Hallöchen Claudia,
das Beste ist wohl, wenn man in bestimmten Situationen
hilfsbereit eingreift, ohne groß über Folgen nachzudenken.
Wie ich bereits sagte, hat auch Spontanität ihren Preis. Allerdings würde ich auch heute noch spontan dazwischen hauen, wenn es die Situation erfordert. Mag zwar nicht immer das Klügste zu sein, aber ich kann halt nicht aus meiner Haut raus…
Um
diese Spontanität beneide ich Dich,
Ich weiß nicht… Ich kenne es halt nicht anders. Versteh’ mich bitte nicht falsch - es geht nicht um ‚Tessa prügelt sich um des Prügelns willen mit Skins‘ oder etwas in dieser Richtung; es gibt Momente, da setzt es bei mir halt aus. Da gehe ich ohne Rücksicht auf Verluste vor. Hinterher hieß es zwar meistens von allen Seiten ‚wie konntest Du denn nur so leichtsinnig/blöd/dämlich/verantwortungslos sein?! Dir hätte ja sonstwas passieren können!‘, aber war ich denn wirklich leichtsinnig/blöd/dämlich/verantwortungslos? In meinen Augen: nein! OK, die Folgen für mich habe ich in einem solchen Moment nie bedacht (dies mag leichtsinnig sein), aber ich denke, daß es wesentlich wichtiger ist, daß ein Mensch am Leben bleibt. Ein Zahnimplantat kann man sich kaufen; ein Menschenleben nicht.
Oliver hat auch den Aspekt ‚Motivation‘ erwähnt. Was heißt das? Aus meiner Sicht: die Schnarchnasen kriegen nur den Hintern hoch, wenn jemand angefangen hat, Krach zu machen. Plötzlich geht’s! Na sowas aber auch!
denn wahrscheinlich haben
Dich diese (manchmal bestimmt auch schmerzlichen) Erfahrungen
stärker und entschlossener gemacht, vielleicht auch
zielstrebiger als andere, mit sehr viel Sinn für Deine
Wertevorstellungen, die sich so sehr konkret entwickeln
konnten, als bei Menschen, die ihre Wertevorstellung sich z.b.
durch Bücher angelesen haben.
Stärker gemacht hat mich etwas anderes: meine Erziehung. Nein, nein, da gab es weder Rohrstock noch Rute sondern wirkliche Wertevermittlung. Meine ersten Jährchen verbrachte ich auf dem Gestüt meiner Großeltern; vielleicht hat mich auch das geprägt.
Ich frage mich auch, obb es überhaupt möglich ist, sich die Wertevorstellungen ‚anzulesen‘. Theoretisch: OK! Aber wenn niemand da ist, der Dir just diese Werte vorlebt? Stelle ich mir unheimlich schwierig vor.
Ich bin leider nicht so erzogen worden, von wegen Mut zeigen
und eingreifen, Mund aufmachen und sich oder andere wehren.
Weil Mädchen für gewöhnlich immer noch nach dem Motto ‚hübsch, brav und artig sein, und nur den Mund aufmachen, wenn Du gefragt wirst (sonst kriegst Du keinen Mann ab)‘ erzogen werden. Da stellen sich mir die Nackenhaare auf. Das ist nämlich der Stoff, aus dem Frauen, die nichts zu sagen haben, gemacht werden. Was daraus wird, habe ich oft genug während meiner Zeit im Krankenhaus gesehen. Verstehen werde ich das wohl nie…
Mein Vater ist ein sehr zurückhaltender Mann, was mich als
Heranwachsende oft fuchtig gemacht hat. Meine Vorbilder habe
ich dann später bei anderen Leuten gefunden.
Hmmm… Warst Du ein Papa-Kind?
Mir geht es halt so, dass, wenn ich nicht geholfen habe, oder
wenn ich aus Feigheit die Klappe hielt, ich mich elender
fühle, als wenn ich eingegriffen hätte.
Das kann ich verstehen.
Ne, Psychologin bin auch nicht. Aber ich verstehe manchmal
diese Couchkartoffeln (mit diesem „man müßte mal etwas dagegen
tun“ und mehr kommt nicht) in meinem Umfeld nicht, möchte das
aber ganz gerne.
Na! Die habe ich gern! Man müßte was dagegen tun, aber das sollen bitteschön die anderen übernehmen… *argh*
Immer noch beste - obgleich völlig unpsychologische - Grüße
Tessa