Zusammen ziehen?

Mein Mann wird evtl. Ende Juli, Anfang August nach einer Reha nach Hause entlassen. Er hatte eine Gehirnblutung, rechtsseitig gelähmt (kann aber wieder ein laufen und sich auch betun). Ich weiß nun nicht, ob ich ihn nach Abschluss der Reha fast den ganzen Tag allein lassen kann. Die Pflege kommt ja auch nur mal vorbeischauen. (Denke ich, ich hatte noch keinen Kontakt).Pflegestufe ist beantragt.

Wir haben ein Einfamilienhaus. Heute kam meine Schwiegertochter mit dem Vorschlag, dass sie (natürlich auch unser Sohn und zwei Enkel, 5 und 7 Jahre) bei uns einziehen würden, um meinen Mann zu betreuen, da ich ja durch die Arbeit erst am späten Nachmittag nach Hause komme. Ich bin so hin- und hergerissen, weiß nicht, was ich tun soll.
Passt Alt und Jung zusammen?

Christina

Hallo Christina,

ob ihr miteinander auskommt, kannst nur du beurteilen. Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu deiner Schwiegertochter, ich würde niemals zu meiner Schwiegermutter ziehen wollen. Deinen Mann Gute Besserung!
Du solltest dir vielleicht folgende Fragen stellen:

  1. Wie gut hat sich deine Schwiegertochter die ganze Sache überlegt?
  2. Habt ihr genügend Platz?
  3. Wie ist dein Bauchgefühl dabei?
    Wenn du diese Fragen schon einigermaßen positiv beurteilst, dann solltet ihr eine Art Familienrat abhalten, wo jeder seine Erwartungen und Voraussetzungen klar auf den Tisch legt. Bloss nichts überstürzen! Denn wenn sich jemand hinterher bei einem solchen Arrangement ausgenutzt oder übervorteilt oder überfordert fühlt, kommt es zum Krach. Also vorher miteinander reden!

Alles Gute für dich und deine Familie,

Gruß, Sigrid

Hi,

früher war vielleicht nicht alles besser aber mit Sicherheit war es oft der Fall, dass mehrere Generationen unter einem Dach gelebt haben und sich die Jungen um die Alten gekümmert haben.

Heute halte ich persönlich es nicht mehr für zwingend erforderlich. Die Mobilität ist größer und ein paar Kilometer sind heute keine Entfernung mehr. Insofern würde ich es auch von der jetzigen Distanz abhängig machen und vielleicht lieber eine „Pendler – Lösung“ in betracht ziehen, so dass nachmittags – abends jeder wieder seine Familie für sich hat.

Das ihr es aber bei euch zum Gesprächsthema macht finde ich wirklich klasse, zeugt es doch von einer Intakten Familie.

Viel Glück und viele Grüsse
Me

Hallo!

Alles Gute deiner Familie!

Ich muss dir leider sagen, dass ich in meinem Bekanntenkreis eher schlechte Erfahrungen mit alt und jung unter einem Dach gemacht habe. Gerademal bei den Eltern meines Freundes leben Alt und Jung zusammen ohne sich zu fetzen. Bei allen anderen die ich kenne (einige denn ich wohne am land), ist es schief gegangen und sie streiten sich.

Ich denke der einzige Weg, dass so etwas funktionieren kann, es kann auch sehr sehr schön sein, da jeder etwas davon hat, ist, sich über alle dinge auszusprechen,auch die unangenehmen.

Wie wird es finanziell ablaufen? Wer bezahlt Essen und andere allgemeine Güter? Wer putzt was wann und wie genau möchte man es haben? Blos ned zulassen, dass man sich über so etwas zu streiten anfängt. Wer mäht den Rasen? Wer kocht und wäscht ab? Wer schläft wo? Wie laut darf es sein? Welche Regeln gibt es in deinem Heim die du beibehalten willst, welche lockerst du? Überleg dir, dass wenn jmd. zu dir zieht, dieser jmd. andere Vorstellungen von Sauberkeit hat, einen anderen Kochstil, vl. deine Töpfe mal woanders einräumt, lauter Musik hört, Kinder toben, das Telefon andauernd klingelt etc. das musst du alles aushalten können, ohne dich jedesmal zu ärgern. Dafür bist du natürlich nicht allein mit deinem Mann sondern hast Gesellschaft. Sogar mit Kindern.

Ich wünsche dir alles alles Gute und hoffe dass es bei euch, solltest du dich für einen Einzug entscheiden, alles gut geht. Aber bitte sprich wirklich vorher alle Punkte an die Thema werden könnten.

Halt uns auf dem Laufenden

Karin

Hallo erstmal,

es kann funktionieren (und zwar oft auch sehr gut), es kann aber auch furchtbar in die Hose gehen. Letzteres passiert regelmäßig dann, wenn man die gegenseitige Erwartungshaltung nicht offen ausgesprochen hat, und die Grenzen nicht einvernehmlich definiert sind. Hierbei muss man auch akzeptieren, dass immer mal wieder versucht wird, von der einen oder anderen Seite diese Grenzen in Frage zu stellen, und man dann auch hierüber offen sprechen muss, ob man einer Neudefinition zustimmt oder nicht. Die hierfür notwendige Offenheit ist nicht jedem gegeben, und das Zusammenleben erwachsener Menschen, die sich mal als Eltern/Kinder gegenüber gestanden haben, hat ein ganz eigenes Konfliktpotential, dem man sich stellen muss. D.h. man sollte sich nicht einer Friede-Freude-Eierkuchen-Illusion hingeben, sondern es sollte allen Beteiligten klar sein, dass es hier und da mal Konflikte geben wird, die man dann lösen muss.

Grundvoraussetzung sollte natürlich immer sein, dass auch in einem gemeinsamen Haus beide Parteien ihren klar abgegrenzten eigenen Wohnbereich haben, der auch nicht von der anderen Seite ohne konkreten Anlass und Aufforderung verletzt werden darf. D.h. Chancen hat die Sache eigentlich nur, wenn zwei getrennte Wohnungen im Haus vorhanden sind bzw. baulich eingerichtet werden können. Es muss klar sein, wer Eigentümer ist (nach Möglichkeit Teilung nach WEG mit getrennten Eigentümern), oder ob es einen Eigentümer und einen Mieter geben soll. D.h. die Rechte und Pflichten an der Immobilie sollte man immer auf eine klare rechtliche Grundlage stellen. Übernimmt die junge Generation einen Teil als Eigentum, dann ist sie Eigentümer mit allen Rechten und Pflichten. Ist sie Mieter, ist sie eben Mieter, wie jeder andere Dritte als Mieter auch. Garantie für großen Streit sind „offene Regelungen“ in Bezug auf die Immobilie bei denen die eine Seite nach Gutsherrenart Vorgaben machen kann, und die andere sich zu fügen hat, wie ich dies oft erlebe.

Weiterhin sollte das grundsätzliche Zusammenleben ein Getrenntleben sein. D.h. wenn nicht unvermeidbar kauft jeder für sich ein, kocht, isst und wäscht seine Wäsche für sich, … Auch dies vermeidet Konfliktpotential. Das schließt nicht aus, dass man auch mal gemeinsam am Tisch sitzt, der ständige gemeinsame Mittags- und Abendbrottisch klappt aber nur in den wenigsten Fällen, weil die Mahlzeiten auch Zeit für ganz private Gespräche sind. Insbesondere nach dem Abendessen sollte es kein grundsätzliches Gemeinschaftsprogramm geben, dies gilt auch für Wochenenden und Ferien. Wohnungstüren sollten grundsätzlich geschlossen sein, um zu signalisieren, dass es der private Bereich ist, den man nur nach Aufforderung betritt.

Wenn Pflegebedürftigkeit hinzu kommt, muss klar entschieden werden, ob es nur um eine potentielle Anwesenheit und Unterstützung gehen soll (wenn man gerade da ist und Gelegenheit hat), oder ob hier Dinge fest vereinbart werden sollen (für die es dann auch eine klar definierte Gegenleistung geben muss). Sonst ist auch hier Ärger vorprogrammiert.

Das klingt jetzt vielleicht alles etwas hart und kalt, ist aber das Ergebnis umfassender „Fallstudien“ aus dem Mandantenkreis und der eigenen Familie. Von den ganzen „wir haben uns alle so lieb“ Geschichten, schaffen es nur ganz wenige, längerfristig gedeihlich mit einander auszukommen. Bei den klar definierten Fällen sieht dies deutlich besser aus, weil jeder ganz genau weiß, worauf er sich einlässt und was von ihm erwartet wird.

Gruß vom Wiz, der schon zwei Pflegefälle im Haushalt hinter sich hat, und dies auch jederzeit wieder machen würde, wenn die Sache klar geregelt ist

Hallo Christina,

wenn jeder etwas Rücksicht auf den anderen nimmt, passen jung und alt prima zusammen.

Ich finde es eine wunderbare Idee von Ihrer Tochter, sich um Ihren Mann zu kümmern. Eine wichtige Voraussetzung ist natürlich, dass die Enkel versorgt sind. Wer kümmert sich um sie, wenn sie krank sind. Denn Ihre Schwiegertochter ist in erster Linie Mutter. Es ist wichtig, vorher alle Eventualitäten abzusprechen und auch einen „Notfallplan“ zu erstellen, nach dem im Bedarfsfall gehandelt werden kann.

Wenn dies alles berücksichtigt wird, steht dem Zusammenziehen mit Sicherheit nichts mehr im Wege.

Lieben Gruß,

Wassernixe

Passt Alt und Jung zusammen?

Christina

Hi Christina,

Wenn du mal die Augen aufmachst und dir die Welt anschaust, wirst du oft feststellen, dass das sehr gut zusammenpasst. In vielen Ländern der Welt gibt es keine Rente (naja, hier ja bald auch nicht mehr…) dort werden die Eltern grundsätzlich von den Kindern versorgt, und hier war es ja früher genau so.

Ich bin damit aufgewachsen, dass Großmutter, Urgroßmutter etc. immer unter einem Dach lebten (bei den Männern war das weniger ein Problem, bis auf meinen Opa mütterlicherseits sind sie entweder im Krieg gefallen oder früh gestorben (weil sie entsprechend älter als die Frauen waren).
Geklappt hat das oft immer, auch wenn es für die jüngeren natürlich mit der Zeit anstrengend war.
Familie hält zusammen.

Man muss nur tolerant sein und Rücksichtnehmen, wenn sich mehrere Generationen unter einem Dach befinden, das gilt aber für beide Seiten.
Ihr müsst aber damit rechnen dass es mit den Enkeln wieder sehr hektisch zugehen wird, das ist für viele Menschen höheren Alters ein Problem.

Ich habe bisher nur dann negative Erfahrungen gemacht und mitangesehen wenn die Schwiegermutter zur Schwiegertochter stand… Schwiegermutter/ Schwiegersohn oder Schwiegervater/Schwiegertochter waren nie ein Problem.
Ich glaube aber eher, dass das was mit der persönlichen Sturheit zu tun hat… die richtigen Drachen im Alter waren auch schon in jungen Jahren nicht die nettesten Menschen.

Wenn du dich also bisher gut mit ihr verstehst (und das denke ich mal, wenn sie so ein Angebot macht) dürften kaum Probleme aufkommen :smile:

lg
Kate

Mein Mann wird evtl. Ende Juli, Anfang August nach einer Reha
nach Hause entlassen. Er hatte eine Gehirnblutung,
rechtsseitig gelähmt (kann aber wieder ein laufen und sich
auch betun). Ich weiß nun nicht, ob ich ihn nach Abschluss der
Reha fast den ganzen Tag allein lassen kann. Die Pflege kommt
ja auch nur mal vorbeischauen. (Denke ich, ich hatte noch
keinen Kontakt).Pflegestufe ist beantragt.

Hallo,
wenn es nur eine körperliche Behinderung geblieben ist, warum solltest du nicht arbeiten gehen können?

Mein Paps ist sei 10 Jahren halbseitig gelähmt, kann auch wieder laufen und ist auch den ganzen Tag allein.
Da meine Eltern auf dem Dorf leben, nimmt er sehr rege am Vereinsleben teil, ist teilweise Vorsitzender ect.

Solange dein Mann geistig keine grösseren Beeinträchtigungen hat, warum sollte man ihn behandeln wie ein Baby?
Er muss weiterhin gefördert und gefordert werden, sonst wird sich sein Zustand nicht weiter bessern, vielleicht sogar verschlechtern…

grüsse
dragonkidd