Zitierweise und Verweis in Fussnote

Ich habe eine Frage zu direkter Zitierweise und zum Verweis.

Zitierweise:

Wenn ich z.B. aus einer Seite (Buch usw) zwei mal ein Zitat übernehmen möchte und diese zwei Zitate sollten bei meinem Dokument hintereinander erscheinen, wie muss das gekennzeichnet sein?

z.B. Original

Schreiben meint in der übertragenen Bedeutung auch den kreativen Prozess des Verfassens von lyrischen und poetischen Texten, das sogenannte kreative Schreiben. Hierzu gehört das Spiel mit Sprache und Schrift. Das Ergebnis des kreativen Schreibens ist die Literatur.
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In der modernen Wissensgesellschaft stellt die Unfähigkeit zu Schreiben (und zu Lesen) ein so elementares Hindernis dar, dass diejenigen, die es nie erlernt haben, mit einem eigenen Begriff belegt werden, Analphabeten. Industrienationen erreichen eine Alphabetisierungsrate von 95 % und mehr. Fehlende körperliche Voraussetzungen für das Schreiben können durch technische Hilfsmittel wie Diktiersysteme überwunden werden.

Könnte ich das so machen:

„Schreiben meint in der übertragenen Bedeutung auch den kreativen Prozess des Verfassens von lyrischen und poetischen Texten, das sogenannte kreative Schreiben. Fehlende körperliche Voraussetzungen für das Schreiben können durch technische Hilfsmittel wie Diktiersysteme überwunden werden.“

oder müsste ich das so machen:

„[…] Schreiben meint in der übertragenen Bedeutung auch den kreativen Prozess des Verfassens von lyrischen und poetischen Texten, das sogenannte kreative Schreiben […]Fehlende körperliche Voraussetzungen für das Schreiben können durch technische Hilfsmittel wie Diktiersysteme überwunden werden.“

Verweis:
Kann ich einen ganzen Abschnitt verweisen (vgl) in dem ich eine Ziffer am Ende des Abschnittes setzte oder würde das bedeuten, dass es der letzte Satz wäre, den ich verweisen möchte?
Vor einem Wort geht ja auch nicht gut, da man meinen könnte es beziehe sich auf ein Wort.

Bei mir wäre das Vgl nicht, weil ich ein indirektes Zitat machen möchte, sondern mehr allgemeint, dass der Text und die Gedanken dazu, von einem anderen Text stammen. Also nicht: Der Autor erwähnt in seinem Buch…" sondern mehr ein Fliesstext von mir mit Verweis auf die Quelle.

Vielen herzlichen Dank!

Hallo Nyala!

Zunächst einmal kommt es immer darauf an, welche Rezipienten der Text erreichen soll; ob es eine wissenschaftliche Arbeit, ein Exposeé für deinen Chef, eine Hausaufgabe oder ein privater Text für Freunde ist. Kennen die Leser den Quellentext oder nicht? ect…

Daher ist die Antwort recht schwierig und im Sonderfall bei der betreffenden „Stelle“ Rat einzuholen. Aber wir versuchens mal recht allgemein:

Könnte ich das so machen:

„Schreiben meint in der übertragenen Bedeutung auch den
kreativen Prozess des Verfassens von lyrischen und poetischen
Texten, das sogenannte kreative Schreiben. Fehlende
körperliche Voraussetzungen für das Schreiben können durch
technische Hilfsmittel wie Diktiersysteme überwunden werden.“

oder müsste ich das so machen:

„[…] Schreiben meint in der übertragenen Bedeutung auch den
kreativen Prozess des Verfassens von lyrischen und poetischen
Texten, das sogenannte kreative Schreiben […]Fehlende
körperliche Voraussetzungen für das Schreiben können durch
technische Hilfsmittel wie Diktiersysteme überwunden werden.“

So MUSST du es machen, eigenhändiges rumkürzen an fremden Texten muss immer kenntlich gemacht werden. Die ersten Klammern mit den Punkten kannst du weglassen, weil klar ist, dass vor dem Zitat was steht (oder stehen kann), was nicht mitzitiert wird. Mit den Anführungszeichen beginnt dein Zitat, ob etwas davor stand ist irrelevant. Aber das, was du im Zitat weg lässt, muss auf jeden Fall kenntlich gemacht werden. Durch die „[…]“ gibst du an, dass du das Ausgesparte auch nicht zitieren willst.

Falls du etwas zitieren willst und nur Platz sparen musst, das Weggelassene aber mit beachtet werden soll/muss, dann brauchst du „… + letztes Wort/Worte“. Ich nehme mal deinen Beispielsatz zur Veranschaulichung:

a)

Schreiben meint […] das sogenannte kreative Schreiben

–> nur das Genannte ist relevant.

b)

Schreiben meint … kreative Schreiben

–> auch das Weggelassene ist relevant.

Hier ist aber zu beachten, dass du dann IMMER einen direkten Verweis auf die Quelle geben musst, da man dir sonst nicht folgen kann. Die Technik ist natürlich nicht so gern gesehen, da es für den Leser erheblicher Mehraufwand ist, immer die Quellen mitverfolgen zu müssen, außerdem ist es ja auch in deinem Interesse wenn in deinem Text genau das steht, was du sagen willst.

Verweis:
Kann ich einen ganzen Abschnitt verweisen (vgl) in dem ich
eine Ziffer am Ende des Abschnittes setzte

Ja, aber immer mit Autor/Seite

oder würde das
bedeuten, dass es der letzte Satz wäre, den ich verweisen
möchte?

Nein, ein Satz würde sowieso meist zitiert. Verweise bieten sich an, wenn die Passage zu lang ist zum zitieren (Merke: Ewig lange Zitate lassen den Eindruck entstehen, man habe nicht viel Eigenarbeit geleistet).
Wenn man nur auf einen Satz oder ein paar Worte verweisen will, weil sie nicht oder nur schwer in den Text einzubauen sind schreibt man sie in die Fußnoten.

Ein wirklicher Verweis mit „vgl. Müller, S. 243“ bedeutet immer, dass es um einen längeren Sinnabschnitt auf einer Seite geht. Falls er über zwei Seiten geht, schreib „vgl. Müller, S. 243f“ (=folgend); wenns mehrere sind „Müller, S. 243ff.“(=fortfolgend) und wenns ein ganzer Haufen ist, „Müller, S. 243-259“.

Bei mir wäre das Vgl nicht, weil ich ein indirektes Zitat
machen möchte, sondern mehr allgemeint, dass der Text und die
Gedanken dazu, von einem anderen Text stammen. Also nicht: Der
Autor erwähnt in seinem Buch…" sondern mehr ein Fliesstext
von mir mit Verweis auf die Quelle.

Richtig, dafür ist der Verweis. Du übernimmst die Grundidee/These/Theorie von einer Authorität auf deinem Fachgebiet, und weil du weder Zeit noch Platz hast, diese im Detail darzulegen, gibst du kurz die Grundzüge wieder und verweist dann auf den entsprechenden Abschnitt.
Hier musst du aber immer darauf achten, das betreffende Werk genau in der Bibliographie anzugeben, da es sonst bei unterschiedlichen Ausgaben zu Verwirrung bei den Seitenzahlen kommen kann. Auch musst du, wenn du das erste Mal „Müller,…“ angibst, kurz in der Fußnote schreiben, was genau du von Müller meinst und dass du in Zukunft wie geschehen darauf verweisen wirst

Bei Unsicherheit bietet sich auch immer eine Google-Suche an, viele Unis o.ä. haben Seiten zum Thema „Richtig zitieren“

Gruß

Martin

Hallo Martin

Erstmals, herzlichen Dank für die Antwort.

Zunächst einmal kommt es immer darauf an, welche Rezipienten
der Text erreichen soll;
Es handelt sich um eine Diplomarbeit.

Dann ist also diese Form (unten) die richtige mit „[…]“?

„[…] Schreiben meint in der übertragenen Bedeutung auch den
kreativen Prozess des Verfassens von lyrischen und poetischen
Texten, das sogenannte kreative Schreiben […]Fehlende
körperliche Voraussetzungen für das Schreiben können durch
technische Hilfsmittel wie Diktiersysteme überwunden werden.“

So MUSST du es machen, eigenhändiges rumkürzen an fremden
Texten muss immer kenntlich gemacht werden. Die ersten
Klammern mit den Punkten kannst du weglassen, weil klar ist,
dass vor dem Zitat was steht (oder stehen kann), was nicht
mit zitiert wird. Mit den Anführungszeichen beginnt dein Zitat,
ob etwas davor stand ist irrelevant. Aber das, was du im Zitat
weg lässt, muss auf jeden Fall kenntlich gemacht werden. Durch
die „[…]“ gibst du an, dass du das Ausgesparte auch nicht
zitieren willst.

Wie verhält sich das, wenn es bei den zwei Texten, die zusammengeführt sind, um ein Interview geht? Nehmen wir an, der erste Satz gehört als Antwort zu einer Frage (am Anfang oder am Ende eines Interviews - egal) und der zweite Satz gehört ebenfalls separat zu einer Antwort in einem Interview. Wäre die Vorgehensweise immer noch korrekt (eigentlich ja wie in einem Buch, wo auch mehr dazwischen steht…)?

a)

Schreiben meint […] das sogenannte kreative Schreiben

–> nur das Genannte ist relevant.

b)

Schreiben meint … kreative Schreiben

–> auch das Weggelassene ist relevant.

Hier ist aber zu beachten, dass du dann IMMER einen direkten
Verweis auf die Quelle geben musst

Was meinst du mit „direkten Verweis…“? Also ich mache eine Fussnote und dort würden die Kurzangaben erscheinen und im Lit.Verzeichnis der Rest. Meinst du etwas anderes, als diese Vorgehensweise?

Bei mir wäre das Vgl. nicht, weil ich ein indirektes Zitat
machen möchte, sondern mehr allgemeint, dass der Text und die
Gedanken dazu, von einem anderen Text stammen

Ich meinte damit mehr, dass es um etwas allgemeines geht, wie z.B. ein Bericht, den ich gelesen habe wo es um Massnahmen zur Förderung der Gleichstellung von Mann und Frau geht, oder Massnahmen zur Verbesserung der Umwelt. Kurz: etwas das ich gelesen habe.

Oder anderes Bsp. Ich möchte über Stresssituationen schreiben. Ich schreibe, was sind die Gründe für Stress, was die Auslöser usw. Klar ist ja hierbei, dass ich das gelesen habe. Aber dennoch verfasse ich den Text oder es ist mein Stil. Muss ich das Verweisen bzw. wo ist die Grenze?

Ich hoffe, dass ich nicht zu unverständlich geschrieben habe. Für mich ist es schwer die Grenze zu finden wo belegt werden sollte und wo nicht.
Deine Tipps und Veranschaulichungen haben mir sehr geholfen! Danke!

Hi Nyala!

Dann ist also diese Form (unten) die richtige mit „[…]“?

Ja, das ist sie.

Wie verhält sich das, wenn es bei den zwei Texten, die
zusammengeführt sind, um ein Interview geht? Nehmen wir an,
der erste Satz gehört als Antwort zu einer Frage (am Anfang
oder am Ende eines Interviews - egal) und der zweite Satz
gehört ebenfalls separat zu einer Antwort in einem Interview.
Wäre die Vorgehensweise immer noch korrekt (eigentlich ja wie
in einem Buch, wo auch mehr dazwischen steht…)?

Jedes Interview ist ein Text für sich, der komplett eigenständig behandelt werden muss. Der Interviewte ist ja von Tag zu Tag und Interviewpartner zu Interviewpartner verschieden zugänglich, mal in Plauderlaune und mal reserviert. Auch wichtig ist zu erwähnen WER das Interview führt und wo es erschien (meist: Sowieso-Zeitung vom 13.4.09 oder sowas).

Was meinst du mit „direkten Verweis…“? Also ich mache eine
Fussnote und dort würden die Kurzangaben erscheinen und im
Lit.Verzeichnis der Rest. Meinst du etwas anderes, als diese
Vorgehensweise?

Nein, ich hab mich da nur ein wenig ungeschickt ausgedrückt, sorry.
So wie du es zusammengefaßt hast stimmt es.

Ich meinte damit mehr, dass es um etwas allgemeines geht, wie
z.B. ein Bericht, den ich gelesen habe wo es um Massnahmen zur
Förderung der Gleichstellung von Mann und Frau geht, oder
Massnahmen zur Verbesserung der Umwelt. Kurz: etwas das ich
gelesen habe.

Alles was man gelesen hat muss angegeben werden, weil es ja nicht selbst erarbeitet ist. Deshalb sind die Literaturverzeichnisse bei wiss. Abschlußarbeiten ja auch immer so umfangreich. Wenn du Zweifel hast ob das, was du meinst, zu allgemeingültig, also Allerweltswissen ist und deshalb keines Zitats bedarf musst du das mit deinem Prof. abklären.

Oder anderes Bsp. Ich möchte über Stresssituationen schreiben.
Ich schreibe, was sind die Gründe für Stress, was die Auslöser
usw. Klar ist ja hierbei, dass ich das gelesen habe. Aber
dennoch verfasse ich den Text oder es ist mein Stil. Muss ich
das Verweisen bzw. wo ist die Grenze?

Um bei deinem Beispiel zu bleiben:
Ursachen für Stress herauszuarbeiten ist nicht so einfach. Du kannst ja nicht einfach so behaupten, Menschen in der Stadt wären zum Beispiel mehr Stress ausgesetzt als Landmenschen, ohne dies durch Umfragen, Messungen o. ä. zu belegen. Wenn du hier den bequemen Weg wählst, dich auf andere zu beziehen, musst du es angeben. Und da jede These, gerade bei so sensiblen Themen wie Stress, wissenschaftlich belegt werden muss, um ernstgenommen werden zu können, kommst du wohl um die Benennung der Quellen nicht herum (als Alternative zur Feldforschung :smile:

Da es sich hier um deine Diplomarbeit handelt würde ich mir an deiner Stelle überlegen, mir eines der zahllosen Bücher zu den Themen: „Die wissenschaftliche Arbeit“; „Wissenschaftliches Arbeiten“ „Zitieren“ ect. zu kaufen. Kosten so von 5-15€ und du hast eine autorisierte und „zitierfähige“ Antwort auf deine Fragen.

Gruß

Martin