Zugverbindungen in der Ukraine

hallo ihr,

weiß jemand, wie es mit der zugverbindung in der ukraine bestellt ist? wo könnte ich da mal nachschauen, wenn ich nicht mal die kyrillischen buchstaben lesen kann?

konkret geht es um eine verbindung von kiew nach roshischtsche (bei luc’k). mit dem auto sind es ca. 400 km, aber ich fliege nach kiew, habe also kein auto zur verfügung.

wenn das nicht so ohne weiteres zu schaffen ist, würde ich überlegen, ob ich nicht im sommer, wenn ich (diesmal mit auto) in masuren bin, rüber fahre. von warschau aus sind es auch ca. 400 km.

wer kennt sich aus, wer kann mir raten?

es grüßt
ann

Servus Ann,

die Auskunft der Deutschen Bahn

http://reiseauskunft.bahn.de

wird inzwischen von vielen ausländischen Bahnen mindestens so gut oder besser versorgt als Cooks Continental Timetable. Eine Anfrage dort (die Eingabe von ähnlichen Umschriften „sh“, „sch“ etc.) führt zu dem Ergebnis, dass es für diese Relation zwei umsteigefreie Verbindungen gibt: Einen Nachtzug, der etwa 11h braucht, und einen tagsüber, der die Strecke in gut neun Stunden bewältigt. Der Nachtzug scheint allerdings nicht mit Schlafwagen versehen zu sein, was aber angesichts der vielen Zwischenhalte (und entsprechend vielen Kontrollen) auch nix bringen würde.

Die Print-Ausgabe von Cooks Continental Timetable ist im Deutschen Bahnhofsbuchhandel mit einem Umschlag in DB-Farben als „Kursbuch Europa“ zu haben, da stehen die Tabellen für die Ukraine, Belorus und das Baltikum ab Seite 500 und ein paar.

Der Nachtzug ab Warschau braucht übrigens nicht wesentlich länger und ist eventuell etwas zuverlässiger. Und gegen 22h ab Berlin-Lichtenberg ist man am Spätnachmittag des Folgetages auch da (Nachtzug Berlin-Kiev, dieser mit Schlafwagen 2. Klasse versehen).

Schöne Grüße

MM

danke martin,

ich wäre jetzt gar nicht auf die idee gekommen, bei der DB zu gucken! :smile:

Der Nachtzug ab Warschau braucht übrigens nicht wesentlich
länger und ist eventuell etwas zuverlässiger. Und gegen 22h ab
Berlin-Lichtenberg ist man am Spätnachmittag des Folgetages
auch da (Nachtzug Berlin-Kiev, dieser mit Schlafwagen 2.
Klasse versehen).

wir haben schon den flug hin und zurück gebucht, nachdem wir im oktober saumäßig schlechte erfahrungen mit dem schlaf- und liegewagen ffm - berlin gemacht haben (auaweh!)

warum kennst du dich mit dem osten so gut aus? (frage gestellt mit dem hintergedanken, daß ich mich vielleicht mit anderen, noch auftauchenden fragen an dich wenden könnte. :wink:

vielen dank nochmal
ann

Servus nochmal,

warum kennst du dich mit dem osten so gut aus? (frage gestellt
mit dem hintergedanken, daß ich mich vielleicht mit anderen,
noch auftauchenden fragen an dich wenden könnte. :wink:

  • „Alte Liebe“?

Da ist bei mir leider nichts Ordentliches zu holen. Südosten (Ungarn, Rumänien) eher, aber sonst bisher bloß Warszawa und von dort aus Oswiecim.

Der „weite Osten“ und vor allem der Nordosten, Masuren, Baltikum, die weißen Nächte etc. sind bisher alles Kopfgeburten, die ich mich ohne den großen Andreas, der in Leningrad studiert hat und gut mit Russen trinken kann, nicht zu unternehmen traute. Vermittelt über diesen - der heute wieder u.a. in Belorus und der Ukraine als Anlagenbauer unterwegs ist, mit oder ohne VEB Kranbau Eberswalde - sind vielleicht einzelne Infos zu kriegen.

Schöne Grüße

MM

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Hallo Ann und Martin,

ich habe einmal zum Spass auf den ‚entsprechenden‘ ukrainischen und russischen Seiten gesucht und bin (wenig überraschend) zum selben Ergebnis gekommen - auf http://www.poezda.net/en/web gibt’s das sogar in Englisch. Aber wie schon gesagt: alles was sich dort findet, kann die DB-Seite auch.

Der Nachtzug scheint allerdings nicht mit
Schlafwagen versehen zu sein, was aber angesichts der vielen
Zwischenhalte (und entsprechend vielen Kontrollen) auch nix
bringen würde.

Ich kenne diesen Zug nicht und bin nie in diese Richtung gefahren (meine ukrainische Freundin auch nicht, soviel ich weiss), aber denke, das es praktisch nur Schlafwägen gibt. Wobei Schlafwagen etwas übertrieben ist.
Da der Nachtzug um 20:36 ein Passagierzug (Пассажирский) ist, verfügt er wahrscheinlich nicht über ‚СВ‘ (vergelichbar mit Schlafwagenabteilen), wohl aber über die Kategorien ‚купе‘ (Coupé; in etwa ein Liegewagen mit vier Betten) und ‚плацкарт‘ (Platzkarte; in Russland eher ein fahrender Schlafsaal). Falls es denn Sitzplätze (общий) gibt, sind sie kaum empfehlenswert…
Der Zug um 6.41 kommt (als Nachtzug) von Moskau und ist auch ein Zug höherer Kategorie und verfügt daher wahrscheinlich über alle Kategorien.
Nächtliche Störungen gibt es fast immer (nicht nur in der Ukraine), Kontrollen sind aber selten, da wie in Europa jeder Waggon begleitet ist. Während in Mitteleuropa - jedenfalls auf ‚meiner‘ Strecke - der Liegewagen-Schaffner jedoch bisweilen gesucht werden muss, wird in der Ex-Sowjetunion konsequent am Eingang kontrolliert. Im Zug beschränkt sich das Wirken der (meist) Damen dann auf Teekochen. Auch Polizeikontrollen im Zug sind meiner Erfahrung nach nicht häufiger als etwa in Italien.

Der Nachtzug ab Warschau braucht übrigens nicht wesentlich
länger und ist eventuell etwas zuverlässiger.

Da bin ich mir nicht einmal sicher. Die Züge mögen langsam fahren und nicht sonderlich toll aussehen, aber sie fahren. Bezüglich Zuverlässigkeit und Pünklichkeit fahren sie besser als ein deutscher ICE (jedenfalls wenn ich in letzterem sitze…)

Schöne Grüße und viel Spass in der Ukraine (endlich ohne Visum),

Bernd

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Servus Bernd,

die Geschichte mit der Begleitung von Schlafwagen schien mir erwähnenswert, weil ich im Prag-Bukarest zu meiner Überraschung feststellen musste, dass das im Madrid-Paris genauso wie im Frankfurt-Paris oder sonstwo „im Westen“ übliche Überlassen von Fahrausweis und Identitätspapieren an den Schlafwagenbegleiter dort überhaupt nicht zur Debatte stand: Ich glaube nicht, dass dem Schlafwagenbetreuer die dafür prophylaktisch hingeschobenen fünf Euro zu viel (ergo verdächtig) schienen, sondern dass er sich das einfach nicht vorstellen konnte. Die Grenzer aus der Slowakischen Republik haben dann, um schnell fertig zu sein, dafür gesorgt, dass man sie schon aus dem übernächsten Wagen deutlich hören konnte, so dass bei ihrem tatsächlichen Nahen ziemlich viel später jeder garantiert wach war.

Nicht selbst erlebt, aber aus „verlässlicher Quelle“ die Sache aus dem Schlafwagen Frankfurt/M-Moskau, der unbegleitet und auf diese Weise ohne jeden Schutz vor Schaffnern, Grenzpolizei usw. fuhr, weil die beiden Betreuer auf der Hinfahrt irgendwas mitgebracht hatten, was sie nicht hätten mitbringen sollen, und in Frankfurt beide hoppgenommen worden waren…

Ach, und der deutsche ICE als Maßstab: Den kann man wohl, was Verlässlichkeit betrifft, mühelos toppen. Von der CH aus sowieso. In wehmütiger Erinnerung an den legendären Ruf deutscher Fahrpläne, den diese sich ja auch irgendwann irgendwie erworben haben.

Schöne Grüße

MM

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Hallo!

weiß jemand, wie es mit der zugverbindung in der ukraine
bestellt ist? wo könnte ich da mal nachschauen, wenn ich nicht
mal die kyrillischen buchstaben lesen kann?

Also die Zugverbindungen in der Ukraine sind sehr gut. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion wesentlich besser voran als bei uns in Westeuropa. Die Seite www.poezda.net wurde ja schon erwähnt. Was die kyrillischen Buchstaben anlangt muss ich sagen, dass du diese auf jeden Fall lernen solltest. In der Ukraine findest du nämlich außer auf dem Bahnhof in Kiev keine Aufschriften auf Bahnhöfen in lateinischer Schrift. Außerdem wirst du sicher in Kiev mit der U-Bahn fahren wollen - da sollte man ebenfalls kyrillisch lesen können. Es ist übrigens wirklich nicht schwer zu lernen, anfangs liest man etwas langsam, aber das geht dann schon.

konkret geht es um eine verbindung von kiew nach roshischtsche
(bei luc’k). mit dem auto sind es ca. 400 km, aber ich
fliege nach kiew, habe also kein auto zur verfügung.

Sicher kein Problem mit dem Zug.

wenn das nicht so ohne weiteres zu schaffen ist, würde ich
überlegen, ob ich nicht im sommer, wenn ich (diesmal mit auto)
in masuren bin, rüber fahre. von warschau aus sind es auch ca.
400 km.

Das ist sicher zu schaffen, aber bedenke, dass man in diesen Ländern mit dem Auto wesentlich langsamer voran kommt als bei uns. Dafür ist der Treibstoff wunderbar billig (also letzten Sommer in Kaliningrad habe ich so 40 Cent pro Liter bezahlt).

wer kennt sich aus, wer kann mir raten?

Ich würde jedenfalls die Zugtickets erst in der Ukraine kaufen. Die Tickets bekommst du am Bahnhof oder aber wenn du nicht ukrainisch oder russisch kannst, auch in Reisebüros. Die einzige Kunst beim Ticketkauf am Bahnhof besteht eigentlich nur darin, den richtigen Schalter zu finden, der einem Tickets verkauft (ich z.B. kann zwar russisch, hab mich aber mit den ukrainischen Aufschriften dann verhaut und war zweimal am falschen Schalter in Kiev). Achtung: Tickets sind zuggebunden, man kann also mit einem Ticket nur mit einem bestimmten Zug fahren!

Die Qualität der Züge ist meistens gut, auch der Service ist meistens gut. Die Ukraine sind generell wesentlich besser darauf eingestellt, mit öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs zu sein als wir. Langstreckenzüge fahren generell als Nachtzüge. Am besten du wählst entweder 4er Schlafwagen (kupe) oder 2er Schlafwagen (spalnyi).
Allgemein kann man von folgendem ausgehen: je niedriger die Zugnummer, desto höher die Qualität der Züge!

Ach ja, da gibt es noch zwei Konventionen, die man kennen sollte: die Abteile sind nicht nach Geschlechtern getrennt. Wenn Damen sich umziehen wollen, dann gehen die Herren einfach auf den Gang und umgekehrt. Weiters ist es üblich, sich auf längeren Strecken Essen mitzunehmen und das Essen zu teilen. D.h. es kommt alles auf den Tisch und man isst gemeinsam.

Gruß
Tom

Gruß
Tom

danke! :smile:
hallo tom, ich bin ja ganz begeistert, was ihr so alles wißt.
wenn man so liest, was du vom zugfahren schreibst, bekommt man richtig lust darauf. sicher ein erlebnis.

kyrillische buchstaben werde ich wohl lernen müssen. ich habe zum glück einen nachhilfelehrer dabei.

(also letzten
Sommer in Kaliningrad habe ich so 40 Cent pro Liter bezahlt).

kaliningrad! ich wollte eigentlich letzten sommer dorthin, aber die zeit hat nicht gereicht, weil wir in großem bogen über masuren, tschechei, slovakien und österreich nach bayern gefahren sind, wo wir termine hatten.

wie ist kaliningrad? dumme frage, ich weiß. ich meine nur: sollte man es mal gesehen haben? (ich merke schon, diese frage nicht wesentlich klüger. aber wenn dir etwas besonderes zu dieser stadt einfällt, wirst du es mir bestimmt sagen, oder?

viele grüße
ann

vielen dank an alle
ihr habt mir sehr geholfen!
ich werde mir den ganzen thread abspeichern, da stecken so viele interessante infos drin.

herzliche grüße
ann

Hallo!

kaliningrad! ich wollte eigentlich letzten sommer dorthin,
aber die zeit hat nicht gereicht, weil wir in großem bogen
über masuren, tschechei, slovakien und österreich nach bayern
gefahren sind, wo wir termine hatten.

wie ist kaliningrad? dumme frage, ich weiß. ich meine nur:
sollte man es mal gesehen haben? (ich merke schon, diese frage
nicht wesentlich klüger. aber wenn dir etwas besonderes zu
dieser stadt einfällt, wirst du es mir bestimmt sagen, oder?

Ja man sollte es mal gesehen haben. Man sieht, was ein sinnloser Krieg und Diktaturen so anrichten können. Landschaftlich ist das Gebiet übrigens sehr schön, man sollte daher jedenfalls mit dem Auto dort unterwegs sein.

Gruß
Tom

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