Hallo meine kleine Prinzessin,
Du hast heute Geburtstag, es ist jetzt drei Jahre her daß ich dich das erste Mal im Arm halten durfte. Ich weiß noch wie du eine halbe Stunde nach deiner Geburt mich angeblinzelt hast und ich wußte, daß du Durst hast. Das Fläschchen war in Null komma nix leer (naja, war ja auch nicht viel drinnen) und dann hast du vorwurfsvoll den Sauger flach gemacht.
Ich weiß auch noch wie ich mit dir auf dem Arm zu Irene ins Aufwachzimmer gegangen bin, du hast dich an mich gekuschelt und geschlafen. Warst scheinbar nicht besonders an deiner Umgebung interessiert … Dann hab ich mir eine ruhige Ecke gesucht und dir beim Schlafen zugeschaut.
Das nächste an das ich mich erinnern kann ist Irenes Anruf aus dem Krankenhaus, daß irgendwas nicht stimmt … wie ich Omama als Babysitter für die Großen (naja, die waren da auch noch ziemlich klein) organisiert habe und zu euch gefahren bin … wie mir die Ärztin auf der Intensivstation in dem kleinen Abstellraum erklärt hat was alles passiert ist und wieso … ich hab das überhaupt nicht mitgekriegt, dachte naja, das wird schon wieder …
Dann der Freitag, als du operiert wurdest, als die Operation für 5 Stunden angesetzt war und du nach 12 Stunden noch immer nicht heraussen warst, da zog es mir das erste Mal das Herz zusammen.
Die folgenden Wochen, die Stunden bei dir auf der Intensivstation alleine und zusammen mit Irene, das Auf und Ab, die Anrufe wie es dir geht bevor wir schlafen gingen und in der Früh … na gut, auch zwischendurch wenn einer von uns aufgewacht ist und zum Telefon geschlichen ist … all das hat sich so tief eingebrannt, daß ich denke es wäre gestern gewesen. Der kleine Bub der dir gegenüber gelegen ist, das Frühchen neben dir … und wie einer nach dem anderen auf die Kinderstation kamen … all die Babybilder im Gang von den glücklichen Eltern die es überstanden hatten und sich nun mit Kindern rumraufen durften die nicht schlafen wollten oder sich gegenseitig zwickten und kratzten …
Die Ärzte mit denen wir sprachen … manche verbreiteten derartigen Optimismus, daß man meinen konnte wir können dich morgen mit nach Hause nehmen … mit denen sprach ich besonders gerne :o) Andere sahen´s nicht so rosig und zwei sagten uns immer die Wahrheit … nämlich, daß es sehr sehr schlecht aussieht. Denen glaubte ich kein Wort.
Und deine Krankenschwestern, wie sie dich immer hätschelten und dir Socken über deine Fingerchen zogen damit dir nicht friert. Ich durfte dich immer füttern … naja, halt die Spritze mit vorverdauter Milch in deine Magensonde drücken °grins° Und am Monitor saß dein Teddy und paßte auf dich auf wenn wir grade nicht da waren.
Und dann kam der Tag an dem sie uns sagten daß sie versuchen wollen dich vom EKMO zu nehmen weil deine Blutwerte immer schlechter werden durch die mechanische Beanspruchung in der Maschine. Da wußte ich jetzt passiert das Wunder, ich glaubte ganz fest daran daß du es schaffen wirst. Nach 12 Stunden mußten sie dich wieder anhängen, weil die Sauerstoffsättigung zu niedrig war, aber du hattest zumindest einen ersten Schritt gemacht
Mittlerweile konnte ich schon deinen Monitor lesen, einen Fehlalarm von einem richtigen unterscheiden, sehen ob der Sauerstoffsensor auch richtig saß, ich war ein richtiger Experte geworden :o)
Aber ich sah auch, daß du dich nicht erholst, daß immer mehr Infusionspumpen um dein Bettchen versammelt waren … einmal hab ich vierzehn gezählt …
Und als sie sagten, daß sie den EKMO nun abschalten müßten da wußten wir, daß wir nur noch Abschied von dir nehmen konnten.
Es war ein stiller Samstagabend, wir sahen an deinem Bettchen und streichelten dich und sagten dir, daß du keine Angst zu haben brauchst … eigentlich meinten wir daß wir keine Angst zu haben brauchen weil du es von nun an sicher besser haben wirst. Der Arzt klemmte die EKMO ab und wir hielten Händchen mit dir als rundherum alle Alarme losgingen. Du hast ganz friedlich weitergeschlafen und bist hinübergeglitten …
Weißt du, daß wir einen Stern für dich ausgesucht haben ? Ich steh noch immer oft am Fenster, meist mit Karola am Arm wenn sie nicht schlafen kann (oder will °grins°) und spüre daß du noch bei uns bist.
In Liebe
Dein Papa