zwei meiner Kinder werden am nächsten Freitag aus der Schule entlassen. Sie besuchen die selbe Klasse, haben sich bis vor ca. 1 1/2 Jahren mehr schlecht als recht durch die Schule geschlagen, wass aber nicht an mangelnder Intelligenz, sondern an reiner Faulheit lag.
Vor 1 1/2 Jahren haben sie ein Praktikum gemacht, einer meiner Söhne in der größten Fabrik hier im Umkreis. Vier Tage dort in derLehrwerkstatt, was wohl ganz nett war, einen Tag am Fließband !!!
Dieser Tag am Fließband hat ihm den Schock pur versetzt. Er kam an diesem Tag wirklich ganz entsetzt nach Hause, meinte, so wolle er nicht enden. Eine solche Arbeit könne er nicht aushalten (was übrigens garnicht zur Debatte stand), setzte sich ab diesem Tag auf den Hosenboden und lernte, was das Zeug hielt.
Nun schließt er mit einem Durchschnitt von 1,7 als Klassenbester ab. Sein Bruder wird so um die 3,3 oder 3,4 liegen.
Ganz ehrlich, ich freue mich für ihn und bin stolz auf ihn. Allerdings habe ich natürlich ein schlechtes Gewissen, meinen Stolz allzusehr zu zeigen, aus Rücksicht eben auf seinen Bruder.
Könnt ihr mich da verstehen? Eigentlich will ich von euch jetzt nur hören, dass ich meinen Gefühlen freien Lauf lassen kann.
Wie gesagt, ich halte sie beide für gleich intelligent.
Wenn es sonst keiner sagt: „Lass deinen Gefühlen freien Lauf.“
Der „heilsame Schock“ des einen hat mit Sicherheit eine Transferwirkung auf den anderen.
Erfahrungen, welche wir schon gemacht haben lassen sich nicht einfach per Gespräch übertragen. Die Jungens müssen schon selber vor die ein oder andere Pumpe laufen um zu lernen.
Auch Eltern sind vor allen Dingen immer noch Menschen, mit Ängsten, Sorgen, Liebe und tausend anderen Gefühlen. Die gehören aber alle zu uns, machen einen Teil von uns aus. Ein klares Wort zur rechten Zeit wird mit Sicherheit keine intakte Beziehung zerstören. Position zu beziehen gibt dem anderen auch die Möglichkeit sich zu orientieren. Wahrhaftigkeit ist die Grösse, die deine Jungens hinterfragen und welche du ihnen auch zeigen solltest. Dazu gehört auch, neben aller Fürsorge und Liebe, ab und zu Gewitterstimmung.
Klar bist du stolz, vor allem vor dem Hintergrund, dass er es selbst eingesheen hat und sich bemüht hat. Ich würde nivht die Noten in den Vordergrund stellen, sondern die Mühe. Hat sich sein Bruder für die 3 genauso angestreng, dann sollten beide gleichermassen ‚gelobt‘ werden, war der aber nur schlurig und hat nix getan, dann fände ich es nicht schlimm, wenn du auf deinen Einser-Jungen stolzer wärst!
HI
ich kenne deinen Sohn jetzt nicht aber ich kann ja mal meine eigene Erfahrung schildern:
Ich bin ein ähnlicher Fall, wenn ich was tue kann ich gute Noten schreibe, aber das ist ja soooooooooooooooo viel Arbeit, also mach ich lieber nix. Gut, dann wirds regelmäßig knapp, aber wenn ich dann dieses Jahr Nachprüfung machen muss (ich guck schon den ganzen Tag alle 5 Minuten in den Briefkasten) dann weiß ich was ich dafür hatte: Nämlich ein sehr schönes und erholsames Jahr und dann bin ichs ja selber schuld (war nochmal gucken, immer noch nix da) wenn ich mal was tun muss und wenn ich in der Situation von deinem Sohn wäre dann würde ich wahrscheinlich denken das ich ja schon ein geruhsames Jahr hatte und das ich dann nicht auch noch mit Lob rechnen kann.
Wie gesagt, ich kenn deinen Sohn nicht, aber ich fühlte mich schon fast angesprochen, weil die Beschreibung des einen so gut auf mich passte. Vielleicht hilfts ja