... zu unserer 'vollsten' Zufriedenheit

Hallo SprachexpertInnen,

ich stolpere immer wieder über den in Arbeitszeugnissen gebräuchlichen Ausdruck ‚stets zu unserer vollsten Zufriedenheit‘. Damit soll die Note ‚sehr gut‘ vermittelt werden, im Gegensatz zu
gut…stets zu unserer vollen Zufriedenheit
befriedigend: …zu unserer vollsten Zufriedenheit
ausreichend: …zu unserer vollen Zufriedenheit
knapp ausreichend: …zu unserer Zufriedenheit.

So weit, so gut. Kann mir aber nun jemand sagen, ob dieses ‚vollsten‘ sprachlich gesehen überhaupt korrekt ist? Seit wann hat sich das eingebürgert? Voller als voll geht ja wohl kaum, oder?

Vielen Dank für eure Beiträge zur Aufklärung.
Gruß
Eva

Hallo, Eva,

das:

Aus inhaltlichen Gründen können einige Adjektive keine Steigerungsformen bilden.
Dazu gehören:
tot, eisern, silbern, schriftlich, mündlich, rund, weiß, ledig, steinern, voll, leer, unüberhörbar, unrettbar, kinderlos, olive, rosa, lila, einzig.

ist ein Abschnitt aus einem Arbeitsblatt zur Komparation, das ich im Unterricht verwende.

Ich weise aber dabei stets darauf hin, dass die Waschmittelwerbung nicht nur ein weißeres Weiß, sondern auch das weißeste Weiß erfunden hat. Dass man heute ohne Scheu ein volleres Glas von einem leereren unterscheidet, dass der Einzige vom Einzigsten übertroffen wird.

Und was soll man denn machen, wenn Flachköpfe so reden? Sie noch flacher klopfen?

Gruß Fritz

…ich schließe mich an und frage:

gibt es „einzigste“ und „verschiedenste“ ?

Grüße
Irene

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Quatsch
Hallo, Eva!

Ich stimme Dir zu, dass „voll“ zu den Adjektiven gehört, die nicht gesteigert werden können, sollen und mit denen es trotzdem gemacht wird. Zu dieser Gruppe gehören auch:

  • einzig (der einzigste Mann *argh*)
  • optimal (der optimalste Weg *argh*)
  • richtig (die richtigste Lösung *argh*)
  • u. v. m.

Grund ist, wie Du es selbst nennst, dass der Ausdruck einen bereits vollkommenen Zustand beschreibt.

Gruß!
Christopher

Salü Fritz,

Und was soll man denn machen, wenn Flachköpfe so reden? Sie
noch flacher klopfen?

allerherzlichsten Dank für deine Aufklärung :wink:

Ich werde also weiterhin in Zeugnissen sprachlichen Unfug betreiben müssen, wenn ich niemandem eine ‚zwei‘ statt der verdienten ‚eins‘ geben will.

Bei deiner Aufzählung fiel mir ein… ich sollte mal an RTL II schreiben, ob sie nicht mal eine Show über die ledigsten Singles der Republik machen wollen *g*.

Liebe Grüße
Eva

Hi,

auch hier hilft - wie so oft - das Archiv weiter:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Gruß,
Christian

Hallo Christian,

danke für den Hinweis. Ich hatte im Experten-Forum den Suchbegriff ‚vollsten‘ eingegeben, aber da kam leider nix.

Gruß
Eva

rund, weiß

Hi Fritz,

bei rund und weiß stimme ich nicht ganz zu - wer hätte das gedacht :smile: Es gibt z.b. in einem Paintprogramm die Möglichkeit, Vierecke mit abgerundeten Ecken zu erzeugen. „Je höher der Wert x desto runder die Ecken.“ Ist das kein sinnvoller Satz? Ebenso bei weiß: „Wenn man diesen Regler aufdreht, dann wird das Bild immer weißer.“ (Helligkeit wird mehr und Kontrast weniger.) Auch ein sinnvoller Satz, meine ich.

Ein wort fehlt in der Liste: schwanger! :smile:

Gruß
datafox

Hi, Datafox,

bei rund und weiß stimme ich nicht ganz zu

Naja, wenn diese Wörter eine fachspezifische Bedeutung haben, kann man mit ihnen freier und unlogischer umgehen.

Ein wort fehlt in der Liste: schwanger! :smile:

Mit Absicht! Denn das kommt garantiert von den Schülern! :wink:

Gruß Fritz

Ich war einmal …

… lieber Fritz,

in einer sehr anständigen Kneipe. Kaum hattest Du Dein Glas leer getrunken, fuhr
das nächste auf. Und eins war voller wie das andere. Manchmal standen gleich
mehrere gleichzeitig auf dem Tresen. Da griff ich mir dann immer das vollste. Und
als wir nach Hause gingen, da war ich am allervollsten …

Wie würde diese kleine Geschichte nach Deiner Regel lauten?

Gruß
Bolo

Hallo, Bolo!

Wie würde diese kleine Geschichte nach Deiner Regel lauten?

Das ist jetzt aber keine ernst gemeinte Frage oder Aufforderung, oder etwa doch?

Ich war einmal in einer sehr anständigen Kneipe. Kaum hattest Du Dein Glas leer getrunken, fuhr das nächste auf. Und eins war gefüllt bis zum Rand und das andere lief über. Manchmal
standen gleich mehrere gleichzeitig auf dem Tresen. Da griff ich mir dann immer das mit dem größten Inhalt. Und als wir nach Hause gingen, da war ich von allen der am meisten Besoffene.

Das hättest du aber auch alleine hingekriegt, dessen bin ich mir gewiss, selbst wenn du einen neuen Rekord an Promilleanteilen von Alkohol im Blut gehabt hättest.

Fritz

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Hallo Eva,

inzwischen ist diese Sprachverhuddelung juristisch abgesegnet.

Ein Mensch, der die ‚vernünftig‘ formuliertes Zeugniss erhielt, klagte und begründete es mit dem Argument, daß ‚Zu unserer vollen Zufriedenheit‘ eben kein ‚sehr gut‘ (wie es der Schreiber formulieren wollte) sei, weil inzwischen besagte Floskel üblich wäre.

Der Richter gab dem Kläger recht.

Gandalf

Verbesserungsvorschlag
Hallo Fritz + Bolo,

kann ich eine (kleine) Verbesserung anbringen:

Und als wir
nach Hause gingen, da hatte ich die rundesten Fuesse.

:stuck_out_tongue:

Elke

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Hallo Fritz,

Das ist jetzt aber keine ernst gemeinte Frage oder
Aufforderung, oder etwa doch?

Nun - Du hast sie auf jeden fall ernst genommen … :smile:. Ich wollteauch nur, dass
sie mal anders geschrieben da steht, damit man sieht, dass ein hundertprozentig
richtiger Text nicht immer gleich gut klingt oder gleich flüssig über Lippen oder
Tasten geht. Es hat halt nichts mehr mit Umgangssprache zu tun, von der ja immer
gesagt wird, sie zeige die Weiterentwicklung der Sprache auf und sei morgen die
Regel.

Ich war einmal in einer sehr anständigen Kneipe. Kaum
hattest Du Dein Glas leer getrunken, fuhr das nächste auf. Und
eins war gefüllt bis zum Rand und das andere lief über.
Manchmal
standen gleich mehrere gleichzeitig auf dem Tresen. Da griff
ich mir dann immer das mit dem größten Inhalt. Und als wir
nach Hause gingen, da war ich von allen der am meisten
Besoffene.

Das hättest du aber auch alleine hingekriegt, dessen bin ich
mir gewiss, selbst wenn du einen neuen Rekord an
Promilleanteilen von Alkohol im Blut gehabt hättest.

Na ja, mit Plomilll… wär das sicher nicht gut gegangen :wink:. Sicher kann ich Dir
mindestens fünf Versionen liefern, die alle sprachlich korrekt wären - trotzdem
meine ich, dass man sich an volleren oder gar vollsten Gläsern nicht stoßen
sollte (man könnte sonst was verschütten … :smile:)
Gruß
Bolo

Hallo Diskutanten,

ein nicht komparatives korrektes „voller“ hamwer gefunden (Diktat fünftes Schuljahr) - Dehnung von Vokalen -:

„Als ich den Saal betrat, sah ich, daß dieser nicht etwa spärlich besetzt oder gar leer, sondern vielmehr voller Lehrer war“.

(Der Lährer Sählig ist eine Leihgabe vom Dialekt-Brett.)

Schöne Grüße

MM

Hihi,

kennt Ihr noch die vom Aussterben bedrohten Fla…, äh’ Flasch…, äh’ Flaschen…, äh’ Flaschenvers…, äh’ Flaschenversch…, äh’ Flaschenverschl…, äh’ Flaschenverschlu…, äh’ Flaschenverschlü…, äh’ Flaschenverschlüsse:

Holsten knallt am dollsten

Etwa auch falsch?

fragt sich grüßend und teetrinkend

Gudrun