ich stolpere immer wieder über den in Arbeitszeugnissen gebräuchlichen Ausdruck ‚stets zu unserer vollsten Zufriedenheit‘. Damit soll die Note ‚sehr gut‘ vermittelt werden, im Gegensatz zu
gut…stets zu unserer vollen Zufriedenheit
befriedigend: …zu unserer vollsten Zufriedenheit
ausreichend: …zu unserer vollen Zufriedenheit
knapp ausreichend: …zu unserer Zufriedenheit.
So weit, so gut. Kann mir aber nun jemand sagen, ob dieses ‚vollsten‘ sprachlich gesehen überhaupt korrekt ist? Seit wann hat sich das eingebürgert? Voller als voll geht ja wohl kaum, oder?
Vielen Dank für eure Beiträge zur Aufklärung.
Gruß
Eva
Aus inhaltlichen Gründen können einige Adjektive keine Steigerungsformen bilden.
Dazu gehören:
tot, eisern, silbern, schriftlich, mündlich, rund, weiß, ledig, steinern, voll, leer, unüberhörbar, unrettbar, kinderlos, olive, rosa, lila, einzig.
ist ein Abschnitt aus einem Arbeitsblatt zur Komparation, das ich im Unterricht verwende.
Ich weise aber dabei stets darauf hin, dass die Waschmittelwerbung nicht nur ein weißeres Weiß, sondern auch das weißeste Weiß erfunden hat. Dass man heute ohne Scheu ein volleres Glas von einem leereren unterscheidet, dass der Einzige vom Einzigsten übertroffen wird.
Und was soll man denn machen, wenn Flachköpfe so reden? Sie noch flacher klopfen?
Ich stimme Dir zu, dass „voll“ zu den Adjektiven gehört, die nicht gesteigert werden können, sollen und mit denen es trotzdem gemacht wird. Zu dieser Gruppe gehören auch:
einzig (der einzigste Mann *argh*)
optimal (der optimalste Weg *argh*)
richtig (die richtigste Lösung *argh*)
u. v. m.
Grund ist, wie Du es selbst nennst, dass der Ausdruck einen bereits vollkommenen Zustand beschreibt.
Und was soll man denn machen, wenn Flachköpfe so reden? Sie
noch flacher klopfen?
allerherzlichsten Dank für deine Aufklärung
Ich werde also weiterhin in Zeugnissen sprachlichen Unfug betreiben müssen, wenn ich niemandem eine ‚zwei‘ statt der verdienten ‚eins‘ geben will.
Bei deiner Aufzählung fiel mir ein… ich sollte mal an RTL II schreiben, ob sie nicht mal eine Show über die ledigsten Singles der Republik machen wollen *g*.
bei rund und weiß stimme ich nicht ganz zu - wer hätte das gedacht Es gibt z.b. in einem Paintprogramm die Möglichkeit, Vierecke mit abgerundeten Ecken zu erzeugen. „Je höher der Wert x desto runder die Ecken.“ Ist das kein sinnvoller Satz? Ebenso bei weiß: „Wenn man diesen Regler aufdreht, dann wird das Bild immer weißer.“ (Helligkeit wird mehr und Kontrast weniger.) Auch ein sinnvoller Satz, meine ich.
in einer sehr anständigen Kneipe. Kaum hattest Du Dein Glas leer getrunken, fuhr
das nächste auf. Und eins war voller wie das andere. Manchmal standen gleich
mehrere gleichzeitig auf dem Tresen. Da griff ich mir dann immer das vollste. Und
als wir nach Hause gingen, da war ich am allervollsten …
Wie würde diese kleine Geschichte nach Deiner Regel lauten?
Wie würde diese kleine Geschichte nach Deiner Regel lauten?
Das ist jetzt aber keine ernst gemeinte Frage oder Aufforderung, oder etwa doch?
Ich war einmal in einer sehr anständigen Kneipe. Kaum hattest Du Dein Glas leer getrunken, fuhr das nächste auf. Und eins war gefüllt bis zum Rand und das andere lief über. Manchmal
standen gleich mehrere gleichzeitig auf dem Tresen. Da griff ich mir dann immer das mit dem größten Inhalt. Und als wir nach Hause gingen, da war ich von allen der am meisten Besoffene.
Das hättest du aber auch alleine hingekriegt, dessen bin ich mir gewiss, selbst wenn du einen neuen Rekord an Promilleanteilen von Alkohol im Blut gehabt hättest.
inzwischen ist diese Sprachverhuddelung juristisch abgesegnet.
Ein Mensch, der die ‚vernünftig‘ formuliertes Zeugniss erhielt, klagte und begründete es mit dem Argument, daß ‚Zu unserer vollen Zufriedenheit‘ eben kein ‚sehr gut‘ (wie es der Schreiber formulieren wollte) sei, weil inzwischen besagte Floskel üblich wäre.
Das ist jetzt aber keine ernst gemeinte Frage oder
Aufforderung, oder etwa doch?
Nun - Du hast sie auf jeden fall ernst genommen … . Ich wollteauch nur, dass
sie mal anders geschrieben da steht, damit man sieht, dass ein hundertprozentig
richtiger Text nicht immer gleich gut klingt oder gleich flüssig über Lippen oder
Tasten geht. Es hat halt nichts mehr mit Umgangssprache zu tun, von der ja immer
gesagt wird, sie zeige die Weiterentwicklung der Sprache auf und sei morgen die
Regel.
Ich war einmal in einer sehr anständigen Kneipe. Kaum
hattest Du Dein Glas leer getrunken, fuhr das nächste auf. Und
eins war gefüllt bis zum Rand und das andere lief über.
Manchmal
standen gleich mehrere gleichzeitig auf dem Tresen. Da griff
ich mir dann immer das mit dem größten Inhalt. Und als wir
nach Hause gingen, da war ich von allen der am meisten
Besoffene.
Das hättest du aber auch alleine hingekriegt, dessen bin ich
mir gewiss, selbst wenn du einen neuen Rekord an
Promilleanteilen von Alkohol im Blut gehabt hättest.
Na ja, mit Plomilll… wär das sicher nicht gut gegangen . Sicher kann ich Dir
mindestens fünf Versionen liefern, die alle sprachlich korrekt wären - trotzdem
meine ich, dass man sich an volleren oder gar vollsten Gläsern nicht stoßen
sollte (man könnte sonst was verschütten … )
Gruß
Bolo