Zu 'Sprüche, Kapitel 30'

wer kann mir erklären, was das bedeutet mit den Zahlen 3 und 4 „nicht drei, nein vier“ und dieser Merkwürdigkeit, die den anderen Sprüchen überhaupt nicht ähnelt, die ja meistens eine Weisheit ausstrahlen. Was sollen wir hier lernen und was soll das alles bedeuten?

Freue mich auf eine Antwort. Danke. Karin

Hallo Karin,

„drei - vier“ meint: Auf die Zahl kommt es nicht wirklich an, das Genannte steht stellvertretend für Weltwesentliches und ist vermehrbar.
In den Bilderreihen soll sich der Leser spiegeln und wiedererkennen.

Die Zahlensprüche: 30,15-33

Thema „Unersättlichkeit“:
15 Der Blutegel hat zwei Töchter: Gib! - Gib!
Drei sind es, die nie satt werden, / vier sagen nie: Genug:
16 Die Unterwelt und der unfruchtbare Mutterschoß, / die Erde, die nicht satt wird an Wasser, / und das Feuer, das nie sagt: Genug!

Einzelspruch:
17 Ein Auge, das den Vater verspottet / und die alte Mutter verachtet, / das hacken die Raben am Bach aus, / die jungen Adler fressen es auf.

Hier ist die Pointe das vierte:
18 Drei Dinge sind mir unbegreiflich, / vier vermag ich nicht zu fassen:
19 den Weg des Adlers am Himmel, / den Weg der Schlange über den Felsen, / den Weg des Schiffes auf hoher See, / den Weg des Mannes bei der jungen Frau.

Einzelspruch:
20 So benimmt sich die ehebrecherische Frau: / Sie isst, wischt sich den Mund / und sagt: Ich habe nichts Böses getan.

Thema „Hemmungslosigkeit des lange Gedemütigten“:
21 Unter dreien erzittert das Land, / unter vieren wird es ihm unerträglich:
22 unter einem Sklaven, wenn er König wird, / und einem Toren, wenn er Brot im Überfluss hat,
23 unter einer Verschmähten, wenn sie geheiratet wird, / und einer Sklavin, wenn sie ihre Herrin verdrängt.

Thema „Körperliche Schwäche - Stärke durch kluge Organisation“:
24 Vier sind die Kleinsten auf Erden / und sind doch die Allerklügsten:
25 Die Ameisen sind kein starkes Volk / und besorgen sich doch im Sommer ihr Futter;
26 Klippdachse sind ein Volk ohne Macht / und doch bauen sie ihre Wohnung im Fels;
27 die Heuschrecken haben keinen König / und doch schwärmen sie alle geordnet aus;
28 Eidechsen fängst du mit der Hand / und doch wohnen sie in Königspalästen.

Hier ist wieder Nr. 4 die Pointe, zugleich eine Kritik:
29 Drei sind es, die stolz einherschreiten, / vier haben einen stolzen Gang:
30 der Löwe, der Held unter den Tieren, / der vor keinem umkehrt;
31 der Hahn, der einherstolziert, und der Leitbock / und der König, wenn er vor seinem Volk auftritt wie ein Gott.

Fortsetzung des Themas „Hochmut“ mit zwei Einzelsprüchen:
32 Wenn du dich stolz erhoben und dabei blamiert hast / oder wenn du nachdenkst - so leg die Hand auf den Mund!
33 Denn stößt man Milch, so gibt es Butter, / stößt man die Nase, so gibt es Blut, / stößt man den Zorn, so gibt es Streit.

Gruß,
Peter

Hallo, Karin und Peter,
grabend in längst Vergessenem, halb Gehörtem, meine ich mich daran zu erinnern, dass es in der Bibel eine Form der Dichtung gibt, die mit der Wiederholung arbeitet, einer Art Hendiadioin (es wird die gleiche Aussage mit anderen Worten wiederholt).
Außerdem habe ich noch im Hinterkopf, dass diese Art der Dichtung mit einer Art Steigerung arbeitet, also dieses „drei Dinge sind es und vier, die …“.
Es wäre schön, wenn man von Wissenden dazu mehr erfahren könnte und erfreulich, durch Kundige darin belehrt zu werden.

Grüße
Eckard.

Parallelismus membrorum …
Hallo, Karin und Peter und Eckard, der Sache am nächsten!

… heißt diese poetische Figur, die in der hebräischen, antiken und auch althochdeutschen Literatur gern verwendet wurde.
Und gern bedienten sich die Dichter der Israeliten, Griechen und Römer und auch Franken des Parallelismus´ membrorum.

Beispiele hat Peter gnug gebracht.

Gruß Fritz

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