Hallo zusammen,
gibt es Studien, die die Auswirkungen der Geburtsform (Kaiserschnitt, künstlich eingeleitete Geburt, normale Geburt) auf das Lern-Lehr-Verhalten, auf die Entwicklungspyschologie der Kinder untersucht haben?
Gruss
Matthias
Hallo zusammen,
gibt es Studien, die die Auswirkungen der Geburtsform (Kaiserschnitt, künstlich eingeleitete Geburt, normale Geburt) auf das Lern-Lehr-Verhalten, auf die Entwicklungspyschologie der Kinder untersucht haben?
Gruss
Matthias
hi Matthias,
ich kenne keine Studie die das untersucht…aber mir ist beim lesen Deiner Frage folgendes durch den Kopf gegangen…
Kaiserschnitt oder eingeleitete Geburt haben meist eine Ursuche…
also zum Beispiel Entwicklungsverzögerung des Kindes im Mutterleib, Zwillingsschwangerschaft, geburtsunmögliche Position des Kindes, usw uws.
Ich frage mich deshalb ob man die Geburtsform dann überhaupt als Faktor für die Entwicklung „einrechnen“ darf…bzw. ob es nicht interessanter ist, wie die Schwangerschaft verlief und warum das Kind nicht auf konventionellem Weg geboren wurde.
just my 5 cents
viele Grüße
Susanne
Hallo,
es existieren massenhaft Studien, die sich mit Frühgeburten auseinandersetzen, mit vorgeburtlichen Schäden oder Schäden, die während des Geburtsvorgangs auftreten. Es ist dabei zu bedenken, dass in bestimmten Fällen eingeleitete Geburten oder Kaiserschnitte aus medizinischen Gründen vorgenommen werden, das Kind ggf. vorgeschädigt ist. Bei Kaiserschnitten findet sich allerdings die Tendenz, dass sie auf Wunsch ohne medizinische Indikation vorgenommen werden.
Perinatale Medikation der Mutter (während der Geburt des Kindes) z.B. zur Verminderung von Schmerzen, zur Einleitung von Kaiserschnitten, beeinflusst die Sauerstoffaufnahme des Kindes und kann zu Atemschwierigkeiten vor und während des Geburtsvorgangs führen. Da die Filtermechanismen der kindlichen Physiologie noch nicht ausgereift sind, gelangen die Medikamente ggf. bis in das Hirn und bewirken dort die gleiche Wirkung wie bei der Mutter. Die Neugeborenen werden dadurch leichter irritierbar, haben einen höheren Muskeltonus und sind weniger aufmerksam. Es gilt allerdings, dass nicht jedes Kind gleichartig auf die Medikation anspricht, vermutlich führt hier das Vorliegen weiterer Risikofaktoren in Zusammenwirkung mit der Medikation zu den genannten Effekten. Weitere Untersuchungen beziehen sich vor allem auf Sauerstoffmangeleffekte und Geburtsstress der Mutter, die wohl das dopaminerge System betreffen können und als ein Risikofaktor für Schizophrenie gelten.
Von der Mutter vermehrt unter Stress ausgeschüttetem Adrenalin und Cortisol kann vor und während der Geburt das Kind schädigen. Besonders vorgeburtlicher Stress führt zu vermehrten Fehlgeburten, Frühgeburten und verlängerten Geburtszeiten. Die betroffenen Kinder sind hyperaktiv, leicht ablenkbar und haben Verdauungs-, Schlaf- und Esstörungen; weiter wird im Tiermodell von höherer Schmerzempfindlichkeit gesprochen. Zu weiteren Risikofaktoren hier zu schreiben, ist aufgrund des Umfanges hier nicht möglich.
Frühgeburten haben allgemein ein größeres Risiko unter Geburtsschäden zu leiden; wenn die Entwicklung allerdings normal verläuft, dann ist dies so, als wenn sie zu dem normalen Geburtstermin geboren wären. Die Kindesentwicklung ist daher nicht von dem Zeitpunkt der tatsächlichen Geburt abhängig, sondern vom so genannten Gestationsalter, dem Alter ab Beginn des letzten Menstruationszyklusses der Mutter. In Bezug auf Lernverhalten zeigt eine aktuelle Studie von Heathcock und Kollegen, dass Frühgeborene in einer motorischen Lernaufgabe zum Kurzzeitgedächtnis (es wird eine motorische Reaktion zur Bewältigung der Aufgabe benötigt) versagen, während Normalgeborene diese Aufgabe bewältigen. Dies könnte mit der mangelnden körperlichen Koordiantion zusammenhängen, die bei der Frühgeborenen noch nicht ausgereift ist und auch mit Gedächtnisschwächen.
Im Tiermodell finden sich im großen Ausmaß Untersuchungen zu dem Thema. Bei Untersuchungen mit Vergleichen zu vaginal geborenen Ratten vs. Kaiserschnittgeborenen und Kaiserschnittgeborenen mit Sauerstoffunterversorgung bei der Geburt zeigten letztere eine verminderte Fluchtreaktion bei Gefahr, aber es existieren auch Studien mit berichteter Hyperaktivität.
Insgesamt würde ich Dir empfehlen, Dich mit der einschlägigen Literatur zur Entwicklungspsychologie vertraut zu machen, da hier der Platz für genauere Beantwortungen nicht ausreicht. Dennoch hoffe ich, ich konnte Dir einen kleinen Überblick verschaffen.
Viele Grüße
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Hallo,
auf den Zusammenhang der Geburtsform und prä-, peri- und postnatalen Belastungen (u.a. Geburtsform, Einsatz von Anästhetika bei der Geburt, Sauerstoffmangel) wurde bereits hingewiesen. Zu den Folgen dieser Belastungen auf das Kind gibt es eine Reihe von Studien. Rauh faßt die Befunde wie folgt zusammen:
„Das überwiegende und übereinstimmende Ergebnis dieser Untersuchungen besagt, daß - außer bei sehr wenigen Kindern mit frühzeitig und eindeutig nachweisbaren Hirnschädigungen - weder das Ausmaß der Frühgeburtlichkeit, noch das Geburtsgewicht, noch die Schwere der perinatalen Komplikationen, noch das pädiatrische Untersuchungsergebnis bei der Entlassung aus dem Krankenhaus, jeweils für sich genommen, irgendeine Prognose auf den Entwicklungsstand etwa mit fünf Jahren erlauben, selbst wenn sie sich im ersten Jahr noch als Krankheitsanfälligkeit und Entwicklungsverzögerung bemerkbar machen sollten. Eine Massierung biologischer Risiken allerdings kann sich in Häufungen von Verhaltensproblemen sowie Leistungsproblemen im perzeptuell-motorischen, kognitiven und sprachlichen Bereich auswirken, und zwar v.a. in Belastungssituationen (z.B. bei Prüfungsleistungen in der Schule). Dabei scheinen, langfristig gesehen, die pränatalen Probleme bedeutsamere Prädiktoren zu sein als die akuten peri- und postnatalen Komplikationen“ (Rauh, H., Frühe Kindheit, S. 181; in Oerter & Montada, Entwicklungspsychologie, Beltz: Psychologie Verlags Union, 1998).
Grüße,
Oliver Walter