Hallo erstmal,
es kann funktionieren (und zwar oft auch sehr gut), es kann aber auch furchtbar in die Hose gehen. Letzteres passiert regelmäßig dann, wenn man die gegenseitige Erwartungshaltung nicht offen ausgesprochen hat, und die Grenzen nicht einvernehmlich definiert sind. Hierbei muss man auch akzeptieren, dass immer mal wieder versucht wird, von der einen oder anderen Seite diese Grenzen in Frage zu stellen, und man dann auch hierüber offen sprechen muss, ob man einer Neudefinition zustimmt oder nicht. Die hierfür notwendige Offenheit ist nicht jedem gegeben, und das Zusammenleben erwachsener Menschen, die sich mal als Eltern/Kinder gegenüber gestanden haben, hat ein ganz eigenes Konfliktpotential, dem man sich stellen muss. D.h. man sollte sich nicht einer Friede-Freude-Eierkuchen-Illusion hingeben, sondern es sollte allen Beteiligten klar sein, dass es hier und da mal Konflikte geben wird, die man dann lösen muss.
Grundvoraussetzung sollte natürlich immer sein, dass auch in einem gemeinsamen Haus beide Parteien ihren klar abgegrenzten eigenen Wohnbereich haben, der auch nicht von der anderen Seite ohne konkreten Anlass und Aufforderung verletzt werden darf. D.h. Chancen hat die Sache eigentlich nur, wenn zwei getrennte Wohnungen im Haus vorhanden sind bzw. baulich eingerichtet werden können. Es muss klar sein, wer Eigentümer ist (nach Möglichkeit Teilung nach WEG mit getrennten Eigentümern), oder ob es einen Eigentümer und einen Mieter geben soll. D.h. die Rechte und Pflichten an der Immobilie sollte man immer auf eine klare rechtliche Grundlage stellen. Übernimmt die junge Generation einen Teil als Eigentum, dann ist sie Eigentümer mit allen Rechten und Pflichten. Ist sie Mieter, ist sie eben Mieter, wie jeder andere Dritte als Mieter auch. Garantie für großen Streit sind „offene Regelungen“ in Bezug auf die Immobilie bei denen die eine Seite nach Gutsherrenart Vorgaben machen kann, und die andere sich zu fügen hat, wie ich dies oft erlebe.
Weiterhin sollte das grundsätzliche Zusammenleben ein Getrenntleben sein. D.h. wenn nicht unvermeidbar kauft jeder für sich ein, kocht, isst und wäscht seine Wäsche für sich, … Auch dies vermeidet Konfliktpotential. Das schließt nicht aus, dass man auch mal gemeinsam am Tisch sitzt, der ständige gemeinsame Mittags- und Abendbrottisch klappt aber nur in den wenigsten Fällen, weil die Mahlzeiten auch Zeit für ganz private Gespräche sind. Insbesondere nach dem Abendessen sollte es kein grundsätzliches Gemeinschaftsprogramm geben, dies gilt auch für Wochenenden und Ferien. Wohnungstüren sollten grundsätzlich geschlossen sein, um zu signalisieren, dass es der private Bereich ist, den man nur nach Aufforderung betritt.
Wenn Pflegebedürftigkeit hinzu kommt, muss klar entschieden werden, ob es nur um eine potentielle Anwesenheit und Unterstützung gehen soll (wenn man gerade da ist und Gelegenheit hat), oder ob hier Dinge fest vereinbart werden sollen (für die es dann auch eine klar definierte Gegenleistung geben muss). Sonst ist auch hier Ärger vorprogrammiert.
Das klingt jetzt vielleicht alles etwas hart und kalt, ist aber das Ergebnis umfassender „Fallstudien“ aus dem Mandantenkreis und der eigenen Familie. Von den ganzen „wir haben uns alle so lieb“ Geschichten, schaffen es nur ganz wenige, längerfristig gedeihlich mit einander auszukommen. Bei den klar definierten Fällen sieht dies deutlich besser aus, weil jeder ganz genau weiß, worauf er sich einlässt und was von ihm erwartet wird.
Gruß vom Wiz, der schon zwei Pflegefälle im Haushalt hinter sich hat, und dies auch jederzeit wieder machen würde, wenn die Sache klar geregelt ist