzung der Längen der zeitliche Abstand wachsen muß.
Da ist überhaupt kein Widerspruch - vorausgesetzt man hält
sich an die SRT.Genau das wollen wir ja diskutieren.
Ich zumindest.
Ich auch.
Wo ist der Zeitsprung?
Bei der Durchquerung von Wl.
Dann brauchst Du W2 gar nicht? Einfach in ein Wurmloch und Du
bist in der Vergangenheit?
Im Prinzip schon. Eigentlich genügt ein einziges Wurmloch, aber wenn die Wurmlochenden relativ zueinander ruhen, ist der Zeitsprung nicht ohne Raumsprung zu haben. Deshalb habe ich das zweite Wurmloch eingebaut, um zum Ausgangsort zurück springen zu können. Man kann das auch in einem einzigen Sprung erledigen, wenn die Wurmlochenden sich relativ zueinander bewegen. Aber dann wird es richtig kompliziert.
Er kommt nicht in der Vergangenheit
heraus. Er kommt nur an einer anderen Stelle heraus. Zum
selben Zeitpunkt, zu dem er das WL betreten hat.Du bist im falschen Film. Der Zeitreisende kommt im Ruhesystem
von W1 zur selben Zeit aus W1a heraus, zu der er in W1e
hineingeflogen ist. Wir sind jetzt aber im Ruhesystem von W2
und da kommt er 5,77 Jahre früher raus.Warum sollte er sich jetzt auf einmal im anderen BZ aufhalten?
Der Zeitreisende hält sich immer in dem Bezugssystem auf, das ich wähle um seine Bewegung zu beschreiben. Und ich habe die Ruhesysteme von W1 bzw. W2 gewählt. Das Ruhesystem des Zeitreisenden interessiert mich dabei nicht.
Er hat nicht auf die Geschwindigkeit von W2 beschleunigt.
Das muß er auch nicht.
wenn doch eine ‚einfache‘ Zeitkapsel den gleichen Zweck
…
Welche Theorie liegt dem zugrunde? Gibt es dazu Publikationen?Meine Theorie. Noch unveröffentlicht.
Theorien über Wurmlöcher stammen von renomierten Physikern und sind veröffentlicht. Damit dürfte die Frage beantwortet sein, warum ich keine „‚einfache‘ Zeitkapsel“, sondern Wurmlöcher für die Zeitreise gewählt habe. Damit befinde ich mich nämlich auf relativ sicherem Boden und nicht im Reich der puren Spekulation.
Im Ernst, niemand weiß, wie eine Zeitmaschine funktioniert.
Und niemand hat bislang ein Wurmloch beobachtet.
In der Realität nicht, aber auf dem Papier schon.
Wurmlöcher sind Lösungen der einsteinschen Feldgleichungen.
Okay. Aber, wie gesagt, möglich nach den einsteinschen
Gleichungen, aber nirgendwo beobachtet.
Immerhin sind Wurmlöcher in der ART möglich. Wenn sie in der Realität nicht möglich sind, dann beschreibt die ART nicht die Realität. Das wäre schon ein starkes Stück, wenn man das nachweisen könnte.
Insofern genauso
wahrscheinlich wie ‚meine‘ Zeitmaschine. Die Voraussetzungen
sind einfach nicht gegeben.
Ist die Theorie, auf der Deine Zeitmaschine basiert, in irgend einer Weise experimentell bestätigt worden?
.