Zeugen Jehovas und Medizin

Da gerade die Diskussion ueber Zeugen Jehovas
aktuell ist, wuerde mich mal interessieren,
mit welcher Begruendung die eigentlich medizinische
Behandlungen, oder zumindest bestimmte medizinische
Behandlungen ablehnen.

Was genau duerfen die angeblich laut Bibel nicht?

Wie wird das begruendet?

Marco

Hallo Marco

Da gerade die Diskussion ueber Zeugen Jehovas
aktuell ist, wuerde mich mal interessieren,
mit welcher Begruendung die eigentlich medizinische
Behandlungen, oder zumindest bestimmte medizinische
Behandlungen ablehnen.

Generell nehmen Z.J. alle medizinischen Behandlungen in Anspruch, mit Ausnahme von zwei Bereichen.

1.) Behandlungsmethoden mit spitistischen oder magischen Charakter.

  1. Moses 18:10-12
    10 Es sollte sich in dir nicht jemand finden, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen läßt, jemand, der sich mit Wahrsagerei beschäftigt, der Magie treibt, oder jemand, der nach Omen ausschaut, oder ein Zauberer 11 oder einer, der andere mit einem Bannspruch bindet, oder jemand, der ein Geistermedium befragt, oder ein berufsmäßiger Vorhersager von Ereignissen oder jemand, der die Toten befragt. 12 Denn jeder, der diese Dinge tut, ist für Jehova etwas Verabscheuungswürdiges,

2.) Behandlungsmethoden die Blut oder Blutbestandteile verwenden.
Für einen Christen ist der Verzehr von Blut etwas verbotenes.

Apostelgeschichte 15:28,29
28 Denn der heilige Geist und wir selbst haben es für gut befunden, euch keine weitere Bürde aufzuerlegen als folgende notwendigen Dinge: 29 euch von Dingen zu enthalten, die Götzen geopfert wurden, sowie von Blut und von Erwürgtem und von Hurerei. Wenn ihr euch vor diesen Dingen sorgfältig bewahrt, wird es euch gutgehen. Bleibt gesund!"

Der Grund dafür ist, dass das Blut für Gott etwas heiliges ist (3. Mose 17:13,14). Wenn Blut den Körper verläßt, soll es ausgegossen werden.
Z.J. wenden dieses Gebot auch auf medizinische Behandlungsmethoden an. Beispiel zum Verständnis: Wenn ein Mensch Alkoholiker ist und Alkohol um jeden Preis meiden will, so wird er weder in Alkohol gelöste Medizin verwenden, noch wird er sich Alkohol in die Venen spritzen.

Gruß
Carlos

Hallo Carlos,

Dein Beispiel hinkt, und zwar gewaltig.

Wenn ich als trockener Alkoholiker vor der Wahl stehe, einer Behandlung mit alkoholhaltigen Mitteln oder einer Vollnarkose (die ähnlich wirken knn) zuzustimmen oder wahrscheinlich zu sterben, dann werde ich zustimmen. Ich muß das nur mit den Ärzten abklären, weil hinterher unter Umständen wieder eine zwar unangenehme aber doch zu überlebende Entgiftung nötig ist.

Ein Zeuge Jehovas muß normalerweise die Transfusion von Glaubens wegen ablehnen und sterben. Ich denke doch, daß das ein Unterschied ist.

Gernot Geyer

Weitere Fragen zu Zeugen Jehovas
Danke fuer die Antwort, ich habe dadurch angeregt noch
ein paar Fragen. Ich will hier meine persoenliche
Meinung zurueckhalten, ich will nur verstehen.

Falls meine Fragen also etwas ungeschickt formuliert
sind, dann sieh das bitte einem in dieser
Materie wenig bewanderten nach.

Generell nehmen Z.J. alle medizinischen Behandlungen in
Anspruch, mit Ausnahme von zwei Bereichen.

1.) Behandlungsmethoden mit spitistischen oder magischen
Charakter.

  1. Moses 18:10-12
    10 Es sollte sich in dir nicht jemand finden, der seinen Sohn
    oder seine Tochter durchs Feuer gehen läßt, jemand, der sich
    mit Wahrsagerei beschäftigt, der Magie treibt, oder jemand,
    der nach Omen ausschaut, oder ein Zauberer 11 oder einer, der
    andere mit einem Bannspruch bindet, oder jemand, der ein
    Geistermedium befragt, oder ein berufsmäßiger Vorhersager von
    Ereignissen oder jemand, der die Toten befragt. 12 Denn jeder,
    der diese Dinge tut, ist für Jehova etwas
    Verabscheuungswürdiges,

Wer entscheidet, was Aberglauben ist, und was
keiner ist? Konkret: wird aufgrund der Bibel entschieden,
welche Medizin erlaubt ist? Ist dadurch grundsaetzlich mit
unterer Ausnahme, die gesamte Schulmedizin erlaubt,
Geisterheiler und Exorzismus verboten? Darf das jeder
Zeuge fuer sich auf Grundlage von irgendeiner Schrift
entscheiden, oder wird das von heute lebenden Personen
interpretiert und allen Zeugen vorgeschrieben?

2.) Behandlungsmethoden die Blut oder Blutbestandteile
verwenden.
Für einen Christen ist der Verzehr von Blut etwas verbotenes.

Apostelgeschichte 15:28,29
28 Denn der heilige Geist und wir selbst haben es für gut
befunden, euch keine weitere Bürde aufzuerlegen als folgende
notwendigen Dinge: 29 euch von Dingen zu enthalten, die Götzen
geopfert wurden, sowie von Blut und von Erwürgtem und von
Hurerei. Wenn ihr euch vor diesen Dingen sorgfältig bewahrt,
wird es euch gutgehen. Bleibt gesund!"

Der Grund dafür ist, dass das Blut für Gott etwas heiliges ist
(3. Mose 17:13,14). Wenn Blut den Körper verläßt, soll es
ausgegossen werden.
Z.J. wenden dieses Gebot auch auf medizinische
Behandlungsmethoden an. Beispiel zum Verständnis: Wenn ein
Mensch Alkoholiker ist und Alkohol um jeden Preis meiden will,
so wird er weder in Alkohol gelöste Medizin verwenden, noch
wird er sich Alkohol in die Venen spritzen.

Das gleiche wie oben: Wer entscheidet in
den Grauzonen? Blutwurst z.B. duerfte ein klarer
fall sein. Aber ein Englisches Steak (blutig)
duerfte schon schwieriger sein. Wenn manns genau
nimmt kann man eigentlich kein Stueck Fleisch essen,
ohne auch zumindest Blutbestandteile (Lymphe)
abzukriegen.

Wieder die gleiche Frage wie oben: Wird den Zeugen
vorgeschrieben, was sie zu essen haben, und was nicht,
oder muss/darf das jeder individuell mit seinem
Gewissen entscheiden?

Was bedeutet erwuergt? Bei manchen Tieren, die nicht
Luft atmen ist es ja nicht eindeutig. Wenn man Fische
an der Luft ersticken laesst, wurden die dann
„erwuergt“? Es gibt auch Tiere ohne Hals, ist deren
Verzehr dann in jedem Fall erlaubt?

Oder sind die Zeugen Jehovas in diesem Punkte so
wie die meisten Menschen, naemlich, dass sie die Bibel
einfach so interpretieren, wies ihnen am besten
in den Kram passt?

Marco

Hallo Marco,

Danke fuer die Antwort, ich habe dadurch angeregt noch
ein paar Fragen. Ich will hier meine persoenliche
Meinung zurueckhalten, ich will nur verstehen.

Danke für deine Zurückhaltung. Es ist immer angenehm, wenn man nicht sofort beschimpft oder verspottet wird :wink:).

Generell nehmen Z.J. alle medizinischen Behandlungen in
Anspruch, mit Ausnahme von zwei Bereichen.

1.) Behandlungsmethoden mit spitistischen oder magischen
Charakter.

Wer entscheidet, was Aberglauben ist, und was
keiner ist? Konkret: wird aufgrund der Bibel entschieden,
welche Medizin erlaubt ist?

Etwas grundsätzliches vorweg. Für einen Z.J. ist die ganze Bibel von Gott inspiriert und richtungsweisend (2.Timotheus 3:16,17).
Es gilt nicht nur allein die einzelnen Gebote zu beachten, sondern vor allem die Grundsätze, die dahinter stehen.
Diese Grundsätze sollte man aufs ganze Leben ausdehnen. Also nicht nach dem Motto: Zu hause bin ich ein Christ, auf der Arbeit ein Weltmensch und im Bordell ein Schwein.

Ist dadurch grundsaetzlich mit
unterer Ausnahme, die gesamte Schulmedizin erlaubt,
Geisterheiler und Exorzismus verboten?

Prinzipiell ja. Die Bibel gibt keine Wertmaßstäbe für medizinische Behandlungsmethoden vor. Ein Z.J. kann sich auch zweifelhaften Behandlungsmethoden (z.B. Bachblütentherapie) unterziehen lassen, wenn er es für richtig hält. Beim Geisterheiler hört der Spaß auf.

Darf das jeder
Zeuge fuer sich auf Grundlage von irgendeiner Schrift
entscheiden, oder wird das von heute lebenden Personen
interpretiert und allen Zeugen vorgeschrieben?

Näheres unten.

2.) Behandlungsmethoden die Blut oder Blutbestandteile
verwenden.
Für einen Christen ist der Verzehr von Blut etwas verbotenes.

Das gleiche wie oben: Wer entscheidet in
den Grauzonen? Blutwurst z.B. duerfte ein klarer
Fall sein. Aber ein Englisches Steak (blutig)
duerfte schon schwieriger sein.

Du sagst es. Es gibt klare Fälle, bei den es keine Interpretationen gibt, aber auch Grauzonen. Die klaren Fälle lassen sich der der Bibel direkt und klar verständlich entnehmen.

Bei den Fällen in der Grauzone hat jeder einzelne Z.J. die PFLICHT gemäß seinen Gewissen selber zu entscheiden. Eine Entscheidung nach dem Motto, der andere tut es auch, ist unzureichend (aber leider auch sehr menschlich.
Kein anderer Z.J. hat dann das Recht jemand für seine Gewissensentscheidung zu kritisieren.

Um auf deine obige Fragestellung zurückzukommen. In der Literatur der Z.J., vor allem im Wachturm wird regelmäßig auf ethische Probleme eingegangen. Es werden alle biblischen Prinzipien genommen und auf das Problem angewendet. In den Grauzonen werden dann keine klaren Gebote oder Verbote gegeben, sondern nur die Prinzipien erwähnt. Der Leser muß dann selber beurteilen, wie er es handhabt. Entscheidend ist immer was in der Bibel steht.
Die Schreiber der Artikel sind Gremien älterer Z.J…

Wenn manns genau
nimmt kann man eigentlich kein Stueck Fleisch essen,
ohne auch zumindest Blutbestandteile (Lymphe)
abzukriegen.

In 1. Mose 9:2-6 gab Gott dem Menschen die Erlaubnis Fleisch zu essen und gleichzeitig das Verbot Blut zu verzerren. Dies bedeutet, daß die Blutbestandteile, die nach dem Ausbluten zurückbleiben kein Problem darstellen.

Wieder die gleiche Frage wie oben: Wird den Zeugen
vorgeschrieben, was sie zu essen haben, und was nicht,
oder muss/darf das jeder individuell mit seinem
Gewissen entscheiden?

Letzteres, wobei hier Paulus hier ein Beispiel gab, daß wir auf unsere Mitmenschen Rücksicht nehmen müssen (ich finde die Stelle im Moment nicht).
Wenn ich bei Vegetariern zu Gast bin, werde ich kein blutiges Rumpsteak essen und wenn ich bei Moslems zu Gast bin, werde ich mir kein Kotlett reinziehen.

Was bedeutet erwuergt? Bei manchen Tieren, die nicht
Luft atmen ist es ja nicht eindeutig. Wenn man Fische
an der Luft ersticken laesst, wurden die dann
„erwuergt“? Es gibt auch Tiere ohne Hals, ist deren
Verzehr dann in jedem Fall erlaubt?

Entscheide du es.

Oder sind die Zeugen Jehovas in diesem Punkte so
wie die meisten Menschen, naemlich, dass sie die Bibel
einfach so interpretieren, wies ihnen am besten
in den Kram passt?

Umgekehrt wird ein Schuh draus. Z.J. nannten sich früher „Ernste Bibelforscher“. Die Lehren der Z.J. haben sich aus einer möglichst genauen Umsetzung der Bibel entwickelt. Es gibt niemand bei den Z.J., der behauptet inspiriert zu sein.
Generell sind deswegen auch Fehler bei Details möglich.
Letztendlich sind die Z.J. meiner Überzeugung gemäß die religöse Gruppierung, die das Christentum am genausten auslebt.
Deswegen bin ich ja ein Z.J… :wink:)

Gruß
Carlos

Hallo Carlos,

2.) Behandlungsmethoden die Blut oder Blutbestandteile
verwenden.
Für einen Christen ist der Verzehr von Blut etwas verbotenes.

Beschäftige Dich doch mal damit:
http://www.geocities.com/Athens/Ithaca/6236/

Ciao
Holger

Habe es mir angesehen; Und? (o.T.)

Finde ich gut (o.T.)

Nix „Und?“…sollte man nur mal gelesen haben.
Deine Meinung darüber musst Du Dir dann schon selber bilden.

Ich fand es nur sehr hilfreich/lehrreich.

Ciao
Holger

Noch einmal Blutverbot & ZJ…
Hallo Carlos,

daß ZJ - sofern sie nicht gerade unter die Vampire gegangen sind:smile: - kein Blut verzehren dürfen und die Behandlung mit Blut oder -bestandteilen ablehnen, ist mir bekannt. Aber:

Auf einer HP der ZJ habe ich Infos darüber entdeckt (leider nur auf polnisch, die HP kann ich Dir aber bei Interesse übersetzen) entdeckt, daß sich dieses „Verbot“ lediglich auf bestimmte Blutbestandteile (Plasma, Erys, Leukos und Thrombos). Keine Bedenken bestehen dagegen bei Albumin, Erythropoetin, bei den Immunglobulinen, Impfstoffen und Gerinnungsmitteln.
Wie in aller Welt kommt diese Unterteilung zustande?

Eine andere Argumentation, über die ich gestolpert bin, besagt, daß ZJ durchaus mit Blut(bestandteilen) behandelt werden können/dürfen, sofern es sich um solche handelt, die nur in sehr geringen Mengen im Blut vorhanden sind. Soweit, sogut. Diese Begründung fängt aber an zu hinken, wenn man berücksichtigt, daß die „verbotenen“ Leukos mit ca. 1 % und Thrombos mit ca. 0,17 % einen verschwindend geringen Teil des Blutes darstellen, während z. B. das „erlaubte“ Albumin satte 2,2 % ausmacht.

Außerdem bezieht sich das „Blutverbot“ der ZJ nach meinem Verständnis nur auf den Verzehr von Blut. Verzehr ist für mich mit dem Eß-, dem anschließenden Verdauungsvorgang und folglich mit der Versorgung des Organismus mit Nährstoffen verbunden. Gerade das ist aber bei einer Bluttransfusion nicht der Fall. Ähnlich ist es auch bei einer Organtransplantation. Das verpflanzte Organ kann schließlich ebensowenig verdaut werden. Fakt ist, daß sich ein Mensch von Blut nicht ernähren kann (Vampire freilich wieder einmal ausgenommen) und innerhalb eines absehbaren Zeitraumes sterben würde, wenn er nicht etwas zu sich nimmt bzw. intravenös oder durch eine Magensonde ernährt wird.

Hier ein - eben schnell übersetztes - Zitat aus dem polnischen „Wachturm“ (Ausgabe 9/15/58, S. 575)

„In allen Fällen, in denen die Schrift über das Verbot des Blutes spricht, geht es um die Verwendung des Blutes als Nahrung. Wir betrachten dieses Verbot deshalb als ein Verbot der Verwendung des Blutes als Nahrungsmittel.“

Von Transfusion oder Blutverwendung als Heil- bzw. letztes Mittel zur Lebensrettung keine Silbe. In der Bibel wird sich aus verständlichen Gründen nichts über Transfusionen, Organtransplantation & Co. finden lassen und die Medizin entwickelt sich immer weiter. Nun frage ich mich natürlich, wer eigentlich die Regeln/Gebote/Verbote für die heutigen ZJ festlegt. Gibt es ein „höchstes Gremium“ in etwa mit einer Synode oder einem Konzil vergleichbar? Oder legt jeder ZJ in Anlehnung an die Bibel die Regeln für sich selbst fest? Sorry, klingt ein bißchen stümperhaft, ich weiß aber nicht so recht, wie man das besser ausdrücken könnte.

Drei Fragen würden mich jetzt noch interessieren:

  1. Wie stehen die ZJ eigentlich zur Eigenblutspende, wenn z. B. eine größere OP ansteht und abzusehen ist, daß Blutkonserven in der Anzahl X benötigt werden? Ist Eigenblut erlaubt oder wird es wie Fremdblut behandelt?

Diese Frage ist sicherlich nicht einfach zu beantworten, wenn man noch nie in einer solchen Situation gewesen ist und gewiss sehr persönlich, ich versuche es trotzdem:

  1. Wie würdest Du bzw. wie - glaubst Du - würdest Du Dich verhalten, wenn das Leben Deiner Frau oder Deines Kindes tatsächlich von einer Bluttransfusion abhängen würde? Würdest Du einer Transfusion zustimmen oder es eher nach dem Prinzip „Der Herr hat’s gegeben - der Herr hat’s genommen“ halten?

  2. Wie entstand bzw. woher stammt eigentlich die Bezeichnung „Zeugen Jehovas“ und seit wann „existieren“ sie?

Zum Schluß noch kurz ein Wort zu „beschimpfen und verspotten“:

Ich sehe weder für das eine noch für das andere einen Grund. Wir sind schließlich erwachsene Menschen und erheben gerne den Anspruch, als gebildet und kultiviert bezeichnet zu werden. Um dem gerecht zu werden, sollten wir dann wenigstens in der Lage sein, uns auch mit kontroversen Themen auf sachlicher Ebene auseinandersetzen zu können. Natürlich wird es selten vorkommen, daß wir immer einer Meinung sind, aber das wäre schließlich nur langweilig, oder?

Viele Grüße

Tessa
*neugierig wie immer*

2.) Behandlungsmethoden die Blut oder Blutbestandteile

verwenden.
Für einen Christen ist der Verzehr von Blut etwas verbotenes.

#Seit wann wird bei einer Bluttransfusion denn Blut verzehrt??

Ich denke, die Grundidee der ZJ ist, dass das Schicksal des Menschen allein in Gottes Hand liegt, und deshalb medizinische Eingriffe Eingriffe in Gottes Wollen darstellen. Da wir aber im 21. Jh. und nicht mehr im Mittelalter leben, haben die ZJ gewisse Einschränkungen ihrer Rigorosität hinnehmen müssen.
Ich erinnere daran, dass im frühen Mittelalter die Herstellung oder Verwendung einer Brille als vom Teufel verursacht angesehen wurde. Der einzige Neuzeitliche, der so ähnlich dachte und grausam handeln ließ, war Pol Pot, für den das Tragen einer Brille für die Verhängung eines Todesurteils ausreichte - zum Glück ist er nun im Jenseits.
Gruß, Helmut

Hallo Tessa,

Auf einer HP der ZJ habe ich Infos darüber entdeckt (leider
nur auf polnisch, die HP kann ich Dir aber bei Interesse
übersetzen) entdeckt, daß sich dieses „Verbot“ lediglich auf
bestimmte Blutbestandteile (Plasma, Erys, Leukos und
Thrombos). Keine Bedenken bestehen dagegen bei Albumin,
Erythropoetin, bei den Immunglobulinen, Impfstoffen und
Gerinnungsmitteln.
Wie in aller Welt kommt diese Unterteilung zustande?

Die Grundlage dafür sind medizinische Erkenntnisse.
Der Blutkreislauf eines heranwachsenden Fötus und seiner Mutter sind getrennt.
Nur bestimmte Bestandteile des Blutes werden übertragen. Darunter fallen Nährstofffe und die oben die oben genannten.

Was die HP betrifft, so stehen die Informationen auch auf deutsch zur Verfügung: http://www.jehovaszeugen.de/med/default.htm

Außerdem bezieht sich das „Blutverbot“ der ZJ nach meinem
Verständnis nur auf den Verzehr von Blut. Verzehr ist
für mich mit dem Eß-, dem anschließenden Verdauungsvorgang und
folglich mit der Versorgung des Organismus mit Nährstoffen
verbunden. Gerade das ist aber bei einer Bluttransfusion nicht
der Fall. Ähnlich ist es auch bei einer Organtransplantation.
Das verpflanzte Organ kann schließlich ebensowenig verdaut
werden.

Blut spielt in der Bibel immer eine wichtige Rolle. Es ist der Sitz des Lebens und heilig. Der Körper eines Tieres kann verwertet werden aber das Blut muß auf die Erde ausgegossen werden. In Opferzermonien liess man es über den Altar fließen.

Dein Vergleich mit einer Organtransplantation ist sehr passend. Blut ist kein Motoröl, welches man bei Bedarf einfach nachgiest, sondern ein Organ.

Hier ein - eben schnell übersetztes - Zitat aus dem polnischen
„Wachturm“ (Ausgabe 9/15/58, S. 575)

„In allen Fällen, in denen die Schrift über das Verbot des
Blutes spricht, geht es um die Verwendung des Blutes als
Nahrung. Wir betrachten dieses Verbot deshalb als ein Verbot
der Verwendung des Blutes als Nahrungsmittel.“

Stimmt. Ich hätte mir gerne den Rest des Artikels angesehen, aber mein Bestand geht nur zurück bis 1970. Der Artikel, den du erwähnst, steht in einem Wachturm von 1958.
Vor kurzem hat jemand behauptet, daß in einem Wachturm von 1978 steht, daß Z.J. angewiesen werden ihre Kinder mit einem Stock zu schlagen. Ich habe den Artikel gesucht und in’s Forum gestellt. Es ging hier um das Thema Kindesmißhandlung, die entsprechend verurteilt wurde.
Da hat jemand also eine verleumderische Behauptung aufgestellt und einen relativ alten Beleg angeführt in der Hoffnung, daß man diesen nicht mehr nachprüfen kann.
Deswegen bin ich auch immer etwas skeptisch, wenn alte Wachtürme erwähnt werden, die normalerweise niemand mehr Zuhause rumliegen hat.

Bei dem Thema Blut geht hier um die Frage, inwieweit man religiöse Gebote und Normen auf neue gesellschaftliche Entwicklungen überträgt. Dazu muß man zunächst zu Verstehen versuchen, welche Grundsätze hinter einem Gebot steht (siehe oben).

Nun frage ich mich natürlich,
wer eigentlich die Regeln/Gebote/Verbote für die
heutigen ZJ festlegt. Gibt es ein „höchstes Gremium“ in
etwa mit einer Synode oder einem Konzil vergleichbar? Oder
legt jeder ZJ in Anlehnung an die Bibel die Regeln für sich
selbst fest?

Beides. Es gibt die leitende Körperschaft in Brooklyn/ New York. Hier werden gesellschaftliche Entwicklungen aufgenommen. Ratschläge, Empfehlungen und Regeln fließen dann in die Literatur der Z.J. ein.

Oberstes Gebot für einen Z.J. ist aber letztendlich die Bibel und sein biblisch geschultes Gewissen. Beispiel:
Wenn demnächst in einem Wachturm stehen würde, dass es in Ordnung ist, wenn man Kriegsdienst macht, würde ich einen solchen Wachturm direkt in die Altpapiertonne weiterreichen und ansonsten ignorieren.

  1. Wie stehen die ZJ eigentlich zur Eigenblutspende, wenn z.
    B. eine größere OP ansteht und abzusehen ist, daß
    Blutkonserven in der Anzahl X benötigt werden? Ist Eigenblut
    erlaubt oder wird es wie Fremdblut behandelt?

Blut darf nicht gelagert werden, ansonsten müßte es ausgegossen werden. Solange es als Teil eines Keislaufs fließt, z.B. Dialyse, ist es in Ordnung.

Diese Frage ist sicherlich nicht einfach zu beantworten, wenn
man noch nie in einer solchen Situation gewesen ist und gewiss
sehr persönlich, ich versuche es trotzdem:

  1. Wie würdest Du bzw. wie - glaubst Du - würdest Du Dich
    verhalten, wenn das Leben Deiner Frau oder Deines Kindes
    tatsächlich von einer Bluttransfusion abhängen würde?

Meine Frau war hat eine sehr kitische Operation am Darm (Sigma) ohne Blutkonserven durchführen lassen. Und sie hat die gesamte Krankheit, trotz schlechter Chancen überlebt. Sie hatte den Vorteil, einen exzellenten Chirurgen zu haben.

Da du selber in der Pflege bist, weisst du, dass nur ein minimaler Teil aller Blutkonserven wirklich notwendig sind. Eine OP ohne Bluttransfusion dauert länger und ist schwieriger, weil alle Blutgefäße sorgfältig verschlossen werden müssen. Es gibt viele Pfuscher unter den Chirurgen und Anästhesisten, die einfach nur Blut nachfüllen. Wenn ein Chirurg und der Anästhesist bereit sind eine OP ohne Transfusion durchzuführen, hat man generell fähige Mediziner vor sich.

  1. Wie entstand bzw. woher stammt eigentlich die Bezeichnung
    „Zeugen Jehovas“ und seit wann „existieren“ sie?

Die Z.J. hatten ihre Anfänge 1878 in den USA mit der Herausgabe des „Wachtturms“. Sie nannten sich zunächst „Ernste Bibelforscher“.
1935 änderten sie ihren Namen mit Bezug auf Jesaja 43:10
Jesaja 43:10
„Ihr seid meine Zeugen“, ist der Ausspruch Jehovas, „ja mein Knecht, den ich erwählt habe, damit ihr erkennt und an mich glaubt und damit ihr versteht, daß ich derselbe bin. Vor mir wurde kein Gott gebildet, und nach mir war weiterhin keiner.

Zum Schluß noch kurz ein Wort zu „beschimpfen und verspotten“:

Ich sehe weder für das eine noch für das andere einen Grund.
Wir sind schließlich erwachsene Menschen und erheben gerne den
Anspruch, als gebildet und kultiviert bezeichnet zu werden. Um
dem gerecht zu werden, sollten wir dann wenigstens in der Lage
sein, uns auch mit kontroversen Themen auf sachlicher Ebene
auseinandersetzen zu können. Natürlich wird es selten
vorkommen, daß wir immer einer Meinung sind, aber das wäre
schließlich nur langweilig, oder?

Du sagst es. Meine Bemerkung bezog sich nur darauf, daß der Fragesteller darauf hinwies, dass er sich mit seiner Meinung zurückzuhält. Solange man nicht beleidigt oder verspottet, sollte es kein Hindernis geben, seine Meinung darzustellen.

Viele Grüße auch

Carlos

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Hallo Helmut,

Ich denke, die Grundidee der ZJ ist, dass das Schicksal des
Menschen allein in Gottes Hand liegt, und deshalb medizinische
Eingriffe Eingriffe in Gottes Wollen darstellen.

Du irrst dich gewaltig. Z.J. haben nichts gegen technologisch-medizinische Fortschritte einzuwenden.

Es geht hier nur um die Verwendung von Blut, welches Z.J. als heilig betrachten.

Sobald Sauerstofftransportierende Lösungen einsatzbereit sind, werden die letzten Probleme in dieser Hinsicht beseitigt sein.

Als Beleg kannst du dir diese Seite ansehen:
http://www.watchtower.org/languages/deutsch/library/…

Gruß
Carlos

Hallo Carlos,

Sobald sauerstofftransportierende Lösungen einsatzbereit sind,
werden die letzten Probleme in dieser Hinsicht beseitigt sein.

#Schän wärs, aber das Blut hat ja neben dem Sauerstofftransport noch die ebenso wichtige Aufgabe, Krankheitskeime zu vernichten. Das müsste eine solche Lösung dann auch können, ganz abgesehen vom Transport von Hormonen und Botenstoffen.

Gruß
Helmut