Zunahme von Depressionen

Hallo liebe Psychotherapeuten,

ich möchte gern von euch erfahren, ob es z.Z. mehr Menschen als zu anderen Jahreszeiten gibt, die unter Depressionen leiden. In meinem Umfeld gibt es einige Depressive, bei denen zeitgleich die Depression wieder „ausgebrochen“ ist.

Des weiteren interessiert mich, ob es jetzt mehr Menschen gibt, die unter Depressionen leiden, als noch vor einigen Jahren, also ob ein Anstieg der Anzahl der Kranken zu verzeichnen ist und wenn ja, wo die Ursachen liegen könnten.

Liebe Grüße
Ina

Hallo,

ich möchte gern von euch erfahren, ob es z.Z. mehr Menschen
als zu anderen Jahreszeiten gibt, die unter Depressionen
leiden.

ja. In den Wintermonaten ist die Zahl der Depressionen jahreszeitlich bedingt erhöht. Es kommt in dieser Zeit die sogen. Winterdepression zu den anderen Depressionsarten hinzu. Bei der Winterdepression handelt es sich um eine mit der lichtarmen Jahreszeit zusammenhängende atypische Form der Depression, die insbesondere im Januar und im Februar auftritt. Mehr dazu auf meiner Seite zur Winterdepression:

http://www.verhaltenswissenschaft.de/Psychologie/Psy…

Des weiteren interessiert mich, ob es jetzt mehr Menschen
gibt, die unter Depressionen leiden, als noch vor einigen
Jahren, also ob ein Anstieg der Anzahl der Kranken zu
verzeichnen ist

Auch das ist korrekt. Die Anzahl psychischer Störungen insgesamt und die Anzahl depressiver Erkrankungen hat in den letzten Jahren tatsächlich zugenommen.

und wenn ja, wo die Ursachen liegen könnten.

Man vermutet u.a. veränderte Lebensbedingungen (z.B. andere Familienstrukturen bzw. erhöhte Häufigkeit dieser Familienformen), erhöhte Leistungsanforderungen im Berufsleben, eine geringere Bereitschaft, psychische Belastungen zu ertragen, und eine erhöhte Hilfserwartung an das Gesundheitssystem als Ursachen für die gesteigerte Häufigkeit depressiver Störungen in der Allgemeinbevölkerung.

Beste Grüße

Hallo,

ja, in der „dunklen“ Jahreszeit gibt es mehr Depressive.

Die Depression hat als Krankheitsbild eine galoppierende Zunahme in der Gesellschaft. Die Ursachen sind auf vielen Ebenen zu suchen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Die Belastungen im Leben werden immer stärker. Das Leben wird immer schneller. Das entspricht nicht der Natur des Menschen. Der Kern von Depressionen ist oft unausgedrückte Trauer über Tod, starke Veränderungsprozesse, nicht gelebte Abschiede usw. . Der Gefühlsausdruck von Menschen verkümmert immer mehr, sie stumpfen immer mehr ab vor PC, Fernsehen, vereinsamen immer mehr. Es gibt den viel zitierten Werteverfall.

LG
Gerda

kleiner Nachtrag

Belastungen zu ertragen, und eine erhöhte Hilfserwartung an
das Gesundheitssystem als Ursachen für die gesteigerte
Häufigkeit depressiver Störungen in der Allgemeinbevölkerung.

Und IMHO auch, dass man weniger die Scheu hat auch in psychologischen Problemen professionellen Rat zu suchen. Wer noch vor 20 Jahren in Therapie war wurde ziemlich schief angesehen. Heutzutage ist da doch einiges an Vorurteilen gefallen, odrr?

Kann auch an meinem mehrheitlich akademischen sozialen Umfeld liegen.

In diesem Sinne eigenlich positiv.

Gruß

Stefan

Hallo,

ich bin zwar zugegebenermaßen völlige Laiin, aber mir drängen sich spontan etwa anderthalb Fragen auf:

eine geringere Bereitschaft, psychische
Belastungen zu ertragen,

Geringere Bereitschaft oder nicht doch vielleicht geringere Fähigkeit?

und eine erhöhte Hilfserwartung an
das Gesundheitssystem als Ursachen für die gesteigerte
Häufigkeit depressiver Störungen in der Allgemeinbevölkerung.

Willst Du wirklich allen Ernstes behaupten, dass es ohne ein halbwegs funktionstüchtiges Gesundheitssystem deutlich weniger an Depressionen Erkrankte gäbe?!? Dass eine depressive Störung erst dadurch entsteht, dass es eine Möglichkeit zur Behandlung gibt?!?!?

Fassungslose Grüße

=^…^=
Katze

Und IMHO auch, dass man weniger die Scheu hat auch in
psychologischen Problemen professionellen Rat zu suchen. Wer
noch vor 20 Jahren in Therapie war wurde ziemlich schief
angesehen. Heutzutage ist da doch einiges an Vorurteilen
gefallen, odrr?

Sogar eine ganze Menge. Teilweise ist das ja schon „schick“, einen Therapeuten zu haben. Gleichzeitig ist Depression eine Ermessenssache und damit gibt es automatisch falsch-positive (die dei dnken, dass sie eine Dpresseion haben) und falsch-negative (die dei denken, dass sie keine haben, obwohl es der Fall ist). dann kommt noch hinzu, dass man entdeckt hat, dass da ein Markt existiert, wodurch atürlich auch stärker danach gesucht wird. Und wenn mehr gesucht wird, wird auh mehr gefunden.
Von daher finde ich es eher traurig, das man sich nicht mehr mit deinen sog. Freunden zusammensetzt und mal über so ewas spricht, sondern gleich eine handfeste Depression daraus macht, deretwegen zum Therapeuten gewandert wird.

Grüße,
JPL

Hallo,

Willst Du wirklich allen Ernstes behaupten, dass es ohne ein
halbwegs funktionstüchtiges Gesundheitssystem deutlich weniger
an Depressionen Erkrankte gäbe?!?

nein, das habe ich nicht behauptet. Vielmehr habe ich referiert: „Man vermutet u.a. […] eine erhöhte Hilfserwartung an das Gesundheitssystem als Ursachen für die gesteigerte Häufigkeit“.

Vielleicht ist damit gemeint, daß eine erhöhte Hilfserwartung zu einer vermehrten Anzahl diagnostizierter Störungen führt. Dann hätten die Autoren sich unglücklich ausgedrückt.

Es kann aber tatsächlich gemeint sein, daß die erhöhte Hilfserwartung an das Gesundheitssystem zu vermehrter Erkrankung führt. Interessanterweise beobachtet man in Ländern mit weniger gut entwickeltem Gesundheitssystem, nämlich in Entwicklungsländern, einen günstigeren Verlauf schwerer psychischer Störungen.

Erklärungen dafür sind viele denkbar. Eine mögliche Erklärung zielt darauf ab, daß die Patienten in Entwicklungsländern mehr gefordert sind, sich weniger auf Hilfsangebote durch das Gesundheitssystem verlassen können, sie dementsprechend weniger Erwartungen an die medizinische Versorgung haben, Unterstützung eher in ihrer familiären oder dörflichen Gemeinschaft finden und sich dies positiv auf den Krankheitsverlauf auswirkt.

Beste Grüße

Teilweise ist das ja schon „schick“,
Von daher finde ich es eher traurig, das man sich nicht mehr
mit deinen sog. Freunden zusammensetzt und mal über so ewas
spricht, sondern gleich eine handfeste Depression daraus
macht, deretwegen zum Therapeuten gewandert wird.

Hallo,

vor einigen Jahren gab es also noch nicht so viele, die sich einen Therapeuten gesucht haben? Kann es u.a. auch an der fehlenden Aufklärung und Akzeptanz als „richtige Krankheit“ gelegen haben? Gibt es eigentlich Statistiken darüber, wie viele Menschen wegen Depressionen Suizid begangen haben? z.B. im Vergleich zu - sagen wir mal vor zehn Jahren -?

Glaubst du ernsthaft, dass Depressionen verschwinden, wenn der Depressive sich mit seinen Freunden zusammensetzt und darüber redet? Kennst du Depressive?
Ich finde die Thematik zu ernsthaft, um sie ins Lächerliche zu ziehen, was ich dir nicht unterstellen will. Dennoch bitte ich um Vorsicht bei solchen Äußerungen.

Liebe Grüße
Ina

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Hallo liebe KamikazeKatze,

ebenfalls als Laiin, zumindest in der Praxis, möchte ich mitteilen, dass aus systemischer Sicht bei jeder Depression das Umfeld mit einbezogen wird (und auch nur so heilbar ist).
Aber auch aus nicht systemischer Sicht verbleibt, dass die Depression keine Krankheit ist, die von Viren und Bakterien hergeleitet wird. Insofern muss sie mit ihrem Umfeld und/oder mit dem eigenen Ich in Zusammenhang stehen.
Ich finde die Idee nicht sehr an den Haaren herbei gezogen, dass

ohne ein halbwegs funktionstüchtiges Gesundheitssystem (gäbe es) deutlich weniger an Depressionen Erkrankte

ein Zusammenhang bestehen kann!

Wenn jemand sich aus einem familieninternem Zusammenhang heraus entschließt (wobei dies natürlich unbewusst geschieht), depressiv zu werden, dann könnte es nach meinem Verständnis durchaus zutreffen, dass in seinem Unbewussten auch der Gedanke vorhanden ist, dass „zur Not“ ja noch ein funktionierendes Gesundheitssystem vorhanden ist, das dann beiseite steht.

Grüße,
jeanne

Frühling, nicht Winter

Hallo liebe Psychotherapeuten,

Bin ich nicht, habe mich aber sehr mit dem Thema befassen müssen.

In meinem Umfeld gibt es einige Depressive, bei denen
zeitgleich die Depression wieder „ausgebrochen“ ist.

Das scheint typisch zu sein. Viele hier schreiben von einer Winterdepression, meiner eigenen Erfahrung nach und auch der Aussage eines Facharztes ist es aber der Frühling, der viele Depressionen aufleben läßt. Warum genau? Keine Ahnung. Evlt. weil durch die dunkle Jahreszeit alle „Glücksspiegel“ im Körper aufgebraucht sind, ringsrum startet alles beglückt durch, nur man selber kriegt die Kurve nicht.

und wenn ja, wo die Ursachen liegen könnten.

Ich hab mal eine plausible Begründung gelesen: Depressionen seien eine Art „Allergie“ einer quasi gelangweilten Seele. Wie das Immunsystem ist die Seele dafür vorbereitet, Angriffe auf die Gesundheit abzuwehren. Da in der heutigen Zeit in den Industrieländern diese Angriffe (Krieg, Naturkatastrophen etc.) ausbleiben (natürlich eigentlich zum Glück), neigt die Psyche bei kleineren Anlässen dazu, überzureagieren.

Für mich hört sich das logisch an. Es soll aber keineswegs heißen, dass alle Depressiven Simulanten sind, genauso wie Allergiker dies ja auch nicht sind. Die Wirkung des Ausspruchs „Dir geht’s doch viel zu gut“ kenne ich aus eigener trauriger Erfahrung.

Dazu kommen noch andere Gründe, die hier zum Teil ja schon richtig genannt wurden. Die Aussage „früher gab’s das aber nicht“ erinnert mich an meine Mutter, die immer behauptet, früher hätte es keine Schwulen gegeben, das wäre ein Phänomen der heutigen Zeit (Die zwei Frauen im Nachbardorf z. B., die Zeit ihres Lebens glücklich zusammen lebten, sind ihrer Aufmerksamkeit wohl entgangen. Einfach weil man „das Kind“ nicht beim Namen nannte).

Hier noch Lesestoff:
http://www.zeit.de/zeit-wissen/2008/02/Inhalt
Über die Inflation neuer psychischer Störungen.
Leider sind die Artikel noch nicht online zu lesen, bis auf dieses Interview hier:
http://www.zeit.de/zeit-wissen/2008/02/Titel-Interview
„Ein Interview mit dem Allgemeinarzt Armin Wiesemann über das Bestreben der Pharmaindustrie, eine Art Rasterfahndung nach Depressionen einzuführen“

Grüße
kernig

Nachtrag zum Link
Um Mißverständnissen vorzubeugen:

Unbedingt auch die zugehörige Diskussion in den Kommentaren des Interviews lesen.

http://www.zeit.de/zeit-wissen/2008/02/Titel-Interview
„Ein Interview mit dem Allgemeinarzt Armin Wiesemann über das
Bestreben der Pharmaindustrie, eine Art Rasterfahndung nach
Depressionen einzuführen“

kernig

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Hi Ina,

Ich finde die Thematik zu ernsthaft, um sie ins Lächerliche zu
ziehen, was ich dir nicht unterstellen will. Dennoch bitte ich
um Vorsicht bei solchen Äußerungen.

Das war auch nicht meine Absicht.

vor einigen Jahren gab es also noch nicht so viele, die sich
einen Therapeuten gesucht haben?

Ja. Auch deswegen, weil es weniger häufig diagnostiziert wurde.

Kann es u.a. auch an der
fehlenden Aufklärung und Akzeptanz als „richtige Krankheit“
gelegen haben?

Auch das ist ein Grund. Zum einen konnten sich die Erkrankten weniger git einschätzen, zum anderen aber auch von den Ärzten weniger häufig korrekt erkannt werden.

Gibt es eigentlich Statistiken darüber, wie
viele Menschen wegen Depressionen Suizid begangen haben?

von den ca. 12.000 Fällen soll wohl ein Großteil auf Depression zurückzuführen sein.

z.B.
im Vergleich zu - sagen wir mal vor zehn Jahren -?

Bestimmt bei den Krankenkassen.

Glaubst du ernsthaft, dass Depressionen verschwinden, wenn der
Depressive sich mit seinen Freunden zusammensetzt und darüber
redet?

Natürlich nicht bei schwergradig depressiven Menschen. Bei den leichten Formen aber schon.
Je schwerer die Depression, desto leichter ist sie zu erkennen, i.a. beginnen aber auch diese mit einer leichten Form. In dieser Phase sind sie eigentlich nocht gut behandelbar, aber eben schwer zu erkennen.
Und eine (von seher vielen möglichen) Behandlungen ist, mit jemandem darüber zu reden.

Zugenommen haben zwar alle Formen der Depression, aber insbesondere die leichten, wobei gerade hier zwischen den richtig erkannten und flasch erkannten unterschieden werden muss. Diese verfälschen die tatsächliche Rate der Depressiven beträchtlich.

Kennst du Depressive?

Ja.

Viele Grüße,

JPL

Licht, Luft, Bewegung, Vitamine
Hallo liebe Ina,

ich möchte gern von euch erfahren, ob es z.Z. mehr Menschen
als zu anderen Jahreszeiten gibt, die unter Depressionen
leiden.

Vielleicht bekommst Du hier genaue statistische Daten:

http://www.destatis.de/jetspeed/portal/search/result…
http://www.bmg.bund.de/nn_600110/DE/Themenschwerpunk…
http://www.kv-thueringen.de/

Zur Frühjahrsdepression hörte und las ich, dass die hier in den mehr trüberen nördlichen Gefilden durch die monatelange Unterversorgung mit Vitaminen, Spurenelementen etc., sonstigen froh machenden, stärkenden Substanzen und ganz besonders durch den Lichtmangel entsteht. Dieser Lichtmangel hat Einfluss auf den Serotoninspiegel und dieser wiederum auf die Lebensfreude.
In Schweden kennt man das noch sehr viel mehr, als hier in D.
Der Körper ist i. Allg. nach der langen Winter- Dunkelphase an vitalen Stoffen ausgezehrt, was bei manchen Menschen zu einer somatogenen Depression führen kann.
Unterstellen will ich auch, dass die Allgemeinheit sich im Winter weniger an der frischen Luft aktiv bewegt und somit fehlt auch O-two im Blut.

Liebe Grüße

An Dich auch von Sophia

Hallo Kernig,

Ich hab mal eine plausible Begründung gelesen
Depressionen
seien eine Art „Allergie“ einer quasi gelangweilten
Seele.

Ich glaube daran auch. Wenn der Mensch Zeit hat zum nachgrübeln, wird er depressiv.
Ich glaube früher, also ganz früher war es nicht so verbreitet, weil die Menschen damit beschäftigt waren, sich und ihre Familie zu versorgen. Jeder war rund um die Uhr beschäftigt (zB Bauern)

Heute haben viele Zeit „nachzudenken“ und dank des regen Informationenflusses haben sie auch genug, über was sie nachdenken können.

Ich glaube, dass führt oft zu Depressionen.

Natürlich spielen auch viele andere Faktoren ein Rolle.

LG Wölkchen

Hallo!

Willst Du wirklich allen Ernstes behaupten, dass es ohne ein
halbwegs funktionstüchtiges Gesundheitssystem deutlich weniger
an Depressionen Erkrankte gäbe?!? Dass eine depressive Störung
erst dadurch entsteht, dass es eine Möglichkeit zur Behandlung
gibt?!?!?

Die Diagnose „Depression“ wird u.U. häufiger gestellt, als sie vorliegt. Es kommt u.U. in solchen Fällen zu einer anderen Genehmigung von Therapiemaßnahmen, als es bei abweichender Diagnose möglich wäre.

Diagnostik erfolgt heute nicht danach, was ein Patient hat, sondern sie richtet sich nach der Notwendigkeit in seiner Behandlung. Dieser Betrug an den Kassen kann meiner Meinung nach ethisch durch den hippokratischen Eid bestens rechtfertigt werden und ich würde jedem Arzt, der so handelt, mein Verständnis und meine Anerkennung aussprechen.

Erkenntnisse sind so aber nicht zu gewinnen über die Verbreitung von Krankheiten.

Und in der Folge kommt es häufiger zu Fehldiagnosen, da diese Fachrichtung (Diagnostik) weniger ernst genommen wird - da Diagnosen unverlässlich sind. Es sind auch in der Folge bei Arzt oder Klinikwechsel Fehlbehandlungen denkbar - u.U. steht in einem Arztbrief etwas, was der Patient gar nicht hat aber wegen seiner Behandlung haben musste.

Unter dem Strich wäre es schön, wenn wir ein halbwegs vernünftiges Gesundheitssystem hätten.

Es ist aber von Politikern und Kaufleuten entwickelt, und wie sollte es da vernünftig sein - was es ja auch nicht ist?

Auf jeden Fall gibt es 100%tig eine Divergenz zwischen Diagnoseanzahl und tatsächlich vorliegender Depression in den bekanntgewordenen Fällen. Das hat natürlich zur Folge, dass wir mit unserem Erkenntnisgewinn im Dunkeln tappen.

So hat unser Kassensystem sich selber ausgetrickst, und steht dringend notwendigen Forschungen zum Thema im Weg.

Folge: Mehrkosten für ein korruptes System.

Ein Witz insgesamt.

Aber es stimmt: durch unser „soziales“ Gesundheitssystem haben wir wahrscheinlich wesentlich mehr Diagnosen „Depression“, als es in Wirklichkeit gibt.

Lieben Gruß
Patrick

1621
Hallo Kernig & Wölkchen,

das Phänomen ist nicht erst seit unserer Zeit bekannt, 1621 schreibt Robert Burton in seiner Anatomie der Melancholie ISBN 3871620076 Buch anschauen:

Ich habe über die Melancholie geschrieben, um sie mir vom Leibe zu halten. Es gibt nämlich keine gewichtigere Ursache der Schwermut als den Müßiggang und kein besseres Heilmittel, als sich zu beschäftigen.

Burton zitiert seinerseits Autoren der Antike, die darüber schon zu berichten wußten.

Viele Grüße
Diana

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Hallo Ina,

nicht wirklich die „Depression“, vor allem aber die „depressiven Störungen“ sind in den Wintermonaten erhöht.

Eine spezielle Form der depressiven Störung ist die „Seasonal Affective Disorder (SAD)“.

Es wird diskutiert, dass diese Störung mit dem Lichteinfluss zusammenhängt. Der Schlafrhytmus des Menschen ist an das Tageslicht gekoppelt. Spezielle Rezeptoren im Auge erkennen die Lichtintensität und vermindern die Produktion von Melatonin bei Lichteinfall. Ein niedriger Melatoninspiegel heisst ein niedriges Schlafbedürfnis. Dementsprechend ist unser Schlafbedürfnis an kurzen Tagegeslichttagen höher.

Da dem aber kein Respekt gezollt (der Hormoneinfluss wird ad absurdum geführt) wird gibt es wahrscheinlich diese Krankheit. Egal ob Winter oder SOmmer - Arbeitstage sind gleich lang und fangen gleich früh an (+/- 1 Stunde Zeitumstellung).

Evolutionär scheint dieser Mechanismus sinnvoll, da Wachheit mit erhöhtem Energiebedarf einhergeht.
Erhöhter Energiebedarf mit erhöhtem Nahrungsbedarf.
Und da unser Nahrungsvorrat ebenfalls an das Licht gebunden ist (wir essen vornehmlich Sachen, die bei viel Licht wachsen - oder manch einer alternativ Sachen, die ebenfalls Sachen essen, die bei viel Licht wachsen) ist es gut gerade dann viel zu schlafen, wenn es wenig Nahrung gibt.

Schichtarbeit hat übrigens einen ähnlichen Effekt; auch sie macht krank - vermutlich mit derselben Begründung.

Lieben Gruß
Patrick

Glaubst du ernsthaft, dass Depressionen verschwinden, wenn der
Depressive sich mit seinen Freunden zusammensetzt und darüber
redet?

Natürlich nicht bei schwergradig depressiven Menschen. Bei den
leichten Formen aber schon.
Und eine (von sehr vielen möglichen) Behandlungen ist, mit
jemandem darüber zu reden.

Hi John-Philip,

ich glaube wir leben im Zeitalter der „Individualität“. Es gibt soviele Menschen, die niemanden zum Reden haben, alles mit sich selbst ausmachen müssen. Da gebe ich dir schon recht, dass es helfen könnte, mit jemandem darüber zu reden. Die vielen einsamen Menschen müssen dazu erst mal jemanden finden und dann muss derjenige auch noch richtig zuhören. Gar nicht so einfach. Können wir, die wir helfen wollen, uns nur vornehmen, noch besser hinzuhören.

Liebe Grüße

Ina

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