Zielsprache von Wörterbüchern

Hallo!

Ich versuche mal, meine Frage so allgemein wie möglich zu formulieren. Welche Zielsprache ist für (zweisprachige) Wörterbücher beim Erlernen einer neuen Fremdsprache besser: die Muttersprache, oder eine bereits bekannte Fremdsprache? Ich gehe jetzt mal von der Annahme aus, dass sich der Lernende in der neuen Fremdsprache erst im Anfangsstadium befindet, die erste aber bereits auf relativ hohem Niveau beherrscht. Wissenschaftliche Texte oder ähnliches sollen also in der „neuen“ Sprache erst mal nicht verfasst werden. Es geht mehr um einen möglichen Mehrwert, der sich beim Verwenden des Wörterbuches für die erste Fremdsprache ergeben könnte. Andererseits wäre in Kombination mit der Muttersprache die Präzision sicherlich höher als beim Umweg über eine andere Sprache. Was würdet ihr also empfehlen?

Konkret geht es um eine russische Muttersprachlerin, die sehr gut Deutsch spricht, und vor etwa einem Jahr begonnen hat, Italienisch zu lernen. Sie möchte sich ein Wörterbuch zulegen, und würde gerne wissen, ob nun IT-RU oder IT-DE die bessere Wahl für sie wäre.

Gruß
Stephan

Hallo Stephan,

also ich denke, dass es auf die Frage keine allgemeingültige Antwort geben kann. Denn es gibt drei Aspekte zu beachten, die von Fall zu Fall variieren:

a) die Sprachkombination: Wenn man z.B. als Deutschsprachiger Schwedisch lernt, wäre ein DE-SV-Wörterbuch geschickter als ein EN-SV, da Schwedisch und Deutsch näher verwandt sind bzw. ähnliche Ausdrücke haben, die es im Englischen nicht gibt. Im konkreten Beispiel Italienisch/Russisch/Deutsch dürfte diese Frage aber vermutlich eine eher untergeordnete Rolle spielen.

b) die individuelle Lernfähhigkeit/Arbeitstechnik des Benutzers: Manche Menschen können beim Sprachenlernen Querverbindungen zwischen dieser Sprache und anderen Sprachkenntnissen ziehen und davon profitieren (z.B. im Italienischkurs auf Französischkenntnisse zurückgreifen). In diesem Fall wäre grundsätzlich nichts gegen ein DE-IT-Wörterbuch einzuwenden. Wenn die Benutzerin aber z.B. im Kopf immer viel ins Russische übersetzt und nicht auf Deutsch „denkt“, wäre es nicht so gut.

c) auf die Qualität der jeweiligen Wörterbücher: Denn was bringt ein Wörterbuch mit der Muttersprache als Zielsprache, wenn es schlecht aufgebaut ist und schlechte bzw. veraltete Einträge hat?

Ergo: Die beste Idee ist, in eine Buchhandlung und/oder Bibliothek zu gehen und sich verschiedene Wörterbücher anzuschauen – unabhängig von der Frage, ob die Zielsprache Russisch oder Deutsch ist. Danach kann man dann individuell entscheiden, welches Wörterbuch einem am besten liegt.

Gruß,
Stefan

Hallo Stephan,

Konkret geht es um eine russische Muttersprachlerin, die sehr
gut Deutsch spricht, und vor etwa einem Jahr begonnen hat,
Italienisch zu lernen. Sie möchte sich ein Wörterbuch zulegen,
und würde gerne wissen, ob nun IT-RU oder IT-DE die bessere
Wahl für sie wäre.

Dieses „Problem“ kenne ich auch.
Für mich ist es nicht eine eindeutige Antwort möglich. Also: Mal so, mal so.
Wenn sie das Wörterbuch beruflich braucht, dann wäre Zielsprache, die Umgebungssprache besser. Auch wenn sie die ZS besser lernen will.
Wenn es aber ausschließlich für den privaten Gebrauch ist, tendiere ich eben auf die Muttersprache. Aber irgendwann mal wird sich die Trennungslinie eh vermischen…
Ich persönlich verwende jetzt Wörterbücher überwiegend um Sinonyme zu finden ;o))

Schöne Grüße,
Helena

Hi

Da würde ich mich an den Qualitäten der Wörterbücher orientieren. Für manche Sprachen gibt es in der Muttersprache nunmal keine guten Wörterbücher.

Ich habe z.B. 2-3 Wörterbücher Chinesisch-Deutsch. Davon ist eins ganz gut, der Rest nur Alltagsquark, und es gibt nur ein Chin-D Wörterbuch, das auch akademisch tauglich wäre.

Bei Koreanisch sieht es noch schlimmer aus, da gibt es gar kein gutes Wörterbuch zu Deutsch, Koreanisch-Englisch ist daher ein must have.

Es kommt also darauf an, ob Italienisch besser in Deutsch oder Russisch übersetzt wurde… und natürlich muss man eben die jeweilige Sprache passend beherrschen, so dass nicht für jede Übersetzung ein weiteres Buch gequält wird.

lg
Kate

Bei Koreanisch sieht es noch schlimmer aus, da gibt es gar
kein gutes Wörterbuch zu Deutsch, Koreanisch-Englisch ist
daher ein must have.

Ich hab meine beiden grad verliehen, aber kennst du Dong-A’s Wörterbücher (http://www.goodreads.com/book/show/2874250.Dong_A_s_… und vor allem http://www.goodreads.com/book/show/3097989.Dong_As_m…)? Das sind zwar nur Handwörterbücher, aber ich finde sie qualitativ sehr gut.

Allerdings kenne ich mich im Koreanischen nicht aus und weiß nicht, ob vllt. wichtige lexikalische Informationen (der Verbstamm oder sowas) fehlen. Bezogst du dich eher auf große und umfassendere Wörterbücher, oder sind die kleinen von Dong-A doch, äh, „scheißer“ als ich dachte? :wink:

Viele Grüße,

  • André

P.S.: Übrigens, vllt. interessiert es dich: In 13 Tagen fliege ich nach China, genauer gesagt nach Kunming, wo ich dann für ein Jahr studieren werde. Zwecks Aufbesserung meiner Chinesischkenntnisse. :smile:

Hi

Ich bezog mich schon auf etwas umfassendere Wörterbücher, und wichtig sind neben den Hanja auch die korrekte Transkription (da scheitern viele dran), die Wortherkunft, die Wortanwendung, 1-2 Beispiele, Falsche Freunde und Viererkombinationen/Redewendungen. Ich habe dieses jetzt noch nicht in der Hand gehalten, vielleicht ist es eine gute Ausnahme.

lg
Kate
PS: ich bin total neidisch, ich wünschte ich könnte mir auch ein Auslandsjahr leisten, oder zumindest ein halbes. Ich werde im März für einen Monat nach Luoyang gehen, dort wird Jin gesprochen, das wäre für dich vielleicht auch interessant :wink: Aber innerhalb eines Monats ist das unmöglich zu lernen …

Hallo!

Habt Dank für eure Antworten. Ich hatte ja schon vorher die Befürchtung, dass allgemeingültige Antworten möglicherweise schwierig bis unmöglich sein könnten. Aber ich hatte dennoch die Hoffnung, es gäbe dazu irgendwelche Erkenntnisse, didaktische „Lehrmeinungen“, Empfehlungen oder sowas.

Ich habe der Betreffenden eure Antworten weitergeleitet. Sie wird wohl einfach beide Varianten ausprobieren.

Was eventuell noch helfen könnte: Kann zufällig jemand eine Art Qualitätsvergleich zwischen russischen und deutschen Italienischwörterbüchern treffen? Die Wahrscheinlichkeit ist zwar eher gering, aber vielleicht hat ja jemand etwas in der Art zuhause rumliegen (Andre?) :wink:

Gruß
Stephan

Hallo!
Nee, Italienischwörterbücher hab ich leider nur ganz wenige (http://en.wikipedia.org/wiki/User:N-true/Dictionarie…)… da kann ich nichts vergleichen. Da hab ich aber die lustige Kombination „Italienisch-Tschechisch, Tschechisch-Italienisch“. :wink:

  • André