Zukunftsentwürfe?

Gibts sowas, wird irgenwo ernsthaft drüber diskutiert, gibts etwa sogar Politiker, die sich drum kümmern?

Nachdem sich bei der Rentenmisere auf Grund der Bevölkerungsentwicklung mit immer weniger Kindern jetzt als wahr erweist, was Kritiker seit Jahrzehnten gewarnt haben und dafür verlacht wurden, sollte man sich vielleicht doch mal langsam auch um andere Bereiche kümmern.

Mit -10 Grad heute morgen und 8000 Litern im Tank ist schon ein beruhigendes Gefühl. Leider sagen die meisten Modelle in grob 10 Jahren die ersten Probleme bei der Ölversorgung voraus. Auch wenns noch 20 Jahre gut geht, wirds doch allmählich Zeit, mal drüber nachzudenken.

Was ersetzt später eigentlich unser Öl? Wind und Sonne werden kaum helfen, da man Flugzeuge und Panzer nicht mit Strom betreiben kann.

Ich habe den Eindruck, dass allgemeines Abwarten herrscht, so wie es bei der Bevölkerungsentwicklung auch jahrelang war, und wo es jezt eigentlich schon zu spät ist.

Wasserstoff soll wohl die große Alternative sein, nur Wasserstoff wird nicht aus Bohrlöchern gepumpt, sondern muß hergestellt werden, unter Einsatz von Strom. Wir brauchen dann aber nicht nur 10 AKWs, sondern vielleicht 100 in der BRD. Ich war bisher immer gegen AKWs, frage mich aber, was ist später das kleinere Übel. Ohne Öl und ohne Ersatz gehts doch wahrscheinilch schnurstracks zurück in die Steinzeit.

Gibts diesbezüglich Planungen oder Szenarien, denken da Leute drüber nach, die Entscheidungen treffen können? Oder soll ich mich besser zurücklehnen, meinen nächsten Urlaub planen und hoffen, daß schon alles irgendwie gehen wird?

Danke
Lud

Moin Saemann,

ist wohl nicht genau, was Du suchst. Aber hier diskutieren Bürger über Politik und der Inhalt dieser Diskussion soll den Politikern auch nahe gebracht werden (in wie weit dies passiert, weiss ich nicht). Und da es um die EU-Verfassung geht, ist es nicht gerade unwichtig:

http://europa.eu.int/futurum/forum/Public/ThreadList…

Ciao

Ralf

Wasserstoff
Tach Lud,

was die zukünftige Energieversorgung angeht, scheint H2 tatsächlich der Energiespeicher der Wahl zu sein. Aber wohlgemerkt nur der Energiespeicher, nicht der Energielieferant. Der Wasserstoff muß zuerst einmal gewonnen werden. Dazu gibt es mehrere Methoden. Heute wird das meiste H2 übrigens aus Kohlenwasserstoffen hergestellt. Was viele nicht wissen: Die technische Wasserstofff-Erzeugung ist der größte CO2-Erzeuger der menschlichen Gesellschaft (v.w. Treibhauseffekt!).
Sauberer wäre natürlich die von dir angesprochene Elektrolyse reinen Wassers, die jedoch sehr Energieaufwändig ist. Ein besserer Weg, der aber technisch noch nicht ausgereift ist, ist ein thermochemischer Zyklus, der Eisenchlorid als Katalysator verwendet (auch andere werden erforscht). Nichtsdestotrotz bleibt das Problem der Energieerzeugung. Kernkraftwerke sind wohl nicht das Mittel der Wahl, zumal die Vorräte an spaltbarem Uran und Plutonium auch begrenzt sind und die Endlagerfrage ungeklärt bleibt. Kernfusion wäre eine tolle Sache, klappt aber im Moment nicht ganz so, wie sie soll, scheint mir aber eine Perspektive für die zweite Hälfte unseres Jahrhunderts zu sein. Bis dahin bleibt uns vermutlich nichts anderes übrig, als die Solarzellentechnik weiter zu verbessern. In diesem Bereich sind imho in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten noch Verbesseungen im bereich von zehnerpotenzen zu erwarten, vorausgesetzt, die Forschung wird entsprechend gefördert, was aber vermutlich absolut unausweichlich ist. Dann könnten beispielsweise große Wüstenflächen mit Solaranlagen bepflanzt werden, die an Ort und Stelle H2 produzieren würden, der vermutlich effektiver transportiert werden kann als elektrischer Strom.
Dazu wäre es politisch sicherlich klug, sich als westliches Land auf jahrzehnte hinaus die Nutzungsrechte an bestimmten Wüstengebieten zu sichern, was dann als Entwicklungshilfe zu beiderseitigem Nutzen durchgeführt werden könnte.

Gruß
L.

Hallo,

bei der Energieversorgung und den sozialen Sicherungssystemen haben wir tatsächlich die Punkte absehbar erreicht, vor denen seit Jahrzehnten einsame Rufer in der Wüste warnen. Jeder hört die Warnung, aber allgemein begriffen wurde noch nicht viel. Im Moment besteht die Hauptbeschäftigung darin, den heutigen Status möglichst lange über die Runden zu retten. Einige Politiker versuchen, in den Besitz fremder Ölreserven zu kommen. An meinem waldreichen Wohnort werden immer noch fast ausschließlich Öl- und Gasheizungen installiert und verfolgt man die Tagespolitik, so sind alle Auseinandersetzungen von Besitzstandswahrung gekennzeichnet. Es soll alles bleiben, wie es ist. Strukturveränderungen sind unerwünscht, der Zwang dazu wird verdrängt. Es fehlt (noch) am Leidensdruck. Solange es noch Bewegungsspielraum gibt, wird sich nichts ändern.

Ich glaube nicht, daß es sowohl für die Energieversorgung als auch für die sozialen Sicherungssysteme jeweils nur eine einzige Maßnahme gibt. Zur Sicherstellung der Mobilität kann Wasserstoff der geeignete Energieträger sein. Dessen Erzeugung braucht aber elektrische Energie, die aus der Sonne kommen kann, aber wohl kaum in unseren Breiten. Dafür geeignete Flächen gibt es reichlich, aber leider weit weg und in politisch eher instabilen Regionen. Für die Versorgung stationärer Verbraucher läßt sich die el. Energieerzeugung aus Windkraft weiter ausbauen. Das wird aber nicht ansatzweise reichen. Die Nutzung von Biomasse von Gülle bis Holz muß weiter ausgebaut werden. Und schließlich muß sparsam mit Energie umgegangen werden, was letztlich nur über den Preis einerseits und intelligente Technik andererseits möglich ist. Der Energiepreis wird Shopping-Wochenendtouren nach London irgendwann den Reiz nehmen. Der Energiepreis wird dazu führen, daß Just-for-fun-im-Kreis-Gerase der Formel1 irgendwann als Idiotie erkannt wird. Der Energiepreis wird den Einsatz von Haustechnik auch im privaten Bereich erzwingen. Deine 8.000 Liter Heizöl im Tank sind heute noch beruhigend, sie werden Dir aber absehbar die Tränen in die Augen treiben, wenn der Liter 1 Euro oder mehr kostet. Dann lohnt es plötzlich, den Heizkörper automatisch zu sperren, wenn das darüber liegende Fenster geöffnet wird. Dann läßt man das Holz im Nutzwald nicht mehr verrotten, sondern presst es zum Verheizen zu Pellets. Dann fährt eben niemand mehr mit dem 150-PS-Auto spazieren, sondern überlegt, ob die Hälfte nicht auch reicht. Schließlich wird sich die Produktion von allen möglichen kurzlebigen Tinnef-Artikeln nicht mehr rechnen.

Im Moment ist Energie noch viel zu billig, um Entwicklungsschübe und Umdenken zu erzwingen. Das kommt aber, da bin ich ganz sicher.

Für die sozialen Sicherungssysteme gilt das Gleiche. Noch ist Geld aufzutreiben, um Veränderungen auf die lange Bank zu schieben. Auch das wird sich ändern und auch da bin ich ganz sicher. Die Stimmen der Bedenkenträger und Besitzstandswahrer werden zwangsläufig verstummen, wenn beim besten Willen kein Geld mehr aufzutreiben ist. Wie das System dann aussehen wird, weiß ich nicht. Es wird aber gewiß keine Rundumversorgung mehr sein können und es wird auf mehr Eigenverantwortlichkeit jedes Einzelnen hinaus laufen, etwa soziale Sicherung als Katastrophenschutz und was darüber hinaus gehen soll, ist Privatsache.

Gruß
Wolfgang