Hallo!
Es ist auch nicht witzig, aber es ist zumutbar mit der Realität konfrontiert zu werden.
Ja und dann kommt noch das Problem der Strafprävention: Leute, die sexuell missbrauchen, wachen ja nicht irgendwann mal auf und sagen: heute bin ich mal böse und missbrauche eine Minderjährige, sondern so jemand ist einfach auf die eine oder andere Art geistesgestört, selbst wenn das jetzt nicht heißt, dass er schuldunfähig und frei von Verantwortung ist.
Da sag ich schon mal gern auch allgemein was dazu:
Gerade beim sexuellen Missbrauch verläuft ja die Debatte auf eine grausige Art und Weise - eine merkwürdige Zusammenrottung aus rechter Phrasendrescherei, politischem Populismus, Boulevarprimitivpresse und radikalen Feministinninninnen - und gemeinsam auf geistigem Primitivniveau werden dann Emotionen geschürt. Das wichtigste ist aber, dass man schon genau wissen muss, was passiert ist. Was hat der Täter gemacht, wo hat er denn wann hingegriffen und wie hat er dann genau noch zugeschlagen? Gaaanz wichtig ist, dass das möglichst im Detail breitgetreten wird, schließlich muss man ja genau wissen und es sich im Detail vorstellen können, worüber man sich so empört! Wen interessiert schon Natasch Kampusch, eigentlich niemanden, aber wie war das jetzt? Hat sie nun Sex mit ihrem Entführer gehabt oder nicht? Immerhin war sie ja jung, hübsch, unerfahren… da könnte doch… aber wirklich eine furchtbare Geschichte, wir brauchen mehr Strafen! - am besten bestrafen wir in der Öffentlichkeit, also zunächst wird öffentlich verlesen, was er genau getan hat und wie das war und dann eine öffentliche Strafe damit er sieht, wie unanständig das ist und was sich unter den anständigen Menschen gehört - mich kotzt das mehr an, als ein Priklopil, der ein Mädchen entführt hat, weil er nicht alle Tassen im Schrank hat, so tragisch das Einzelschicksal auch ist.
Wenn wir Menschen, die solche geistige Probleme haben und den Trieb zum Missbrauch verspüren nicht von vorneherein ausgrenzen würden, hätten sie eher die Möglichkeit, bevor etwas passiert, sich (z.B. einem Arzt gegenüber) zu outen und man könnte etwas machen. Nicht jeder mit solchen Problemen lebt seinen Drang auch aus. Das würde viel eher sexuellen Missbrauch verhindern, als zunächst zu warten bis was passiert, sich dann zu empören und dann nach der Strafe zu schreien.
Gruß
Tom