Zinsentwicklung

Hallo Sebastian,

und bei derartigen Erwartungen kaufst Du Rohstoffe, die in
US-$ gehandelt werden? Seltsame Idee.

Das habe ich noch nie verstanden… Ein Rohstoff ist doch ein
physisches Gut. Wenn der Dollar fällt, sollte einfach der
Rohstoffpreis zum Dollar hin steigen und zu anderen Währungen
in der Summe gleichbleiben, oder? Warum ist das nicht so?

Jetzt verwirr mich doch nicht :wink:

Also für mich ist das logisch, dass die Rohstoffpreise
tendenziell sinken, wenn der Dollar fällt. Denn der Rohstoff
notiert ja in Dollar. Stell dir einfach einen Goldbarren vor,
auf dem ein Preisschild in Dollar klebt. Der Einfachheit
halber kostet der Goldbarren $50,-. Und diesen Goldbarren, mit
dem Preisschild $50,- hast du nun im Depot. Du hast dafür bei
einem Kurs von EUR 1,40 = $1 knapp EUR 36,- gezahlt.
Jetzt steigt der Goldpreis, und das Preisschild an deinem
Barren wird ausgetauscht. Da steht nun $55,-. Das ist zwar
erst einmal erfreulich für dich - bis du den Barren dann
verkaufst. Du stellst nämlich fest, dass dir die Bank nicht
wie erwartet EUR 40,- dafür zahlt (55 / 1,40) sondern nur noch
gut EUR 30,- (55 / 1,80). Du hast also Verlust gemacht, obwohl
der Goldpreis gestiegen ist.

OK soweit… Aber eine andere Betrachtungsweise ist doch, dass der Goldpreis in Dollar nur deswegen gestiegen ist, weil ein Dollar jetzt weniger wert ist, aber eine Einheit Gold noch genausoviel. Und der Euro ist währenddessen gegenüber dem Gold (und dem Dollar) gestiegen, ergo ist der Goldpreis in Euro gefallen und man hat Verlust gemacht. Ist ja doch irgendwie alles relativ. Das habe ich gemeint.

Grüße,
Sebastian

Nachfrageüberschuss als Angebotsüberschuss. Wenn die
Nicht-USA-Staaten bereit sind, für Öl so viel zu zahlen, wie
sie vor dem Dollarverfall gezahlt haben, wird wohl der
Dollarpreis steigen und die USA notgedrungen mehr bezahlen…
oder? Was seh ich da falsch?

Kannst Du das vielleicht nochmal „anders“ forumlieren !?

Ich meinte nur, wenn der Dollar fällt und der Rest der Welt für Öl so viel zu zahlen bereit ist wie bisher, sind sie ja bereit, mehr in Dollar zu bezahlen als bisher. Also müssen die Amerikaner, knappes Angebot vorausgesetzt, auch mehr Dollar bezahlen. Der Ölpreis steigt umgekehrt zum Dollarverfall. Und wäre damit real vom Dollarverfall nicht zu 100% betroffen, sondern viel weniger und/oder nur temporär. Vermute ich.

Grüße,
Sebastian

Hallo,

Woher nimmst Du diese Sicherheit? Der aktuelle Dollarkurs ist
getrieben von der hohen und zunehmenden Staatsverschuldung,
von den Zinsunterschieden, politischen Aspekten, der chronisch
negativen Leistungsbilanz und Spekulationen.

Naja, sicher ist man sich nie ganz. Es ist nur sehr sehr
wahrscheinlich, dass der Dollarkurs fallen muss, da das
Leistungsbilanzdefizit so nicht dauerhaft aufrechterhalten
werden kann.

wenn ich mich recht entsinne, feierte das Leistungsbilanzdefizit letztes Jahr seinen 30. Geburtstag und von wenigen Jahren abgesehen, wuchs es jedes Jahr ein mehr oder weniger kleines bißchen. In dieser Zeit hat der Dollar etliche Höhen und Tiefen erreicht und über- bzw. durchschritten.

Interessanterweise spricht die Kaufkraft eine andere Sprache.
Danach läge der „richtige“ Kurs um 1,10 $/€. Die Frage ist
nur, wer am Ende gewinnt.

Wie ist das gemeint? Dass im Moment 110$ den gleichen
Warenkorb kaufen können wie 100€? Hm, der Dollarwarenkorb wird
natürlich auch teurer, wenn der Wechselkurs fällt, weil ein
amerikanischer Warenkorb wohl viel Importware umfasst… d.h.
die 1,10 wären eine Art Gleichgewicht, bei dem der gleiche
Warenkorb inklusive Import-/Exportanteile in beiden Währungen
fair gepreist wäre? Oder was meinst du mit Kaufkraft?

Dies hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kaufkraft_%28W%C3%A4hru… bzw.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kaufkraftparit%C3%A4t

Ein Abschnitt in diesem Artikel ist leider Murks und zwar dummerweise der eigentlich wichtige. Der BigMac-Index eliminiert nämlich genau das von Dir genannte Problem der importerten inflation: Big Macs werden aus lokalen Produkten hergestellt und von Einheinmischen zusammengebastelt wird.

Hier der Index:
http://www.oanda.com/products/bigmac/bigmac.shtml

Gruß
Christian

Hallo,

Woher nimmst Du diese Sicherheit? Der aktuelle Dollarkurs ist
getrieben von der hohen und zunehmenden Staatsverschuldung,
von den Zinsunterschieden, politischen Aspekten, der chronisch
negativen Leistungsbilanz und Spekulationen.

Naja, sicher ist man sich nie ganz. Es ist nur sehr sehr
wahrscheinlich, dass der Dollarkurs fallen muss, da das
Leistungsbilanzdefizit so nicht dauerhaft aufrechterhalten
werden kann.

wenn ich mich recht entsinne, feierte das
Leistungsbilanzdefizit letztes Jahr seinen 30. Geburtstag und
von wenigen Jahren abgesehen, wuchs es jedes Jahr ein mehr
oder weniger kleines bißchen. In dieser Zeit hat der Dollar
etliche Höhen und Tiefen erreicht und über- bzw.
durchschritten.

Dass das Leistungsbilanzdefizit auf seinem derzeitigen hohen Niveau nicht aufrechtzuerhalten ist, ist allerdings Mehrheitsmeinung unter Volkswirtschaftlern. Der Dollar müsste laut einem Artikel, den Google mir gerade ausgeworfen hat (leider von 2006) um 30-40% fallen, um das Defizit auf einen tragfähigen Wert von 3% des BIP zu reduzieren. Naja, ein wenig gefallen ist er ja seitdem schon.

Das Defizit war btw in der Gegend von 1991 leicht unter 0% (also ein Überschuss) und steigt seitdem mit kleinen Schwankungen.

Quelle: http://www.epi.org/content.cfm/webfeat_econindicator…

Dies hier:

[…]

Danke für die Links! Ich werde mir das mal durchlesen.

Grüße,
Sebastian

Das Defizit war btw in der Gegend von 1991 leicht unter 0%
(also ein Überschuss) und steigt seitdem mit kleinen
Schwankungen.

Quelle:
http://www.epi.org/content.cfm/webfeat_econindicator…

Hier ist noch eine schönere Grafik:
http://www.epi.org/content.cfm/indicators_intlpict_2…

Grüße,
Sebastian

Wie gesagt, keiner kann in die Zukunft sehen.

Es heisst gerade in den Expertenbriefen:

die Immobilienkrise ist noch nicht vorbei
die USA sind uebergegangen in die Zinssenkungsphase, heisst es kommen noch mehr Zinssenkungen in USA
die EZB wollte Zinsen anheben, konnte aber nicht, da Finanzmarkt in Aufregung.
EZB muesste allerdings Zinsen anheben, um die Inflation zu bekaempfen. Aber gleichzeitig sollte sie gegen eine Finanzkrise kaempfen.

Wie man sieht, die Ziele gehen auseinander. Die Situation fuer EZB ist damit sehr schwer. Und fuer uns deshalb sehr schwer vorhersehbar.
Gruss

Dass das Leistungsbilanzdefizit auf seinem derzeitigen hohen
Niveau nicht aufrechtzuerhalten ist, ist allerdings
Mehrheitsmeinung unter Volkswirtschaftlern.

Diese Mehrheitsmeinung mußte ich mir in meinen VWL-Vorlesungen auch anhören und das ist bald 15 Jahre her.

Der Dollar müsste
laut einem Artikel, den Google mir gerade ausgeworfen hat
(leider von 2006) um 30-40% fallen, um das Defizit auf einen
tragfähigen Wert von 3% des BIP zu reduzieren. Naja, ein wenig
gefallen ist er ja seitdem schon.

Fundamentaldaten gibt es viele (s.a. BigMac-Index), aber im Augenblick spielen ganz andere Dinge eine Rolle. Bei der nächsten Pleite im Kontext mit der subprime-Krise in den USA (wäre dann Nr. 161) wird vielleicht an einem Tag mehr Geld abgezogen als sonst im ganzen Jahr.

Das Defizit war btw in der Gegend von 1991 leicht unter 0%
(also ein Überschuss) und steigt seitdem mit kleinen
Schwankungen.

Nun muß man einerseits die Haushaltsdaten hinterfragen, weil unter Clinton kräftig zwischen verschiedenen Töpfen (d.h. Haushalt und Sozialversicherungen) hin- und hergeschoben wurde. Andererseits steigt auch Deutschlands Haushaltsdefizit kontinuierlich an.

Gruß
Christian
http://ml-implode.com/

Diese Mehrheitsmeinung mußte ich mir in meinen VWL-Vorlesungen
auch anhören und das ist bald 15 Jahre her.

Lustigerweise war gerade vor 15 Jahren das Leistungsbilanzdefizit der USA ca. null (siehe den bereits erwähnten Chart), also wundert mich das jetzt ein bisschen. Davor und danach war es allerdings größer.

Fundamentaldaten gibt es viele (s.a. BigMac-Index), aber im
Augenblick spielen ganz andere Dinge eine Rolle. Bei der
nächsten Pleite im Kontext mit der subprime-Krise in den USA
(wäre dann Nr. 161) wird vielleicht an einem Tag mehr Geld
abgezogen als sonst im ganzen Jahr.

Klar, kurzfristige Auslöser für Kursverfall oder -anstieg werden nicht die langfristig feststehenden Fundamentaldaten sein. Es besteht aber eine mit der wachsenden Auslandsschuld größer werdende Gefahr, denke ich, dass ein solcher kurzfristiger Auslöser stärkere Kettenreaktionen startet. Das Leistungsbilanzdefizit ist ja nicht am Ende des Jahres, in dem es gemessen wurde, wieder weg, sondern akkumuliert sich in Form amerikanischer Auslandsverbindlichkeiten. Wenn der Dollar mit sinkendem Kurs und Zinsen unattraktiver wird und die Investorenerwartugen sich den theoretischen Erwartungen anpassen, könnte die lang erwartete Korrektur in Gang kommen.

Nun muß man einerseits die Haushaltsdaten hinterfragen, weil
unter Clinton kräftig zwischen verschiedenen Töpfen (d.h.
Haushalt und Sozialversicherungen) hin- und hergeschoben
wurde. Andererseits steigt auch Deutschlands Haushaltsdefizit
kontinuierlich an.

Wieso Haushalt? Ich habe natürlich das Leistungsbilanzdefizit gemeint.

Grüße,
Sebastian

Andererseits steigt auch Deutschlands Haushaltsdefizit
kontinuierlich an.

Diese Aussage möchte ich zumindest für dieses Jahr bezweifeln und da „kontinuierlich“ auch „einmalige Ausbrüche“ ausschließt, halte ich sie für nicht zutreffend.

Hallo,

ich habe in der Tat unsauber formuliert: Ich meinte, daß die Verschuldung kontinuierlich steigt. Beim jährlichen Defizit gibts natürlich Schwankungen, wobei auch dort die Kurve eher nach oben zeigte - seltsamerweise entgegen der üblichen Bekundungen der Finanzminister.

Gruß
Christian

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