Ziel der Psychotherapie: Schockiert!

Ein Therapeut, zu dem ich einmal ging, um über ein Problem zu reden und mich über die Möglichkeit einer Therapie zu beraten, sagte im Verlauf des Gesprächs:

„Wenn der Patient glücklich ist, obwohl er unter der Brücke
schläft, hat die Therapie funktioniert“.

Das hat mich sehr schockiert! Ich schwieg erstmal verwirrt.

Als ich auf meine Kindheit zu sprechen kam, merkte man, dass er kein Interesse hatte auf
das Thema von sich aus weiter einzugehen.
Dann machte er eine kreisende Handbewegung neben seinem Gesicht. Er wollte mir wohl zu verstehen geben, dass ich einfach mein Denken ändern soll. Verbal kam aber nichts.

Ich machte nur „Hmmm“

Ich wollte ihm auch erzählen, warum ich Probleme habe, da kam nur: "
Das können sie; das schaffen
Sie"

Eine Therapie konnte er mir nicht anbieten, denn er habe nur Privatpatienten. Allerdings könne ich zweimal pro Quartal für 10 min kommen. Man muss erwähnen, dass er in erste Linie
Neurologe ist und eine psychotherapeutische Zusatzausbildung hat (Tiefenpsychologie).

Ich wusste nicht mehr was ich noch sagen sollte und er gab mir keine Anhaltspunkte. Er meinte, dass wir uns auch anschweigen könnten. Das ginge auch. Entweder ich rede von allein oder
es wird nichts gesagt.

Hallo.

Die Wahl des Therapeuten ist nichts was man überstürzen sollte.

Nicht jeder Therapeut ist auch „gut“ für dich.

So wie du den Therapeuten beschreibst scheint er kein sonderliches Interesse an die zu haben und mit seiner „Aussage“ kann ich mich auch nicht Anfreunden.

Es gibt viele Therapeuten, such dir einfach einen anderen.

Auch deshalb da er sowieso keine Therapie für dich anbietet und 2x pro Quartal 10min bringt rein garnichts.

Ja genau!

Einen guten, engagierten Therapeuten zu finden, ist aber gar nicht so leicht.

Eine andere Therapeutin meinte: „Ich bestimme die Themen, nicht Sie“

Und ein dritter über Ansätze die Erziehung der Eltern anzusprechen: „Das ist aber traurig“. Mehr kam nicht. Er stellte nur immer Fragen. Ich antwortete stets. Eine neue Erkenntnis habe ich in mindestens 10 Sitzungen nicht gewonnen. Das es traurig ist, wusste ich schon vorher.

@Kaldo
oops falscher Ort, das darüber ist die Antwort an dich. Tschuldigung, habe es nicht gemerkt!

Hallo :smile:

Ich gebe dem Vorredner recht.
Oft braucht es mehr als einen Thera, und vor allem muss es in diese Richtung (Therapeut) gehen, um zu der Meinung zu gelangen, dass man gut aufgehoben ist. Neurologe passt eher nicht, wenn man endlich dazu bereit ist, (sehr) private Dinge einer fremden Person zu erzählen.
Frage Deinen Hausarzt, nach einer Liste von Psychologen, Psychotherapeuten usw aus Deiner Umgebung. Sollte der HA nicht bereits wissen, dass Du Hilfe in dieser Richtung suchst, so rede mit ihm darüber…ggf hat er was kompetentes parat. Überweisung und dann hoffen, dass Du nicht allzu lange auf einen Termin warten musst.
Das, was Du bei dem Neurologen erfahren hast, ist echt das letzte. Kann sicher sein, dass er zwar in der Lage ist, mehr oder (wie bei Dir) weniger etwas für Dich tun. Aber er hätte Dir sehr viel „freundlicher“ und passender sagen können, was Du unternehmen kannst, damit Dir erfolgreich geholfen werden kann. Regelmässig - nicht „mal kurz und schnell“ zweimal jährlich für 10 Minuten, wegen irgendwelcher Kosten. Was soll das bringen?? *grml*
Wenn Du (ua?) therapeutisch behandelt werden musst, dann trägt jede Krankenkasse die Kosten. Habe nie etwas anderes gehört.

Wünsche Dir viel Erfolg.

Lieben Gruss

hi,

weitersuchen!

anscheinend möchtest du eine regelmäßige gesprächsreihe mit dem schwerpunkt familie und vergangenheitsthemen.

dazu macht man eine tiefenpsychologisch orientierte psychotherapie bei einem psychologischen psychotherapeuten.

Anmerkung
Hallo!
Theoretisch hast Du recht, mit dem was Du sagst, aber in der Praxis sieht das so aus:

Die Wahl des Therapeuten ist nichts was man überstürzen
sollte.

Die Möglichkeit zum Überstürzen hat man gar nicht. Bei Wartezeiten von mehreren Monaten.

Es gibt viele Therapeuten, such dir einfach einen anderen.

Also: „Einfach“ ist das nicht. (s.o.) weiß ich aus eigener, leidvoller, Erfahrung. Wenn man eh antriebsschwach ist und es 2 Wochen Anlaufzeit kostet, überhaupt einmal den Hörer abzunehmen für ein Telefonat (das ja beim 1.Mal sicher nicht einen Termin einbringt, sondern erst beim 20. Versuch auch nur vielleicht einen Termin in einem halben Jahr).

Grüße
kernig

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Ja genau! Danke! Du bringst es auf den Punkt!

Und jedes Mal muss ich noch zehn Euro zahlen, wenn ich ein Probegespräch habe?

Ich glaube, dass unterschiedliche Psychologen auch unterschiedliche Stärken und Schwächen haben. Tiefenpsychologie ist nicht gleich Tiefenpsychologie. Anstatt offen zuzugeben, dass sie einen lieber an einen anderen Psychotherapeuten verweisen würden, ekeln sie einen weg.
Manche benutzen diese Strategie jedenfalls.

Ich würde es gut finden, wenn die Psychologen untereinander vernetzt sein würden und den Patienten falls nötig auch woanders hin verweisen. Zu einem anderen Therapeuten, der sich in diesem Gebiet erfahrungsgemäß gut auskennt und deshalb hochmotiviert ist.
Eine zentrale Stelle würde mir helfen, eine Person die auch Psychologie studiert hat, über therapeutische Erfahrung verfügt und sich in der „Szene“ auskennt. So eine Art Vermittlerin, die darüber Bescheid weiß, was die einzelnen Therapeuten in einem bestimmten Gebiet praktizieren und was ihre Spezialgebiete sind.

Mir gefiel im Internet spontan die Seite über das Messie-Syndrom von Rainer Rehberger. Das klang nach einem durch Erfahrung entwickelten und länger erprobten Therapieansatz und einem hohem Engagement. Es ist auch selten, dass Therapeuten ihre Ansätze und theoretischen Grundlagen für so offenlegen.

Kein Wunder, dass sich so viele Selbsthilfegruppen bilden, wenn einem der Therapeut nicht weiterhelfen kann.

Vor allem sollte ein Therapeut auch noch mit anderen Hilfsstellen kooperieren (Sozialarbeit, Berufszentren…). Nicht alles ist ein primär psychisches Problem. ADHS z.B. oder Dyskalkulie mit folgendem gesellschaftlichen Ausschluss, der zu psychischen Problemen führt oder schon bestehende noch weiter verstärkt. Da müsste dann auf mehreren Ebenen gleichzeitig gearbeitet werden.

Es gibt einige Therapeuten, die offen aussprechen, dass sie „effizient“ arbeiten und sich von ihren Kollegen abgrenzen.

„Wenn der Patient glücklich ist, obwohl er unter der Brücke
schläft, hat die Therapie funktioniert“.

und was erwartest du von einem therapeuten? dass er dich gegen deinen willen zu einem besseren leben „erzieht“?

a.

Vielleicht wollte er damit zum Asudruck bringen, dass es im Leben darauf ankommt, das anzunehmen, was einem gegeben ist.

Er hätte auch sagen können, ‚wenn der Patient glücklich ist, im Rollstuhl sitzen zu können anstatt tot zu sein, dann hat die Therapie funktioniert‘.

Es kommt bei solchen Aussagen immer auf den Kontex an. Und auf die Alternativen beim Patient.

Gruß
Maralena

ich wünsche mir von einem Therapeuten, dass er darüber nachdenkt, woher wirklich die psychischen Probleme kommen und nicht voreilig einen Standardtext runterrattert.

ich erwarte, dass er auch ressourcenorientiert arbeitet. Es gibt Primärstörungen, die eine Kette von Sekundärstörungen nach sich ziehen.
Daher müsste genau getrennt werden, an welchen Aspekten man helfen kann.
Das kommt auf das individuelle Störungsbild an. Und da hakt es meines Erachtens oft. Das Individuum wird zu wenig gesehen.
Gleichzeitig muss natürlich auch über falsche Wahrnehmungsmuster nachgedacht werden. Das soll nicht ausgeschlossen werden, ganz im Gegenteil. Nur nicht ausschließlich. Damit würde man dem Menschen nicht wirklich helfen zu erkennen, warum die Dinge so sind wie sie sind.
Wenn jemand im Elternhaus permanent geschlagen wurde von klein auf oder die Eltern eine Zwangserkrankung haben und psychischen Druck ausüben, darf der Patient darüber reden dürfen. Woher soll er sonst wissen, warum er Probleme hat? Vielleicht wäre es sogar sinnvoll, dass es ihm so besser gelingt, sich von den Eltern emotional abzugrenzen, als immer wieder in das pathologische Familiensystem geschmissen zu werden. Sonst geht die Störung nicht weg. Da kann man so viel therapieren wie man will. Der Zusammenhang sollte schon aufgedeckt werden. Ich glaub, man dreht sich andernfalls nur im Kreis.

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Wow, ich freu mich echt auf den Zeitpunkt, wo ich mich endlich als Therapeutin selbständig machen kann. Scheint ja echt nötig zu sein, dass es da mehr brauchbare Leute gibt :wink:

Also,

„Wenn der Patient glücklich ist, obwohl er unter der Brücke
schläft, hat die Therapie funktioniert“.

Für einen Psychologen (o.ä.) hat er recht. Das ist der Unterschied zwischen einem Psychologen und einem Sozialarbeiter. Der Sozialarbeiter würde evtl. darauf hin arbeiten, den Patienten zu ermutigen, seine Situation zu verändern.

Was du ansonsten beschreibst: Vergiss den ganz schnell.
Du hast das Recht, von der Kasse Vorgespräche bezahlt zu bekommen, ich glaube, du darfst ca. 5 verschiedene Therapeuten sprechen.

Lass dich auf „Absagetermine“ ein, dann lässt sich die Wartezeit evtl. vermeiden, denn irgendwer sagt immer ab.

Alles Gute!

Julia

Gerade habe ich gelesen, dass ALLE Ressourcen aktiviert werden sollen oder zumindest versucht werden soll, den Patienten auch darin zu unterstützen, andere Ressourcen zu erkennen und zu mobilisieren(z.B. soziale). Also ganz pragmatische Ziele.
Viele Therapeuten denken darüber gar nicht nach und suchen nur den konkreten Konflikt. Manchmal suchen sie dann aber ewig…
Offenbar gibt es da so viele Meinungen wie es Therapeuten gibt.
Und es scheint auch sehr viele Therapeuten zu geben, die den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Das ist nicht nur meine eigene Erfahrung sondern wurde durch neuere Forschungsliteratur bestätigt.
Viele Therapeuten finden erst nach Jahren eine Antwort, weil sie viel zu sehr auf eine Sache fokussiert sind. Dadurch verlieren sie den Blick für das Wesentliche. Könnte mir auch vorstellen, dass es viele perfektionistische Therapeuten gibt, die nichts wagen, was außerhalb ihres Erlernten liegt. Mit dem Intellekt allein kann man keine Probleme lösen, das schreibt z.B. auch Alice Miller. Ihre Sprache ist direkt und nennt das Kindchen beim Namen. Sie verschleiert nichts. Eins ist klar: es gibt innerhalb der Psychologie (wie in jeder Wissenschaft) völlig konträre Ansichten, was eine gute Therapie ausmacht. Ein Psychologe kritisiert einen anderen warum der Patient abgesprungen sein mag.
Ich glaub die viele Theorien verunsichern die heutigen Therapeuten nur. Wenn jemand eine Entwicklungsstörung hat, heißt das nicht, dass er paranoid, zwanghaft und weiß der Geier was noch alles ist.
Manchmal habe ich den Eindruck, es wird dem Patienten so schnell wie möglich alles mögliche angedichtet, weil der Therapeut keine Lösung kennt.
Was Pädagogen/Sozialarbeiter oft intuitiv richtig machen, schafft ein Psychologe nicht in zehn Jahren.
Jedenfalls frage ich mich immer wo denn die offenen Psychologen sind, die das Kindheitsproblem aufdecken, die Psychologen die Miller beschreibt. Sie hat ja dadurch, wie sie selbst schreibt, erst verstanden, warum sie bis dahin im Dunkeln gelebt hat.
So einem Therapeuten bin ich noch nie begegnet. Eigenartig. Was hat sich in der Theorie bloß verändert, dass die Psychologen heute so zaghaft sind?
Einerseits gibt es tonnenweise Erziehungsliteratur, weil vermieden werden soll, dass Kinder eine Störung entwickeln, andererseits kann der Erwachsene, wenn er dann ein psychisches Problem hat, nicht offen in der Therapie über seine Eltern sprechen???
Irgendwie verkehrte Welt!