Zölibat

Mich beschäftigt schon seit einiger Zeit die Frage, warum die katholische Kirche eigentlich immer noch am Zölibat festhält.

Soviel ich weiss, ist der Zölibat doch erst relativ spät (Mittelalter?) entstanden aufgrund der Vetternwirtschaft des Klerus.
Da diese Gefahr heutzutage nicht mehr besteht, stellt sich die Frage, was eigentlich gegen eine Abschaffung spricht.
Schreibt mir mal Euere Meinung dazu!

Aureel

Soviel ich weiss, ist der Zölibat doch
erst relativ spät (Mittelalter?)
entstanden aufgrund der Vetternwirtschaft
des Klerus.

Der Zölibat für Weltpriester gründet sich m. E. auf drei Argumente.

  1. Die meisten Missionare waren Mönche. Nachdem sie als Missionare die erste Gemeinde gegründet hatten, ergab sich dort von Anfang an die Tradition, dass der Pfarrer zölibatär lebt.

  2. Das pragmatische Argument sagt, dass der Priester voll für seine Gemeinde da sein soll.

  3. Das theologische Argument ist von mir. Ich weiß also nicht, ob es stimmt. Jesus sagte zu seinen Jüngern, sie sollten ihre Familien verlassen und ganz ihm folgen.

Letztendlich hast Du aber Recht. Es gibt kein zwingendes Gebot, dass Priester zölibatär leben müssen (vgl. Orthodoxe Kirchen). Jedes Konzil könnte dies ändern.
(Im Unterschied zur Frauenordination, deren Ablehnung sich auf die Bibel bezieht.)

Andreas

Kirchen). Jedes Konzil könnte dies

ändern.
(Im Unterschied zur Frauenordination,
deren Ablehnung sich auf die Bibel
bezieht.)

Was steht denn dazu in der Bibel?

Frauenordination
Hallo ihr,
soviel ich weiß, ist die einzige Bibelstelle, auf die sich die Gegner der Frauenordination beziehen, die Forderung des Paulus, dass das „Weib in der Gemeinde schweigen“ solle (1.Korintherbrief, Kap.14,34). Es gab offenbar dort einige Frauen, die ihm zu offen redeten oder vielleicht Forderungen stellten - wie auch immer, er wollte halt nichts von ihnen hören. Im Neuen Testament gibt es aber etliche Hinweise darauf, dass Frauen tragende Stützen der jeweiligen Gemeinden waren, von denen auch Paulus bei seiner Missionsarbeit profitierte. Als weiteres Argument dient den Gegnern der FO die Tatsache, dass Jesus eben nur Männer zu Aposteln berufen habe. Aus der damaligen Stellung der Frau verständlich, aber eben: nichts ist so zäh wie Traditionen.
Gegner gibt es übrigens nicht nur in der römischen und den orthodoxen Kirchen, sondern auch bei Anglikanern und Lutheranern. Zum Glück haben sie in letzteren Kirchen nicht das Sagen. Eine Ausnahme bildet da allerdings die lutherische Kirche Lettlands: Der Erzbischof von Riga weigert sich, Frauen zu ordinieren, obwohl gerade in diesem Land während der Sowjetzeit einige Gemeinden von (noch nicht ordinierten) Frauen geleitet worden waren.
Andererseits gibt es z.B. im römisch-katholischen Bistum Basel eine Reihe Frauen, die als Theologinnen Gemeinden leiten, predigen und die Kommunion austeilen, aber der Eucharisteifeier vorstehen dürfen sie (noch?) nicht…
Gruß Theo aus WT

Hallo,

ganz einfach: Nix!
Der Zölibat stammt eigentlich aus nicht-christlichen Religionen und wurde im Jahr 306 während der Synode v. Elvira erstmals kirchenrechtlich behandelt. Erst im Jahr 1139 wurde der Zölibat als allgemein verbindlich für kirchliche Würdenträger erklärt.

Prinzipiell gilt der Zölibat nur für die röm.-kath. Kirche und auch da gibt es die berühmten Ausnahmen von der Regel.

Gruss
Peter

Mich beschäftigt schon seit einiger Zeit
die Frage, warum die katholische Kirche
eigentlich immer noch am Zölibat
festhält.

Ganz einfach, weil die kath. Kirche immer noch verknöcherte Ansichten vertritt, die in kein modernes Gedankenbild paßt.

Wie kann man im Zeitalter der Raumfahrt (zu Beginn der 60er Jahre) noch behaupten, dass die Erde eine Scheibe ist. Genauso die Unfehlbarkeit des Pabstes - so ein Quatsch.
Die kath. Kirche tut sich nichts Gutes damit, sich dem Zeitgeist nicht anzupassen.

Witz: Unterhalten sich zwei kath. Bischöfe. Sagt der eine: Glaubst du, wir erleben die Aufhebung des Zölibats noch? Der andere: Wir nicht, aber vielleicht unsere Kinder!

Ich weiß aus sicherer Quelle, dass in der Diozöse Würzburg einige kath. Pfarrer Kindergeld beantragt haben - wohl nicht für ihre Neffen und Nichten!!!

Das ist gar nicht so einfach: Als Gemeindereferent lebe ich nicht ehelos, aber das hat auch seine Schattenseiten: Wer bei Kirche arbeitet, hat notwenigerweise recht schwierige Arbeitszeiten - Wochenenden, Abendtermine etc. Die Woche wird strikt nach dem terminkalender geplant und die meisten tage sind recht zerpflückt (morgens Religionsunterricht, nachmittags Katechese, dann drei Stunden nix und zum krönenden Abschluß ein zweistündiger Abendtermin z.B… Und manchmal ist es gar nicht so leicht, da noch genügend Raum für Familie und Freuzeit zu lasse. Ich kenne etliche Kollegen, die ihre Gemeinde besser kennen, als ihre eigenen Kinder! Viele hauptamtliche Laien sind auch aus genau diesem Grund nicht verheiratet - und trotzdem glücklich. Und ich weiß, dass die Scheidungsrate bei evangelischen Pfarrern relativ hoch ist.
Daher ist die Ehelosigkeit nicht nur schlecht, sie macht durchaus auch Sinn. Problematisch finde ich jedoch, dass sie einfach verordnet wird und ich würde mir wünschen, die Kirche würde es jedem Hauptamtlichen freistellen, ob er ehelos oder verheiratet leben möchte.
Auf jeden Fall ist es Blödsinn, die Frage nach dem Zölibat immer nur auf Sex zu beschränken - als ob es in der Ehe nur um Sex ginge…

Gerd

Soviel ich weiss, ist der Zölibat doch
erst relativ spät (Mittelalter?)
entstanden aufgrund der Vetternwirtschaft
des Klerus.

Der Zölibat für Weltpriester gründet sich
m. E. auf drei Argumente.

  1. Die meisten Missionare waren Mönche.
    Nachdem sie als Missionare die erste
    Gemeinde gegründet hatten, ergab sich
    dort von Anfang an die Tradition, dass
    der Pfarrer zölibatär lebt.

Schon mal was von der Missionarsstellung gehört?

  1. Das pragmatische Argument sagt, dass
    der Priester voll für seine Gemeinde da
    sein soll.

#Das wird von evangelischen, jüdischen oder islamischen Geistlichen auch verlangt, aber nicht mit dem Zölibat verknüpft.

  1. Das theologische Argument ist von mir.
    Ich weiß also nicht, ob es stimmt. Jesus
    sagte zu seinen Jüngern, sie sollten ihre
    Familien verlassen und ganz ihm folgen.

Ich glaub, das war Paulus.

Letztendlich hast Du aber Recht. Es gibt
kein zwingendes Gebot, dass Priester
zölibatär leben müssen (vgl. Orthodoxe
Kirchen). Jedes Konzil könnte dies
ändern.
(Im Unterschied zur Frauenordination,
deren Ablehnung sich auf die Bibel
bezieht.)

Andreas

#Anmerkungen von Helmut

  1. Timotheus Kapitel 4 Vers 1-3

Gruß
Carlos

  1. Timotheus Kapitel 4 Vers 1-3

Gruß
Carlos

Da wär auch noch
1.Timotheus Kapitel 3 Vers 1-5

Gruß Harald

Mich beschäftigt schon seit einiger Zeit
die Frage, warum die katholische Kirche
eigentlich immer noch am Zölibat
festhält.

Soviel ich weiss, ist der Zölibat doch
erst relativ spät (Mittelalter?)
entstanden aufgrund der Vetternwirtschaft
des Klerus.
Da diese Gefahr heutzutage nicht mehr
besteht, stellt sich die Frage, was
eigentlich gegen eine Abschaffung
spricht.

der tiefere sinn des zölibats war m.e. der: früher verkaufte der vatikan die höheren kirchen-posten gegen geld. damit die amtsinhaber diese nicht -wie die weltlichen fürsten- vererben, und diese einnahmequellew wegfdällt, mussten die bischöfe etc im zölibat leben. der trick war: deren kinder waren dann illegitim und nicht erbberechtigt, also konnte der posten immer wieder verkauft werden. daher durften die einfachen priester auch im mittelalter verheiratet sein, da deren posten nicht verkauft wurden. das ursprüngliche zölibbat hat also nicts mit enthaltsamkeit zu tun, denn die bischöfe usw hatten in der aller regel sehr wohl ihre frauen bzw mätressen, sondern war nur ein juristischer trick, um kirchliche dynastien zu verhindern. frank

Daher ist die Ehelosigkeit nicht nur
schlecht, sie macht durchaus auch Sinn.
Problematisch finde ich jedoch, dass sie
einfach verordnet wird und ich würde mir
wünschen, die Kirche würde es jedem
Hauptamtlichen freistellen, ob er ehelos
oder verheiratet leben möchte.
Auf jeden Fall ist es Blödsinn, die Frage
nach dem Zölibat immer nur auf Sex zu
beschränken - als ob es in der Ehe nur um
Sex ginge…

Also als jemand, der mit seinem beruf verheiratet ist, kann ich mir gut vorstellen, dass man bei einer solchen belastung nicht auch eine Familie mitschleppen will. Das geht ja auch vielen Wissenschaftlern so. Aber das große Problem vieler Priester ist ja, dass sie vereinsamen, weil sie außer keiner Familie auch keine FreundInnen haben, alles allein tragen müssen, ständig im Stress sind und dann oft beim Alkohol Zuflucht suchen.
Und das noch größere Problem ist, dass sie auf das Zölibat „vorbereitet“ werden, indem man sie künstlich infantilisiert, ihnen Sexualneurosen einhämmert und Angst vor Frauen einjagt. Ich hätte als Frau echt Probleme, mit einem zölibatären zu reden, weil ich das Gefühl hätte, der denkt dauernd nur an Sex. Mit einem verheirateten Mann fühle ich mich da lockerer.

Gerd

Keine Frauen … und keine Polen

  1. Das theologische Argument ist von mir.
    Ich weiß also nicht, ob es stimmt. Jesus
    sagte zu seinen Jüngern, sie sollten ihre
    Familien verlassen und ganz ihm folgen.

Das ist ein sehr schwaches Argument. Jünger Jesu sind nämlich nicht nur Priester, sondern alle Christen. Oder sind für dich Laien und, Gott soll abhüten, Laiinnen keine Christen? außerdem würde diese Auslegung bedeuten, dass Priester auch ihre Mütter, Väter, geschwister etc. nicht mehr sehen dürften.

(Im Unterschied zur Frauenordination,
deren Ablehnung sich auf die Bibel
bezieht.)

Du kennst wohl den witz: „Jesus hat keine Frauen berufen … aber auch keine Polen!“
Im Ernst: Da könnte ich doch genauso argumentieren, dass unter den Aposteln keiner Farbigen und keine Asiaten waren, Jesus diese also auch ausschließen wollte.

Geschichtlich gründet der Ausschluss der Frauen nicht nur vom priesteramt, sondern von allen höheren kirchlichen Diensten darauf, dass die Frau immer als spirituell minderwertig galt, als „Einfallspforte des Teufels“ und man es als Beleidigung des allerheiligsten betrachtete, wenn es von Frauen (igittigitt!) angefasst würde. Nachzulesen bei augustinus!

Und das noch größere Problem ist, dass
sie auf das Zölibat „vorbereitet“ werden,
indem man sie künstlich infantilisiert,
ihnen Sexualneurosen einhämmert und Angst
vor Frauen einjagt. Ich hätte als Frau
echt Probleme, mit einem zölibatären zu
reden, weil ich das Gefühl hätte, der
denkt dauernd nur an Sex. Mit einem
verheirateten Mann fühle ich mich da
lockerer.

Da geht es aber eher um DEIN Gefühl und das hat übrigens auch nichts mit Priester zu tun: Wie redest du denn mit einem unverheirateten Nicht-Priester? Und einen Unterscheid gibt es da auch noch: Der unverheiratete Nicht-Priester will u.U. gar nicht unverheiratet leben, hat aber keine Frau abbekommen? Das stelle ich mir noch viel verklemmter vor!

Und das mit den Neurosen stimmt einfach nicht: Etliche meiner Freunde sind Prister und die sind weder frauenfeindlich erzogen worden (wie auch, wenn man ins Seminar eintritt, ist man schon längst „erzogen“), noch geben sie sich frauenfeindlich. Außnahmen bestätigen natürlich die Regel und das Priesterseminar in Fulda sieht das bestimmt ein wenig anders als das in Mainz oder Limburg.
Aber im Grunde genommen ist der Unterschied zu Verheirateten gar nicht mal so groß:

  1. So wie mich niemand zum Heiraten zwingt, so zwingt niemanden einen jungen Mann zur Ehelosigkeit.
  2. So wie ich mir vor meiner Ehe viel Zeit lasse und mein Ja-Wort bei der Trauung sehr wohlüberlegt und gereift ist, so wird auch niemand von heute auf morgen geweiht und ehelos. Auch hier hat derjenige Jahre Zeit, seine Lebensentscheidung gründlichst vorzubereiten und zu überdenken. Und in einem guten Seminar wird man ihn da auch auf Herz und Nieren prüfen!
  3. Und eines sollten wir bei allem nicht vergessen: Wir tun immer so, als wäre mit dem Heiraten alles gelöst. Auch in einer Ehe gibt es Krisen und Probleme. Und beim Zölibat ist das genau so.

Kurzum: Den Hammer nicht so hoch hängen und den Leuten (egal ob Prister oder Ordensleute) doch bitte mal die gleiche Reife zu einer freiwiliigen (!) Lebensentscheidung zutrauen, wie wir sie den Verheirateten unter uns auch gönnen!

Gerd

hallo!

  1. Die meisten Missionare waren Mönche.
    Nachdem sie als Missionare die erste
    Gemeinde gegründet hatten, ergab sich
    dort von Anfang an die Tradition, dass
    der Pfarrer zölibatär lebt.

Schon mal was von der

Missionarsstellung gehört?

ich bin ja wirklich kein mann vom fach, aber mich dünkt, mal vernommen zuhaben, die „missionarsstellung“ hat ihren namen aus einer zeit weg, als christliche missionare in südamerika aufzuräumen gedachten.
und einer von ihnen hielt ihre liebespraktiken nicht für angemessen und bat seine schäfchen, sich doch von angesicht zu angesicht zu lieben…

jonas

hallo!

ich bin ja wirklich kein mann vom fach,
aber mich dünkt, mal vernommen zuhaben,
die „missionarsstellung“ hat ihren namen
aus einer zeit weg, als christliche
missionare in südamerika aufzuräumen
gedachten.
und einer von ihnen hielt ihre
liebespraktiken nicht für angemessen und
bat seine schäfchen, sich doch von
angesicht zu angesicht zu lieben…

#Ich habe das nur erwähnt, um darauf hinzuweisen, dass für die Missionare sexuelle Enthaltsamkeit nicht unbedingt ein Muss war.

Helmut