Moin!
Gibt es denn nu eigentlich ne Zumutbarkeitsregelung? Also ne
Regelung, welche Jobs, die vom Arbeitsamt angeboten werden,
anbenommen werden MÜSSEN? Bzw. eine Regelung, dass es zumutbar
ist, wenn man x Prozent weniger verdient als zuletzt?
Ja. Die Zumutbarkeitsregeln gelten - Sie stehen im Sozialgesetzbuch.
Danach ist z.B. jede Arbeit zumutbar. Sogar, wenn der Job befristet ist oder einen Umzug erfordert. Für letzteres gibt es allerdings auch eine Umzugskostenbeihilfe in Höhe von 4.500 Euro; Beihilfe heißt: Du mußt das Geld nicht (wie noch bis vor Kurzem) zurückzahlen.
Bezüglich des Verdienstes gilt:
Einem Arbeitslosen ist eine Minderung bis zu 20 % (in den ersten drei Monaten der A-losigkeit) und eine Minderung bis zu 30 % ab dem vierten Monat zuzumuten.
In meinem Fall: ich suche (wirklich massiv und angestrengt!)
seit fast 1,5 Jahren nen neuen Job; das Arbeitsamt hat mir nun
ein Angebot geschickt (das dritte in genanntem Zeitraum), das
sich in diesem Fall auf ne Zeitarbeitsfirma bezieht. Das
geschah ca. zwei Wochen, nachdem mich mein Berater
„runtergestuft“ hat auf Bürofachkraft.
Deutlich: Wenn Du seit 1,5 Jahren keinen Job gefunden hast, könnte das daran liegen, dass Deine Suchstrategie nicht optimal ist. Mit Sicherheit hast Du an Deinen Beruf Anforderungen gestellt - das ist gut so - allerdings sollte es Dich nicht daran hindern überhaupt in Arbeit zu sein und: aus einer Beschäftigung heraus versuchen an den Traumjob zu kommen. Während des Wartejobs sollte unbedingt an der persönlichen Weiterbildung gearbeitet werden.
Die Zumutbarkeitsregeln können in diesem Sinne auch als Druckmittel verstanden werden, sich intensiv mit der eigenen Lebensplanung auseinanderzusetzen und zu erkennen, dass man alles bisher gedachte sehr deutlich in Frage stellen muß (Soziale Sicherungssysteme ; Eigenverantworung ; Zukunft unseres Landes …)
Die Zeitarbeitsfirma (hier als PSA) ließ mich nun wissen, dass
ich gleich alle für einen Vertrag relevanten Unterlagen
(Lohnsteuerkarte usw.) zum Vorstellungsgespräch (dem 1.!)
mitbringen soll. Aber muß ich denn auch bei denen annehmen,
wenn die mir was anbieten? Auch wenn ich dort ggf. deutlich
weniger verdienen würde, als ich jetzt AlHi kriege? Auch wenn
es weit unter meiner Qualifikation liegt?
Die Personal-Service-Agentur wird Dich für einen Zeitraum von ca. einem Jahr einstellen und versuchen Dich in Arbeit zu bringen. Sei froh, denn nicht jeder Arbeitslose erhält diese Chance.
Auch die Anlaufschwierigkeiten der PSA sprechen nicht gegen dieses Arbeitsmarktpolitische Instrument.
Eine Ablehnung der Beschäftigung bei der PSA würde ich Dir nicht empfehlen.
Nicht motzen, bitte: ich will wirklich wieder arbeiten! Aber
alles hat - wie ich finde - seine Grenzen. In puncto Gehalt
und Qualifikation (u.a. im Hinblick auf den Lebenslauf).
Gut, dass Du zu dieser Erkenntnis gekommen bist. Du siehst, das Konzept der „Zumutbarkeitsregeln“ bringt Dich in Bewegung.
Zu guter Letzt zwei Zahlen, die die Dramatik des derzeitigen ungesteuerten gesellschaftlichen Veränderungsprozesses illustrieren:
- 50 % der Arbeitslosen in Westdeutschland sind ungelernte.
- Von 1980 bis 2002 wurden ca. 1,2 Millionen Arbeitsplätze für Ungelernte wegrationalisiert.
Meine Empfehlung:
Such Dir einen professionellen Berater und entwickeln einen konkreten, realistischen und umsetzbaren n e u e n Plan für Dein berufliches Leben.
Danke im Voraus!
Vince.