Zeugnisbewertung

Hallo, Forum.

Heute bin ich mal selbst mit einem Zeugnis an der Reihe. Ich habe mir natürlich selbst eine Meinung gebildet, wäre aber für eure Einschätzungen dankbar. Es handelt sich um ein Zwischenzeugnis für die Zeit von 1995 bis gestern. Für die vorhergehenden Jahre gibt es bereits eines.

Hier kamms :

Zwischenzeugnis über den Einsatz im IT-Bereich von 1995

Herr X zu Y, geboren am Z, ist seit dem 1.9.1978 im Produktbereich bäh, Werk buh, tätig.
In der Zeit vom 1.9.1978 bis zum 16.1.1981 wurde er zum Industriekaufmann ausgebildet.
Im Anschluss daran wurde er ab dem 17.1.1981 als Nachkalkulator im Rechnungswesen in das Angestelltenverhältnis übernommen. Über seine Aufgaben im Bereich des Rechnungswesens ist ihm ein gesondertes Zeugnis erstellt worden.

Aufgrund seiner erworbenen DV-Kenntnisse wechselte Herr zu Y ab 1.2.1995 als Sachbearbeiter in den Bereich „Organisation und IT-Management“.

Zu den Hauptaufgaben von Herrn zu Y gehörten :

  • Überwachung und Durchführung der Nachtabwicklung für das [Marke]-Produktionssteuerungssystem [Bezeichnung]

  • Behebung von Störungen im laufenden Systembetrieb, Beauftragung von Programmänderungen, Erstellen von Verwaltungsjobs, Entwicklung zusätzlicher Funktionen mit Hilfe von Werkzeugen wie [Marke], Optimierung zusätzlicher Programme ([Programmiersprache, nochneProgrammiersprache]) mit dem Ziel der Laufzeitreduzierung und Fehlervermeidung

  • Entwicklung von Client- Server- Applikationen unter Windows/NT und Windows XP mit Hilfe von Office-Programmierschnittstellen (Excel, Access, Word) und Entwicklungstools wie Visual Studio

  • Umstellung und Optimierung von Applikationen aus Windows/NT und DOS auf XP

  • Laufende Anpassung von Office- Anwendung bei Versionsänderungen

  • Beratung der Fachbereiche (Rechnungswesen/Controlling, Qualitätsmanagement, Logistik, Personal) beim Einsatz von Methoden der IT

  • Erstellung von Lasten- und Pflichtenheften, sowie die Dokumentation laufender Systeme

  • Beratung hinsichtlich der Umstellungsstrategie sowie Kosten/Nutzen- Analyse

Über diese Aufgaben hinaus war Herr zu Y mit der Querschnittsfunktion als Ausbildungsbeauftragter im Fachbereich IT betraut. Dies beinhaltete :

  • Fachliche und organisatorische Konzeption des neuen kaufmännischen Ausbildungsgangs IT-Kaufmann/-frau

  • Abstimmung der Ausbildungsinhalte mit dem Betrieblichen Bildungswesen und der IT-Abteilung, sowie die Betreuung der fachspezifischen Ausbildung

  • Planung, Konzeption und Durchführung eines einwöchigen Workshops für kaufmännische Auszubildende (Industrie- und IT-Kaufleute) in Projektform

Des Weiteren hat Herr zu Y an folgenden Projekten mitgewirkt :

  1. Projekt zur Währungsumstellung DM / Euro
  • Teilprojektleitung eines Arbeitspaketes
  • Mitarbeit im zentralen Arbeitskreis
  1. Projekt „Jahrtausendwende (Y2K)“
  • Durchführung notwendiger Programmanpassungen für bestehende DV- Anwendungen
  • Beratung der Fachbereiche
  • Teilnahme an zentralen Arbeitskreisen
  • Durchführung von Risikoabschätzungen

Herr zu Y hat in der Redaktion der hausinternen Mitarbeiter-Zeitschrift [marke] mitgewirkt sowie im Rahmen des offenen Weiterbildungsprogramms Schulungen für MS-Office-Programmme, Intranet und Internet durchgeführt.

Aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit im IT Umfeld verfügt Herr zu Y über ein umfangreiches DV-Wissen. [Deppenleerzeichen sic!]

Er identifiziert sich mit seinen Aufgaben und ist aufgrund seiner Fachkenntnisse stets in der Lage, sich auf erweiterte Aufgabenstellungen einzustellen und diese erfolgreich zu bearbeiten.

Aufgrund seiner guten Auffassungsgabe, seiner Kommunikationsfähigkeit [sic!] ist er stets in der Lage, sich auf spezielle Erfordernisse einzustellen.

Wir kennen Herrn zu Y als leistungsfähigen Mitarbeiter, der die ihm übertragenen Aufgaben mit gutem Einsatz und kompetent zu unserer Zufriedenheit erledigt.

Herr Y hat sich über dem [sic!] zurückliegenden Zeitraum eigenständig weitergebildet (u.a. REFA Qualifikation [Deppenleerzeichen sic!] und Ausbildereignungsprüfung).

Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern war einwandfrei.

Dieses Zwischenzeugnis wird auf Wunsch von Herrn zu Y erstellt.

Unterschriften : i.V. Personalheini, i.V. IT-Heini


Es wird hierzu in Kürze noch ein ungutes Gespräch geben. Ich bitte um Einschätzungen. Zusatzfrage : Habe ich im Falle einer Kurzschlusshandlung eine Chance, mildernde Umstände zu kriegen E-( ?

Besten Dank im Voraus,
X Eillicht zu Y Vensre

Hallo Herr Y,

wie ganz üblich meine ganz naive Meinung. Und natürlich die obligatorische Frage, ob alle Formalitäten erfüllt sind? Du weisst schon, mit hochrangiger Unterschrift, Firmenpapier ohne Eselsohren und so…

Zwischenzeugnis über den Einsatz im IT-Bereich von 1995

von 1995 bis ??? Oder schlicht und einfach „Zwischenzeugnis“

Herr X zu Y, geboren am Z, ist seit dem 1.9.1978 im
Produktbereich bäh, Werk buh, tätig.

Ich dachte das Zeugnis ist „ab 1995“? *grübel* Täte es da nicht ein Satz tun „Herr Y ist bereits seit 1978 in unserem Hause beschäftigt. Für den Beschäftigungszeitraum von… bis… wurde ihm bereits ein Zeugnis ausgestellt“

Aufgrund seiner erworbenen DV-Kenntnisse wechselte Herr zu Y
ab 1.2.1995 als Sachbearbeiter in den Bereich „Organisation
und IT-Management“.

Zu den Hauptaufgaben von Herrn zu Y gehörten :

Und dieselben sind richtig, vollständig und überhaupt?

Über diese Aufgaben hinaus war Herr zu Y mit der
Querschnittsfunktion als Ausbildungsbeauftragter im
Fachbereich IT betraut. Dies beinhaltete :

Das Leerzeichen VOR dem Doppelpunkt ist auch in echt so? Ansonsten giltet das gleiche wie zu den anderen Aufgaben…

Aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit im IT Umfeld verfügt
Herr zu Y über ein umfangreiches DV-Wissen.
[Deppenleerzeichen sic!]

Das finde ich aber wenig schön. Nur weil Du so lange im Laden warst, hast Du ein „umfangreiches“ Wissen erworben? Nicht vielleicht weil Du so interessiert, motiviert, fortbildungswütig, fleissig warst? Das klingt mir so „Naja, interessiert hat’s ihn ja nicht nicht wirklich, aber im Laufe der Zeit hat er doch versehentlich ein bisserl was mitgekriegt“.

Er identifiziert sich mit seinen Aufgaben und ist aufgrund
seiner Fachkenntnisse stets in der Lage, sich auf erweiterte
Aufgabenstellungen einzustellen und diese erfolgreich zu
bearbeiten.

Das halte ich eigentlich für selbstverständlich in so einer Position. Vor allem stört mich hier, dass keine Erfolge erwähnt sind. „So hat Herr Y die x-Umsetzung termingerecht im z-Konzern eingeführt“.

Aufgrund seiner guten Auffassungsgabe, seiner
Kommunikationsfähigkeit [sic!] ist er stets in der
Lage, sich auf spezielle Erfordernisse einzustellen.

Siehe oben. „Man muss seiner Flexibilität doch manchmal arg auf die Sprünge helfen.“

Wir kennen Herrn zu Y als leistungsfähigen Mitarbeiter, der
die ihm übertragenen Aufgaben mit gutem Einsatz und kompetent
zu unserer Zufriedenheit erledigt.

leistungsfähig? Das heisst, er könnte schon aber tut nicht?
„zu unserer Zufriedenheit“ gar nicht „stets“ „voll“ oder „vollst“? Au weia…

Herr Y hat sich über dem [sic!] zurückliegenden
Zeitraum eigenständig weitergebildet (u.a. REFA Qualifikation
[Deppenleerzeichen sic!] und Ausbildereignungsprüfung).

In dem Zusammenhang würde ich das negativ lesen. „Nachdem er als IT-ler wenig zu gebrauchen war, haben wir’s halt versucht ihn zum REFA-Mensch zu machen…“
Die Vertippsel sind natürlich ausser jeder Diskussion und müssen raus.

Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern war
einwandfrei.

Und Kollegen? Und Kunden? Und nur „einwandfrei“? Nicht „stets“ oder so? Und - gerade als Ausbilder - nicht „jederzeit vorbildlich“? Und Du bist auch gar nicht „teamfähig“, „aufgeschlossen“, „hilfsbereit“, „motiviert“?

Dieses Zwischenzeugnis wird auf Wunsch von Herrn zu Y
erstellt.

Auch hier wieder: im Zusammenhang könnte man das böse so lesen „Wir hatten ein sehr ernstes Mitarbeitergespräch und haben Herrn Y nahe gelegt, sich anderswo zu bewerben.“ Wäre der Zusammenhang ein anderer (stets vorbildlich/einwandfrei" „allerprächtigste Zufriedenheit“) fände ich den Satz sehr neutral. Gibt’s aber echt keine anderen Gründe für das Zeugnis (Umstrukturierung? Chefwechsel? Beförderung?)

Unterschriften : i.V. Personalheini, i.V. IT-Heini

Beide i.V.? *Augenbraueheb* Das fände ich merkwürdig…

Es wird hierzu in Kürze noch ein ungutes Gespräch geben.

DAS verstehe ich gut und ich drücke alle Daumen.

Ich
bitte um Einschätzungen. Zusatzfrage : Habe ich im Falle einer
Kurzschlusshandlung eine Chance, mildernde Umstände zu kriegen
E-( ?

Klar, ich hätt sie schon bei Hektor erschlagen.

*wink*

Petzi

Böses Zeugnis…
Hallo EzV,

Meister Petz hat ja eigentlich schon alles gesagt.

Was mir dazu noch einfällt ist:

ein solches Zwischenzeugnis - nach so langer Zeit? Hat Dich jemand auf dem Kieker? Wollen die Dich loswerden? Bist Du eventuell Betriebsrat :wink:

Sehr aussagekräftig finde ich, dass eine positive Schlussformel fehlt, so in dem Sinne „Herr EzV ist ein (sehr) wertvoller Mitarbeiter, wir sind sehr zufrieden und wünschen uns auch weiterhin eine erfolgreiche Zusammenarbeit“.

p.s. Falls Du kurzschlüssig werden solltest, achte darauf, dass es keine Zeugen gibt…

Gruß bobesch

Besten Dank mit Stern.

Aus der Tragödie ist eine Komödie geworden : Der Vorgesetzte, der den Leistungs- und Verhaltensteil verzipf, war der Meinung, ein Zeugnis mit der Gesamtnote „2 bis 3“ ausgestollen zu haben …

Ich habe ihm meine Unterlagen zur Verfügung gestollen, damit er zukünftig nicht mehr ungewollt in Gefahr kommt *g* - er hat gesagt, dass er jetzt sein - selbst geschrobenes - eigenes Zeugnis noch mal mit meinem Leifaden querlesen will … *ROTFL*

Jedenfalls schreibe ich jetzt selbst was.

Auch hier wieder: im Zusammenhang könnte man das böse so lesen
„Wir hatten ein sehr ernstes Mitarbeitergespräch und haben
Herrn Y nahe gelegt, sich anderswo zu bewerben.“ Wäre der
Zusammenhang ein anderer (stets vorbildlich/einwandfrei"
„allerprächtigste Zufriedenheit“) fände ich den Satz sehr
neutral. Gibt’s aber echt keine anderen Gründe für das Zeugnis
(Umstrukturierung? Chefwechsel? Beförderung?)

Umstrukturierung und Chefwechsel mit gleichzeitigem Angebot meinerseits : „Stellt mir ein vernünftiges Zeugnis aus, damit ich mich woanders bewerben kann, und dann sprechen wir nochmal über euer Abfindungsangebot“. Und das kam nun, drei Monate nach diesem Gespräch, dabei heraus …

No further comment, höchstens mal irgendwann im Storybrett oder bei einem Treffen.

Besten Dank nochmal,
Eillicht zu Vensre

Hallo.

Auch Dir besten Dank für Deine schnelle Antwort - aktueller Stand siehe meine Antwort an Petzi.

p.s. Falls Du kurzschlüssig werden solltest, achte darauf,
dass es keine Zeugen gibt…

Gibt es nicht mehr. Was mache ich jetzt mit all den Leichen?

Gruß Eillicht zu Vensre

Servus,

Was mache ich jetzt mit all den Leichen?

gibt es da in Deiner Gegend nicht einen Kochkäse, in dem üblicherweise sowas verarbeitet wird (zumindest lässt das Ergebnis das vermuten)? - Soylent Green hab ich mir immer so ähnlich vorgestellt.

Schöne Grüße

MM

Böses Zeugnis (ot)
Hi,

Was mache ich jetzt mit all den Leichen?

Schlage die Fulda vor(das war doch in Kassel?), aber nicht vergessen: Betonschuhe!

Gruß Don Vito Bobesch