Hallo Ernst,
Genau gesagt
handelt es sich um Schriften der
frühchristlichen Gelehrten Theodoreth und
Klemens von Alexandrien. Dort ist der
Gottesname Jahwe in griechichen
Buchstaben zu finden. Allerdings gibt es
auch etwas andere Lesarten wie z.B. die
Kurzform Jahu. Entscheidend ist, das
allerdings läßt sich schwer erklären für
jemanden, der kein Hebräisch versteht,
dass das W von JHWH nicht doppelt
verwendet wird, wie es bei Jehowa der
Fall wäre. Wenn du Interesse hast,
erkläre ich dir das gerne ausführlich,
will aber jetzt nicht so weit ausholen
und nachher interessiert es keinen.
Das Thema interessiert mich wirklich.
Das die heute verwendete Vokalisation des Gottesnamen Jehowah nicht der ursprünglichen entspricht, habe ich in einem anderen Artikel schon bestätigt. Ich würde auch gerne mehr über diese Schriften des Gelehrten Theodoreth erfahren.
Wobei etwas skepsis immer angebracht ist, denn auch bei dem Namen IESUS gibt es Fachleute, die behaupten, daß hier der hebräische Namen der griechischen Zunge angepaßt wurde.
Wenn du jetzt schon in dich
hinein schmunzelst und wieder vermutest,
ich sei verzweifelt, dann muß ich dich
enttäuschen, denn es gibt eine Vielzahl
harter biblischer Belege für die Gottheit
Jesu.
Ich werde mich nicht über eine ernsthafte Überzeugung lustig machen, besonders, wenn sie fundiert ist.
Nun die Fakten, die du allerdings mit
deiner Eine-Welt-Übersetzung, aus der du
in deinem letzten Artikel zitiert hast,
nicht immer nachvollziehen können wirst,
Ich habe mir eine evangelische Übersetzung gemß Luther bereitgelegt.
- Johannes 1,1+2: „Im Anfang war das
Wort, und das Wort war bei Gott, und das
Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei
Gott.“ Wir sind uns sicher einig, dass
Johannes mit dem Wort natürlich Jesus
meint, von dessen Menschwerdung ab Vers
14 die Rede ist. Nun sind zwei Aussagen
hier von besonderer Bedeutung. Dieses
Wort war Gott und es war bei Gott. Das
trifft genau meine Auffassung. Jesus,
also das Wort, ist Gott, aber mit der
Aussage, dass es bei Gott war, wird
deutlich gesagt, dass Gottes Wesen damit
noch nicht erschöpft ist. Jesus ist also
kein zweiter Gott. Das Wort läßt sich
nicht von Gott lösen. Es ist ihm weder
untergeordnet noch nebengeordnet, sagt
Johannes. Die Bibel ist an die Menschen
gerichtet und will davon berichten, wie
sich Gott uns Menschen offenbart hat.
Indem sich Gott offenbart, ist er das
Wort.
Johannes 1:1 ist die eine von zwei Stellen, die ich kenne, die eine Wesensgleich von Jahweh und Jesus stützen könnten. Im deutschen liest sich das eindeutig; „das Wort war Gott“. Im griechichen klingt das nicht mehr so eindeutig, weil dort Personalpronomen wie „ein“ fehlen. Es gibt Übersetzungen (nicht nur die Neue Welt-Übersetzung), die hier „das Wort war ein Gott“ oder „das Wort war göttlicher Natur“ verwenden ohne das man eindeutig sagen kann, daß es falsch ist.
Gemäß der Bibel gibt es VIELE Götter; einen Wahren, viele Falsche, und welche die so genannt werden. (siehe auch 1.Kor.8:5)
Das Jesus in seiner vormenschlischen Gestalt bei Jahweh war, verstehe ich als Positionsangabe und Zeichen der Verbundenheit. Immerhin ist Jesus sein einziggezeugter Sohn und Jesus hat seinen Vater bei der Erschaffung der Welt unterstützt. (siehe Sprüche 8:22-31)
Wie am Anfang in 1,1 so ist auch am Ende
in Johannes 20,28 ein klares Bekenntnis
zur Gottheit Jesu ausgesprochen. Thomas
begegnet dort dem Auferstandenen und sagt
zu ihm „mein Herr und mein Gott“.
Da muß ich noch darüber nachsinnen.
- Im Hebräerbrief wird deutlich gesagt,
dass Jesus einzigartig unterschieden ist
von den Engeln. In Kap 1 wendet er zwei
Psalmstellen auf Jesus an. Der Text ist
nicht ganz einfach zu verstehen, man muß
ihn aufmerksam lesen: ab Vers 7:„Und von
den Engeln zwar spricht er (Gott): „Der
seine Engel zu Winden macht und seine
Diener zu einer Feuerflamme, von dem Sohn
aber: „Dein Thron, o Gott, ist in alle
Ewigkeit…“ In Vers 9 wird Jesus dann in
gleicher Weise noch einmal „Gott“
genannt.
- Im Philipperbrief Kap. 2,6 schreibt
Paulus, daß Jesus es nicht wie einen Raub
festhielt, Gott gleich zu sein, sondern
daß er sich seiner Göttlichkeit
entäußerte, um Mensch zu werden. „Jesus
war in Gottes Gestalt und hielt es nicht
wie einen Raub fest, Gott gleich zu sein.
Aber er machte sich selbst zu nichts und
nahm Knechtsgestalt an, indem er den
Menschen gleich geworden ist…“ Jesus
ist also Gott. Um Mensch zu werden, hat
er aus Liebe zu uns Menschen seine
Göttlichkeit abgelegt. Er hielt sie nicht
wie einen Raub, also wie einen Besitz,
fest, sondern ließ sie los für uns.
Gleichzeitig macht auch dieser Text vor
allem Vers 9 „Darum hat Gott ihn auch
hoch erhoben und ihm den Namen verliehen,
der über jeden Namen ist“ deutlich: Jesus
ist Gott insofern er sich uns offenbart.
Der Name der über alle Namen ist, kann
kein anderer sein als der Name Gottes,
denn nur der ist über alle Namen. Wenn
Gott Jesus diesen Namen verliehen hat,
heißt das nichts anderes, als daß Jesus
nach seiner Menschwerdung, nach Kreuz und
Auferstehung, wieder zu seiner
Göttlichkeit zurückgekommen ist. Diese
Stelle ist die wichtigste und auch die,
an der die Neue-Welt-Übersetzung den
Bibeltext in leider extremer Weise
unkorrekt übersetzt.
Die beiden vorgenannten Stellen unterscheiden sich in der Neue-Welt-Übersetzung deutlich von den vorhergenannten. Wer sagt nun, das diese Stellen extrem unkorrekt Übersetzt wurden, Hebraisten, Gräzisten oder Theologen?
Ich würde gerne einen Juden dazu befragen, wie er den Text in Psalm 45:6-8 übersetzt.
- Man kann nur zu Gott beten, das sagen
auch die Zeugen Jehowas und beten deshalb
nicht zu Jesus. Korrigiere mich, wenn das
nicht stimmen sollte.
Das ist korrekt.
Ich bin der
gleichen Auffassung, daß man nur zu Gott
beten kann. Paulus übrigens auch, aber er
spricht davon, daß er zu Jesus gebetet
hat und er ihm auch geantwortet hat. In 2
Kor 12,8+9 Paulus spricht davon, daß er
irgendein Leiden hat, das er als Engel
Satans bezeichnet :„Um dessentwillen habe
ich dreimal den Herrn angerufen, daß er
von mir ablassen möge. Und er hat zu mir
gesagt: ‚Meine Gnade genügt dir, denn
meine Kraft kommt in Schwachheit zur
Vollendung.‘ Sehr gerne will ich mich nun
vielmehr meiner Schwachheit rühmen, damit
die Kraft Christi bei mir wohne.“ Paulus
ruft den Herrn an und der, der ihm da
antwortet, sagt, daß seine Kraft in der
Schwachheit wirkt.
Wer ist der Herr (Kyrios)? Ungünstigerweise wird dieser Titel sowohl auf Jahweh als auch auf Jesus angewendet.
Paulus sagt dann im
Nachsatz eindeutig, daß die Kraft Christi
bei ihm wohnen soll. Also ist der, zu dem
er da gebetet hat und der ihm seine Kraft
verspricht, Christus, der Sohn Gottes.
Die Folgerung, daß er zu Christus gebetet hat ist nicht logisch. Die Erwähnung zweier Personen in zwei nachfolgenden Sätzen bestätigt nicht deren Identität.
- Eine letzte Stelle bringe ich noch,
dann muß ich erst einmal aufhören und
arbeiten. Ich werde diesen letzten
Bibelvers aus dem Kolosserbrief (2,9)
auch nicht groß kommentieren, denn er
spricht für sich: „Denn in ihm (Jesus)
wohnt die ganze Fülle der Gottheit
leibhaftig“. Die ganze Fülle, Jesus war
nicht nur von Gott mit großer Kraft und
Weisheit ausgerüstet, Gott in seiner
ganzen Fülle ist in Jesus.
Ja, wer Jesus damals gesehen hatte, hatte auch den Vater gesehen. Schließlich stellte Jesus seinen Vater als ein perfektes Bild dar. Ich möchte aber zu bedenken, daß niemand Gott sehen weiterleben kann.
Der Gedanke der Wesensgleichheit von Jahweh und Jesus endstand erst im 3. und 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, nachdem die griechische Philosophie Einzug ins Christentum gehalten hatte. Es war ein heidnischer römischer Kaiser (Konstantin), der auf dem Konzil von Nizäa dieser Glaubenslehre, nicht ohne politische Hintergedanken, durchgedrückt hat.
Die Wesensgleichheit von Jahweh und Jesus ist ein so fundamentaler Glaubenslehrsatz, daß dieser von einem Propheten oder von Jesus bekannt gemacht werden müßte. Die vorgenannten Bibelstellen denke ich, sind nicht hinreichend.
Ich hoffe, meine Ausführungen waren
verständlich.
Ja, das waren sie.
Wenn du weiterreden willst, gern.
Ja, sehr gerne und vielen Dank nochmals.
Gruß
Carlos