Hi David,
Mir ist nicht ganz klar was den Lehrer treibt Dir jetzt solch einen Rat zu geben. Es gibt den schönen Spruch „man hat erst verloren wenn man aufgibt“ und so sehe ich das auch jetzt bei Dir.
Ich meine, wie unerreichbar ist es denn die Zulassung zum Abi zu bekommen? Ist das wirklich so absolut unerreichbar daß es tatsächlich keinen Sinn macht es zu versuchen - oder gibt es noch Chancen?
Sollte da nur irgendein - und sei es ein noch so kleiner - Spielraum sein würde ich es an Deiner Stelle in jedem Fall versuchen, denn Du hast nichts zu verlieren.
Es gab zu meiner Zeit (1992) Leute, die schon ein halbes Jahr vor dem Abi mit der Lernerei anfingen. Ich tue mich schwer damit mich an einen Schreibtisch zu setzen und bewußt zu lernen - und Du kannst Dir denken welch schlechtes Gefühl man bekommt wenn man wahrnimmt wie rundum zunehmend mit der Lernerei begonnen wird, und man selber kommt nicht in die Gänge.
Ich habe - als ziemlich mittelmäßiger bis leicht unterdurchschnittlich Vorbenoteter, weil ich auch mündlich angeblich nicht genügend Einsatz gezeigt hätte - dann ungefähr 3 Wochen vor dem Abi überhaupt zum ersten Mal ein Buch in den Hand genommen, aber auch nicht für lange. Für’s 4., mündliche Fach - Biologie - habe ich 3 Tage gelernt, und das auch erst nachdem die Klausuren in den anderen Fächern gelaufen waren, und selbst diese „Lernerei“ bestand daraus daß ich mir morgens 2 Stunden lang von einem Kollegen, der Bio bei der gleichen Lehrerin als 3. Fach hatte, die wesentlichen Dinge habe erklären lassen (und manches überhaupt zum ersten Mal bewußt verstanden habe
).
Ich habe dann zwar auch kein 1er-Abi gemacht, das hätte ich aber mit mehr Lernerei auch nicht bekommen.
Was ich mit der langen Story nur sagen will: andere reden immer viel wenn der Tag lang ist, viele Lehrer reden hochgestochen und wichtigtuerisch, aber am Ende muß man selber wissen was man tut oder läßt. Ich habe trotz Minimal-Lernerei und nur mäßigem Interesse an den damaligen Schulthemen trotzdem bestanden und später fragt oft keiner mehr nach der Note, sondern nur ob man das Abi hat oder nicht…
Ich sehe es in Deinem Fall so daß Du es in jedem Fall versuchen solltest, solange Du nicht defintiv, also rein rechnerisch, keine Chance mehr hast.
Klar kann man theoretisch später zur Abendschule gehen, aber das ist ein hammerhartes Programm wenn man sowas 3 Jahre lang neben der Arbeit abends durchziehen will, und außerdem fängst Du dann ja sozusagen nochmal neu mit der Oberstufe an und kannst nicht auf dem Stand der 13.1 ansetzen, wo Du jetzt bist.
Gerade wenn Du auch noch nicht so genau weißt was Du später machen willst würde ich
- mir nicht Chancen auf Berufe, die ein Abitur erfordern, verbauen und
- nicht Zeit vergeuden indem Du dann ab Dezember plötzlich „gar nichts mehr zu tun hast“ bevor Du Wehr-/Zivildienst machen kannst.
Du mußt natürlich selber entscheiden was Du tun möchtest, vor allem erfordert „weitermachen“ daß Du eine gewisse Motivation mitbringst und es noch schaffen willst. Aber sieh es mal so: Du hast nichts zu verlieren! Anstatt es gar nicht erst zu versuchen kannst Du es einfach probieren, und wenn Du durchfällst - OK, dann hast Du es aber trotzdem probiert und fragst Dich später nicht ob es nicht hätte klappen können wenn Du nur einen Tick Engagement gehabt hättest…
Und mich würde es besonders anspornen diesen Lehrer und andere Zweifler Lügen strafen zu können und es „jetzt erst Recht“ schaffen zu wollen! 
Laß Dir also von dem Lehrer nichts erzählen solange Du noch Chancen hast, und motiviere Dich selber ein wenig! Es ist ja nicht mehr lange hin und vielleicht kannst Du es wie einen kleinen Wettbewerb für Dich selber sehen: setz Dir ein Ziel, das Du erreichen willst: jeden Tag 1 Stunde lernen, Dich mindestens 1x in jeder Stunde melden, die nächste Klausur möglichst gut hinkriegen, Qualifikation schaffen, und dann versuchen das Abi zu bestehen… das sind kleine Etappen, und wenn Du immer nur den nächsten Schritt im Blick hast kann das alles noch klappen.
Ich würde das versuchen, wenn ich Du wäre. Später nochmal anzufangen ist extrem langwierig, schwer und unwahrscheinlich. Also versuch es doch jetzt einfach, Du hast ja nix zu verlieren!
Meine Meinung, daß Lehrer manchmal viel Unsinn erzählen, hatte ich damals - klar, das denkt man als Schüler sowieso. Aber ich denke heute noch genauso. Und in Deinem Fall bestätigt es sich auch wieder…
Gruß,
MecFleih