Zukunft beeinflusst Gegenwart

Hallo,

bei der Umkehrung der zeitlichen Abfolge von Ursache und
Wirkung kam mir ein Beispiel in den Sinn:
Ich besitze ein bestimmtes Wissen, mit dem ich vorab in die
Zukunft gerichtet vermuten kann, welche Wirkungen meine
jetzigen Taten hätten. Nach den angenommenen Wirkungen in der
Zukunft entscheide ich mich jetzt, was ich tue.
Jetzt kann man natürlich einwenden: Die Zukunft ist aber noch
nicht real und deshalb als Ursache für mein Handeln nicht
gültig.
Ich antworte darauf aber, dass es sehr realitätsnahe
Einschätzungen der Zukunft geben kann. Bsp: Ich nehme an,
dass, wenn ich jetzt Wasser auf den Boden gieße, dieser
danach, also in der Zukunft, nass sein wird. Wenn ich also in
5 Min. den Boden nass haben möchte, werde ich mich jetzt
entschließen, schon mal den Eimer zu füllen, um das dann auch
erledigen zu können.

weil ich nur sehr wenig Zeit habe, hier vorerst eine Kurzantwort.
Ursache ist im Beispiel nicht die Zukunft, sondern die Vorstellung von der Zukunft. Mit anderen Worten: Das Wort „Zukunft“ wird in zwei unterschiedlichen Bedeutungen gebraucht, und daher entsteht die Verwirrung.

Gruß

Thomas Miller

Hallo,

vielen Dank für den wichtigen Hinweis! Ich werde also doch mal die empfohlene Literatur zu Rate ziehen müssen, um die korrekten Definitionen zugrunde legen zu können, wenn ich weiter drüber nachdenken möchte. Es wird mich also nur eine gedachte und keine Leibnitzsche Zukunft dazu bringen, jetzt die Bücherei zu stürmen :wink:.

Beste Grüße
Sylvia

Hallo,

um allem Zynismus, der in der Antwort trotz Smiley immer noch stecken könnte, den Wind aus den Segeln zu nehmen, ein Beispiel:

  1. Dieser Schreibtisch ist weiß.
  2. Weiß ist eine Farbe.
  3. Also: Dieser Schreibtisch ist eine Farbe.

Der Ausdruck „weiß“ wird hier in zweifacher Bedeutung verwendet, einmal in der objektsprachlichen Bedeutung - „weiß“ als Eigenschaft -, das andere Mal in metasprachlicher Bedeutung - „weiß“ ist ein Ausdruck für ein bestimmte Art von Licht.

Genauso ist es bei dem Beispiel mit der Zukunft. Einmal wird die Zukunft in wirklicher Bedeutung und das andere Mal in Bedeutung genommen.

Ist der Vergleich für dich verständlich oder nicht?

Fragt

Thomas Miller

P. S.

Es wird mich also nur eine
gedachte und keine Leibnitzsche Zukunft dazu bringen, jetzt
die Bücherei zu stürmen :wink:.

Zur Meinung von Leibniz will ich mich - erstmal - nicht äußern, da ich nicht weiß, woher das Zitat stammt.

P. P. S.
Hallo Claudia,

viele Grüße. Ich hoffe, du bist nicht beleidigt, weil ich - aus Zeitgründen - diesen Text nur einmal poste.

Grüße an euch beide.

Thomas Miller

Hallo Thomas

Genauso ist es bei dem Beispiel mit der Zukunft. Einmal wird
die Zukunft in wirklicher Bedeutung und das andere Mal
in Bedeutung genommen.

Ist der Vergleich für dich verständlich oder nicht?

Ja, der Vergleich ist ganz klar und überhaupt nicht zynisch!

Zur Meinung von Leibniz will ich mich - erstmal - nicht
äußern, da ich nicht weiß, woher das Zitat stammt.

Dann hatte ich das vorher falsch gedeutet, also forumliere ich um: Ich bin auf Grund einer angenommenen Zukunft in die Bücherei gestürmt … und habe kein passendes Buch gefunden.

Herzlichen Dank
Sylvia

Hallo,

wieder ist meine Antwort kurz:

siehe Re: Nr. 3: Mein Hinweis auf Schopenhauer.

Leider nur kurze Grüße

Thomas Miller

Hallo,

leider wieder in aller Kürze:

reicht das lineare denken nicht aus, man muß auch vernetzt
denken können.

wieso meinst du das?

Gruß

Thomas Miller

Hoimar von Dittfurth
Hallo Thomas,

reicht das lineare denken nicht aus, man muß auch vernetzt
denken können.

wieso meinst du das?

die Idee vom vernetztem Denken habe ich von dem verstorbenen Wissenschaftler Dittfurth (weiß nicht mehr wie man ihn richtig schreibt), die ich bisher sehr hilfreich fand.
Als mein Mann und ich uns selbstständig gemacht haben, gab es vieles zu bedenken, wenn wir in der Zukunft Erfolg haben wollen.
Unsere Überlegungen gingen also nicht nur in die wirtschaftliche Richtungen (Kredite, Standortbestimmung, unsere Angebote des Dienstleistungumfangs usw.), sondern auch in viele Bereiche, die uns als Menschen betrafen: sind wir gesund und halten viel Arbeit durch? wovon leben wir? wer kümmert sich wann um die Kinder? wieviel Zeit räumen wir unserer Freizeit ein? usw. Viele der letzten Überlegungen greifen mittelbar in die wirtschaftlichen Bereiche ein. Würde ich sie außer acht lassen - vor lauter Arbeit wird einer von uns oder der Kinder krank, bleiben Aufträge liegen - könnte mein Erfolg in der Zukunft gemindert werden oder tritt später ein.
So habe ich das gemeint.
viele Grüße
Bombenwetter heute - schätze wir werden heute in unseren Schrebergarten fahren.
Schönes Wochenende
Claudia

  1. jeder hat eine andere vergangenheit
  2. wer heute ein schmerzhaftes ereignis aus seinem Gehirn"löscht"
    hat in seine vergangenheit eingegriffen und
  3. damit vom jetzt in die verganbgenheit und die zukunft
    eingegriffen ( nicht zu vergessen das heute die zukunft
    vom gestern ist!

Nashino

Darum geht es, glaube ich, weniger, weil auch dies ein eindeutiger Kausalzusammenhang ist, bei dem eine zukünftige Handlungsmöglichkeit von Erfahrungen aus der Vergangenheit abhängt.

Andere Kausalzusammenhänge sind natürlich denkbar, da unser Denken und Handeln nicht nur von Erfahrungen in der Vergangenheit bestimmt wird, sondern auch von Erwartungen an die Konsequenzen unseres gegenwärtigen Handelns. Formal-logisch lässt sich das einfach ausdrücken: y(t) = f(x(t-n),x(t+m)).

Ein ganz banales Beispiel: Du bewirbst Dich für eine neue Arbeitsstelle. Die ursprünglich Motivation für Deine Bewegung mag in der Vergangenheit liegen, die Ursache für die Bewerbung für diese spezielle Arbeitsstelle liegt aber in dem, was Du zukünftig von dieser Stelle erwartest.

Hallo,

dein Begriff von „Kausalität“ ist zu weit gefasst.

Formal-logisch lässt sich das einfach ausdrücken: y(t) =
f(x(t-n),x(t+m)).

Hier handelt es sich entweder um einen logischen oder einen mathematischen Grund (je nachdem, ob man die Interpretation des 19. oder die des 20. Jahrhunderts zugrunde legt, in beiden Fällen aber nicht um Kausalität)

Ein ganz banales Beispiel: Du bewirbst Dich für eine neue
Arbeitsstelle. Die ursprünglich Motivation für Deine Bewegung
mag in der Vergangenheit liegen, die Ursache für die Bewerbung
für diese spezielle Arbeitsstelle liegt aber in dem, was Du
zukünftig von dieser Stelle erwartest.

Nur das erste nennt man Kausalität, das zweite heißt „Teleologie“ (Zielgerichtetheit) und hat einen anderen logischen Status (schon bei Aristoteles).

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo, Phillip!

Ich meine, dass das hochinteressant ist. Dass nachträglich geänderte Handlungen/Geschehnisse/… in der Vergangenheit die Zukunft beeinflussen, ist plausibel und einleuchtend.
Die Zukunft kann auch sehr wohl auf die GEISTLICHE Vergangenheit der Menschen wirken. Gerät etwas zum Beispiel langsam in Vergessenheit, so kann jemand die Ereignisse der Vergangenheit willkürlich oder unabsichtlich ändern und damit die Vergangenheit in den Köpfen der Menschheit ändern.

Von einem gewissen Standpunkt aus gesehen ist eine Veränderung der Vorkommnisse in längst vergangener Zeit durchaus möglich.

Hallo Phillipp,
bin heute durch „Zufall“ hier gelandet und stelle fest, dass alle Gedanken sich um Verknüpfung von Vergangenheit und Zukunft drehen. Ein wichtiger Begriff wurde bisher nicht beachtet: Zufall – in der leibnitzschen These als Ereignis, dessen Ursache in der Zukunft liegt.
Wie definiere ich nun Zufall? Ich las vorhin die Definitionsversuche im Brockhaus nach: Zufall entweder nur die Einschätzung eines Noch – nicht – Wissens oder einer prinzipiellen Unwissbarkeit? Letzterem widersprachen Einstein (Gott würfelt nicht) und A. Schweitzer (Zufall ist der Name des lieben Gottes, wenn er inkognito bleiben möchte). Aus religiöser Sicht wird oftmals davon ausgegangen, dass es keinen Zufall gibt. Alles, was dem Menschen begegnet, manifestiert sich demnach als wirkendes Sinngeschehen, durch das er in seinem Handeln und seiner Selbstdeutung zu einer Antwort herausgefordert ist.
Einen Zusammenhang von Zukunft und Zufall fand ich dort nicht. Ich halte es aber für möglich, dass nach Einbeziehung von Relativitätstheorie und Quantentheorie in unser Denken auch ein anders definierter Zeitbegriff gefunden werden könnte. Möglicherweise existieren unterschiedliche Zeitbegriffe nebeneinander in unterschiedlichen Seinsbereichen? Wer weiß?

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Claudia,

sorry, dass ich erst so spät antworte, aber ich habe diesen Diskussionsstrang irgendwie aus den Augen verloren. Hier nun endlich doch meine Antwort:

Vernetztes Denken setzt lineares Denken voraus. Die einzelnen Stränge müssen schon linearem Denken entsprechen. Sonst bekommt man eine Art „assoziatives“ Ergebnis (wie ich es zum Beispiel im Denken von Capra sehe, falls du seine Bücher kennst - wer Ditfurth kennt, liest oft auch Capra).

Dieses Denken hat zwar wohl seine Berechtigung, ist aber im Ergebnis spekulativer als das lineare Denken, also nicht unbedingt logisch. Nun muss nicht jedes Denken logisch sein, aber man erzielt mit logischem Denken - aus meiner Sicht - einfach die besseren Ergebnisse.

Beispiel: Du machst dich selbständig und bringst die Dinge, die du zu tun hast, in eine entsprechende Reihenfolge. Das ist im Grunde genommen lineares Denken, eben das Denken in einer Reihe (!).

Das Problem liegt darin, dass wir die Mechanismen von vernetztem Denken (Literatur: Norbert Wiener, Kybernetik, engl. 1948, dt. 1963) nicht auf einfache Weise beschreiben können, weil die Ebenen, die aufeinander wirken, oft einen zu hohen Grad der Komplexität erreichen. Diese Komplexität lässt sich aber - im Prinzip - immer auf lineares Denken zurückführen, wenn das auch - in der Realität - nicht in jedem Fall machbar ist (z. B. aus Zeitgründen). Daher verläuft ja die Gehirnforschung so langsam, weil wir das vernetzte Denken nur auf der einfachen Ebene der Linie beschreiben können und die Beschreibung der Vernetzung bei höherer Komplexität nicht gelingt. Das ist aber kein prinzipielles, sondern ein Darstellungsproblem.

Summa: Im vernetzten Denken werden lineare Denkstränge in der Weise vernetzt, dass man sie miteinander verbindet und die Übersicht verliert. Gleichwohl kann ein Ergebnis durchaus positiv sein. Daraus aber zu schließen, dass vernetztes Denken tatsächlich prinzipiell anders verläuft als lineares Denken, ist ein Fehlschluss.

Herzliche Grüße
und nochmal eine dicke Entschuldigung für die Verzögerung

Thomas Miller

es ändert sich aber nur das bild, der eindruck, die erinnerung des vorfalls, des ereignisses. das ereignis selber bleibt unverändert.

gruss marian