Hallo Silke
ich bin die Mutter eines 16-jährigen Jungen und mußte erst mal darüber nachdenken, ob es einen Unterschied macht, ob Jungs oder Mädchen einen Freund haben. oder eine Freundin. Macht es…
Eltern haben viele Ängste, zurecht! Ja, hat man das Projekt Kind 17 Jahre bearbeitet(Schwangerschaft zählt mit) Und dann drohen schon wieder Komplikationen und zwar solche, die sich nicht nur unserer Kontrolle entziehen, sondern die so vielschichtig sind, dass wir oft selbst nicht wissen, was da alles reinspielt. Ein paar erste Impulse:
Mein Gott, das kleine Kind…
Die werden doch wohl keinen Sex haben…
Mein Kind, ich muß es beschützen…
jetzt steh ich aussen vor…
wie konnte das nur passieren----
jetzt wird es erwachsen, jetzt…
viel zu früh…
Der Freund kann ja nur einen schlechten Einfluß haben
Er ist der Feind, der mein Kind verdirbt
Mein Kind braucht seine ganze Kraft zum lernen, wenn sich da jemand zwischen hängt… die Zukunft im A****
das sind nur so ein paar, da spielt sich erst mal das ganze Programm eigener Befürchtungen und eigener schlechter ERfahrungen ab, dazu kommen alle wilden Gerüchte der letzten Zeit, alle Konflikte, die ich mit meinem Kind eh schon habe, meine gesamte moralische und ethische Prägung und und und
Nicht lustig für dich.
Ich kann nur sagen: Sprich mit Ihnen, gib ihnen eine Chance erst mal herauszufinden, wo IHR Problem eigentlich wirklich liegt (das kann dauern, je nach dem wie gut der Zugang zu ihren Gefühlen ist). Also hör dir in Ruhe an was sie zu sagen haben und versuch das insofern ernst zu nehmen, als es IHNEN an dieser Stelle weh tut.
Und erzähl ihnen ein bisschen von dem, was sie hören wollen: dass es dich auch als Einzelperson noch gibt, dass du also auch noch alte Interessen ( die sie gutheißen) allein vertrittst.
Mach ihnen klar, wo du gute Leistungen mit einem Freund verbessern kannst (Sport, Hobby, Bildung, ihr werdet ja wohl mehr Gemeinsamkeiten haben, als nur Herzklopfen).
Bereite ihn auf seinen Auftritt vor und stell ihn vor. Der erste Eindruck ist mega wichtig, darum sollte er super gut und ultra kurz sein,- dieser Satz strotzt nicht von ungefähr vor Superlativen.
Ja, es wird sich einiges im Leben ändern, wenn du einen Freund hast, lass deine Eltern best-möglich daran teil haben ( du mußt ja nicht jeden Kuß beschreiben, ganz im Gegenteil) Aber sie werden sich nicht so ausgeschlossen und ohnmächtig vorkommen.
Du kannst vielleicht deine Eltern nach ihren Erfahrungen mit ihren ersten Freunden befragen, manchmal gibt das so einen Aha-Effekt.
Du solltest beim Thema Sex ein bisschen angewiedert gucken, das beruhigt Eltern enorm.
WEnn es dir ernst ist, solltest du dich in der Schule verbessern und klar machen, dass ein Freund schon insofern eine Motivation ist, als dass deine Eltern dir den Umgang leichter gestatten, wenn sie sehen, dass er deine Zukunft nicht gefährdet.
Auf alle Fälle, mach Werbung für dich und für die Freundschaft, alles was gut ist, laut machen, deutlich zeigen ( Mädels sind da häufig zu zurückhaltend)
Aber so oder so, ein Freund bedeutet einen wichtigen Schritt in puncto Abnabelung, das ist für Eltern schmerzhaft - immer!
Wenn du es nur ansatzweise verstehen willst: Hast du ein Haustier, vielgeliebt, zerbrechlich und zart? Und nun sollst du es auswildern, sofort. Und glaub mir, das ist ein winziges kleines Ärgernis, gemessen an dem Gefühl, dass einen packen kann, wenn das eigene Kind einen so unerwarteten Entwicklungsschub macht und sich quasi auswildert.
Aber zu ung für einen Freund? Ist man nie! Nur die Qualitäten ändern sich mit dem Alter!
Ich hoffe ich konnte helfen
liebe Grüße und viel Erfolg
Susanne
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