Hallo,
Schön, aber Schwangerschaft an sich qualifiziert noch nicht
für eine erzieherische Tätigkeit.
Ich denke, die Schwangerschaft liegt hier in diesem Fall schon
ein wenig zurück, und der Umgang mit einem Baby ist hier schon
seit einigen Monaten (vermutlich höchstmotiviert und damit
sehr effizient) geübt worden.
Das weißt Du nicht - genauso wenig wie ich.
Natürlich weiß ich das nicht, die Wahrscheinlichkeit ist aber ziemlich groß, und es wäre eher ungewöhnlich, wenn es nicht so wäre. Ich habe das auch hauptsächlich geschrieben, weil ich das ein starkes Stück finde, einer Mutter eines ca. 9 Monate alten Babies nur die Schwangerschaft als Erfahrungswert anzurechnen.
Ich glaube nicht, dass ein Lehrgang wirklich besser
qualifiziert als die Praxis.
Warum das eine gegen das andere ausspielen?
Ich wollte eigentlich nicht das eine gegen das andere ausspielen. Ich finde es nur extrem schlimm, wenn die Fähigkeiten und Erfahrungen, die sich fast alle Mütter (und auch viele Väter) in den ersten Lebensjahren ihrer Kinder zulegen, so überhaupt nicht geachtet werden. Ich empfinde das als extrem frauenfeindlich.
Außerdem schadet es auch dem
eigenen Kind nicht, wenn eine Erziehungspraxis aufgrund eines
Pflegekindes reflektiert wird. …
…
… warum sollten Kinder in
Tagespflegestellen da schlechter gestellt sein, was die
Qualifikation derer, die sie betreuen betrifft?
Kein Problem, sollen sie von mir aus nicht. Ich habe eigentlich wirklich nichts gegen eine Ausbildung, ich hätte auch nichts gegen ein wesentlich verbessertes Angebot an Eltern-Lehrgängen (für die eigenen Kinder), sondern im Gegenteil.
Aber:
Und wenn wir davon ausgehen,
dass man zur vorschulischen Erziehung … eine berufliche
Qualifikation braucht, die über eigene biologische
Mutterschaft hinausgeht, …
Diese Gegenüberstellung „berufliche Qualifikation“ und „biologische Mutterschaft“.
Allein der Begriff „biologische Mutterschaft“. Das erinnert mich ganz stark an das 19. Jahrhundert, als man sich mit solchen Begriffen bemühte, alles abzuwerten, was nicht weißhäutig und männlich war. Ich denke dabei an solche Gegenüberstellungen wie die weniger wertvollen reproduzierende Tätigkeiten (Kinder bekommen, putzen, kochen, kurz alles was Frauen machten) gegen die äußerst wichtigen und achtenswürdigen produzierende Tätigkeiten (alles was Männer machten, natürlich nur weiße Männer), oder die Gegenüberstellung von Kultur- und Naturvölkern, oder von biologischer Mutterschaft und geistiger Vaterschaft usw. Dabei war die biologische Mutterschaft ganz in die Nähe der Mutterschaft von Tieren gerückt, welche nach damaliger Auffassung rein instinktiv, d. h. mehr oder weniger wie ein gedanken- und gefühlloses und verbesserungswürdiges Maschinenprogramm handelten.
Diese Abwertung der Mütter führte damals z. B. dazu, dass Kinder nicht mehr von der Mutter, sondern vom Frauenarzt „zur Welt gebracht“ wurden, und dass den Müttern von den höchst gebildeten Fachleuten Dinge eingeredet wurden, die nicht gerade gut für die Kinder waren, und die sie von sich aus wahrscheinlich nie gemacht hätten (wie z. B. das Stillen nach der Uhr, oder Kinder schreien lassen etc.).
Heute bemerke ich in der öffentlichen Diskussion auch eine ganz starke Abwertung der elterlichen Fürsorge. Zum Teil führe ich darauf übrigens auch die (anscheinend jedenfalls) zunehmende Verwahrlosung von Kindern zurück, da viele Eltern vielleicht wegen dieser Diskussion den Eindruck bekommen, die Kinder bräuchten gar nicht so viel Aufmerksamkeit, und spätestens ab 10 könnte man sie ganz auf sich alleine stellen, wenn sie nur irgendwie einen PC, einen Schlafplatz und genug zu essen haben.
Ich würde mich jedenfalls
(beispielsweise) eher von einem führerscheinlosen Chauffeur
mit jahrelanger unfallfreier Fahrpraxis als einem
Führerscheinneuling ohne Fahrpraxis anvertrauen wollen.
Das kannst Du privat für Dich durchaus entscheiden, auch wenn
die Gesetzeslage da eine klare Sichtweise hat, die sich von
Deiner unterscheidet.
Na ja, ok, da geht es aber ja nicht darum, ob die betreffende Person gut autofahren kann, das wird ja gar nicht überprüft. Sondern es geht darum, den Anspruch des Gesetzgebers vom Prinzip her durchzusetzen.
Aber hier geht es nicht nur um das Privatinteresse von einem
oder mehreren Individuen (leibliche Mutter, Tagesmutter,
Kind), sondern auch um ein staatliches Interesse. Und
schließlich finanziert ja der Staat diese Tagespflegestellen
auch mit.
Ich hätte gedacht, so oder so geht es um Qualität.
Übrigens - und da stehe ich nicht alleine da - habe ich von
der Betreuungstätigkeit mancher (nicht erzieherisch
ausgebildeten) Mütter, die die Grundschulbetreuung machen, oft
einen wesentlich besseren Eindruck als von der Arbeit mancher
gelernten Erzieherin im Hort.
Warum nicht?
Ich fand die Mütter einfach vom Menschlichen her den Kindern gegenüber oft wesentlich netter und herzlicher. Das ist doch das Wichtigste.
Ich fand sie auch wesentlich engagierter.
Sollen wir deswegen
Erzieherinnenausbildung etc. abschaffen.
Nein, aber verbessern und vor allem den Beruf attraktiver machen. Dafür müsste man aber wohl so manche Krusten aufbrechen, und manchen alteingesessenen Besitzstandswahrer von seinen Pfründen trennen, vermute ich jedenfalls.
Dass nämlich der Erzieherberuf auf
akademisches Niveau gehoben wird.
Davon sind wir aber vorläufig noch weit entfernt.
Viele Grüße
Simsy