Ich mache 2001 mein Abitur und würde danach gerne Zivildienst im Ausland machen. Ich habe mich schon bei einigen Organisationen informiert und würde jetzt gerne mal direkt mit jemandem über seine Erfahrungen sprechen, die er im Ausland gemacht hat. Bis dann
Ich mache 2001 mein Abitur und würde
danach gerne Zivildienst im Ausland
machen. Ich habe mich schon bei einigen
Organisationen informiert
Hi,
ich habe von dieser Möglichkeit auch schon gehört. Ich frage mich aber immer wieder folgendes:
Zivildienst ist ja (immer noch) Ersatzdienst für den Dienst an der Waffe, und der ist ja quasi „Dienst für’s Vaterland“, also die BRD. Wenn man als wehrpflichtiger ins Ausland geht (gibt’s ja auch), dann leistet man ja trotz alledem immer noch Dienst für die BRD; schliesslich ist man ja deutscher Soldat und hält im schlimmsten Fall auch für die BRD die Knochen hin.
Wo aber bleibt der Dienst für die BRD, die der Zivildienst per definitionem ja auch sein soll(te), beim Zivildienst im Ausland? Was tut man für Deutschland, wenn man z.B. in Afrika für’s Rote Kreuz arbeitet (ausser dass man Deutschland dort vorbildlich als Hilfsorganisation vertritt)? Sollte man diesen Dienst nicht eigentlich nur in Deutschland machen dürfen?
Versteh(t) mich nicht falsch - finde ich grundsätzlich für den einzelnen eine tolle Alternative, um mal ins Ausland zu kommen, was Sinnvolles zu tun und dafür auch noch Geld zu bekommen (würde ich auch in Erwägung ziehen, wenn ich es nicht schon längst hinter mir hätte), aber irgendwie ist das doch eigentlich nicht im Sinne der Sache, oder!?! Wie kann das denn erlaubt sein?
War nur so ein Gedanke und mir soll’s auch recht sein,
HOFee
Antwort auf die Zwischenfrage
dein Antwort oder eher gesagt Reaktion hat mir zwar nicht direkt weitergeholfen, ich werde dir aber gerne auf deine offenen Fragen antworten. Du scheinst vom Zivildienst im Ausland eine etwas falsche Vorstellung zu haben. Der Zivildienst im Ausland ist im Prinzip nichts anderes, als der Zivildienst, den man in Deutschland leisten muss. Wobei man dazu sagen muss, dass der Zivildienst im Ausland wesentlich anspruchsvoller und intensiver ist. Du meinst, dass man dem Vaterland keinen Dienst erweist, wenn man sich in der Zeit im Ausland aufhält. Das siehst du völlig falsch. Du trägst zum internationalen Frieden und zur Völkerverstänidigung bei. Es gibt auch viele Projekte im Ausland, die zum Ziel die Aufklärung über die Nazi-Zeit haben. Man setzt sich im Ausland für andere Völker ein und leistet ein wenig Widergutmachung für die Schandtaten, die im 3. Reich passiert sind. Es ist im Übrigen sehr schwierig, an eine solche Stelle im Ausland zu kommen, da es nur wenige Plätze gibt und die zahlreichen Bewerber durch verschiedene Auswahlverfahren geschickt werden, um den richitgen Zivi ins Ausland zu schicken. Man will diese Stellen ja nicht mit irgendwem besetzen. Wenn man sich im Ausland aufhält, repräsentiert man ja das eigene Land und daher ist es auch wichtig, dass die Auswahlverfahren gründlich vollzogen werden. Es ist noch in vielen Ländern so, dass man, wenn man an Deutschland denkt entweder an einen Bayern in Lederhosen denkt oder an einen Faschisten in brauner Uniform. Mit dem Zivildienst im Ausland trägt man zur Aufklärung bei und es ist meiner Meinung nach eine sehr gute Sache. Es gibt nur leider viel zu wenig Plätze dafür und ich hoffe das wird sich in Zukunft ändern. Im Kriegsfall müssen übrigens auch Zivis, die im Ausland tätig waren, Hilfsdienste (z.B. im Lazarett etc.) leisten.
Die Stelle im Ausland werden im Übrigen nicht mit einer müden Mark vom Staat unterstützt. Der deutsche Steuerzahler kommt also nicht dafür auf, dass manche Zivis für ein Jahr ins Ausland wandern und dort vor dem Dienst im Vaterland fliehen. Im Gegenteil, die Kosten für die Stellen im Ausland werden überwiegend von den verschiedenen Organisationen, die sich selber aus Spenden finanzieren, getragen und der ZIvildienstleistende muss meistens selber noch einen nicht unerheblichen Teil dazu beitragen. Das sind im Monat circa 300 DM Eigenfinanzierung. Man hat im Prinzip keine Vorteile.
Meine Motivation, dass ich einen solchen Dienst machen möchte, liegt darin, dass ich die Zeit gut nutzen kann, Menschen helfen kann und gleichzeitig auch noch eine Fremdsprache dazulerne. Ich denke beides ist sehr sinnvoll und wird mir weiterhelfen.
Natürlich ist die Bundeswehr auch nötig und es muss auch Leute geben, die ihr Land im Kriegsfall verteidigen würden, doch ich fühle mich nicht dafür berufen und überlasse das lieber anderen Leuten, die besser damit umgehen können andere Leute zu verletzen. Ich hoffe, ich habe dir den Zivildienst im Ausland ein bißchen verständlicher gemacht und glaube, dass du mich jetzt besser verstehen kannst.
MFG
Jens
(den Text habe ich offline geschrieben, das hätte sonst etwas zu lange gedauert - mit zwei Sätzen konnte ich das nicht abhandeln!)
Du scheinst vom
Zivildienst im Ausland eine etwas falsche
Vorstellung zu haben.
Nee, ich habe gar keine.
Du meinst, dass man dem
Vaterland keinen Dienst erweist, wenn man
sich in der Zeit im Ausland aufhält. Das
siehst du völlig falsch. Du trägst zum
internationalen Frieden und zur
Völkerverstänidigung bei.
So was Ähnliches habe ich ja auch gesagt.
Natürlich ist die Bundeswehr auch nötig
und es muss auch Leute geben, die ihr
Land im Kriegsfall verteidigen würden,
doch ich fühle mich nicht dafür berufen
und überlasse das lieber anderen Leuten,
die besser damit umgehen können andere
Leute zu verletzen.
Hey, Du brauchst Dich doch gar nicht zu rechtfertigen!
Ist aber schön zu lesen, wie engagiert Du bist.
Ich wollte das ja auch gar niemandem nehmen (ist mir doch egal, wo die Leute ihren Zivildienst ableisten). Ich hatte mich ja nur gefragt, wie sowas legitimiert wird, und zwar nicht ethisch (denn das steht ja wohl ausser Frage) sondern eben gesetzlich. Da diese Auslandsstellen, wie Du sagst, nicht besser vergütet werden, dürfte ja auch klar sein, wie sehr der Gesetzgeber daran interessiert ist, Zivis ins Ausland zu schicken. Völkerverständigung hin oder her - letztendlich will der Staat doch wohl ganz klar die Zivis in Deutschland verteilen! Ist ja auch angesichts der eigentlichen Zielsetzung des Zivildienstes durchaus sein Recht (und damit habe ich auch keine Position bezogen, sondern nur eben das Recht und die Motive des Staates herausgestellt).
Und das ist eben genau das, was ich meinte.
Dir auf jeden Fall viel Erfolg. Auf dass Du dorthin kommst, wo Du hin willst.
HOFee
Ich weiss ja nicht, wie weit weg Du willst, aber wenn’s nicht allzu weit sein muss: Nen Bekannter von mir hat vor einigen Jahren seinen Zivi in einer ‚Camphill Community‘ gemacht - die gibt’s zumindest in England und Irland (und vielleicht auch anderswo?), und kuemmern sich um geistig Behinderte (down syndrome zumindest). Die Leute helfen alle bei der Landwirtschaft mit - ist absolut genial. Adresse hab ich jetzt keine, aber falls das irgendwie interessant waere, koennte ich mich evtl mal umhoeren. Muesstest Du mich mal direkt mailen.
Gruss, Isabel
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Es kann sein, daß ich Zivildienst-rechtlich nicht mehr auf dem aktuellen Stand bin. Meine Zeit war 1993-1994 und in dieser Zeit war es im Ausland noch nicht erlaubt. Wenn sich dann schon neue Möglichkeiten ergeben haben, scheint sich in diesem Bereich eine leise Revolution vollzogen zu haben, ohne daß ich davon wußte. Oder kann mir jemand bestätigen, daß es vor dieser Zeit auch schon Zivi-Auslandstätigkeiten gab ? - ich wäre überrascht ! Lutz
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