Guten Morgen,
So wie ich das verstanden habe, konnte von „Wollen“ keine Rede
sein. Frenzel musste letztendlich dem Druck der Aktionäre
(insbes. Großaktionär Fredriksen) nachgeben.
Sicherlich gibt bzw. gab es auch von der Kapitalmarktseite einen gewissen Druck.
Letztlich hat jedoch der Vorstand strategische Entscheidungen zu treffen und ggü. dem Aufsichtsrat zu vertreten. Hier gab es aber, soweit mir bekannt, nie größere Unstimmigkeiten.
Auch hier gilt die Volksweisheit, dass man "die Hand die einen füttert " nicht beißen sollte. Die HL ist ein wesentlicher Umsatzgenerator und es kann nicht im Interesse und schon gar nicht in demjenigen von langfristig orientierten Großanlegern liegeen, diesen zu verkaufen.
In 2006 stand die HL an vierter Stelle der weltweit größten Container-Reedereien. Durch CP-Ships wird es sich aber keinesfalls verschlechtert haben. Auf einem Symposium hat Frenzl mal gesagt, dass „es fahrlässig wäre“ diesen Markt nicht auszubauen und professionell zu bewirtschaften. Ich denke, dass solche Aussagen gegen eine völlig Abspaltung sprechen, zumal der TUI Konzern momentan ja auch nicht in einer Schieflage steckt, die eine solche Transaktion erforderlich werden ließe.
Was aber, wenn ausländische Interessenten mehr Geld bieten,
als besagte Investorengruppe? Würde man nicht an den
Meistbietenden verkaufen um möglichst viele Schulden abzubauen
oder eine Sonderdividende zu zahlen? Inwieweit kann die
Arbeitnehmerseite eine solche Entscheidung beeinflussen?
Also zunächst muss man sehen, dass selbst bei einer Übernahme durch ausländische Investoren nicht sofort gemutmaßt werden muss, dass der Firmensitz ins Ausland verlegt wird.
Hier habe ich ja bereits das Argument gebracht, dass Hamburg für die Seeschifffahrt so ziemlich das ist, was Newy York für die int. Finanzmärkte darstellt.
Zu den ausländischen Investoren. Wenn es zu einem größen Einstieg kommt, dann wird dieser wohl eher strategischer Natur sein. Sprich, dann wird ein direkter Konkurrent einsteigen. Warum ?
Ausländische Investoren, wie etwa Hedge-Funds oder Private Equity Gesellschaften werden zur Zeit nur schwer die finanziellen Mittel zusammenbekommn, die sie einsetzen müssten, um die HL zu übernehmen. Fremdkapital ist momentan kaum in dieser Größenordnung kaum verfügbar.
Was die Fusion mit direkten Wettbewerbern angeht, so müsste man mal sehen. Moeller Maersk dürfte an de Kartellbehörden scheitern. Der andere Wettbewerber ist ich MSC (auch noch vor HL) könnte rein theoretisch ein Angebot abgeben. Allerdings kann das gleiche auch für HL gesagt werden, weil beide nicht so weit auseinander liegen.
Die Arbeitnehmerseite könnte hier nur bedingt eingreifen. Es spielt sich dann alles im Aufsichtsrat ab, wobei die Machtverhältnisse hier wohl durch die Kapitalgeberseite determiniert sein sollten. Bei einem strategischen Zusammenschluss sollten allerdings mehr Jobs in Gefahr sein als bei einer reinen Beteiligung/ÜBernahme durch Finanzinvestoren. Letztere schließe ich aber eher aus wie gesagt.
Schließlich muss man sehen, dass Hamburg für Finanzierungen im
Bereich der Schifffahrtsbranche die erste Adresse weltweit ist.
Nirgends sind mehr Fonds angesiedelt als dort.
Spielt das für diesen Fall eine Rolle?
Wie gesagt, es geht das ums Prestige und Präsenz. Wenn die anderen Wettbewerber auch in HH vertreten sind und den Kontakt zu ihren Schiffsfinanzierern (Leasingsgesellschaften) suchen, dann ist das schon ein gewichtiger Punkt. Man muss ja auch sehen, dass steuerlich die Situation auf Grund der Tonnagesteuer für Unternehmen in Deutschland sehr günstig ist.
VG
Sebastian