Zentripetalkraft

Hi!
Hab demnächst Prüfung und n paar Sachen wollen einfach nicht in meinen Kopf rein. Seltsamerweise die, die wahrscheinlich am popeligsten sind. So hab ich z.B. kein großes Problem mit Wellen (nur ein wenig mit Beugungsgittern) oder E-Dynamik, aber raff das mit der Zentripetalbeschleunigung nicht. Das Ding ist einfach, dass ich es nicht einfach so hinnehmen will, sondern es ist nunmal meine Natur auch immer das warum dahinter zu verstehen, sonst kann ichs mir eh nicht merken. Auswendiglernen ist nicht mein Ding. Hab auch schon bei wikipedia o.ä. geschaut, aber kanns mir einfach nicht vorstellen.
Die Frage ist jetzt wahrscheinlich total panne gestellt, aber woher kommen die Zentripetalkraft und die Zentripetalbeschleunigung? Vielleicht an dem berühmten Wassereimer-Beispiel. Ich drehe den Eimer, woher kommt dann da die Zentripetalkraft? Wie kann ich mir die Formel herleiten? Und wie genau steht die Zentrifugalkraft damit in Zusammenhang (ich weiß, Scheinkraft und so, aber wieso?)?

Wäre nett, wenn jemand geduldig genug ist mir da ne kleine Erleuchtung verschaffen kann, damit ich mir endlich vor den Kopf schlagen kann :o)

Viele Grüße
Christina

Hallo.

Wie sagte mein Lateinlehrer: „Keine Frage ist zu doof um nicht gestellt zu werden“
Ich wage einen Versuch. Besser gesagt ich lasse versuchen: ein Bild sagt ja schliesslich mehr als tausend Worte. Google mit den Schlagwörtern gefüttert bringt bei mir u.a. http://schulen.eduhi.at/riedgym/physik/9/zentripetal… & http://www.stud.fh-hannover.de/~schrewe/Physik_1_wor…
& http://fachschaft.bio-geo.uni-karlsruhe.de/f_goek/co… hervor. Und ganz zur Not schaut man bei den Astronomen oder Maschinenbauern mal vorbei :wink:

HTH
mfg M.L.

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Hi,

Die Frage ist jetzt wahrscheinlich total panne gestellt, aber
woher kommen die Zentripetalkraft und die
Zentripetalbeschleunigung?

Na, bei der Kreisbewegung ändert sich doch der Geschwindigkeitsvektor. Und diese Änderung heißt Zentripetalbeschleunigung.
Kann man einfach ausrechnen, dazu muss man wissen, dass sich der Geschwindigkeitsvektor mit der selben Winkelgeschwindigkeit ω im Kreis dreht wie der Körper selbst. Nun betrachtet man den Geschwindigkeitsvektor zu zwei kurz aufeinander folgendenn Zeiten, d.h. er hat sich um einen kleinen Winkel Δα gedreht. Für die zeitliche Änderung Geschwindigkeit (=Beschleunigung) gilt dann:

a = Δv/Δt = v * Δα/Δt = vω

Die Kraft ist dann: F = ma = mvω

Vielleicht an dem berühmten
Wassereimer-Beispiel. Ich drehe den Eimer, woher kommt dann da
die Zentripetalkraft?

Aus deinen Armen. Woher sonst?

Und wie genau steht die Zentrifugalkraft damit in Zusammenhang
(ich weiß, Scheinkraft und so, aber wieso?)?

Genau, das ist eine Scheinkraft, tritt also nur in rotierenden Bezugssystemen auf.
Aus deiner Sicht übst du auf den Eimer eine Kraft aus, welcher darauf hin seinen Bewegungszustand ändert.
Aus der Sicht des Eimer, bleibt der Eimer an Ort und stelle. Auf ihn wirkt jedoch eine Fliehkraft nach außen, damit der Eimer aber an Ort und Stelle bleibt, muss also diese Fliehkraft von deinen Armen kompensiert werden.
Das sind also zwei äquvalente Beschreibungen.

Gruß
Oliver

Formal gesehen ist bei einer Kurvenbewegung die nach innen gerichtete Zentripetalkraft das Gegenstück zu der nach außen wirkenden Zentrifugalkraft nach dem Prinzip actio=reactio.

Aber Dich interessiert die Frage, wie diese Kraft praktisch entsteht.

Nun, eine Kurvenbewegung ist gar nicht möglich ohne wirkende Kräfte. Dies ergibt sich aus den Definitionen für die Beschleunigung und die Kraft. Ohne wirkende Kraft würde sich der betrachtete Körper in Ruhe oder im Zustand gleichförmiger geradliniger Bewegung befinden.

Bei Kurvenbewegungen und so auch bei einer Kreisbewegung resultieren die wechselnden Kräfte, welche das betrachtete Objekt auf seine Bahn zwingen, aus einer Antriebskraft und aus bestimmten materiellen Gegebenheiten (z. B. eine Schiene, ein Rohr, ein Faden, ein Eimer), die mit dieser Antriebskraft in Wechselwirkung treten. Oft ist es so, daß das betrachtete Objekt sich dann der vorgegebenen Bahn fügt, z. B. die Bahn folgt genau den Windungen der Schiene oder eine Flüssigkeit dem Verlauf der Rohre, weil die Kraft immer entsprechend umgeformt wird. Weil die Ursache und die Wirkung hier von den geometrischen Formen her gleich sind (Führungsgeometrie=Bahngeometrie), ist es schwierig, sich die dazwischenliegende Kausalitätskette vorzustellen.

Daß der beschriebene Zusammenhang keineswegs banal ist, zeigt sich immer dann, wenn die beschriebenen materiellen Gegebenheiten (Schiene usw.) nicht so mit der Antriebskraft zusammenspielen, daß sie die angreifende Antriebskraft so wie beschrieben umformen. Dann tritt eine andere Wechselwirkung ein und die resultierende Kurvenbahn wird anders, weil zum Beispiel der Wagen aus der Schiene springt oder ein Rohr platzt usw.

Wenn Kräfte wirken, können diese immer in Komponenten zerlegt werden, je nachdem, in welchem Koordinatensystem das ganze betrachtet wird. Da wir gesehen haben, daß bei einer Kurvenbewegung immer Kräfte auftreten, können wir auch immer die gerade senkrecht zur Bewegung auftretende Kraftkomponente betrachten. Die aus der Krümmung herausweisende Kraft ist per Definition die Zentrifugalkraft, die Gegenkraft die Zentripedalkraft. Der Meinung, daß es sich um Scheinkräfte handelt, würde ich mich nicht anschließen, denn dann wären alle Kräfte Scheinkräfte oder auch keine Scheinkräfte. Wer schon mal auf der Achterbahn mitgefahren ist, weiß, daß die Kräfte, die einen aus dem Sitz herauspressen wollen und die einen wieder hineinpressen, durchaus real sind.

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Potentielle/kinetische Energie
Ich danke euch vielmals, hat auf jeden Fall was gebracht! :o) Aber so ist es ja immer: viele Erklärungen sind immer besser als eine (bzw. die paar, die ich gefunden habe). Hab in einer Woche 1000 Seiten Tipler gelesen, da ist das Hirn schon n bisschen verkatert :wink:

Torsten: Aber dem von dir angesprochen Thema mit den Scheinkräften muss ich widersprechen. Klar sind die in dem Bezugssystem real, aber sie werden im Grunde nur eingeführt, damit ich die Newtonschen Axiome wieder anwenden kann. Heißt ja nicht Scheinkraft, weil man sie nicht merkt, sondern weil sie im Inertialsystem schlicht nicht gilt. (richtig so? Verbessert mich, wenn irgendwas falsch ist!)

Weil es so viel gebracht hat hab ich gleich noch eine kleine Frage:
Wie sieht es mit potentieller und kinetischer Energie aus? Der Unterschied ist mir noch icht ganz klar. Hat das was mit „innerhalb des Systems“ und „außerhalb des Systems“ zu tun?

Ich glaub langsam, dass mich das Skript versaut hat. Im Tipler ist das Meiste recht gut verständlich, aber weil ich mir vorher das Skript angeschaut hab denk ich immer „war das nicht im Skript anders“?

Nochmal vielen vielen Dank! :o)
Gruß
Christina

Hallo Christina,

zwischen potentieller und kinetischer Energie gibt es nicht keinen graduellen Unterschied, sie sind wesensverschieden.

Kinetische Energie ist Bewegungsenergie: In einem bewegten Körper ist diejenige Arbeit als Energie gespeichert, die man aufwandte, um diesen Körper auf seine Geschwindigkeit zu bringen.

Potentielle Energie ist (meistens) Lageenergie, als die die Arbeit
gespeichert ist, den Körper - in Deiner Vorlesung vermutlich: - im
Schwerefeld aus dem Unendlichen an seinen Ort zu bringen.

Diese beiden Energien sind unabhängig davon, wie der Körper zu seiner Geschwindigkeit kam oder zu seinem Platz im R^3. (Ich kann den Körper auch sehr ungleichmäßig auf seine Endgeschwindigkeit beschleunigen
oder ihn im Zick-Zack an seinen finalen Ort bringen, - das ändert nichts an den beiden Energien)

Die Bedeutung der Energie besteht darin, daß
der Energiegehalt unabhängig von der Vorgeschichte ist und daß
sich diese völligst verschiedenen Energieformen quantitativ ineinander
umwandeln können. Diese Erfahrung halte ich für eine der stärksten
in der Physik des 19. Jhd.

Man kann leidlich nachvollziehen, wie aus kinetischer Energie potentielle wird, weil Kräfte im Spiel sind. Man könnte vermutlich
die komplette Mechanik ohne den Energiebegriff aufbauen und trotzdem „alles“ berechnen.

(Aber wie geht das: Massenenergie in eine andere Energieform umwandeln? E = mc^2 obschon, aber wie machen’s die Elementarteilchen? *g* )

Stefan

Wegen Wkin=Wpot gibt es keinen Unterschied zwischen kinetischer und potentieller Energie. Die sprachliche Unterscheidung verweist eigentlich nur darauf, ob man die Energie des Körpers gerade in Bezug auf Bewegungseigenschaften oder in Bezug auf die Lage in einem Kraftfeld betrachtet. Wenn bei einem Körper beides vorkommt und man nur über einen Teil von Informationen verfügt, kann man Wkin=Wpot nutzen, um die fehlenden Informationen auszurechnen. Man muß dann außerdem die Zusammenhänge von Wkin und Wpot zu den jeweiligen Bewegungs- und Potentialeigenschaften kennen.

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Dankeschön!
Aber wie haben Lageenergie und potentielle Energie getrennt betrachtet. Die Lageenergie war das beschriebene.
Und wir habens wirklich nur an Beispielen gemacht. Und ich hab nunmal lieber Verallgemeinerungen (liegt wohl am Hauptfach :wink:). In der E-Dynamik denke ich auch es verstanden zu haben. Also Spannung als Potetialdifferenz. Aber wie komm ich auf die Formel für die potentielle Energie? Oder ist das immer die, die für die Lageenergie gilt nur eben mit anderem Nullpunkt?

Gruß
Christina

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?? Sekunde, das verwirrt mich grad: Der spezielle Energieerhaltungssatz sagt mir doch, dass Wkin+Wpot=Wgesamt ist. Wieso ist dann Wkin=Wpot? Dann wäre ja Wgesamt einfach immer 2*Wkin.
???
Wie gesagt: Bei dem Thema flackern bei mir irgendwie die Lampen… :-/

Wegen Wkin=Wpot gibt es keinen Unterschied zwischen
kinetischer und potentieller Energie. Die sprachliche
Unterscheidung verweist eigentlich nur darauf, ob man die
Energie des Körpers gerade in Bezug auf Bewegungseigenschaften
oder in Bezug auf die Lage in einem Kraftfeld betrachtet. Wenn
bei einem Körper beides vorkommt und man nur über einen Teil
von Informationen verfügt, kann man Wkin=Wpot nutzen, um die
fehlenden Informationen auszurechnen. Man muß dann außerdem
die Zusammenhänge von Wkin und Wpot zu den jeweiligen
Bewegungs- und Potentialeigenschaften kennen.

Energie ist per Definition die an einem Körper verrichtete Arbeit und - laut Energieerhaltungssatz - die Fähigkeit des Körpers, selbst Arbeit zu verrichten. Arbeit ist per Definition das Produkt aus Kraft mal Weg. Bei sich ändernder Kraft ist die Arbeit das Integral (= die Summe) unendlich vieler kleiner Kraft-mal-Weg-Produkte.

Über die Kraft-mal-Weg-Definition ergibt sich auch der Zusammenhang zwischen potentieller und kinetischer Energie.

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Das versteh ich jetzt schon wesentlich besser, vielen Dank :o)

Energie ist per Definition die an einem Körper verrichtete
Arbeit und - laut Energieerhaltungssatz - die Fähigkeit des
Körpers, selbst Arbeit zu verrichten. Arbeit ist per
Definition das Produkt aus Kraft mal Weg. Bei sich ändernder
Kraft ist die Arbeit das Integral (= die Summe) unendlich
vieler kleiner Kraft-mal-Weg-Produkte.

Über die Kraft-mal-Weg-Definition ergibt sich auch der
Zusammenhang zwischen potentieller und kinetischer Energie.

Hallo,

Der spezielle Energieerhaltungssatz sagt mir doch, dass
Wkin+Wpot=Wgesamt ist.

„Wkin+Wpot=Wgesamt“ ist eher eine Definition von Wgesamt.

Der Energieerhaltungssatz lautet:

In einem Kraftfeld F, das ein Potential hat (= „konservativ“ = „wirbelfrei“ ist), ist die Summe aus kinetischer Energie und potentieller Energie zeitlich konstant:

1/2 m v² + Wpot = Wges = const(t)

oder

d/dt (1/2 m v² + Wpot) = d/dt Wges = 0

Das ist der Energieerhaltungssatz der Mechanik eines Massenpunktes.

Wieso ist dann Wkin=Wpot?

Ein Apfel fällt aus der Höhe h von einem Baum herunter. Mit welcher Geschwindigkeit trifft er auf?

Energiesatz:

Wkin(h) + Wpot(h) = Wkin(0) + Wpot(0)

Wkin(h) = 0 weil der Apfel aus der Ruhe startet
Wpot(0) = 0 weil der Koordinatenursprung auf dem Boden ist

==> 0 + Wpot(h) = Wkin(0) + 0

==> Wpot(h) = Wkin(0)

==> „Wpot = Wkin“

Hier steht „Wpot = Wkin“, aber es ist zu beachten, daß Wpot auf die Höhe h, Wkin dagegen auf den Boden bezogen ist.

„Wpot = Wkin“ gilt nur für Spezialfälle der obigen Art.

Wegen Wkin=Wpot gibt es keinen Unterschied zwischen
kinetischer und potentieller Energie.

Thorsten, das ist Blödsinn (sorry).

Mit freundlichem Gruß
Martin

Wenn innerhalb der betrachteten Versuchsanordnung der Körper gerade nur noch kinetische Energie hat, dann ist diese kinetische Energie Wkin=Wgesamt. Wenn der Körper gerade nur noch potentielle Eenrgie hat, dann ist Wpot=Wgesamt. Die beiden möglichen Maximalenergien sind gleich, also Wpotmax = Wkinmax = Wgesamt. Für alle Zwischenlagen gilt Wpot + Wkin = Wgesamt.

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Großartig! Das gefällt mir :o)
Und damit ich jetzt weiß mit welche Geschwindigkeit er unten ankommt muss ich nur die Masse gegeben haben, richtig? Dann hab ich Wpot(h) ja als mgh gegeben, also mgh=1/2(mv²) und damit v=Wurzel(2gh)?
Vorausgesetzt ich habe die Erdoberfläche als Nullpunkt gegeben, was ich ja aber schon benutzt habe.
Richtig? Wunder mich grad, weil ich meine die Formel noch nicht gelesen zu haben…
Ist aber nur idealisiert oder wie?

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hab ich Wpot(h) ja als mgh gegeben, also mgh=1/2(mv²) und
damit v=Wurzel(2gh)?

Genau. Da sich m in der Rechnung „unterwegs“ wieder wegkürzt, ist das Ergebnis v = Wurzel(2gh) unabhängig von der Masse des Apfels. Ein 50 g schwerer CoxOrange kommt auf dem Boden also mit derselben _Geschwindigkeit_ an wie ein 200 g schwerer Boskop. Die _kinetische Energie_ von letzterem ist jedoch viermal so groß.

Vorausgesetzt ich habe die Erdoberfläche als Nullpunkt
gegeben,
Ist aber nur idealisiert oder wie?

Ja, Wpot = m g h gilt nur in Erdoberflächennähe (Wpot kann ja auch schlecht bis ins Unendliche linear mit h ansteigen).

Auf einen Körper der Masse m wirkt die Newtonsche Gravitationskraft

F® = γ M m / r²

(M = Erdmasse, R = Erdradius, r = Abstand vom Erdmittelpunkt)

Also muß das Gravitationspotential die Form φ® = –γ M/r + C haben, mit C = Integrationskonstante, denn das ist der allgemeinste Ausdruck, dessen d/dr-Ableitung gleich F® ist. Wählst Du für den Potentialnullpunkt die Erdoberfläche, kommst Du mit φ® = 0 auf C = γ M/R.

C einsetzen ⇒ φ® = γ M (1/R – 1/r)

Mit r = R + h:

φ(h) = γ M (1/R – 1/(R + h))

= γ M h / (R (R + h))

Jetzt kommt die Näherung: Dicht an der Erdoberfläche ist R + h = R.

≈ γ M h / R²

= (γ M/R²) h

Das Ding in der Klammer ist nichts anderes als g = 9.81 m/s².

= g h

⇒ Wpot = m φ(h) = m g h

Fertig.

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Super! Zwei Daumen hoch! Juchee, ich habs verstanden! :o) Wieder ein Punkt abhakt. Aber ich werd morgen sicher noch mit einigen Fragen nerven.
Mit idealisiert meinte ich auch: Unter Vernachlässigung des Luftwiderstandes?

Grüße
Christina

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Also, ich finde es nicht besonders fein, gleich so zu bellen. In meinem Namen hast Du übrigens einen Buchstaben gesehen, den ich gar nicht geschrieben habe :smile:

Jeder kinetischen Energie entspricht eine potentielle Energie und umgekehrt. Das ist doch gerade die Essenz des Energieerhaltungssatzes. Und Wgesamt = Wkin + Wpot ist nur deshalb praktisch zu gebrauchen, weil jedes Quäntchen Wkin einem Quäntchen Wpot gleich ist (und umgekehrt) und sich beide Energien über einen übergreifenden Zusammenhang auch sehr geschmeidig ineinander umwandeln.

Kinetische Energie kann von potentieller Energie nur durch ein physikalisches Bezugssystem unterschieden werden.

Stell Dir vor, ein Objekt im Weltall ist in der Summe kräftefrei. Dann kann man zunächst nicht sagen, ob es sich in Ruhe oder in geradliniger gleichförmiger Bewegung befindet. Je nachdem, welches Bezugssystem hinzugezogen wird, hat das Objekt nun in einem bestimmten Maß potentielle und kinetische Energie. Deshalb meine ich mit Wkin=Wpot, daß kinetische und potentielle Energie letztlich denselben Hintergrund haben, nämlich den bestimmten energetischen Zustand eines Objektes in der Matrix aus Kraftwirkungen, Raum und Zeit. In einem bestimmten Bezugssystem ist allerdings - da hast Du recht - Wkin nicht gleich Wpot, denn dann werden diese beiden Begriffe ja gerade benutzt, um die Gesamtenergie in zwei unterscheidbare Komponenten aufzuspalten.

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Hallo Torsten,

Jeder kinetischen Energie entspricht eine potentielle Energie
und umgekehrt. Das ist doch gerade die Essenz des
Energieerhaltungssatzes.

nein. Angenommen, Dein Gesamt-Geldvermögen setzt sich zusammen aus dem, was Du auf Deinem Konto bei der Bank X hast, und dem Inhalt Deines Portemonnaies. Wenn das Geld in Deinem Port zur Neige geht, besorgst Du Dir Nachschub am Geldautomaten (GA). Dabei bevorzugst Du solche, die zu Deiner Bank X gehören, und die anderen meidest Du. WARUM? Weil bei fremden GA eine Gebühr von 4 € fällig wird. Damit verletzen sie den „Gesamtvermögenserhaltungssatz“ (GVES). Nur die „guten“ bank-X-eigenen GA erfüllen ihn. Der GVES lautet:

d/dt Gesamtvermögen = 0
mit Gesamtvermögen := Kontostand + Port.inhalt

oder

Gesamtvermögen vorher = Gesamtvermögen nachher
mit Gesamtvermögen := Kontostand + Port.inhalt

Das Wesentliche an einem „guten“, GVES-erfüllenden GA ist jetzt aber doch nicht, daß er die Gleichung „Gesamtvermögen := Kontostand + Port.inhalt“ erfüllt. Denn die gilt ja auch bei einem „schlechten“, GVES-verletzenden GA, der die Verringerung Deines Kontostands um 54 € veranlaßt, obwohl er nur einen 50 €-Schein ausspuckt (4 €-Differenz = „Reibungsverlust“). Das Wesentliche an einem „guten“ GA ist doch, daß er die Gleichung „Gesamtvermögen vorher = Gesamtvermögen nachher“ erfüllt.

Genauso ist es beim Energieerhaltungssatz:

d/dt Wges = 0 mit Wges := Wkin + Wpot mit Wkin = 1/2 m v²

gültig unter der Voraussetzung, daß das Kraftfeld ein Potential besitzt, d. h. ein Wpot existiert, das die Gleichung F(r&gt:wink: := –grad Wpot(r&gt:wink: löst.

Die Essenz ist das fettmarkierte. Der Rest ist keine Essenz, insbesondere ist „Wgesamt = Wkin + Wpot“ keine Essenz des EES, sondern bloß die Definition von Wges, eingeführt zum Zwecke der Schreibarbeitersparnis.

Und Wgesamt = Wkin + Wpot ist nur
deshalb praktisch zu gebrauchen,

Nein, die zu gebrauchende Aussage des EES ist

Wges zu irgendeinem interessanten Zeitpunkt t1 = Wges zu irgendeinem anderen interessanten Zeitpunkt t2.

weil jedes Quäntchen Wkin
einem Quäntchen Wpot gleich ist (und umgekehrt) und sich beide
Energien über einen übergreifenden Zusammenhang auch sehr
geschmeidig ineinander umwandeln.

Ja. d/dt Wkin = –d/dt Wpot. Die "d/dt …"s stellen die von Dir als „Quäntchen“ titulierten Energieänderungen dar.

Deshalb meine ich mit Wkin=Wpot, daß kinetische und
potentielle Energie letztlich denselben Hintergrund haben,

DAS mit „Wkin=Wpot“ zu meinen, kann ich im Hinblick auf das Gebot einer unmißverständlichen, klaren Ausdrucksweise in naturwissenschaftlichen Diskussionen nur für einen schlechten Witz halten. Wenn Du „Wkin=Wpot“ schreibst, solltest Du davon ausgehen, daß der Leser glaubt, Du wolltest damit sagen, daß Wkin und Wpot gleich seien. Das sind sie jedoch im allgemeinen nicht , d. h. es gilt nicht für jeden Zeitpunkt. Wie Wkin = Wpot aus dem für konservative Kraftfelder gültigen EES d/dt (Wkin + Wpot) = 0 hervorgehen kann, habe ich in dem Beispiel mit dem Apfel gezeigt. Wkin und Wpot müssen sehr spezielle Bedeutungen haben, damit die Gleichung Wkin = Wpot erfüllt ist, nämlich: Wkin = Wkin dort, wo Wpot = 0 ist, und Wpot = Wpot dort, wo Wkin = 0 ist. Das muß man aber dazuschreiben.

Also: „Wkin = Wpot gilt, sofern Wkin = Wkin dort, wo Wpot = 0 ist, und Wpot = Wpot dort, wo Wkin = 0 ist.“

Fazit: Die Gleichung d/dt (Wkin + Wpot) = 0 regiert, und die Gleichung Wkin = Wpot ist einfach nur idiotisch (und, ohne Dir jetzt zu nahe treten zu wollen: Niemand, der sich auskennt, wird letztere über die Lippen bringen).

bestimmten Bezugssystem ist allerdings - da hast Du recht -
Wkin nicht gleich Wpot,

Mit Bezugssystemen hat das überhaupt nichts zu tun.

In meinem Namen hast Du übrigens einen Buchstaben gesehen, den
ich gar nicht geschrieben habe :smile:

War keine Absicht.

Gruß
Martin

Sorry, aber jetzt wird es völlig mystisch…
Hallo Torsten,

gerne kann man spekulieren, aber man sollte bei den eingeführten Begriffen bleiben.

Jeder kinetischen Energie entspricht eine potentielle Energie
und umgekehrt.

Das ist nicht richtig. Ein Körper kann kinetische Energie erlangen, indem er mit einer konstanten Kraft entlang eines gewissen Weges beschleunigt wird.
Diese konstante Kraft muß nicht zwingend ein Potential besitzen, mithin braucht auch keine potentielle Energie im Spiel zu sein.

Das ist doch gerade die Essenz des
Energieerhaltungssatzes.

Die Essenz ist eine andere, nämlich daß die Quantität „Energie“ in verschiedenen Formen auftreten kann und daß bei Umwandlungen von einer Energieform in eine andere die Menge an Energie nicht verändert wird.

(Das schließt aber z.B. nicht aus, daß Wärmeenergie nicht vollständig in mechanische Energie umgewandelt werden kann (was übrigens zwingend der Fall ist))

Und Wgesamt = Wkin + Wpot ist nur deshalb praktisch zu gebrauchen,

nein, das ist bei mechanischen Problemen *immer* zu gebrauchen

weil jedes Quäntchen Wkin einem Quäntchen Wpot gleich ist

(ich hoffe, daß dieses „Quäntchen“ bei der nächsten Revision wieder abgeschafft wird, weil Quentchen von quintus kommt und nicht von quantum, das ein Fragewort ist - wenn ein Wort irgendwas mit quantum zu tun haben soll, dann wäre „Täntchen“ (von tantum) besser [wie „tant“ im Französischen] - ich weiß, off-topic.)

und sich beide
Energien über einen übergreifenden Zusammenhang auch sehr
geschmeidig ineinander umwandeln.

Über den Zusammenhang ist leider noch nichts bekannt (hier keine Ironie).

Kinetische Energie kann von potentieller Energie nur durch ein
physikalisches Bezugssystem unterschieden werden.

Das Wort „physikalisches Bezugssystem“ hat spekulativen Inhalt. Man müßte es schon näher bestimmen.

Stell Dir vor, ein Objekt im Weltall ist in der Summe
kräftefrei.

Dann kann man zunächst nicht sagen, ob es sich in
Ruhe oder in geradliniger gleichförmiger Bewegung befindet. Je
nachdem, welches Bezugssystem hinzugezogen wird,

hier ist das „physikalische Bezugssystem“ also ein Inertialsystem

hat das
Objekt nun in einem bestimmten Maß potentielle und kinetische
Energie.

und Inertialsysteme tangieren in keiner Weise die Unterscheidung von potentieller und kinetischer Energie. In verschiedenen Inertialsystemen kann der gleiche Körper verschiedene kinetische Energie besitzen, u.U. aber gleiche potentielle Energie.
Es ist
aber schon höchst fraglich, ob ein Körper, der sich im Schwerefeld
befindet, sich noch in einem Inertialsystem befindet. Nach Einstein ist die Antwort: nein.

Deshalb meine ich mit Wkin=Wpot, daß kinetische und
potentielle Energie letztlich denselben Hintergrund haben,
nämlich den bestimmten energetischen Zustand eines Objektes in
der Matrix aus Kraftwirkungen, Raum und Zeit. In einem
bestimmten Bezugssystem ist allerdings - da hast Du recht -
Wkin nicht gleich Wpot, denn dann werden diese beiden Begriffe
ja gerade benutzt, um die Gesamtenergie in zwei
unterscheidbare Komponenten aufzuspalten.

Ich wünsche mir nur, daß Du weißt, daß es sich hier um eine spekulative Schreibe handelt.

Beste Grüße
Stefan

Super!

Gerne.

Mit idealisiert meinte ich auch: Unter Vernachlässigung des
Luftwiderstandes?

Der muß vernachlässigt werden. Sonst wäre Reibung im Spiel und wenn das der Fall ist, ist das Kraftfeld nicht mehr konservativ (sondern „dissipativ“). Dann ist die zu verrichtende Arbeit _wegabhängig_: a) Klavier auf der Bühne 5 m vorwärtsschieben = 1 J verschwitzen, b) Klavier 10 m vorwärts und danach 5 m rückwärts schieben = 3 J verschwitzen. –> Start- und Zielpunkt bei a) und b) identisch, aber verschiedene aufzuwendende Energien.

Grüße zurück
Martin