Zu schüchtern

Hallo,

tja, mein Problem: Ich bin zu schüchtern. Hm, vielleicht ein paar
Details aus meinem Leben. Ich bin 19,m, hab nen recht guten Job,
kenn auch recht viele Leute aber mir fehlen die richtigen Freunde.
Irgendwie hab ich das Gefühl dass ich zwar recht viele Gruppen
(Cliquen) kenn, aber irgendwie nirgends richtig dazugehöre.
Und diese Menschen kenn ich wahrscheinlich nur weil man mit mir
recht gut reden kann und weil sich mir einige ihrer Probleme
anvertrauen usw. Irgendwie werd ich doch nur ausgenutzt?

Naja, irgendwie hab ich mir durch meine Schüchternheit mein
ganzes Leben verbaut, ich hätte bisher viel mehr erreichen können
(beruflich als auch privat) wenn ich nur wüsste wie ich mit den
Menschen da draußen umgehen soll…Es wird irgendwie immer
schlimmer, eigentlich beantworte ich nur noch Fragen, aber mal
ein richtiges Gespräch anzufangen…käme wohl nie in Frage!!
Komisch, mit dem Schreiben habe ich kein Problem, ich schreibe
Menschen lieber E-Mails als sie anzurufen!

Kann mir jemand helfen? Irgendwie werd ich einfach nicht meher
damit fertig!

Danke!
tom

akzeptiere Dich!
Hallo Tom,
Du bist ganz wahrscheinlich ein sehr sensibler Mensch.
Du möchtest nicht verletzt werden, nicht ausgelacht, oder gar verspottet. Aber, klar, Du möchtest voll im Leben stehen. Gezwungenermassen aus Dir rausgehen.
Du sitzt da, hörst Deinem Gegenüber zu, und ich bin sicher Du bist ein guter Zuhörer. Das macht Dich interessant. Natürlich schmeichelt es Deinem Gemüt auch, wer ist nicht gern begehrt?
Es macht Dich auch interessant für viele andere Menschen…oh, es ist immer leicht seinen seelischen Balast, seine Probleme anderen zu erzählen, sich Hilfe zu holen.
Aber Du bleibst dabei auf der Strecke, und das fühlst Du.
Da Du Dich immer mehr eingekastet fühlst, nehme ich an, dass Du schon eine ganze Weile nur am Zuhören bist. Womöglich auch am ‚Ja‘ und ‚Amen‘ sagen.
Die betreffenden Leute scheinen auch nicht nach Deinem Gemütszustand zu fragen, sie kümmern sich nur um sich. Natürlich, wer nichts sagt, wird auch nicht gehört. Das wird auch der Grund sein, weshalb Du diese Cliquen, diese Menschen nicht als wahre Freunde siehst. Es fehlt etwas. Und zwar fehlst DU. Zur Freundschaft, zur richtigen Freundschaft, gehören immer zwei.
Und was hindert Dich nun daran, auch mal Deine Meinung zu sagen, Deine Laune zum Ausdruck zu bringen? Es ist der weiche Kern in Dir, der von einer zerbrechlichen Schale umgeben ist. Du fürchtest, dass, wenn Du nur mal von Dir redest, wenn Du mal ‚Nein‘ sagst, Du hättest keine Lust zum Zuhören, sich Dein Gegenüber von Dir abwendet, sich jemanden anderen sucht. Und dann stündest Du plötzlich allein da, fürchtest den Riss in der Schale…
Aber überleg mal, ob es wirklich so ist? Hast Du nicht auch ein Recht, Du selbst zu sein? Deine Meinung mal zu sagen, nicht unbedingt auf den Tisch hauen, aber sich nicht wie ein Stück weiche Butter behandeln lassen. Wem es nicht passt, wer sich dann von Dir abwendet…tja, diese Menschen kannst Du in den Wind schiessen. Wer bei Dir bleibt, und das sind leider meist nur wenige Leute, der meint es ernst. Du musst nicht den hiesigen Freundeskreis haben, wie das andere vielleicht haben. Du spürst doch schon, dass Du Dich unwohl fühlst. Mit wenigen, aber echten Freunden, würdest Du Dich ebenso wohl fühlen.
Lass Dir nicht alles gefallen, beweise Deine eigene Individualität! Wenn die anderen zb. ins Kino gehen, und Du hast keinen Bock drauf, dann bleib halt zu Hause. Wer hat das Recht dazu, Dich deshalb zu verurteilen?
Ebenso im Beruf: es ist Deine Zukunft, nur Du kannst den Grundstein legen. (für den es nie zu spät sein sollte, Veränderungen sind immer möglich) Wenn Dir Bekannte zu dem super-tollen.Job raten, aber Du innerlich weisst, nein, dass möchte ich nicht machen, dann lass Sie ruhig reden.
Belege Deine Meinung mit sachlichen Argumenten, das untermauert Deine Kompetenz.
Wenn Du Dein Kasten-Leben wie bisher weiter führst, wirst Du irgendwann an der Last zerbrechen. Immer Geben, und Geben, und Geben…Diese Schüchternheit kann Dich immer mehr einengen, womöglich wirst Du kleine Phobien entwickeln. (‚Was denken die Leute über mich, wenn ich einkaufen geh?‘) Das mag vielleicht lächerlich klingen, ist aber gar nicht so weit hergeholt.
Wenn Du nicht Du selbst sein kannst, platzt irgenwann die Bombe.
Und sei es auch im Stillen, wenn Du ein alter Mann bist, der an sein Leben zurück denkt, was er verpasst hat, von wem er sich hat reinreden lassen, wieso er nicht seiner Intuition gefolgt ist…
Such Dir Leute, die ungefähr Deine Sensibilität teilen, die auch mal Zuhören können! Schau mal hinter die Masken, die meisten Menschen sind ganz leicht zu durchschauen.
Sei auch mal ein Egoist! Wenn Du spürst, einer will Dich nur ausnutzen (‚Kannst Du nicht mal kommen? Hilf mir doch mal!Ich muss Dir was erzählen…!‘), wende Dich von Ihm ab. Such nach Möglichkeiten diesen Menschen auszuweichen.

Kopf hoch, Brust raus! :smile:

Nicole

Hallo Tom,

wahrscheinlich kannst Du Dich selbst nicht einschätzen und weißt auch nicht genau, was andere wohl von Dir denken.
Ich glaube, dass jeder Mensch einen Stellenwert in einer Gemeinschaft genießt, die von den meisten Leuten fraglos respektiert wird. Eher stellt man selbst seinen Stellenwert in Frage, und sich damit ein Bein.

Vielleicht magst Du Dir einmal die Mühe machen, darüber nachzudenken, was Dir persönlich wichtig ist - so eine Art Nabelschau. Fang doch damit an das aufzulisten (im Kopf oder auf dem Papier), was Du erreicht hast, welche Menschen Dich mögen, welche Menschen Du magst, welche Tätigkeiten Spaß machen (selbst Essen kann man dazu zählen). Damit bekommst Du schon einmal einen Statusquo, was tatsächlich da ist.
Dann würde ich nicht einfach darüber nachdenken, was Du alles erreichen möchtest (steile Karriere, tolle Freundin, coolen Freundeskreis). Das sind plakative Träume, die eventuell gar nichts mit Dir und Deinem Leben zu tun haben. Nimm Deinen Grundstock, den Du hast (Schulabschluß, berufliche Vorkenntnisse, privates Umfeld), und überlege, ob das so jetzt in Ordnung ist, oder ob Korrekturen oder gar eine Richtungsänderungen nötig sind.
Mache mit Dir kleine Schritte, und nicht den Fehler, Dich mit den Selbstbewußten zu vergleichen.
Wenn Du persönliche, klare, scharf umrissene Ziele vor Augen hast, für was auch immer, bekommst Du eine innere Stabilität, und damit legt sich auch die Schüchternheit.
Ich glaube, dass der schüchtern ist, der sich von der Wertschätzung anderer abhängig sieht. Aber das funktioniert nicht so, sondern Anerkennung von anderen wird magisch von einem gewissen Mindestmaß an Eigenliebe angezogen. Das heißt, wenn Du Dir selbst ohne rot zu werden auf die Schulter klopfen kannst, dann hast Du gewonnen. Übrigens, sich selbst auf die Schulter zu klopfen und dabei noch souverän zu wirken ist eine hohe Kunst.

viele Grüße
Claudia (die immer noch in ungeeigneten Situationen rot wird)
:wink:

Hallo Tom!
Nur ein kleiner Trost (nicht dass du noch durcheinander kommst, was du noch tun sollst)

Ich habe immer wieder gehört oder gelesen, dass schüchterne Menschen oftmals die beliebtesten sind! Echt wahr! Sie würdens nur niemals glauben!

Kopf hoch!
Heidi :smile:

Achja, wenn Du so gern emails schreibst, tu doch mal chatten! Da kannst den Umgang mit Leuten üben (wie Du das nennst) und trotzdem nie Dein „Gesicht verlieren“ (blöder Ausdruck, sorry!!!)


ich glaube, es waere ein fehler die schuld in seiner eigenen schuechternheit zu suchen…
das wesentliche problem scheint mir in deinem „freundeskreis“ zu liegen- du bist einfach aus ihnen herausgewachsen, stehst ueber ihnen. man muss es so egoistisch formulieren. ich denke, dass deine unsicherheit nur aus der tatsache resultiert, dass du nur als seelischer abfalleimer missbraucht wirst. du hast keine probleme, mit menschen zu reden, wie du sagst… suche dir menschen, die deinem intellekt, deinem denken und empfinden gleichkommen und erzaehle von DIR. du denkst, du kannst das nicht? ich bin sicher, dir ist aufgefallen, wieviel aufsehen du mit diesem ehrlichen brief gemacht hast. und waerst du so schuechtern und unspektakulaer, dann haette dir hier niemand geantwortet.
freue mich schon auf eine laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaange unterhaltung mit dir.
katha

Genau, Katha!
Da kann ich dir aus ganzem Herzen nur zustimmen!
Wär sicher nett, sich mit ihm zu unterhalten! Er scheint nämlich ein WIRKLICH interessanter und vor allem nicht oberflächlicher Mensch zu sein!!!
Heidi

hmmm…
Hallo zusammen,

erst mal vielen vielen Dank für die ganzen Antworten, was ihr
geschrieben habt, hat mich teilweise wirklich ganz schön
beeindruckt!!

hm, ich schreibe jetzt einfach mal was dazu!

Du fürchtest, dass, wenn Du nur mal von Dir redest, wenn Du mal
‚Nein‘ sagst, Du hättest keine Lust zum Zuhören, sich Dein
Gegenüber von Dir abwendet, sich jemanden anderen sucht. Und
dann stündest Du plötzlich allein da, fürchtest den Riss in der
Schale…

Stimmt, genau das ist nämlich der Punkt. Ich bin für die Meisten
eine Art Ansprechpartner, jemand der „normal“ geblieben ist und
mit dem man reden kann. Aber was würde denn passieren wenn ich
mich plötzlich ändern, aus mir rausgehen würde, so wie der Rest
da draußen?
Hm, auf jeden Fall wäre ich dann wohl nicht mehr die Person der
man „vertrauen“ kann, sondern so wie alle anderen.
Komisch, genau was will ich ja eigentlich, aber trotzdem kommt es
mir irgendwie wie ein „Risiko“ vor, denn ich weiß ja nicht was
wirklich passiert.

Fang doch damit an das aufzulisten (im Kopf oder auf dem
Papier), was Du erreicht hast, welche Menschen Dich mögen,
welche Menschen Du magst, welche Tätigkeiten Spaß machen
(selbst: Essen kann man dazu zählen). Damit bekommst Du schon
einmal einen Statusquo, was tatsächlich da ist.

danke, das werde ich mal versuchen. Von dieser Methode habe ich
schon etwas gehört, sie soll wirklich etwas bewirken, mal sehen.

Ich habe immer wieder gehört oder gelesen, dass schüchterne
Menschen oftmals die beliebtesten sind! Echt wahr! Sie würdens
nur niemals glauben!

das kann schon stimmen, aber irgendwie steh ich trotz dieser
„Beliebheit“ abseits der Gesellschaft, ich denk mal ihr wisst
schon was ich meine :wink:

Naja, das hängt wohl auch mit der ganzen Generation zusammen,
wenn ich die Leute in meinem Alter so beobachte geht es denen nur
noch um Spass, Geld usw. Sogenannte „Freunde“ sind dabei
eigentlich nur Objekte, die nur solange interessant sind, solange
sie das eben bieten. Das klingt vielleicht hart, aber da spreche
ich leider aus Erfahrung.

Naja, vielleicht kommen ja noch ein paar Antworten, würde mich
freuen :wink:

Gruss,
tom

Hallo??
wieso antwortet denn keiner mehr??

Gruss,
tom

mail me
mail me.
[email protected]
p.s.: sorry dass ich nicht geantwortete habe- mein rechner war defekt :o(