Zeitzeugeninterviews

Hallo,

ich fange im Januar mit meiner Magisterarbeit zum Thema „Kindheit und Jugend im Dritten Reich“ an.

Ich möchte gerne Interviews einbauen, weiß aber nicht wie ich an Zeitzeugen (Geburtsjahrgänge 1925 und älter) rankomme. Ich kann ja nicht einfach alte Leute auf der Straße anquatschen oder in ein Altenheim marschieren. Ich glaub nicht, dass das dem Personal gefallen würde.

Wie komme ich also an Zeitzeugen ran, die dann auch bereit sind mir ein Interview zu geben?

Für Ideen und Vorschläge wäre ich echt sehr dankbar.

Tanja

Hallo Tanja,

ich stand vor Jahren vor einem ähnlichen Problem und habe mich deshalb bei
http://www.feierabend.com
angemeldet. Die älteren Menschen dort sind in der Regel ausgesprochen daran interessiert, ihr Wissen als Zeitzeugen weiterzugeben.
Viel Erfolg
wünscht Dir
Chris

Moin Tanja,

einfach in ein Altenheim reinmarschieren, das geht natürlich nicht. Wenn Du aber bei der Heimleitung dein Vorhaben vorstellst und mögliche Vorgehensweisen besprichst, dann ist diese Idee sicher realisierbar.
Aus eigener Erfahrung weiß ich dass es Heimleitungen gibt, die Anregungen von außen zur „Beschäftigung“ ihrer Heimbewohner gerne aufnehmen. Die alten Herrschaften freuen sich auch über jede Abwechslung im alltäglichen Heimtrott - wahrscheinlich ganz besonders, wenn man sich für ihre Vergangenheit interessiert.
Du könntest z.B. bei einem Kaffekränzchen erzählen, was Du vorhast, die Senioren zunächst gemeinsam erzählen lassen und dann fragen, wer in einer kleinen Gruppe oder allein deine Fragen beantworten möchte.

Bei „Lebendiges virtuelles Museum Online“ findest Du evtl. auch Dateien, die Du auswerten kannst https://www.dhm.de/lemo/
Tipp: platziere im Geschichtsbrett einen Hinweis/Link auf deine Frage in diesem Brett.

Grüße
Pit

HAllo neben dem GEschichtebrett würde ich dir noch ganz unten das Älterwerden brett vorschlagen (nur ein Link auf diesen Artikel oder so, kein Doppelposting und auch kein Aufruf sich zu melden =Werbung für Umfragen, wer Lust hat und das passende ALter hat tut das dann auch so).
Ansonsten find ich es auch nicht verkehrt, sich an Altenheime zu wenden. Du kannst auch in betreuten Wohnanlagen (dort sind die BEwohner meist noch fitter) versuchen eine Aushang unterzubringen.
Dein Thema ist ja recht unspezifisch und Kind waren alle ja einmal, sie müssen nur das richtige Alter haben.
Da du Forschung betreibst, gibt es auch Möglichkeiten alle Bewohner der Stadt mit einem bestimmten Jahrgang über das Einwohnermeldeamt anzuschreiben. Das wurde hier mal gemacht von der Psychiatrie bei einem Projekt über Kriegskinder (und Posttraumatischem Belastungssyndrom), aber das hatte weniger Erfolg, denn so ein Brief kam dann aus heiterem Himmel und noch dazu von der Klapse, obwohl es den Angesprochenen zumindest soweit sie es beurteilen konnten ganz gut ging…keine gute Taktik.
Bei deinem Projekt kann aber das auch eine sinnvolle Taktik sein, denn du willst ja nur in Erinnerungen kramen und nicht irgendwelche Psychofolgen finden.
Evtl kombiniert mit einem Aufruf/ einer Ankündigung in der Lokalpresse (gibt es bei euch auch so ein kostenloses Anzeigenblatt, wo immer händeringend Artikel mit Inhalt gesucht werden und das evtl Volontären der Tageszeitung als erstes Versuchsfeld dient? Dort kannst du auch ohne Einwohnermeldeamtsaktion etwas loswerden)

Dann gibt es zT auch einige Seniorenvereine in der Gegend oder auch Bundesweit (Seniorenbund, Graue Panther) oder regionale VEreine von älteren Herrschaften, die sich mit Zeitgeschichte befassen (also im Grunde auch der eigenen Geschichte, bzw. allem was eigentlich so fdrumrum passierte), die freuen sich immer wenn Profis sich für sie und ihre Arbeit interessieren, können aber natürlich auch etwas problematisch in Umgang und in der Verlässlichkeit als Quelle sein, da sie sich schon ein eigenes historisches Bild geprägt haben und nicht mehr einfach NUR Erinnerungen einfliessen.
Und Hobbyhistoriker sind eben an sich schon etwas problematisch für den Profihistoriker (zB. was den Umgang mit Quellen vs. Anekdötchen angeht)

Es kommt aber auch noch drauf an, was du konkret von deinen Zeitzeugen erwartest, ausser dem richtigen Geburtsjahr und noch funktionierender Erinnerung. Was möchtest du darstellen, wo liegen deine Untersuchungsschwerpunkte? eher regional oder Bundesweite Vergleiche. Stadtkinder oder Landkinder im Vergleich, oder solche die dauerhaft an einem Ort blieben und solche die immer wieder vertrieben wurden und viel umziehen mussten. Bist du an deren Spielen, Freundschaften, Kleidung oder Ernährung interessiert oder an deren Erziehung/Schulbildung, Indoktrinierung/Militarisierung, Rolle im System oder ihrem Werdegang zwischen 1933-45?

DAs solltest du dir alles vorher überlegen und danach schauen, wo du diese speziellen Leute heute finden kannst.
Wenn du am Spiel interessiert bist gibt es zB. auch Freundeskreise von Spielzeugmuseen, wenn es die Schule ist, dann gibts Fördervereine von Schulmuseen etc.
Wenn du Akademikerkinder suchst, kannst du bei Alumnisvereinen und Burschenschaften nach den Alten herren fragen, denn die Akademikerkinder sind vermutlich heute auch Akademiker in Rente.
Wenn du Arbeiterkinder suchst, dann kannst du bei Gewerkschaften fragen, denn Arbeiterkinder sind oftmals entweder selbst Arbeiter geworden oder stehen auch als Akademiker den Gewerkschaften und ähnlichen Organisationen noch nah.
usw.usw.

Viel Spass beim Grübeln
Gruß Susanne

Hallo Ihr 3 (Susanne, gargas und Chris),

vielen lieben Dank für die vielen tollen Anregungen und Vorschläge. Ich werde sie alle nacheinander abarbeiten, bis ich meine Zeitzeugen beisammen habe.

LG Tanja