Liebe Leute,
ich habe einen Ohrwurm: die Gedichtzeile „… ach, wer da mitfahren könnte!“ Es geht, glaube ich, um am Himmel ziehende Wolken. Fällt jemandem spontan ein, aus welchem Gedicht das ist? Ich denke an Rückert, Storm oder so.
Im Internet melden sich nur Mitfahrzentralen 
Gruß und Dank!
Thomas
Servus Thomas,
Es ist eines der programmatischen Aushängeschilder der romantischen Dichtung, „Sehnsucht“ von Eichendorff, und comme il faut ist es Nacht. Auch sonst ist so ziemlich „das volle Programm“ drin…
Besonders nett finde ich den Reim „entbrennte“ - „mitreisen kennte“, der ein bissel nach Lubowitz klingt.
Im Text steht nicht „mitfahren“, sondern „mitreisen“ - und mit diesem Wort findet sichs leichter:
SEHNSUCHT
Es schienen so golden die Sterne,
am Fenster ich einsam stand
und hörte aus weiter Ferne
ein Posthorn im stillen Land.
Das Herz mir im Leibe entbrennte,
Da hab ich mir heimlich gedacht:
Ach, wer da mitreisen könnte
In der prächtigen Sommernacht!
Zwei junge Gesellen gingen
Vorüber am Bergeshang,
Ich hörte im Wandern sie singen
Die stille Gegend entlang:
Von schwindelnden Felsenschlüften,
Wo die Wälder rauschen so sacht,
Von Quellen, die von den Klüften
Sich stürzen in die Waldesnacht.
Sie sangen von Marmorbildern,
Von Gärten, die überm Gestein
In dämmernden Lauben verwildern,
Palästen im Mondenschein,
Wo die Mädchen am Fenster lauschen,
Wann der Lauten Klang erwacht,
Und die Brunnen verschlafen rauschen
In der prächtigen Sommernacht.-
Schöne Grüße
MM
Servus nochmal,
hier hammer noch einen Eichendorff, der die beiden Wanderer aus dem nächtlichen Landschaftsgemälde „Sehnsucht“ näher beleuchtet und dazu noch eine kleine Nebelshow aus Sinnschwaden liefert - tut mir leid für den despektierlichen Ausdruck, ich mag beide Poeme (besonders den zweiten der beiden Gesellen) arg gern, aber ich glaube, von heute aus muss man sie ein wenig entzaubern, damit sie wieder verzaubern können:
Die zwei Gesellen
Es zogen zwei rüstge Gesellen
Zum erstenmal von Haus,
So jubelnd recht in die hellen,
Klingenden, singenden Wellen
Des vollen Frühlings hinaus.
Die strebten nach hohen Dingen,
Die wollten, trotz Lust und Schmerz,
Was Rechts in der Welt vollbringen,
Und wem sie vorübergingen,
Dem lachten Sinn und Herz. -
Der erste, der fand ein Liebchen,
Die Schwieger kauft´ Hof und Haus;
Der wiegte gar bald ein Bübchen,
Und sah aus heimlichem Stübchen
Behaglich ins Feld hinaus.
Dem zweiten sangen und logen
Die tausend Stimmen im Grund,
Verlockend´ Sirenen, und zogen
Ihn in der buhlenden Wogen
Farbig klingenden Schlund.
Und wie er auftaucht vom Schlunde,
Da war er müde und alt,
Sein Schifflein das lag im Grunde,
So still wars rings in der Runde,
Und über die Wasser wehts kalt.
Es singen und klingen die Wellen
Des Frühlings wohl über mir;
Und seh ich so kecke Gesellen,
Die Tränen im Auge mir schwellen -
Ach Gott, führ mich liebreich zu Dir!
Schöne Grüße
MM
Danke!
Servus Martin,
vielen Dank für die schnelle Antwort! Sie war rechtzeitig für den Zweck da, für den ich das Gedicht gebraucht hatte.
Die Frühlingsfahrt kenne und schätze ich als Schumann-Lied.
Gruß
Thomas