Zentralrat und Juden

Hallo

Weiß jemand was die Juden vom Zentralrat halten?
Ist das so wie bei den meißten Katholiken und Papst?

Weiß jemand was die Juden vom Zentralrat halten?
Ist das so wie bei den meißten Katholiken und Papst?

Hallo Max,

zum Zentralrat gibt es innerjüdisch unterschiedliche Meinungen.
Weil ich nicht „die Juden“ bin, kann ich Dir nur meine Ansicht dazu sagen und ein paar Fakten zum Verständnis.

Der Zentralrat ist keine religiöse Vertretung, sondern eine politische. Jede jüdische Gemeinde ist autonom in ihren Entscheidung.

Der Zentralrat stellt sich immer als Vertretung aller Juden da, ist es aber nicht, wird aber auch von der Politik dazu gemacht, weil das für alle Beteiligten so bequemer ist.

Der Zentralrat vertritt den größeren Teil der 96 in Deutschland existierenden jüdischen Gemeinden.
13 liberale jüdische Gemeinden werden von der „Union progressiver Juden“ vertreten, von der fast niemand was weiß und zu der äDu im Netz mehr unter http://www.liberale-juden.de findest.
Der Zentralrat ist übrigens unter
http://www.zentralratdjuden.de

Die Juden, die nicht in jüdischen Gemeinden organisiert sind, werden von niemand vertreten.

Ich habe mich gerade letzte Woche sehr über den Zentralrat geärgert.
Er ist Herausgeber der „Allgemeinen Jüdischen“, die bis jetzt - seit 1993 14tägig - erschien. Jetzt kommt sie wieder wöchentlich heraus.
Das ist durch die Gelder des Staatsvertrags möglich.

Paul Spiegel meinte nach Abschluß des Staatsvertrags, die Zeitung werde wieder auf wöchentlich umgestellt. Man wolle jüdisches Lernen fördern. Das mit der Förderung jüdischen Lernens ist ein gutes und wichtiges Anliegen, weil das gerade in den kleineren Gemeinden ein schwieriges Kapitel ist, weil nicht ausreichend Religionslehrer zur Verfügung stehen und Rabbiner.

Die neue Ausgabe der AJW - wie gesagt die erste - hat einen erweiterten Seitenumfang, kommt doppelt so oft raus und hat natürlich ein erweitertes Redaktionsteam. Dass jetzt mehr religiöse Bildungsvermittlung vorkommt als vorher kann man wirklich nicht sagen.
Und das ärgert mich tierisch, weil ich es lieber anders gesehen hätte.

Wenn jemand die ‚Allgemeine Jüdische‘ interessiert, es sind immer ein paar Artikel im Internet und es gibt sie im bahnhofszeitschriftenhandel.

Viele Grüsse

Iris

Nachtrag
Wenn Dich dazu mehr Meinungen von Juden interessieren, dürfte das hier nicht der ideale Ort Deiner Frage sein.
Du könntest sie auch in ein jüdisches Forum stellen, z.B.
http://www.hagalil.com/forum/a/index.htm

Gruss

Iris

Noch ein Nachtrag
Hallo!

Zusätzlich zu den Links, die du von Iris bekommen hast, noch ein paar:

http://www.aufbauonline.com/ (eher kritische Zeitung)
http://www.henryk-broder.com/ (private HP eines bekannten Publizisten)

Dazu passt auch neuester Artikel von Broder im „Spiegel“:
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,273199,00.html

Gruß

… aber es interessiert mich.

Liebe Iris,
ich lese da bei dir:

Der Zentralrat vertritt den größeren Teil der 96 in
Deutschland existierenden jüdischen Gemeinden.

Mehr sind´s nicht ?
Kommt mir so wenig vor - wieviele Juden gibt´s eigentlich in D ?
Oder sind die nicht alle Gemeindemitglieder ?

Bernd
*dervomJudentumwenigAhnunghat*

Anzahl der jüdischen Gemeinden
Hallo Bernd,

Mehr sind´s nicht ?

nein, mehr als 96 sind es derzeit nicht. Eine Reihe dieser Gemeinden wurden erst in den letzten Jahren im Zuge der Zuwanderung russischer Juden gegründet.
Die meisten jüdischen Gemeinden haben zwischen 200 und 400 Mitglieder.

Kommt mir so wenig vor - wieviele Juden gibt´s eigentlich in D

In den jüdischen Gemeinden sind derzeit knapp 100 000 Juden Mitglieder.

Oder sind die nicht alle Gemeindemitglieder ?

So ist es. Die Anzahl derer, die nicht in Gemeinden >Mitglieder sind, ist unbekannt.
So hat z.B. die jüdische Gemeinde in Berlin 12 000 M itglieder. Es wird jedoch geschätzt, dass in Berlin zwischen 20 000 und 30 000 Juden leben - je nach Interessenlage des Schätzenden.

Man kommt darauf durch sozialwissenschaftliche Forschungen im anglo-amerikanischen Raum, wo man herausfand, dass etwas mehr als ein Drittel der in einer Stadt wohnenden Juden auch Mitglieder einer jüdischen Gemeinde sind.

Ob man diese Forschungsergebnisse so 1:1 übertragen kann, bezweifle ich. Ich denke, daß in Deutschland ein höherer Anteil Gemeindemitglieder ist als in den Staaten - und zwar wegen der gesetzlichen Regelungen bzgl. der Einwanderung russischer Juden.

Hier müssen russische Juden auch bei staatlichen Institutionen nachweisen (Klärung des aufenthaltsstatus z.B.&gt:wink:, dass sie Juden sind. Dazu brauchen sie die jüdische Gemeinde.

Vor die russischen Juden nach Deutschland kamen war die Zahl der hier lebenden Juden seit der 70iger Jahre ziemlich konstant so um 27 000 für die alte BRD.

In der DDR waren zur Zeit der Wiedervereinigung 500 Juden Mitglieder in sieben Gemeinden. Man schätzt, dass es weitere 1100 Juden gab, die nicht Gemeindemitglieder waren.

Viele Grüsse

Iris

Hallo Iris,

Die Juden, die nicht in jüdischen Gemeinden organisiert sind,
werden von niemand vertreten.

Womit sich sofort wieder die vor kurzem hier diskutierte Frage stellt: „Was sind Juden?“ Eine Religionsgemeinschaft? Haben sie als Religion im Ausweis „jüdisch“ stehen?
Alle anderen Definitionen oder Zuordnungen wie Volk oder gar Rasse führen unweigerlich wieder zu den Problemen, die wir sattsam kennen, im schlimmen Fall dazu, dass sie wohlmöglich keine Deutschen sind - was natürlich Unsinn ist!

Gruß, Stucki

Liebe Iris,

glauben denn wirklich alle Juden, wahrscheinlich nur die Organisierten?, das, was als Politik vermittelt wird?
Oder ist es so, daß viele, wenn nicht die meisten Juden
mit dieser Art von Business, wie es Finkelstein zurecht
kritisiert, gar nichts zu tun haben wollen. Weil es kontra-
produktiv der Glaubwürdigkeit und dem Ansehen ist!

Sag mal ein paar freie !!! Takte dazu. Je offener, dest mehr
ehrlichen Kredit haste, aber das weißt Du ja sicher auch!

Dein Hans

Sollte Dir das Thema zu heiß sein, laß es mich wissen.
Denn ich habe oft das Gefühl, so frei, wie ständig herausposaunt,
ist die Brd gar nicht, im Gegenteil, furchtbar reglementiert, geradezu
vermint mit Paragraphen und Fallstricken, oder?

Hallo Stucki,

Die Juden, die nicht in jüdischen Gemeinden organisiert sind,
werden von niemand vertreten.

Womit sich sofort wieder die vor kurzem hier diskutierte Frage
stellt: „Was sind Juden?“ Eine Religionsgemeinschaft?

Nein, das ändert gar nichts an den Definitionsfragen, die wir an anderer Stelle durchgehechelt haben. Es hat auch gar nix bis wenig mit Religiosität zu tun, ob jemand in der Gemeinde Mitglied ist oder nicht.
Ich kenne sehr religiöse Leute, die nicht Gemeindemitglieder sind und atheistische Juden, die es sind.
Man kann aus Gründen der Solidarität, weil man den Service will oder was auch immer Gemeindemitglied sein.
Die Grundbedingung ist, daß man nach dem jüdischen Religionsgesetz Jude ist, also jüdische Mutter oder Konversion. Dann hat man entsprechende Papiere und kann in die Gemeinde aufgenommen werden.

Wenn man nach diesen Bedingungen jüdisch ist und keinen Bock auf Gemeindemitgliedschaft hat, dann ist man trotzdem jüdisch.

Haben
sie als Religion im Ausweis „jüdisch“ stehen?

Nein, genausowenig wie in Deinem „katholisch“ oder „evangelisch“ steht, falls Du es bist.
Aber in der Lohnsteuerkarte steht es, wenn Du Mitglied einer Religionsgemeinschaft bist, die Körperschaft des öffentlichen Rechts ist. Die kann nämlich Beiträge - bei den Christen die Kirchensteuer - bei den Juden heißt es Kultussteuer und ist der gleiche Prozentsatz einziehen lassen per Finanzamt.

Bei den jüdischen Gemeinden ist es unterschiedlich, ob sie diesen Einzug vom Finanzamt machen lassen oder nicht. Wenn ja, dann steht es in der Lohnsteuerkarte. Es ist schlicht und einfach eine Rechenaufgabe, ob sich das rechnerisch rentiert oder nicht. Denn für den Einzug per Finanzamt sind Kosten verbunden.

Alle anderen Definitionen oder Zuordnungen wie Volk oder gar
Rasse führen unweigerlich wieder zu den Problemen, die wir
sattsam kennen,

die Geschichte mit der „rassischen“ Zuschreibung kennen wir - bei Volk kann ich nichts Problematisches sehen.

im schlimmen Fall dazu, dass sie wohlmöglich
keine Deutschen sind - was natürlich Unsinn ist!

Das ist ganz unterschiedlich. Derzeit sind die meisten Juden russische Juden und da dauert es entsprechend mit der Einbürgerung.
Man kann jüdisch und deutsch gleichzeitig sein, wobei die deutschen Juden, die den Holocaust überlebt haben und deren Nachkommen gerade mal etwa 3 % der Mitglieder der jüdischen Gemeinden ausmachen.

Eine Reihe von Juden hat doppelte oder dreifache Staatsbürgerschaften - was ist das Problem dabei?

Alles klar :wink: ?

Viele Grüsse

Iris

Hallo Hans,

glauben denn wirklich alle Juden, wahrscheinlich nur die
Organisierten?, das, was als Politik vermittelt wird?

Ich denke, da ist es bei Juden nicht anders als bei anderen Gemeinschaften, inwieweit die Basis hinter dem steht oder auch nicht, was von den „Offiziellen“ vermittelt wird. Gerade wenn Du mal in jüdische Internetforen bei http://www.hagalil.com oder http://www.talmud.de schaust, siehst Du, wie vielfältig und unterschiedlich da diskutiert wird.

Oder ist es so, daß viele, wenn nicht die meisten Juden
mit dieser Art von Business, wie es Finkelstein zurecht
kritisiert, gar nichts zu tun haben wollen. Weil es kontra-
produktiv der Glaubwürdigkeit und dem Ansehen ist!

Finkelstein - soweit ich ihn mitbekommen habe - bezieht sich auf das, was er „Holocaustindustrie“ nennt. Ich finde seine Ausführungen - auch bei Christiansen am Sonntag - nicht besonders differenziert. Er rührt alles mögliche zusammen, was nichts miteinander zu tun hat. Deshalb finde ich das wenig hilfreich.

Da finde ich die Bücher von M. Bodemann „Gedächtnistheater“ oder „in den Wogen der Erinnerung“ wesentlich aussagekräftiger und umfassender.

Mich hat Finkelstein mit seinen ewigen Wiederholungen, in denen er unterstellt, man dürfe israelische Politik nicht kritisieren, sonst würde man als Antisemit bezeichnet, nur öde und langweilig. Es wird durch die ständige Wiederholung nicht richtig. Ferner hat er Antisemitismus in Europa nur als Definitionsproblem bezeichnet. Da kann ich nur sagen, der Mann hat wenig Ahnung.

Leider kann ich Deinem Posting nicht entnehmen, was nun genau kontraproduktiv und schädlich für Glaubwürdigkeit und Ansehen ist.

Viele Grüße

Iris

hallo,

Die Juden, die nicht in jüdischen Gemeinden organisiert sind,
werden von niemand vertreten.

Alle anderen Definitionen oder Zuordnungen wie Volk oder gar
Rasse führen unweigerlich wieder zu den Problemen, die wir
sattsam kennen

Es sind auch nicht alle Christen in Gemeinden organisiert. Es gibt etliche, die aus der Kirche ausgetreten sind und jetzt als offiziell „Ohne Bekenntnis“ bei Hauskirchen, Freikirchen u.ä. dabeisind. Die werden auch von niemandem vertreten und sind dennoch Christen. Es ist unnötig daher auf die Volks/Religions-Problematik einzugehen.

datafox

Hallo Iris,

damit meine Aussagen richtig eingeordnet werden und ohne jetzt auf jeden einzelnen Punkt Deiner Antwort einzugehen: Ich kann Aussagen oder Argumente, die auch nur den Hauch eines Unterschiedes zwischen „Deutschen und Juden“ aufkommen lassen, nicht mehr hören! Die hier lebenden Juden sind Deutsche, so wie die hier lebenden Christen es sind. Punkt, aus, Feierabend! Und daher reagiere ich manchmal auch etwas allergisch oder überzogen.

Haben sie als Religion im Ausweis „jüdisch“ stehen?

Nein, genausowenig wie in Deinem „katholisch“ oder
„evangelisch“ steht, falls Du es bist.

Okay, hätte doch vorher in meinen Personalausweis gucken sollen :wink:)

… Es ist schlicht und
einfach eine Rechenaufgabe, ob sich das rechnerisch rentiert
oder nicht. Denn für den Einzug per Finanzamt sind Kosten
verbunden.

Nur interessehalber: Berechnet das Finanzamt Gebühren für den Einzug? Tut’s das auch bei Christen? Wenn nein, warum bei Juden?

die Geschichte mit der „rassischen“ Zuschreibung kennen wir -
bei Volk kann ich nichts Problematisches sehen.

Na ja, „Volk“ ist eine mehr, sagen wir, gefühlsmäßige Zuordnung. Und die birgt ja viel mehr Gegensatzpotential als eine formale Zuordnung. Wenn ich mich richtig erinnere, ist das z.B. ein wesentlicher Unterschied zwischen D und F: Deutscher ist, wer das „blutsmäßig“ (Geburt, Vorfahren usw.) ist, Franzose ist, wer sich zu Frankreich bekennt. Gott sei Dank verschwimmt das heute mehr und mehr.

Das ist ganz unterschiedlich. Derzeit sind die meisten Juden
russische Juden und da dauert es entsprechend mit der
Einbürgerung.

Das ist wohl mehr ein Sonderfall, der sich durch die Spätaussiedler ergibt. Ich habe das gerade vor kurzem mit Erstaunen gelesen, dass der größte Anteil der Juden hierzulande durch die Aussiedler entstanden ist.

Man kann jüdisch und deutsch gleichzeitig sein, …

Na, das will ich doch wohl hoffen - siehe oben! Oder gibt es da in jüdischen Gemeinden bzw. bei den Juden andere Meinungen?

Alles klar :wink: ?

Roger!

Gruß, Stucki

hallo,

Alle anderen Definitionen oder Zuordnungen wie Volk oder gar
Rasse führen unweigerlich wieder zu den Problemen, die wir
sattsam kennen

Es sind auch nicht alle Christen in Gemeinden organisiert. Es
gibt etliche, die aus der Kirche ausgetreten sind und jetzt
als offiziell „Ohne Bekenntnis“ bei Hauskirchen, Freikirchen
u.ä. dabeisind. Die werden auch von niemandem vertreten und
sind dennoch Christen.

Ja, stimmt, da kenne ich einige. Was mich angeht: Gemäß meiner religiösen Ansichten müsste ich schleunigst aus der Kirche austreteten …

Es ist unnötig daher auf die
Volks/Religions-Problematik einzugehen.

Siehe dazu meine Antwort an Iris.

Stucki

hallo,

Deutscher ist, wer das „blutsmäßig“ (Geburt, Vorfahren usw.)
ist, Franzose ist, wer sich zu Frankreich bekennt.

nach gesetz gibt es exakt 2 moeglichkeiten: entweder ein elternteil war deutscher von geburt, dann bist du auch deutscher von geburt, auch wenn du in timbuktu geboren bist, oder du wirst eingebuergert. aber auch beim ersten fall spielen vorfahren nicht wirklich eine rolle: die nachkommen von eingebuergerten sind bereits deutsche von geburt. anders gehts nicht. wenn du anfaengst, deutsch nach vorfahren zu beurteilen (hatten wir hier schon mal die debatte) dann endest du in einem logischen wirrwarr, nachdem entweder alle menschen deutsche sein muessten, oder es einen „ersten deutschen ohne eltern“ gegeben haette muessen.

gruss
datafox

Hallo Stucki,

Nur interessehalber: Berechnet das Finanzamt Gebühren für den
Einzug? Tut’s das auch bei Christen? Wenn nein, warum bei
Juden?

Auch die christlichen Kirchen müssen Gebühren dafür bezahlen, dass das Finanzamt den Kirchensteuereinzug macht.

Das ist wohl mehr ein Sonderfall, der sich durch die
Spätaussiedler ergibt. Ich habe das gerade vor kurzem mit
Erstaunen gelesen, dass der größte Anteil der Juden
hierzulande durch die Aussiedler entstanden ist.

Sorry, Spätaussiedler ist was total anderes als russisch-jüdische Zuwanderer. Die russischen Juden haben keine familiären Wurzeln hier. Gemeinsam ist beiden Gruppen, dass sie hier als „Russen“ wahrgenommen werden.
Näheres zu russischen Juden auf meiner Seite
http://www.berlin-judentum.de
im File: russische Juden in Berlin und Deutschland

Viele Grüsse

Iris