Hallo Ulla,
Ob dabei nun Fruchtzucker auf die eine oder andere Art im
Körper verstoffwechselt wird, …
Da war irgendwas mit Insulinausschüttungen, die in dem einen Fall stattfinden, im anderen nicht o. ä… Leider weiß ich es in Wirklichkeit nicht wirklich, und konnte es bisher auch nicht in Erfahrung bringen, was da genau vor sich geht, obwohl ich mich schon oft und bei vielen Stellen danach erkundigt habe.
Ich hab fast das Gefühl, hier soll der
Zuckerkonsum in gewisser Weise gerechtfertigt werden.
Das habe ich schon öfter bemerkt, dass es ziemlich starke Aggressionen auslöst, wenn man auf Haushaltszucker verzichten will.
Meine Kinder haben in den ersten beiden Lebensjahren keinen Haushaltszucker bekommen. Es gab wirklich keinerlei Probleme, wenn man von den Mitmenschen absieht, die z. T. wirklich Wutanfälle gekriegt und so getan haben, als würde ich den Kindern etwas sehr sehr Schlimmes damit antun.
Es ist aber nicht so. Wer keinen Haushaltszucker zu sich nimmt, empfindet einen sehr hohen Genuss beim Verzehr von Obst und anderen Dingen. Das Geschmacksempfinden dafür wird durch Süßigkeitenkonsum stark eingeschränkt.
Natürlich wollten sie auch Kekse essen, wenn sie andere Leute Kekse essen gesehen haben. Sie wollten aber auch Schnaps trinken, wenn sie das bei anderen gesehen haben, oder Chilischoten.
Es gibt ja Kinder, die dürfen aus gesundheitlichen Gründen keine Süßigkeiten zu sich nehmen. Die kriegen das ja auch hin, ohne seelischen Schaden zu nehmen, obwohl sie teilweise von manchen Gemeinschaftsnaschereien ausgeschlossen sind.
Es geht doch gar nicht darum, Zucker zu verteufeln. Aber es
ist schon interessant darüber nachzudenken, ob der enorme
pro-Kopf-Zuckerverbrauch in den westlichen Industrieländern
nebst allen damit in Verbindung stehenden Krankheiten allein
auf die natürliche Lust auf Süßes zurückzuführen ist, oder ob
da nicht auch ein gutes Stück Gewohnheit/Erziehung/Werbung
etc. eine wichtige Rolle spielt.
Bestimmt die Werbung. Ich glaube, die Wirkung der Werbung auf sich selbst (und damit auch auf andere) unterschätzt man immer maßlos. Ich denke, dass die besten Psychologen in der Werbung beschäftigt sind, und dass die einige Tricks auf Lager haben, uns zu beeinflussen, ohne dass wir das merken.
Wir lassen
unsere Kinder naschen, achten aber auf ein verträgliches Maß
(das deutlich unter den Naschgewohnheiten vieler anderer
Kinder liegt), …
Bei uns am Ort ernähren sich sehr viele morgens von Schokolade (Nutella und Kakao), in der Schule einen Müsliriegel (soll ja gesund sein), nach einem geringfügigen Mittagessen irgendeine opulente Nachspeise, nachmittags Kuchen und die ganze Zeit dazu gesüßte Getränke.
Das führe ich schon auf die Werbung zurück. Vielen Leute ist es ja offensichtlich nicht klar, dass Nutella und Kakao eigentlich fast das gleiche wie Schokolade ist, obwohl man es ja eigentlich sieht.
Als jemand in der Grundschule meiner Kinder mal Leitungswasser trinken wollte, wurde ihm von Mitschülern gesagt, das sei giftig.
Das mit dem „giftig“ hat sich wohl die Mutter ausgedacht, weil sie das Kind dringend davon abhalten wollte, Leitungswasser zu trinken. Aber warum wollte sie das? Es ist irgendwie peinlich. Und wieso? Es sind ziemlich viele Dinge irgendwie peinlich, die umsonst oder sehr billig, aber sinnvoll sind. Ich denke doch, dass da die Werbung dahinter steckt, dass man es so empfindet.
Meine Tochter, die nichts anderes mochte als Leitungswasser (welches hier bei uns eine sehr gute Qualität hat), hat es immer heimlich getrunken (aus einer Trinkflasche, so getan, als sei es irgendwas Gekauftes), weil sie nicht „unnormal“ sein wollte.
Außerdem setzen wir Naschwerk nicht zu
Belohnungszwecken, zur Überbrückung von Langeweile oder zum
Trost ein, um hier einer Gewohnheit oder Erwartungshaltung
vorzubeugen.
Das mache ich auch so. Mir war auch klar, dass die Kinder spätestens im Kindergartenalter nicht mehr von Süßigkeiten fern gehalten werden können. Es hat sich bei uns aber wohl doch eine Gewohnheit eingeschlichen. Am Nachmittag, zu dem Zeitpunkt, als sie als Kleinkinder immer einen Apfel gegessen hatten, waren dann anstattdessen Süßigkeiten angesagt. Es ist wirklich sehr schwierig, das hinzukriegen, finde ich.
Viele Grüße Thea