Zeugnisformulierungen okay?

Hallo,

ich habe gerade eine alte Bewerbung zurück erhalten und habe mir nochmal meine Zeugnisse angeschaut. Als ich die Zeugnisse vor Jahren bekommen habe, fand ich sie eigentlich ganz okay. Aber mittlerweile sind mir doch einige Formulierungen irgendwie unangenehm aufgefallen (die GROSS GESCHRIEBENEN):

Zeugnis 1)
(Mitarbeiter in der schriftlichen Kundenbetreuung eines Direkt-Marketing-Dienstleisters; ich habe wegen Mobbing durch Vorgesetzte fristlos gekündigt…)

Herr X hatte stets eine gute ARBEITSMORAL und VERFOLGTE BEHARRLICH die gesetzten Ziele. Herr X war gut qualifiziert und hat sich ENGAGIERT in sein neues Arbeitsgebiet eingearbeitet. Bereits nach kurzer Zeit arbeitete er selbstständig. Er ARBEITETE SICH aufgrund seiner guten Auffassungsgabe schnell und ERFOLGREICH IN NEUE PROBLEME EIN. Herr X wendete seine guten Fachkenntnisse LAUFEND MIT ERFOLG in seinem Arbeitsgebiet an. Seine Aufgaben erledigte er selbstständig mit großer Sorgfalt und Genauigkeit. Herr X lieferte eine überdurchschnittliche Arbeitsqualität. Arbeitsmenge und Arbeitstempo lagen über unseren Anforderungen. Seine Leistungen waren stets gut.
Aufgrund seiner KOOPERATIVEN HALTUNG war er bei Vorgesetzten und Kollegen anerkannt und BELIEBT. Besonders hervorzuheben ist auch seine jederzeit sehr gute ZUSAMMENARBEIT MIT DEN KUNDEN, auf deren Anliegen er flexibel und serviceorientiert einging.

Zeugnis 2)
(Mitarbeiter schriftl. Kundenbetreuung; Zeitarbeit)

…konnte seine Kenntnisse GEWINNBRINGEND einsetzen
…diesen Anforderungen WURDE er in bester Weise GERECHT
…freundliches, ZUVORKOMMENDES Wesen machten ihn zu einem GERNE GESEHENEN Mitarbeiter

Es wäre toll, wenn ich von Euch ein kleines Feedback bekommen würde…

Alles oder Gar Nix
Hi!

Ein Zeugnis kann man nur beurteilen, wenn es komplett vorliegt, deshalb nur (und zwar unter großem Vorbehalt!!!) ein paar Worte zum ersten…

Herr X hatte stets eine gute ARBEITSMORAL und VERFOLGTE
BEHARRLICH die gesetzten Ziele.

Er hat sich festgebissen, an dem, was ER wollte.

Herr X war gut qualifiziert

aber nicht mehr

und hat sich ENGAGIERT in sein neues Arbeitsgebiet
eingearbeitet.

Er hat sich ewig damit befasst, die einfachsten Dinge zu lernen, was andere Mitarbeiter schon nach einigen Minuten schaffen

Bereits nach kurzer Zeit arbeitete er
selbstständig.

Er hat gemacht, was er wollte

Er ARBEITETE SICH aufgrund seiner guten
Auffassungsgabe schnell und ERFOLGREICH IN NEUE PROBLEME EIN.

Er hat Probleme erkannt und sich darin verbissen, statt sie zu lösen

Herr X wendete seine guten Fachkenntnisse LAUFEND MIT ERFOLG
in seinem Arbeitsgebiet an.

…brachte aber keine brauchbaren Ergebnisse

Seine Aufgaben erledigte er
selbstständig mit großer Sorgfalt und Genauigkeit.

SOO sorgfältig und genau, dass er für andere Dinge keine Zeit hatte (oder kurz: Er war so was von lahm)

Herr X
lieferte eine überdurchschnittliche Arbeitsqualität.
Arbeitsmenge und Arbeitstempo lagen über unseren
Anforderungen.

…was so gar nicht zum Rest passt

Seine Leistungen waren stets gut.
Aufgrund seiner KOOPERATIVEN HALTUNG war er bei Vorgesetzten
und Kollegen anerkannt und BELIEBT.

Er hat zwar dauern Probleme gemacht, zeigte sich aber irgendwann dann doch kompromissbereit

Besonders hervorzuheben
ist auch seine jederzeit sehr gute ZUSAMMENARBEIT MIT DEN
KUNDEN, auf deren Anliegen er flexibel und serviceorientiert
einging.

Hat mit den Kunden viel zu viel Zeit vertrödelt

Kann natürlich auch völlig anders zu deuten sein, aber: Alles oder Nichts!

LG
Guido, der jetzt mal die richtig schlechte Interpretationskeule rausgeholt hat

Herr X wendete seine guten Fachkenntnisse LAUFEND MIT ERFOLG
in seinem Arbeitsgebiet an.

…brachte aber keine brauchbaren Ergebnisse

Das würde ich ein wenig anders interpretieren: Gute Fachkentnisse in diesem Zusammenhang = keine sehr guten, bzw. nicht so gut wie Herr X meint. Aus dem Satz schließt sich für mich eher ein besserwisserische Herr X, der keine anderen Meinungen und Vorgehendweisen akzeptiert, usw…

Im Gesamten ist das Zeugnis für Herr X eine Katastrophe!

gruss Markus

Hi,

Herr X
lieferte eine überdurchschnittliche Arbeitsqualität.
Arbeitsmenge und Arbeitstempo lagen über unseren
Anforderungen.

doch passt wie die Faust aufs Auge: Damit zeigt der SChreiber nochmals mit dem Finger auf das Problem, dass der Mitarbeiter langsam war.

Grüße Wolfgang

Kann man so sehen!
Hi!

Aber dafür würde ich gerne den GANZEN Text lesen.

Alles deutet darauf hin, dass es ein absolut beschi****nes Zeugnis ist.

Aber ohne den Rest möchte ich zumindest die Option der Ahnungslosigkeit des Ausstellers (ich weiß, dass ich manchmal ein unverbesserlicher Optimist bin) nicht ausschließen…

LG
Guido

auch an Guido

Hi,

Herr X
lieferte eine überdurchschnittliche Arbeitsqualität.
Arbeitsmenge und Arbeitstempo lagen über unseren
Anforderungen.

doch passt wie die Faust aufs Auge: Damit zeigt der SChreiber
nochmals mit dem Finger auf das Problem, dass der Mitarbeiter
langsam war.

Hallo Guido, Hallo Wolfgang

Ich bin jetzt nicht der Experte fuer Zeugnisse, aber das, was
ihr reininterpretiert, klingt doch sehr nach Wort im Munde umdrehen.
Wenn aus „Arbeitstempo lag ueber unseren Anforderungen“ „der
Mitarbeiter war lahmarschig“ wird, dann frag ich mich, wie man „der
Mitarbeiter war sehr schnell“ ins die Sprache eines Zeugnisses
uebersetzen wuerde.

Gruss, Tychi

Hi!

Schön, dass es verschiedene Meinungen gibt *g*

Das würde ich ein wenig anders interpretieren: Gute
Fachkentnisse in diesem Zusammenhang = keine sehr guten, bzw.
nicht so gut wie Herr X meint. Aus dem Satz schließt sich für
mich eher ein besserwisserische Herr X, der keine anderen
Meinungen und Vorgehendweisen akzeptiert, usw…

OK - vielleicht sogar das in Kombination mit meiner Deutung!

Denn „wendete an“ ist das, woran ich mich jetzt hochzog!
„Wendete stets erfolgreich an“ (mit dem einen oder anderen Zusatz) wäre da eine etwas andere Formulierung…

Wobei Deine Interpretation im Kontext mit dem Verhalten gegenüber Vorgesetzten, etc. passt, wie die Faust aufs Auge.

Im Gesamten ist das Zeugnis für Herr X eine Katastrophe!

Das ist noch geschmeichelt!

LG
Guido

Hallo an dieser Stelle.

Wenn aus „Arbeitstempo lag ueber unseren Anforderungen“ „der
Mitarbeiter war lahmarschig“ wird, dann frag ich mich, wie man
„der
Mitarbeiter war sehr schnell“ ins die Sprache eines Zeugnisses
uebersetzen wuerde.

Bei Beurteilungen eines Arbeitszeugnisses sollte man _immer_ vom Schlimmsten ausgehen. Denn einen guten bis sehr guten MA wird man nicht einfach so von Dannen ziehen lassen.

Die Kausalkette könnte so verlaufen sein: MA wird eingestellt -> Arbeitstempo und Leistung liegen (wider Erwarten) unter den Erwartungen -> selbige werden von seiten des AG etwas zu weit heruntergesetzt. Sprich: der AN wird heruntergestuft, aber übertrifft dann die geringen vorhandenen Erwartungen doch noch.
Man bemerkt, dass hier nur die relativen und nicht die absoluten Erwartungen gemeint sein könnten.

HTH
mfg M.L.

Hi!

Wenn aus „Arbeitstempo lag ueber unseren Anforderungen“ „der
Mitarbeiter war lahmarschig“ wird, dann frag ich mich, wie man
„der
Mitarbeiter war sehr schnell“ ins die Sprache eines Zeugnisses
uebersetzen wuerde.

Kommt natürlich auf den Kontext an, aber es könnte durchaus heißen:
Der war völlig überhastet und hat nichts mit der notwendigen Sorgfalt erledigt…

Ich persönlich halte dieses „muss wohlwollend formuliert sein“ einfach nur für dämlich! Ob ich jetzt verschlüsselt da rein schreibe, dass der Mitarbeiter eine Zumutung war oder es im Klartext mache, ist doch gehopst wie gesprungen!

Nur, dass man sich als AN bei einem wohlwollend miesen Zeugnis so richtig verarscht fühlt.

LG
Guido