Hallo Tessa,
Auf einer HP der ZJ habe ich Infos darüber entdeckt (leider
nur auf polnisch, die HP kann ich Dir aber bei Interesse
übersetzen) entdeckt, daß sich dieses „Verbot“ lediglich auf
bestimmte Blutbestandteile (Plasma, Erys, Leukos und
Thrombos). Keine Bedenken bestehen dagegen bei Albumin,
Erythropoetin, bei den Immunglobulinen, Impfstoffen und
Gerinnungsmitteln.
Wie in aller Welt kommt diese Unterteilung zustande?
Die Grundlage dafür sind medizinische Erkenntnisse.
Der Blutkreislauf eines heranwachsenden Fötus und seiner Mutter sind getrennt.
Nur bestimmte Bestandteile des Blutes werden übertragen. Darunter fallen Nährstofffe und die oben die oben genannten.
Was die HP betrifft, so stehen die Informationen auch auf deutsch zur Verfügung: http://www.jehovaszeugen.de/med/default.htm
Außerdem bezieht sich das „Blutverbot“ der ZJ nach meinem
Verständnis nur auf den Verzehr von Blut. Verzehr ist
für mich mit dem Eß-, dem anschließenden Verdauungsvorgang und
folglich mit der Versorgung des Organismus mit Nährstoffen
verbunden. Gerade das ist aber bei einer Bluttransfusion nicht
der Fall. Ähnlich ist es auch bei einer Organtransplantation.
Das verpflanzte Organ kann schließlich ebensowenig verdaut
werden.
Blut spielt in der Bibel immer eine wichtige Rolle. Es ist der Sitz des Lebens und heilig. Der Körper eines Tieres kann verwertet werden aber das Blut muß auf die Erde ausgegossen werden. In Opferzermonien liess man es über den Altar fließen.
Dein Vergleich mit einer Organtransplantation ist sehr passend. Blut ist kein Motoröl, welches man bei Bedarf einfach nachgiest, sondern ein Organ.
Hier ein - eben schnell übersetztes - Zitat aus dem polnischen
„Wachturm“ (Ausgabe 9/15/58, S. 575)
„In allen Fällen, in denen die Schrift über das Verbot des
Blutes spricht, geht es um die Verwendung des Blutes als
Nahrung. Wir betrachten dieses Verbot deshalb als ein Verbot
der Verwendung des Blutes als Nahrungsmittel.“
Stimmt. Ich hätte mir gerne den Rest des Artikels angesehen, aber mein Bestand geht nur zurück bis 1970. Der Artikel, den du erwähnst, steht in einem Wachturm von 1958.
Vor kurzem hat jemand behauptet, daß in einem Wachturm von 1978 steht, daß Z.J. angewiesen werden ihre Kinder mit einem Stock zu schlagen. Ich habe den Artikel gesucht und in’s Forum gestellt. Es ging hier um das Thema Kindesmißhandlung, die entsprechend verurteilt wurde.
Da hat jemand also eine verleumderische Behauptung aufgestellt und einen relativ alten Beleg angeführt in der Hoffnung, daß man diesen nicht mehr nachprüfen kann.
Deswegen bin ich auch immer etwas skeptisch, wenn alte Wachtürme erwähnt werden, die normalerweise niemand mehr Zuhause rumliegen hat.
Bei dem Thema Blut geht hier um die Frage, inwieweit man religiöse Gebote und Normen auf neue gesellschaftliche Entwicklungen überträgt. Dazu muß man zunächst zu Verstehen versuchen, welche Grundsätze hinter einem Gebot steht (siehe oben).
Nun frage ich mich natürlich,
wer eigentlich die Regeln/Gebote/Verbote für die
heutigen ZJ festlegt. Gibt es ein „höchstes Gremium“ in
etwa mit einer Synode oder einem Konzil vergleichbar? Oder
legt jeder ZJ in Anlehnung an die Bibel die Regeln für sich
selbst fest?
Beides. Es gibt die leitende Körperschaft in Brooklyn/ New York. Hier werden gesellschaftliche Entwicklungen aufgenommen. Ratschläge, Empfehlungen und Regeln fließen dann in die Literatur der Z.J. ein.
Oberstes Gebot für einen Z.J. ist aber letztendlich die Bibel und sein biblisch geschultes Gewissen. Beispiel:
Wenn demnächst in einem Wachturm stehen würde, dass es in Ordnung ist, wenn man Kriegsdienst macht, würde ich einen solchen Wachturm direkt in die Altpapiertonne weiterreichen und ansonsten ignorieren.
- Wie stehen die ZJ eigentlich zur Eigenblutspende, wenn z.
B. eine größere OP ansteht und abzusehen ist, daß
Blutkonserven in der Anzahl X benötigt werden? Ist Eigenblut
erlaubt oder wird es wie Fremdblut behandelt?
Blut darf nicht gelagert werden, ansonsten müßte es ausgegossen werden. Solange es als Teil eines Keislaufs fließt, z.B. Dialyse, ist es in Ordnung.
Diese Frage ist sicherlich nicht einfach zu beantworten, wenn
man noch nie in einer solchen Situation gewesen ist und gewiss
sehr persönlich, ich versuche es trotzdem:
- Wie würdest Du bzw. wie - glaubst Du - würdest Du Dich
verhalten, wenn das Leben Deiner Frau oder Deines Kindes
tatsächlich von einer Bluttransfusion abhängen würde?
Meine Frau war hat eine sehr kitische Operation am Darm (Sigma) ohne Blutkonserven durchführen lassen. Und sie hat die gesamte Krankheit, trotz schlechter Chancen überlebt. Sie hatte den Vorteil, einen exzellenten Chirurgen zu haben.
Da du selber in der Pflege bist, weisst du, dass nur ein minimaler Teil aller Blutkonserven wirklich notwendig sind. Eine OP ohne Bluttransfusion dauert länger und ist schwieriger, weil alle Blutgefäße sorgfältig verschlossen werden müssen. Es gibt viele Pfuscher unter den Chirurgen und Anästhesisten, die einfach nur Blut nachfüllen. Wenn ein Chirurg und der Anästhesist bereit sind eine OP ohne Transfusion durchzuführen, hat man generell fähige Mediziner vor sich.
- Wie entstand bzw. woher stammt eigentlich die Bezeichnung
„Zeugen Jehovas“ und seit wann „existieren“ sie?
Die Z.J. hatten ihre Anfänge 1878 in den USA mit der Herausgabe des „Wachtturms“. Sie nannten sich zunächst „Ernste Bibelforscher“.
1935 änderten sie ihren Namen mit Bezug auf Jesaja 43:10
Jesaja 43:10
„Ihr seid meine Zeugen“, ist der Ausspruch Jehovas, „ja mein Knecht, den ich erwählt habe, damit ihr erkennt und an mich glaubt und damit ihr versteht, daß ich derselbe bin. Vor mir wurde kein Gott gebildet, und nach mir war weiterhin keiner.
Zum Schluß noch kurz ein Wort zu „beschimpfen und verspotten“:
Ich sehe weder für das eine noch für das andere einen Grund.
Wir sind schließlich erwachsene Menschen und erheben gerne den
Anspruch, als gebildet und kultiviert bezeichnet zu werden. Um
dem gerecht zu werden, sollten wir dann wenigstens in der Lage
sein, uns auch mit kontroversen Themen auf sachlicher Ebene
auseinandersetzen zu können. Natürlich wird es selten
vorkommen, daß wir immer einer Meinung sind, aber das wäre
schließlich nur langweilig, oder?
Du sagst es. Meine Bemerkung bezog sich nur darauf, daß der Fragesteller darauf hinwies, dass er sich mit seiner Meinung zurückzuhält. Solange man nicht beleidigt oder verspottet, sollte es kein Hindernis geben, seine Meinung darzustellen.
Viele Grüße auch
Carlos