Liebe www-ler,
ich schlage mich im Moment wieder mit der Frage herum: Wo ist die Grenze zwischen Liebe und Freundschaft / Zuneigung?
Das klingt jetzt vielleicht komisch. Ich muss dazu weiter ausholen:
Als Teenager hab ich mich, wie so viele, in einen Lehrer verliebt. Zumindest glaubte ich das. Es war nicht so, dass ich mir eine Beziehung, oder etwas ähnliches mit ihm auch nur vorstellen hätte können. Ich war einfach gerne in seiner Nähe. Hab mich gern mit ihm unterhalten. Hab mich darüber gefreut, wenn ich gemerkt hab, dass er mich irgendwie gern hat (natürlich als Schülerin). Und ich wollte möglichst viel über ihn wissen. Außerdem war ich sehr traurig, als klar war, dass wir schon ein Jahr später einen anderen Klassenlehrer bekommen würden. War das Liebe? Oder wenigstens verliebt sein? Ihr sagt jetzt wahrscheinlich, „jugendliche Schwärmerei“ und ich denke eigentlich genauso.
Ich hatte dann eine lange Beziehung (zehn Jahre), während der ich mich auch manchmal gefragt habe: Ist das Liebe? Ich werde das Gefühl nicht los, das ich von Anfang an nur mit ihm zusammen war, weil es sich gut anfühlte, geliebt zu werden. Da war Vertrautheit, Geborgenheit… Ihr fragt jetzt wahrscheinlich, was ist mit Sex? Ich fand es fast immer schön, mit ihm zu schlafen, manchmal konnten wir auch gar nicht genug voneinander bekommen, aber im Prinzip spielte der Sex für mich keine große Rolle. Ich hab mich vor einiger Zeit von ihm getrennt. Unter anderem auch, wegen der beschriebenen mangelnden Gefühle.
So, und jetzt kommts. Ich stecke jetzt seltsamerweise in einer ähnlichen Situation, wie als Teenager. Ich habe einen wesentlich älteren Mann kennengelernt (nicht im Sinne einer Partnerschaft), zu dem ich ein unglaublich großes Vertrauen habe. Mit ihm kann ich reden, wie mit niemandem sonst. Ich bin sehr gerne in seiner Nähe. Sonst ist da aber gar nichts. Das intimste, was zwischen uns passiert, sind freundschaftliche Umarmungen. Mehr könnte ich mir auch nicht vorstellen. Auch von seiner Seite bemerke ich zum Glück nichts dergleichen. Trotzdem muss ich häufig an ihn denken, freu mich über jede Mail und SMS, finde es schön, wenn wir uns umarmen, oder er die Hand auf meine Schulter legt. Ich erzähle jedem, was für ein toller Mensch er ist. Wie gut er zuhören kann, welche tollen Ratschläge er gibt und wieviel Verständnis er hat. Im Prinzip ist er momentan mein Seelenklempner. Kann es sein, dass man soetwas mit Liebe verwechselt? Vor allem, wenn man noch nicht so viele Erfahrungen gemacht hat. Oder ist es vielleicht tatsächlich Liebe, auch wenn da überhaupt keine körperliche Anziehung besteht?
Danke allen, die meine Frage ernst nehmen, und ich hoffe, es ist okay, dass ich die Frage hier stelle. Ich habe das Gefühl, dass sie nicht so ganz unter „Liebe und Partnerschaft“ passt.
Gruß
M.
