Hallo Forum,
vor einiger Zeit begegnete mir hier die These, das Deutsche habe ursprünglich nur Präsens und Präteritum gekannt, alle anderen Zeitformen seien als Latinismen importiert wurden.
Ich fand das zwar seltsam, aber da auch der Link auf einen Artikel darüber beigefügt war, in jenem aber durchaus nachvollziehbare Argumente angeführt wurden, nahm ich dies dann eben hin.
Nun kommen mir aber doch Zweifel, und zwar wegen der unregelmäßigen Vergangenheitspartizipien: Wenn Perfekt und Plusquamperfekt importiert sind, woher kommen dann Formen wie „gegessen“, „geklungen“ usw., die gar nichts mit anderen Formen desselben Verbs zu tun haben? Die müssen doch älter sein als Lateinübersetzungen.
Die Möglichkeiten, die mir einfielen, sind:
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Attributiver Gebrauch: das von mir gegessene Brötchen; der nur kurz geklungene Ton.
Problem: Kommt heute in dem Maße nicht mehr vor, und es ist mir im Deutschen auch noch nie (bewusst) begegnet; im Litauischen geht so etwas allemal. -
Passiv oder zumindest Zustandspassiv ist nicht importiert, sondern originär deutsch: Das Brötchen wurde / ist gegessen.
Problem: Spätestens bei „geklungen“ funktioniert das nicht mehr, weil „klingen“ unergativisch ist. Auch hier gilt: Im Litauischen geht’s, und ich hab auch schon von einem deutsch-baltisch-russischen Sprachbund gelesen (der mir allerdings etwas hanebüchen erscheint und mit Beispielen belegt wurde, die fürs Litauische schlicht falsch waren).
Meine Fragen also: Ist die These der importierten Tempora weitgehend anerkannt?
Was spricht dafür?
Wie lässt sich die Existenz unregelmäßiger Vergangenheitspartizipien erklären?
Und gab es im süddeutschen Sprachraum tatsächlich mal ein Präteritum „es schnie“ oder so ähnlich (oder gibt es das jetzt noch irgendwo), wo doch das Perfekt „es hat geschnien“ (mit der jeweils ortsspezifischen Aussprache) lautet?
Liebe Grüße
Immo