Folgender Fall: Eine Person ist noch zu DDR-Zeiten in den Westen geflohen und hat mehr Lebensjahre seines Lebens im Westen, als im Osten verbracht. Zwischendurch lebte er auch einige Zeit in Canada. Wie er erst jetzt durch Einsicht in seine Stasiakte erfuhr, wurde er bereits als Schulkind von der Stasi bespitzelt und es befinden sich in den Stasiunterlagen sogar Briefsendungen im Original, die er als Kind in den Westen abgeschickt hatte, dort aber nie angekommen sind. Insgesamt wurde über ihn Aktenmaterial in drei verschiedenen Städten seines ehemaligen Bezirkes geführt. Das sogar enge Freunde und Nachbarn IM der Stasi waren, ist ihm bekannt. Viele Menschen hatten ihm damals das Leben schwer gemacht aufgrund seiner politischen Einstellung (Verhöre beim Arbeitgeber, Druck…usw.). Er verlor in der DDR sogar seinen Job aufgrund seiner politischen Einstellung und er war dort arbeitslos aufgrund politischem Einstellungsverbot !
Ostdeutschen Boden hatte er erst vor ca. 8 Jahren erstmals wieder betreten. Fährt er heute in seine ehemalige Heimat Mecklenburg-Vorpommern, fühlt er sich fremd und merkt, dass er mit den Einheimischen nicht mehr zurecht kommt. Er merkt deutliche Unterschiede in der Mentalität und empfindet viele Menschen dort sogar in vielen Punkten als zurückgeblieben. Häufig spürt er noch die alte DDR-Denkweise. Alte Erinnerungen kommen wieder hoch und er fühlt sich nicht wirklich frei und überhaupt nicht heimisch. Einmal wurde ihm in einer mecklenburgischen Kleinstadt aufgrund seines Hamburger Autokennzeichens „Ach Hamburger. Scheiß Westdeutscher“ hinterher gerufen. Als er darüber nachdachte sich im Osten ein Ferienhaus zu kaufen und auf Inserate antwortete, erlebte er bei Rückfrage nach seinem derzeitigen Wohnort, dass man ihm das Haus nicht verkaufen wollte („Dann ist das hier nichts für sie.“) Sowas in der Art erlebte er häufiger und das Eis schmolz erst, wenn er seinen Geburtsort nannte (auch bei Bewerbungen um eine Mietwohnung). Er erlebt bei Gesprächen mit Ostdeutschen kein weiteres Zusammenwachsen, sondern das Gegenteil, mehr Ablehnung gegenüber den „arroganten Westdeutschen“.
Nun ist er Frührentner aus gesundheitlichen Gründen und lebt seit vielen Jahren in Hamburg. Günstigere Mieten und mehr freie Wohnungen veranlassen ihn zu der Frage, ob es sinnvoll wäre in eine hübsche Mecklenburgische Kleinstadt an der Ostseeküste zu ziehen.
Ist einem Menschen mit so einer Vergangenheit und nun deutlich wahrnehmbaren Unterschieden in der Mentalität eine so späte Rückkehr in die Heimat zu empfehlen oder nicht ?